Die Entwicklung im Bereich der Rennrad-Reifen ist enorm. Vor wenigen Jahrzehnten fuhren Top-Radprofis noch auf 19 Millimeter schmalen Schlauchreifen. Heute ist die Auswahl riesig, was die Entscheidung vor einem Kauf nicht einfacher macht: Tubeless oder mit Schlauch, welche Breite (23, 25, 28, 30 oder 32 Millimeter), welches Profil und Modell, und welcher Reifendruck sind optimal? Dieser Artikel liefert Antworten, basierend auf Zahlen, Studien, Erfahrungen und Testergebnissen.
Wichtige Faktoren bei der Reifenwahl
Pannenschutz, Komfort, Rollwiderstand und Grip sind entscheidende Faktoren bei der Wahl des richtigen Rennradreifens. Selbst 25 Millimeter breite Reifen haben nur eine geringe Kontaktfläche zum Asphalt, sind aber wesentlich für die Fahrqualität verantwortlich. Es gilt, Fragen wie Rollwiderstand, Pannenschutz und Grip bei Trockenheit und Nässe zu berücksichtigen.
RennRad-Magazin-Test: 21 Modelle im Vergleich
Das RennRad-Magazin hat 21 Modelle getestet - zwölf Clincher- und neun Tubeless-Reifen. Bis auf wenige Ausnahmen waren die Testmodelle 25 Millimeter breit, was der an modernen Rennrädern üblichen Dimension entspricht. 23 Millimeter breite Reifen sind kaum noch zu finden, besonders nicht an neuen, werksseitig montierten Modellen.
Breitere Reifen: Vorteile und Eigenschaften
Ein breiterer Reifen hat bei gleichem Luftdruck in der Regel einen geringeren Rollwiderstand als ein schmaler. Die Bodenkontaktfläche ist ausgeglichener, wodurch weniger Walkarbeit entsteht, was den Widerstand verringern kann. Zudem verringert sich die Kontaktfläche bei seitlicher Neigung weniger stark, was mehr Grip in Kurven bringt. Bei geringerem Luftdruck rollt der Reifen leichter über potenzielle Pannenquellen hinweg.
Clincher-Reifen mit Schlauch
Der klassische Clincher-Reifen mit Schlauch ist für viele Radsportler weiterhin die einfachste und alltagstauglichste Lösung. Schwalbe bietet beispielsweise mit dem Modell Aerothan einen Schlauch, der weniger als 50 Gramm wiegt und einen besseren Pannenschutz als ein Butyl-Modell bietet. Klassische Schlauchreifen, die direkt auf die Felgen geklebt werden, kommen in diesem Test nicht vor, sind aber bei Pannen weniger anfällig für das Abspringen von der Felge.
Tubeless-Systeme: Die Revolution im Reifenbereich
Tubeless-Systeme, bei denen der Reifen ohne Schlauch mit einer abdichtenden Sealant-Milch auf der Felge montiert wird, haben sich im Mountainbike- und Gravel-Bereich bereits durchgesetzt. Gerade bei breiten Reifen und niedrigen Luftdrücken funktioniert das System besonders gut. Im Offroad-Bereich sind Dämpfungskomfort, Traktion und Pannenschutz besonders vorteilhaft, aber auch auf der Straße profitiert man von diesen Vorteilen.
Auch hier lässt sich der Luftdruck deutlich senken, was hinsichtlich Fahrkomfort und Rolleffizienz zu großen Verbesserungen führen kann. Die Gefahr von Durchschlägen auf die Felge entfällt. Die in vielen Fällen sehr geringen Rollwiderstands-Werte bei den Tubeless-Reifen sind in diesem Test auffällig. Die Erfahrung zeigt, dass das Tubeless-System auch für den Einsatz am Rennrad große Fortschritte macht. Montageprobleme oder entweichende Luft werden immer seltener, da viele Felgen und Reifen miteinander kompatibel, einfacher zu montieren, luftdichter und sicherer sind.
Je geringer der Luftdruck, desto größer sind die Tubeless-Vorteile. Auch das spricht für den vermehrten Einsatz von 28 Millimeter breiten Reifen. Der Komfortgewinn und damit die Möglichkeit der bestmöglichen Ausdauer-Performance ist hoch, wobei die Abstriche hinsichtlich des Rollwiderstandes nach aktuellen Erkenntnissen gering sind.
Schwalbe vs. Continental: Ein Vergleich
Es gibt auch unter den Top-Allroundern für unterschiedliche Fahrertypen und deren Ansprüche unterschiedlich gut geeignete Reifenmodelle. Dennoch ragen einige Modelle heraus. Der Grand Prix 5000 von Continental überzeugt unter den Clincher-Modellen besonders - sowohl durch seine Laborwerte beim Rollwiderstand und beim Pannenschutz als auch durch die Praxiseindrücke zum Grip und zum Abrollverhalten. Dieses Allround-Top-Niveau erreicht ansonsten nur der Pro One von Schwalbe. Auffällig: Auch die jeweils günstigeren Allwetter-Trainings-Modelle, der Continental GP 4 Seasons und der Schwalbe One Plus, überzeugen. Dennoch kann sich für viele ambitionierte Fahrer bei vielen Modellen der Aufpreis für ein Top-Modell lohnen.
Ein besonders gutes Preis-Leistungsverhältnis, und sehr viel Grip, bietet etwa der sehr gut abschneidende Goodyear Eagle F1. Im Tubeless-Sektor ragt ein Modell heraus: Der in der Praxis sehr geschmeidig rollende Pro One TLE von Schwalbe ist der Beste in den Kategorien Gewicht und Rollwiderstand - und auch beim Pannenschutz vorne dabei.
Reifenbreite und Rollwiderstand
Mehrere Messungen zeigten: Breitere Reifen haben einen kürzeren Kontaktpunkt, was die Reibung reduziert. Sie können mit einem niedrigeren Druck gefahren werden, was Vibrationen absorbiert und die Muskulatur entlastet. In einem Test des Bicycle Rolling Resistance Lab erzielte ein 23 Millimeter breiter Continental-5000-Pneu bei einem Druck von 5,5 Bar einen Rollwiderstand von 10,2 Watt.
Die Rolle von Gummimischungen und Aerodynamik
Die Entwicklung moderner Gummimischungen ermöglicht eine Optimierung von Grip, Haltbarkeit und Rollwiderstand. Reifen wie der Vittoria Corsa Speed verwenden Graphenpartikel, um eine extrem hohe Flexibilität bei gleichzeitig geringer Abnutzung zu gewährleisten. Laut einer Studie von AeroCoach beeinflussen bereits geringe Unterschiede in der Reifenbreite den Luftwiderstand. 23 Millimeter breite Pneus schneiden hier aerodynamisch besser ab als breitere Modelle, da sie eine geringere Stirnfläche bieten.
Pannenschutz und Reifendruck
Moderne Rennradreifen bieten spezielle Schutzschichten aus Materialien wie Kevlar, Vectran, PU, Aramid et cetera. In mehrere Tests schnitt der Continental Gatorskin als einer der besten Reifen im Bereich Pannensicherheit ab. Auch der Schwalbe Durano Plus überzeugt durch seine doppelte Gummischicht, die das Risiko von Durchstichen minimiert. Im Durchschnitt erhöht ein Reifendruck von 1 bar über dem empfohlenen Druck den Rollwiderstand um 0,5 bis 1 Watt.
Tubeless vs. Drahtreifen: Ein Vergleich
Tubeless-Reifen verzichten auf einen separaten Schlauch und werden direkt luftdicht auf die Felge montiert. Draht- beziehungsweise Clincherreifen hingegen benötigen einen separaten Schlauch. In Labortests zeigte sich, dass Tubeless-Systeme auf glatten Oberflächen tendenziell niedrigere Rollwiderstände bieten. Dies wird durch den direkten Kontakt des Reifens mit der Felge und den geringeren Innendruckverlust erreicht. Studien ergaben, dass Tubeless-Reifen im Durchschnitt um 1 bis 2 Watt weniger Rollwiderstand aufweisen als vergleichbare Drahtreifen mit Schläuchen. Besonders bei breiteren Modellen profitieren Tubeless-Systeme durch den niedrigeren Druck von erhöhter Effizienz und Komfort.
Im Mittel sparen Tubeless- oftmals rund 30 bis 60 Gramm gegenüber Drahtreifen mit Standard-Schläuchen.
Revolutionäre Entwicklungen: Schwalbe Aerothan
Eine Revolution des Rennradreifenmarktes könnte von Schwalbe kommen: gänzlich neue superleichte Pneus aus Aerothan- beziehungsweis kevlarähnlichem Material. Das Ergebnis: 164 Gramm pro Reifen, was einer Gewichtsersparnis von fast 300 Gramm gegenüber „normalen“ Pneus entspräche. Laut Schwalbe sollen auch der Rollwiderstand, der Grip und der Pannenschutz auf Top-Niveau sein.
Messergebnisse und Tipps zur Reifenwahl
Die Wahl zwischen Tubeless und Drahtreifen hängt von den spezifischen Anforderungen und dem individuellen Fahrverhalten ab.
Tabelle: Vergleich von Rollwiderstand und Gewicht
| Reifenmodell | Reifenbreite | Rollwiderstand (Watt) | Gewicht (Gramm) |
|---|---|---|---|
| Continental Grand Prix 5000 | 25 mm | 9 | ca. 220 |
| Vittoria Corsa Pro Speed TLR | 28 mm | 5.6 | ca. 250 |
| Schwalbe Pro One TLE | 25 mm | k.A. | k.A. |
25 bis 30 Millimeter breite Reifenmodelle im Vergleichstest 2023
Der günstigste Reifen in diesem Testfeld stammt vom italienischen Hersteller Vittoria. Der Rubino Pro ist ein extrem robuster und haltbarer Ganzjahres-Trainingsreifen. Im Praxistest überzeugt vor allem der hohe Grip. Das Gewicht ist recht hoch, der Pannenschutz ist jedoch überzeugend. Ein solider Reifen mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis.Beim Pannenschutz liegt der Bontrager R3 insgesamt im Mittelfeld, beim Durchstichschutz ist der Reifen des US-Herstellers mit seiner speziellen Gummimischung vorne dabei. Der Rollwiderstand und das Gewicht sind auf einem soliden Niveau. Die Montage gelingt einfach.
Der Schwalbe One Plus ist der neueste Reifen in diesem Testfeld - und eine Besonderheit. Der Fokus liegt hier klar auf dem Pannenschutz, das Gewicht und der Rollwiderstand sind recht hoch. Gerade hinsichtlich des Testparameters Durchschlag ist der One Plus hingegen klarer Testsieger. Schwalbe verwendet für dieses Modell viel Material, gerade an der Lauffläche.
Der Corsa N.EXT wurde als erster Vittoria-Reifen mit einer Nylon-Karkasse - im Portfolio des Herstellers steht er als Allround-Reifen zwischen dem Rubino und dem Wettkampf-Reifen Corsa. Auffällig ist am N.EXT das sehr geringe Gewicht von 200 Gramm - ein Topwert auch im Vergleich zu teureren Reifen.
Der Eagle F1 gehört zu den leichtesten Reifen im Testfeld - und zu denen mit dem geringsten Rollwiderstand. In der Praxis sorgt die Graphen-Mischung für viel Grip. Der Pannenschutz ist im Vergleich mit dem Top-Wettkampfmodell Modell F1 Super Sport höher, aber in der Relation zum Testfeld noch nicht im Top-Bereich.
Der Schwalbe Pro One überzeugt in der Praxis mit viel Grip, einem hohen Komfort und einem geschmeidigen Fahrgefühl. Der Pannenschutz, speziell an den Seitenwänden, ist insgesamt im Spitzenbereich. Die Top-Reifen der deutschen Hersteller testeten wir in drei unterschiedlichen Reifenbreiten. Im Praxis-Test zeigt sich vor allem der Komfortgewinn des Pro One in 28 Millimetern Breite. Auch in dieser Variante überzeugt das Modell im Labor und in der Praxis voll: Der Kurvengrip ist auch bei Nässe sehr gut.
Der Pannenschutz des Pro One in 30 Millimetern Breite ist der Beste im Test der Wettkampf-Reifen. Die Abstriche beim Gewicht sind gegenüber den 25-Millimeter-Reifen mit 283 Gramm noch im grünen Bereich. Der Komfort-Gewinn ist hingegen klar spürbar, vor allem auf längeren Strecken und schlechteren Straßen.
Der Continental GP 4 Seasons ist der Ganzjahres-Trainingsreifen des deutschen Herstellers. Das Gewicht und der Rollwiderstand sind - naturgemäß - höher als bei den Wettkampfreifen, der Pannenschutz hingegen ist auf einem absoluten Top-Niveau.
Der Continental Grand Prix 5000 überzeugt in allen Testkriterien. Der Reifen erreicht einen Bestwert beim Rollwiderstand, der Pannenschutz ist in allen Bereichen mindestens solide und das Gewicht ist sehr gering. Alle diese Punkte sprechen für die aktuelle Version des Klassikers. Auch in 28 Millimetern Breite überzeugt der Grand Prix 5000 hinsichtlich nahezu aller Testkategorien. Das Gewicht ist auch in dieser Version noch auf einem Top-Niveau, der Komfortgewinn ist in der Praxis deutlich spürbar. Auch hinsichtlich des Pannenschutzes ist diese Version überzeugend: Der Durchstich an der Lauffläche erzielt hier Bestwerte.
Im Vergleich der 30-Millimeter-Reifen schneiden der Schwalbe Pro One und der Grand Prix 5000 sehr gut ab. Für den Conti sprechen im Praxistest der enorm hohe Kurvengrip unter allen Bedingungen. Der Komfort ist auch auf ruppigeren Untergründen hoch. Auch als Tubeless-Variante punktet der Eagle F1 mit ähnlichen Eigenschaften wie der Clincher: einem ausgeprägten Kurvengrip und einem geringen Gewicht.
Gravel-Reifen: Besonderheiten und Empfehlungen
Auf Schotterpisten ist die Tubeless-Technologie besonders empfehlenswert. Wer das Optimum aus seinem tubeless-fähigen Reifen herauskitzeln will, sollte auf einen Schlauch verzichten. Das Umrüsten auf tubeless-Reifen spart nicht nur ein paar Gramm Gewicht und reduziert den Rollwiderstand, sondern bietet auch Pannenschutz bei kleineren Löchern. Bei größeren Beschädigungen des Reifens helfen meistens Tubeless-Plugs, die einfach von außen in das vorhandene Loch gestopft werden.
Reifenbreite und Luftdruck
Wer schnell und komfortabel unterwegs sein will, sollte nicht nur die richtig Reifenbreite wählen, sondern auch seinen Luftdruck genau im Blick haben. Nur wer ausschließlich auf der Straße unterwegs ist, sollte tendenziell einen höheren Reifendruck um 2,5 bis 3,0 Bar wählen. Sobald Schotter und Trail-Einlagen mit dabei sind, muss der Luftdruck runter. Selbst im Mischbetrieb auf wechselnden Untergründen spart man mit einem niedrigeren Luftdruck mehr ein, als man auf der Straße mit einem höheren Druck gewinnen könnte.
Einfluss der Reifenbreite auf den Rollwiderstand
Bei identischem Reifenluftdruck ist die Reifenaufstandsfläche von schmalen und breiten Reifen zwar gleich groß, aber unterschiedlich lang. Aufgrund der kürzeren Fläche bei breiten Reifen rollen diese in der Theorie etwas leichter ab. Das Diagramm oben zeigt, dass der schmale 35er-Reifen über alle Luftdrücke schlechter als die breiteren Reifen rollt. 40er und 45er liegen sehr dicht zusammen.
Mit steigendem Luftdruck rollen Reifen leichter, solange sie auf ebenem Untergrund wie einer Straße rollen. Doch auch hier ist die Ersparnis ab einem gewissen Druck nur noch minimal. Dafür sinkt jedoch spürbar der Komfort. Im Gelände und bereits auf feinen Schotterwegen verhält es sich sogar andersherum. Hier sinkt der Rollwiderstand nämlich bei niedrigerem Luftdruck.
Komfort und Grip
Je niedriger der Reifendruck, desto mehr Federweg und Komfort. Diese Weisheit lässt sich nur bis zu einem gewissen Punkt anwenden. Wird der Luftdruck zu niedrig, steigt die Gefahr von Durchschlägen, und der Reifen wird zu instabil. Breite Reifen und ein Tubeless-Setup erlauben einen geringstmöglichen Reifendruck. Je nach Fahrergewicht sind bei 40er-Reifen so Drücke um 2 Bar möglich.
So breit wie möglich, mit so viel Luft wie nötig, lautet die Devise für Komfort, Grip und schnelles Rollen abseits der Straßen. Wer zu hohe Reifendrücke fährt, verschenkt wertvolles Potenzial.
Interview mit Peter Krischio, Produkt-Manager bei Schwalbe
- BIKE: Was zeichnet einen guten Gravel-Reifen aus?
- Peter Krischio: Für mich zeichnet sich ein guter Gravel-Reifen neben den gewohnten Eigenschaften wie geringer Rollwiderstand, guter Pannen- und Durchschlagschutz noch durch eine ausgewogene Kombi zwischen leisem Abrollverhalten auf der Straße als auch optimalem Grip im Gelände aus. Dort liegen für mich die Vorteile eines Gravelbikes. Schnell auf der Straße und dennoch voll offroad-tauglich.
- Gravel platziert sich zwischen Road und MTB. Aus welcher Sparte sind die Einflüsse bei der Entwicklung eines neuen Gravel-Reifens größer?
- Peter Krischio: Da ich auch schon länger für Schwalbe die Rennradreifen entwickle, kommen natürlich viele Anleihen aus dem Road-Bereich. So ist es auch nur logisch, dass unsere neue R-Line (G-One R und G-One RS) genau die Karkassenkonstruktionen des Rennradreifens Pro One erhalten haben. Im übrigen basieren auch die Superrace-Karkassen der MTB-Reifen darauf. Das Profil kommt dann eher vom Cyclocross. Die Profile aus dem MTB-Bereich funktionieren besser bei großvolumigen Reifen. Auch die Gummimischungen stammen aus dem Road-Bereich, da hier der Rollwiderstand eine große Rolle spielt.
- Sind breite Rennrad- bzw. schmale MTB-Reifen nicht die besseren Gravel-Reifen?
- Peter Krischio: Bei den breiten Rennradreifen fehlt es dann doch an Offroad-Grip. Bei den schmalen MTB-Reifen ist meist das Profil für die Straße schon zu offen.
- In vielen Punkten nähert sich das Gravel-Segment mehr und mehr dem MTB-Bereich an. Wird es in Zukunft noch breitere Reifen und Felgen geben?
- Peter Krischio: Komfort und Grip sind immer wichtig. Bei den Breiten wird es sich aber auf maximal 45 Millimeter einpendeln. Reifen über 50 Millimeter Breite nähern sich dann wieder zu stark dem MTB an. Das Fahrgefühl auf der Straße wird merklich zäher. Aerodynamik macht auch im Gravel-Einsatz Sinn. Tests haben gezeigt, dass 40er-Reifen den perfekten Kompromiss bieten. Bei der Felgenbreite wird es sich wahrscheinlich zwischen 25 bis 27 Millimetern einpendeln.
Die schnellsten Gravel-Reifen im Überblick
Aus einer Vielzahl von Gravel-Reifen wurden die fünf schnellsten Gummis herausgesucht:
- Challenge Getaway Pro: Ein sehr schneller Gravel-Reifen mit schwachem Profil, der annähernd auf dem Niveau eines Schwalbe G-One RS rollt.
- Continental Terra Speed: Ein Testsieger, der guten Grip mit sehr niedrigem Rollwiderstand vereint.
- Schwalbe G-One Overland: Ein Reifen für Pendler und Abenteurer mit hoher Laufleistung und gutem Pannenschutz.
- Schwalbe G-One RS: Ein Reifen, der auf maximalen Leichtlauf getrimmt ist und derzeit einer der schnellsten Gravel-Reifen auf dem Markt ist.
- Tufo Gravel Thundero: Ein Reifen mit zahmer Profilierung und geringem Rollwiderstand, der einer der leichtesten Reifen in 40 Millimetern Breite ist.
Fazit zum Gravelreifen-Test
Die besten Gravelreifen für gemischtes Terrain verfügen über wenig Profil und schnelle Gummimischungen. Damit sind auf hartem Untergrund phantastische Fahrleistungen dicht am Rennrad möglich. Aber auch ruppige Geländepassagen, für die man eventuell schon aufs Mountainbike wechseln möchte, lassen sich mit angepasster Geschwindigkeit noch bewältigen. In Sachen Leichtlauf und Abstimmung sind die Speed-Modelle von Conti und Schwalbe ganz vorne. Den Gesamt-Testsieg holt Continental mit dem Modell Terra Speed.
Test: 11 Gravel-Reifen für Schotter und Waldwege
Vielseitige Fahrräder benötigen vielseitige Reifen. Es wurden elf aktuelle Allround-Modelle in der Praxis und im Labor getestet.
Die Gewinner auf einen Blick
- Testsieger: Schwalbe G-One R Pro - Schnellster Reifen und starke Testwerte.
- Preis/Leistungssieger: Der leichtfüßige und mit top Durchstichswerten punktende Continental Terra Speed.
Es wurden die Allround-Modelle von elf Herstellern getestet. Mit 40 Millimetern Reifenbreite passen sie in nahezu jedes Gravelbike.
Ergebnisse der Reifen im Detail
- Challenge Getaway XP Handmade TLR: Bester Durchschlagschutz und stark in der Abwehr von Fremdkörpern. Geht sehr stramm auf die Felge, das Fahrgefühl ist etwas träge, im Matsch wird’s schnell rutschig. Auch der Komfort könnte besser sein.
- Continental Terra Speed: Leichtfüßig und schnell im Fahrverhalten, mit hohem Komfort und gutem Grip im Trockenen. Die geschmeidige Seitenwand bietet wenig Durchschlagschutz, dafür sind die Durchstichwerteund das Gewicht top.
- Goodyear Connector: Ausgewogener Fahreindruck mit viel Grip und gutem Komfort. Die Montage klappt problemlos, die Defektanfälligkeit ist bei den Mitbewerbern teils geringer. Langsamster Testreifen im Labor.
- Kenda Alluvium Pro GCT: Baut sehr breit und bietet so satte Kurvenlage mit gutem Grip und hohem Komfort. Die schwächsten Durchstichwerte im Test und der mäßige Rollwiderstand trüben den Eindruck jedoch etwas.
- Maxxis Rambler Silk Shield: Sehr einfache Montage und recht solide Defektabwehr. Rollt vergleichsweise langsam, bietet aber mit ruhiger, ausgewogener Kurvenlage viel Grip bei verschiedensten Bedingungen. Auch der Komfort gefällt.
- Michelin Power Gravel Competition: Viel Kontrolle, auch wenn der Fahrspaß bei manchem Mitbewerber höher ist. Hartes Fahrgefühl, die steife Karkasse schützt aber gut vor Durchschlägen. Übrige Laborwerte solide, die Montage braucht Kraft.
- Pirelli Cinturato Gravel M: Ist mit etwas Kraft gut aufzuziehen. Der Pirelli bietet vor allem auf weichen Böden Kurvengrip und Sicherheit. Der Komfort gefällt, genau wie der Rollwiderstand. Der Pannenschutz geht in Ordnung.
- Schwalbe G-One R Pro: Schnellster Gravel-Reifen im Test mit starken Durchstichwerten und einfacher Montage. Im Fahrgefühl sehr leichtfüßig und komfortabel, neigt auf nassem Boden jedoch schneller zum Rutschen. Testsieger!
- Specialized Tracer Pro 2Bliss: Rollt flott auf Asphalt und passt sich geschmeidig ans Gelände an. Besticht mit sicherer Kurvenlage und starken Laborwerten. Das hohe Gewicht kommt mit von der größeren Breite. Günstigster UVP.
- Vittoria Terreno T50 Mixed Gravel Endurance: Solide gegen Defekte und Durchschläge, zudem einfach zu montieren. Das Fahrverhalten ist komfortabel, aber auch träge. Zudem kippt der Vittoria bei Schräglage recht unvermittelt über die Schulter ab.
- Vredestein Aventura: Fahrspaßgarantie dank spritziger Beschleunigung, agilem Handling und gutem Grip. Die schmalen Abmaße begünstigen Rollwiderstand und Gewicht - auf Kosten des Durchschlagschutzes.
Fazit
Gravelbiker:innen bekommen vor allem mit Schwalbes neuem G-One R Pro und Contis Terra Speed tolle Allrounder. Die Wahl der richtigen Reifen für dein Gravel-Bike ist fundamental wichtig, die Optionen allerdings so vielfältig wie das Graveln selbst.
Die Welt der Gravel-Bikes ist im Wandel
Gravel-Racing mit superschnellen, aerodynamisch optimierten Bikes ist längst keine Seltenheit mehr. Trends aus dem Road-Segment finden hier immer öfter Anwendung. Am anderen Ende der Gravel-Bike-Kategorie rücken die Bikes dem Mountainbike immer mehr auf den Pelz: Federgabeln, absenkbare Sattelstützen und Mullet-Antrieb sind fast schon alltäglich. Bikes wie das Specialized Diverge STR setzen sogar auf eine Federung am Hinterrad. Andere Modelle wie YT Szepter und Mondraker Dusty sind speziell für den Offroad-Einsatz entwickelt worden.
Gravel ist nicht gleich Gravel, und das gilt auch für die Reifen. Unterschiedliche Einsatzzwecke, Untergründe und Vorlieben machen die Anforderungen an Gravel-Reifen so divers, dass ein herkömmlicher Reifenvergleichstest, mit einem einzigen Testsieger an der Spitze, nicht zielführend wäre.
Traktion, Bremsweg, Rollwiderstand, Pannenschutz
Traktion spielt eine entscheidende Rolle. Bremsweg - Wer später bremst, ist länger schnell. Rollwiderstand - Langer Tag im Sattel oder einfach auf Sekundenjagd? Auf Effizienz getrimmte Reifen sparen wertvolle Watt. Pannenschutz - Flicken, pumpen oder Bier trinken?
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