Was passiert, wenn sich zwei fahrradbegeisterte Ingenieure in einem Porsche Entwicklungszentrum kennenlernen und dann beschließen, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Natürlich entsteht ein Produkt, das feinsten Maschinenbau mit hervorragender Funktionalität verbindet: das Pinion Getriebe. Die Gründer hatten es sich zum Ziel gesetzt, eine wartungs-, verschleiß- und verlustfreie Fahrradschaltung nach Automobil-Standards zu entwerfen. Wie ihnen das gelungen ist und ob die schicken Getriebeboxen zu dir und deinem Einsatzzweck passen, erfährst du hier.
Allgemeines zur Pinion Schaltung
Was genau ist eine Pinion Schaltung? Bei Pinion handelt es sich um ein Getriebe, das im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten nicht in der Nabe, sondern direkt an der Kurbel arbeitet. Es ist also ein Zentralgetriebe, das für einen tiefen Schwerpunkt des Fahrrads sorgt. Im Inneren ist ein Stirngetriebe verbaut, das mittels zweier Teilgetriebe die verschiedenen Gänge realisiert. Die Konstruktion ist mitunter recht komplex.
Interessierte können sich das Getriebe auf der Pinion Homepage als interaktive Explosionszeichnung ansehen, was es sehr anschaulich macht. Die Technologie im Inneren ist natürlich komplett gedichtet und nach außen hin abgeschlossen, weshalb der Antrieb nahezu wartungsfrei funktioniert. Außerdem sind die Pinion Getriebe für einen hohen Wirkungsgrad und die herausragende Konstruktionsqualität bekannt. Vermutlich hat kaum ein anderes Produkt aus der Fahrradwelt das Label „Made in Germany“ mehr verdient.
Die Kraftübertragung zum Hinterrad ist dabei nicht nur per Kette, sondern auch per Antriebsriemen möglich. Das kann die wartungsfreie Dauerhaltbarkeit nochmals deutlich erhöhen.
Für wen eignet sich ein Pinion Getriebe?
Die traurige Nachricht zuerst: Da das Pinion Getriebe quasi das Tretlagergehäuse ersetzt, benötigt es einen speziell gefertigten Rahmen mit passender Aufnahme. Nachrüsten, wie es bei Rohloff oder NuVinci Getriebenaben möglich ist, fällt bei Pinion leider flach. Daher muss man sich schon beim Kauf für eine Pinion entscheiden.
Durch die hochwertige und gedichtete Konstruktion machen Pinion Getriebe immer dann Sinn, wenn hohe Belastungen warten. Das kann durch das Fahren bei schlechtem Wetter passieren (z.B. Pendler) oder einfach nur, weil du extrem viele Kilometer abspulen willst, beispielsweise auf einer Weltreise.
Allgemein ist ein Pinion Getriebe aber für alle Arten von Fahrrad bestens geeignet - egal ob am Reiserad, City-Bike, Trekkingrad, E-Bike oder sogar Mountainbike (selbst bis zum Enduro). Wenn du die Wartung einer Kettenschaltung also lästig findest, du einfach sorgenfrei viele tausend Kilometer pedalieren willst und dir ein nachhaltiges, lokal produziertes Produkt wichtig ist, dann passt ein Pinion Getriebe perfekt zu dir.
Wie wird eine Pinion Schaltung bedient?
Momentan funktionieren die Pinion Getriebe lediglich mit einem Drehschaltgriff. Manche sehen das als die beste und komfortabelste Schaltmöglichkeit, während es andere als unpraktisch und schwer zu bedienen empfinden. Hier empfiehlt es sich, selbst einmal Hand anzulegen.
Die verschiedenen Getriebemodelle bieten zwischen sechs und achtzehn überschneidungsfreie Gänge an. Dabei ist die Anzahl der Gänge von der Anzahl der Zahnräder auf den Teilgetrieben abhängig. Mehr Gänge bedeuten also auch eine schwerere Getriebebox. Zwischen den Gängen kann zwar nicht unter Last, dafür aber im Stand und natürlich im Rollen hin- und hergeschaltet werden. Die Handhabung und Bedienung ist also kinderleicht und benötigt kein spezielles Wissen, da die Schaltung in der Regel nicht nachgestellt werden muss. Daher kannst du dich auf dauerhaft knackige Schaltvorgänge freuen.
Vorteile eines Pinion Getriebes
- Enorme Übersetzungsbandbreite von bis zu 636%
- Alle Gänge sind überschneidungsfrei
- Tiefe, zentrale Montage des Getriebes sorgt für einen tiefen Schwerpunkt
- Per Drehschaltgriff lassen sich mehrere Gänge auf einmal schalten
- Die nach außen hin gedichtete Konstruktion macht das Getriebe quasi wartungsfrei
- Schalten im Stand und im Rollen möglich
- Handhabung und Bedienung ist kinderleicht
- Geringe Folgekosten durch wenig Wartung
- Verwendung eines wartungsarmen Antriebsriemens möglich
- Wirkungsgrad höher als bei Kettenschaltungen
- Funktioniert auch bei schlammigen Bedingungen ohne Effizienzverlust
- Kombinierbar mit Elektro-Nabenmotoren
- Die Verwendung eines Nabenmotors schont die Getriebemechanik, wodurch diese langsamer verschleißt
Nachteile eines Pinion Getriebes
- Höheres Gewicht als andere Schaltungen (z.B. Kettenschaltung)
- Hohe Anschaffungskosten
- Nachrüsten ist nicht möglich, da eine spezielle Aufnahme am Rahmen benötigt wird
- Funktioniert nur mit einem Drehschaltgriff, was manche Fahrer als unangenehm empfinden
Welche Varianten gibt es?
Die Produktpalette von Pinion umfasst aktuell zwei Modellreihen: die P-Linie und die C-Linie. Letztere ist das neuste Modell, das kleiner, leichter und preiswerter geworden ist. Hier kann man zwischen Versionen mit sechs, neun und zwölf Gängen wählen. Die P-Serie bietet hingegen eine Getriebebox mit satten 18 Gängen und 636% Übersetzungsbandbreite. Drei weitere Modelle mit jeweils zwölf oder neun Gängen runden das Portfolio ab.
P-Linie
| P1.18 | P1.12 | P1.9XR | P1.9CR | |
|---|---|---|---|---|
| Gangzahl | 18 | 12 | 9 | 9 |
| Übersetzungsbandbreite | 636% | 600% | 568% | 364% |
| Abstufung | 11,5 | 17,7 | 24,3 | 17,5 |
| Übersetzung kleinster Gang | 1,82 | 1,82 | 1,82 | 1,82 |
| Übersetzung größter Gang | 0,29 | 0,3 | 0,32 | 0,36 |
| Gewicht | 2700g | 2350g | 2200g | 2200g |
C-Linie
| C1.12 | C1.9XR | C1.6 | |
|---|---|---|---|
| Gangzahl | 12 | 9 | 6 |
| Übersetzungsbandbreite | 600% | 568% | 295% |
| Abstufung | 17,7% | 24,3% | 24,3% |
| Übersetzung kleinster Gang | 1,82 | 1,82 | 1,82 |
| Übersetzung größter Gang | 0,3 | 0,32 | 0,32 |
| Gewicht | 2100g | 2000g | 1800g |
Das Pinion Getriebe am E-Bike
Natürlich hat auch Pinion das E-Bike im Auge behalten und daher eine Lösung parat. Allerdings gehen die findigen Ingenieure einen etwas anderen Weg als die Konkurrenz. Bei Pinion wird die Muskelkraft nämlich ins Getriebe eingeleitet und von dort an den Elektromotor in der Hinterradnabe weitergegeben. Erst hier erfolgt die Verstärkung der übersetzten Tretkraft.
Beim herkömmlichen Elektrorad wirken Tretkraft und Motorkraft kombiniert auf das Getriebe ein. Der Ansatz von Pinion bietet jedoch gleich zwei Vorteile: Zum einen wird die Mechanik im Getriebe geschont, da weniger Kraft auf die Zahnräder einwirkt, und zum anderen können so die Gänge viel feinfühliger und kontrollierter gewechselt werden. Der Mensch schaltet nämlich trotz aller hochentwickelter Sensorik immer noch am besten - zumindest am Fahrrad.
Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine im Vergleich
Mit Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine gibt es unterschiedliche Getriebeschaltungen für das Fahrrad. Wie die einzelnen Hersteller im Vergleich abschneiden, kannst du in der folgenden Gegenüberstellung nachlesen.
| Pinion | Rohloff | Enviolo NuVinci | Alfine | |
|---|---|---|---|---|
| Max. Übersetzung | 636% | 526% | 380% | 307% - 409% |
| Max. Gangzahl | 18 | 14 | Stufenlose Gänge | 8 oder 11 |
| Garantie | Fünf Jahre bei Einhaltung der Wartungsintervalle | Zwei Jahre | Zwei Jahre | Zwei Jahre |
| Gewicht | Ca. 1700g | Ca. 2450g | Ca. 1700g | |
| Nachrüstbarkeit | Benötigt speziellen Rahmen | Kann durch individuelle Konfiguration mit fast jedem Rahmen verwendet werden | Kompatibel mit 135x10mm Ausfallenden | Passt in jeden Rahmen mit einem Hinterbau mit den Maßen 10x135mm. Das ist quasi jeder Trekking- oder Citybike-Rahmen |
| Verwendung im E-Bike | Funktioniert mit Nabenmotoren. Kein automatisches Schalten möglich. Getriebe kommuniziert auch nicht mit der Elektronik des Motors/Displays. | Funktioniert mit Mittelmotoren. In Kombination mit Bosch Motoren wird die Nabenschaltung intelligent integriert. Empfohlene Gangwechsel werden angezeigt, im Stand wird automatisch auf einen leichten Gang zum Anfahren geschalten uvm. | Funktioniert mit Mittelmotoren. Man kann die bevorzugte Trittfrequenz einstellen, die dann durch automatische Schaltvorgänge immer konstant gehalten wird. | Funktioniert mit Mittelmotoren. In Verbindung mit dem Shimano Steps Motor kann auch automatisch geschaltet werden. |
| Wartung | Fast wartungsfrei. Lediglich alle 10.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen. | Fast wartungsfrei. Lediglich alle 5.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen. | Wartungsfrei | Wartungsfrei, gelegentlich müssen Schaltzüge an der mechanischen Version nachgestellt werden |
| Schaltgriff | Drehschaltgriff | Im Stand, Rollen Drehschaltgriff | „Rapid Fire“ Daumenschalthebel, in der elektronischen Version Schaltknopf am Lenker oder Rennrad Brems-Schalteinheit | |
| Schaltvorgang | Im Stand oder Rollen und unter Teillast. In schnellere Gänge unter Volllast. | Im Stand, Rollen und unter Teillast. | Im Stand, Rollen und unter Last | Im Stand, Rollen und unter Last |
| Wirkungsgrad | Da nur zwei Getriebestufen vorhanden sind, ist ein Pinion Getriebe effizienter als eine Kettenschaltung. Der Wirkungsgrad liegt aber etwas unterhalb einer Rohloff | Bietet den höchsten Wirkungsgrad aller Nabenschaltungen | Durch die erhöhte Reibung ergibt sich gegenüber einer Kettenschaltung ein leichter Leistungsverlust | Etwas geringer als Rohloff Speedhub |
| Anschaffungskosten | Fahrräder samt Pinion Getriebe fangen aktuell bei ca. 2.500 € an. Seit 2019 auch für den Endverbraucher ab 649€ bis 1.499€ erhältlich. | Ca. 1000 € | Ca. 350-400 € | Ab 150€ für die 8-fach Nabe ohne Zubehör, ca. 300€ für die 11-fach Variante |
Pinion MGU E1.12
MGU steht für Motor-Gearbox-Unit - Motor-Getriebe-Einheit auf deutsch, daher bei uns kurz: die MGU. Die herausragende Kompetenz des Pinion-Antriebs liegt im integrierten Schaltgetriebe. Anstelle einer defekt- und verschleißanfälligen Kettenschaltung finden die Gangwechsel geschützt im Inneren des im Folgenden kurz die MGU genannten Antriebsblocks statt. Weniger Defekte, weniger Wartung, Schalten im Stillstand und ideale Gewichtsverteilung sind die großen Vorteile. Wie sich das Komplettsystem schlägt und welche Vor- und Nachteile es bietet, lest ihr hier in unserem ausführlichen Artikel zur Pinion MGU.
Doch in diesem Testartikel soll es um den Motor der MGU gehen. Kann er leistungstechnisch mit der Konkurrenz mithalten? Und wie ist der Antriebscharakter des Aggregats?
Die Fakten zur Pinion MGU E1.12
- Gewicht: 4,1 Kilo (inkl. 12Gang-Schaltgetriebe)
- Akkugrößen: 962 Wh (4,7 kg) oder 720 Wh (3,7 kg)
- Optional: Range-Extender mit 535 Wh
- Fahrstufen: Eco, Flow, Flex, Fly
- Leistungsdaten (max.) aus dem Labor: 80 Newtonmeter, 552/642 Watt
- Integriertes Schaltgetriebe: 12 Gänge, 600 % Bandbreite
- Systemupdates nur beim Händler möglich
Der Charakter des Motors der Pinion MGU E1.12
Das Fahrgefühl ist kraftvoll dynamisch und mit der neuesten Software auch im höchsten Modus nicht unangenehm ruppig. Seine hohe Kraft versucht der Motor aber nicht zu verstecken. Das Ein- und Ausfaden geschieht recht geschmeidig und direkt, das gefällt.
Im technischen Uphill gibt es Kritik für den fehlenden Nachlauf. So nennt man das leichte Nachschieben des Motors, wenn der Fahrer schon nicht mehr tritt. In technischem Anstiegen hilft das, das Bike über Stufen und größere Hindernisse noch besser hinweg zu schieben. Auch das späte Einsetzen des Motors beim Anfahren ist am Berg ein Nachteil. Dafür brilliert die Schiebehilfe. Mit dem enormen internen Drehmoment durch das im Motor integrierte Getriebe fällt sie kräftiger aus, als bei allen anderen Prüflingen. Zudem lässt sich die Geschwindigkeit beim Schieben anpassen. Einfach über den elektronischen Schalthebel. Das ist richtig hilfreich.
Optional kann die Schiebehilfe bei Pinion übrigens auch zum Anfahren genutzt werden. Einfach aufsitzen, Schiebehilfe betätigen und selbst mitpedalieren, sobald die Situation es zulässt. Prinzipiell eine spannende Idee, ob einem das Feature in der Praxis beim Anfahren wirklich nutzt, erlebten unsere Tester aber unterschiedlich.
Bei der Geräuschkulisse liegen laut und leise nah beieinander. Durch das integrierte Getriebe unterscheidet sich das Antriebsgeräusch je nach Gang enorm. Im fünften Gang gehört die MGU zu den leisesten Powermotoren. Hier tönt sie deutlich leiser als Bosch und Shimano. Die Berggänge vier (insbesondere!) bis eins jaulen deutlich lauter als alle anderen Prüflinge im Vergleich. Das bemängeln die meisten Tester. Schade. Denn gerade bei langsamer Fahrt im Anstieg fällt ein aufdringliches Motorengeräusch störend auf, da hier weniger Fahrtwind und dafür mehr Zeit zum Quatschen und entspannen ist. Bergab wendet sich das Blatt, denn hier klappert nichts im Motor. Das gilt mit dem Antriebsriemen umso mehr, denn auch dieser ist deutlich leiser als ein Kettenantrieb. Gegenüber den Platzhirschen von Bosch und Shimano ein klarer Vorteil.
Die Kraftentfaltung der Pinion MGU E1.12
Powertechnisch braucht sich der kraftvolle Antrieb nicht zu verstecken. Drehmoment und Leistung liegen voll auf einer Höhe mit den stärksten Powermotoren. Auffällig gut: Auch bei sehr hohen Trittfrequenzen zieht die MGU voll durch. Durch das interne Getriebe unterscheidet sich die Kraftentfaltung von Gang zu Gang etwas. In unserem Labortest lieferte der vierte Gang nochmal deutlich mehr Schub als Gang 5. Hier liegt der Spitzenwert deutlich über Bosch und Shimano.
Hohes Drehmoment, hohe Spitzenleistung: Die MGU ist ein echtes Kraftpaket, das auch bei sehr hohen Kadenzen voll mitzieht. Im vierten Gang gibt's hier sogar absolute Topwerte.
Über weite Strecken liegt die Leistungskurve der Pinion MGU nahezu deckungsgleich mit Boschs Performance CX. Das Maximum liegt aber schon bei etwas niedrigerer Kadenz an. In Gang vier zieht der Pinion-Motor bei schnellem Tritt extrem kraftvoll durch und erreicht absolute Spitzenwerte.
Display & Remote
Bei den Displays und Remotes bedient sich Pinion an den Komponenten von FIT. Die Parts kennt man bereits von einigen E-Bikes von Flyer und Bulls. Für die Anzeige gibt es diverse Lösungen vom schlanken LED-Panel namens Master Node LED im Oberrohr, bis zum wirklich großen Screen, der zentral vor dem Lenker prangt. Am E-MTB kommt am meisten das FIT Remote Display als Kombi aus kleinem Screen und Bedienelement direkt am Griff zum Einsatz.
Die Akkus für die Pinion MGU E1.12
Von 480 bis 960 Wattstunden haben die FIT-Akkus eine große Bandbreite. Das Gewicht der Batterien ist gut. Optional gibt's bei einigen Modellen einen großen Range-Extender (535 Wh, 2,9 kg) fürs Rahmendreieck. Die Reichweite der MGU mit den FIT-Akkus liegt aktuell etwas unter dem Niveau anderer Antriebe mit ähnlicher Kapazität.
Einen Bug in der Software des Batterie-Management-Systems offenbarte unser Praxistest mit dem Bulls Vuca Evo AM. Mit leerem Akku war kein Schalten der Gänge mehr möglich. Ein No Go, sollte einem auf Tour tatsächlich mal der Saft ausgehen. Pinion arbeitet laut eigener Aussage aktuell an der Lösung dieses Problems.
App & Connectivity
Wer gerne viele Informationen im Blick hat, kann sein Smartphone über die FIT E-Bike Control App als erweitertes Display nutzen. Im Drive Screen werden Infos wie die gewählte Unterstützungsstufe, die Geschwindigkeit, der eingelegte Gang und eine prognostizierte Reichweite angezeigt.
Außerdem können über die App FIT E-Bike Control die vier Unterstützungsstufen feineingestellt werden. Dafür stehen jeweils die drei Parameter Unterstützung, Drehmoment und Dynamik zur Verfügung. Für Updates der Systemkomponenten müssen Pinion-Fahrer aktuell allerdings den Händler aufsuchen. Over the air Updates via Smartphone, wie sie die meisten anderen Motorsysteme bieten, gibt´s bei Pinion noch nicht.
Weiteres Feature der App sind Navigationsfunktionen und ein digitaler Schlüssel. Dabei dient das Handy optional als Sperre für die Motorunterstützung. Nur mit verbundener App kann das MGU-System gestartet werden.
EMTB Bewertung des Motors Pinion MGU E1.12
- Stärken:
- Kraftvoller Schub und Durchzug
- Super Schiebehilfe
- Integrierte Schaltung, Schalten im Stillstand möglich
- Leise in hohen Gängen
- Schwächen:
- Schwerer als klassische Systeme
- Sehr laut am Berg
- Kein Nachlauf
- Teils unharmonische Schaltsprünge (Gang 4 auf 5 und 8 auf 9)
Fazit zum Motor der Pinion MGU E1.12
Der Antrieb mit integrierter Zwölffach-Schaltung ist per se eine Revolution. Isoliert betrachtet, kann der Motor mit viel Power und guter Modulation überzeugen. In manchen Gängen sehr laut, in anderen angenehm leise. In Summe schwerer als klassische Systeme.
Statements von Herstellern
Da ich hier aber nicht nur Vermutungen anstellen möchte, habe ich insgesamt acht Hersteller von Gravelbikes mit Pinion-Antrieb angeschrieben und sie nach den Gründen und Erfahrungen befragt: M83 Manufaktur, vsf Fahrradmanufaktur, Tout Terrain, Rotor Bikes, Böttcher, Veloheld, Falkenjagd und Kocmo. Von den angefragten Unternehmen haben vier geantwortet: M83 Manufaktur, Rotor Bikes, Tout Terrain und Veloheld.
Ein zentraler Vorteil ist die Kombination mit einem Riemenantrieb, die im Vergleich zur klassischen Kettenschaltung deutlich verschleißärmer und pflegeleichter ist. Auch im Vergleich zur Rohloff-Nabenschaltung punktet nach Aussagen der angefragten Hersteller das Pinion-Getriebe durch seine zentrale, tiefe Position im Rahmen, was zu einer ausgewogeneren Gewichtsverteilung führt. Ein weiterer Punkt ist die Vielfalt an Übersetzungen: Pinion bietet verschiedene Gangstufen-Optionen, was den Einsatzbereich erweitert.
“Wir setzen bewusst auf die Pinion Smart Shift mit 12 Gängen, weil sie elektronische Schaltpräzision mit der Wartungsarmut und Langlebigkeit eines gekapselten Getriebes vereint. Gegenüber Rohloff überzeugt sie durch ein ausgereiftes, integriertes Schalt-Interface speziell für Dropbar-Lenker - ohne Bastellösungen oder Zwischenadapter.
“Das Pinion-Gravelbike wurde für Fahrerinnen und Fahrer entwickelt, die maximale Zuverlässigkeit, minimalen Wartungsaufwand und moderne Technik suchen - egal ob für tägliches Pendeln, Bikepacking-Abenteuer oder anspruchsvolle Touren bei jedem Wetter.
“Für denjenigen der sich keine Gedanken um das “Drum Herum” machen möchte - auf Rad setzen, losfahren, Spaßhaben, in den Keller stellen, repeat.
Gleichzeitig stellen die hohen Kräfte in niedrigen Gängen sowie die präzise Ausrichtung der Getriebebrücken besondere Ansprüche an die Konstruktion.
“Wir haben uns damals eine Besonderheit ausgedacht: Die Tout Terrain TBA (=Triangle Belt Adjustment) Getriebebrücke. Das Pinion Getriebe wird hier an den mittleren Montagepunkten aufgehängt, während die vorderen und hinteren Montagepunkte über Verstell-Profile am Rahmen befestigt werden. Die Riemen- oder Kettenspannung wird also über ein Kippen des Getriebes (wie bei einem Exzenter-Tretlager) eingestellt. Das gibt mehrere Vorteile: Das Ausfallende kann simpel gehalten und über mehrere Rahmenplattformen eingesetzt werden.
“Die Integration des Getriebes an sich lässt sich sehr gut lösen. Vor allem dadurch, dass wir viele Lösungen selbst angehen und bauen können. Schwieriger ist die Integration des Schaltmechanismus in die STIs.
Hier verwiesen die Hersteller darauf, dass das Pinion-Getriebe zentral und tief im Rahmen sitzt und damit für einen niedrigen Schwerpunkt sorgt und so die Balance des Rads verbessert. Besonders auf längeren Touren und im Gelände fühlt sich das Rad dadurch ruhig, satt und kontrolliert an.
“Da das Getriebe zentral, tief im Rahmen sitzt, wirkt es sich kaum auf das Fahrverhalten aus. Der tiefe Schwerpunkt bringt im Gelände eher Vorteile mit sich - Draufsetzten und wohlfühlen :).
Allerdings bringt das System auch ein höheres Gesamtgewicht mit sich - etwa 3 kg mehr im Vergleich zu einem klassischen Kettensystem.
“Allerdings macht sich das Gewicht auf ruppigeren Trails bemerkbar: Das Rad wirkt weniger leichtfüßig bei schnellen Lupfern oder beim Umsetzen in technischen Passagen. Zudem verlangt das Pinion-Getriebe in Kombination mit einem Riemenantrieb längere Kettenstreben - das sorgt zwar für mehr Laufruhe und Komfort, mindert aber etwas die Wendigkeit.
Die klare Präferenz unter den Herstellern ist der Riemenantrieb.
“Bei uns werden nur Riemenräder verkauft. Immer wenn wir die Option der Kette angeboten haben, hat sich niemand dafür interessiert. In der Praxis zeigt sich: Kundinnen und Kunden entscheiden sich fast ausschließlich für Riemenräder. Sobald beide Optionen angeboten werden, fällt die Wahl nahezu immer auf den Riemen. Auf Wunsch können auch Kettenantriebe realisiert werden, z. B. für sportlich orientierte Fahrerinnen und Fahrer mit speziellen Anforderungen.
Voraussetzung für die hohe Lebensdauer ist der jährlich empfohlene Ölwechsel - ansonsten erfordert das System kaum Pflege.
“Die dem Verschleiß unterliegenden Antriebskomponenten müssen natürlich irgendwann getauscht werden, wobei hier erfahrungsgemäß der Riemenantrieb eine 2-3 mal so hohe Laufleistung erreichen kann wie ein Kettenantrieb. Hier gibt es aber auch Unterschiede bei den Einzelkomponenten: Riemenscheiben aus Alu (nur für vorne verfügbar) verschleißen natürlich schneller als solche aus Stahl oder Edelstahl, sparen dagegen Gewicht. Beim Riemen selbst gibt es für Pinion nur die höchste Qualitätsstufe “CDX”.
“Es wird ein fester Bestandteil unseren Produktportfolios bleiben und voraussichtlich weiter ausgebaut werden.
“Wir wollen neben dem Tourenrad (dessen Rahmen bisher auch für das Gravelbike genutzt wurde) auch ein Gravelbike und Mountainbike anbieten.
“Pinion ist fester Bestandteil in unserem Produktportfolio und das gilt für alle Kategorien. Wir sind langjährige Partner und die Markenwerte passen sehr gut zueinander.
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