Gravelbikes erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, egal ob für Naturausflüge, Abenteuerreisen, Radsport oder den täglichen Weg zur Arbeit. Sie sind vielseitig einsetzbar. AUTO BILD hat zusammen mit BIKE BILD verschiedene Modelle in zwei Preiskategorien getestet: Gravelbikes bis zu 3.000 Euro und solche, die darüber liegen.
Gravelbikes, die Rennräder mit breiteren Reifen, gewinnen immer mehr Anhänger. In diesem Artikel erfahren Sie, was diese Fahrräder so faszinierend macht. Wir erklären die Unterschiede zwischen Gravelbikes, Cyclocross-Bikes und klassischen Rennrädern und beleuchten die wichtigsten Merkmale von Gravelbikes. Die detaillierten Tests der einzelnen Modelle finden Sie über den Link in der Vergleichstabelle am Ende dieses Artikels.
Testsieger & Preis-Leistungs-Sieger (2022/2023) Gravelbikes bis 3.000 Euro
Fazit: Canyon legt mit dem Grizl AL 7 bei den günstigen Gravelbikes die Benchmark. Die noch recht junge Gravel-Plattform aus Koblenz fährt nicht nur zum Testsieg (den sich das Grizl sich mit dem Scott Addict Gravel teilt), sondern sackt nebenbei auch noch das Prädikat "Preis-Leistungs-Sieger" ein. Aktuell gibt es kein besseres Gesamtpaket als Canyons Grizl in der Aluminiumvariante, das mit üppiger Reifenfreiheit, vielen Montagenpunkten und ausgewiesener Alltagstauglichkeit glänzt. Ohne Schutzbleche (die das Grizl zum Alltagsbegleiter machen) finden 50 Millimeter breite Reifen im Rahmen Platz. All das für nur 1.799 Euro - keine Frage, ein tolles Angebot für alle, die in die Gravelbike-Welt einsteigen wollen.
Testsieger (2022/2023) Gravelbikes bis 3.000 Euro
Fazit: Das Scott Addict Gravel 30 muss sich den Testsieg mit dem eintausend Euro günstigeren Canyon Grizl AL teilen. Beide Räder sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Das Addict Gravel bietet deutlich mehr Performance, nicht zuletzt durch den leichten und schicken Carbonrahmen. Es ist überdies mehr auf Sport und Racing ausgelegt, daher ist beim 9,3 Kilogramm leichten Gravelbike bei einer Reifenbreite von 45 Millimetern Schluss. Das hohe Maß an Integration wird Radfahrern, die großen Wert aufs Äußere legen, stark zusagen. Angesichts der hervorragenden Verarbeitung relativiert sich auch der im Vergleich zum Grizl AL hohe Preis von 2.799 Euro.
Gravelbikes bis 3.000 Euro: Wertung
Die Testergebnisse im Überblick: In dem Gravelbike-Test bis 3.000 Euro sind Auswahl und Vielfalt groß, fast schon unüberschaubar. Neben den Testsiegern, dem Vielseitigkeitsmeister Canyon Grizl und dem sportlichen Scott Addict, verdienen eigentlich alle Bikes eine Würdigung, weil Sie in einem Bereich herausragen.
Beispielhaft genannt seien hier das Specialized Diverge mit der herrlichen Vorbaudämpfung und der unglaublich guten Beschleunigung. Oder das VRX von Votec, das zwar jegliche Vielseitigkeitspunkte liegen lässt, dafür aber als günstiges Sportgerät an den Start geht, das erst gar nicht versucht, es allen recht zu machen. Dann noch das wunderbare Focus Atlas mit der kompletten Alltagsausstattung, das mit Sicherheit die Herzen aller erobern wird, die wirklich jede Strecke mit dem Rad zurücklegen, egal bei welchem Wetter. Oder das Salsa Warbird, seit Jahren ein Liebling der Abenteuer-Biker in der Redaktion.
An keinem der hier vorgestellten Gravelbikes konnten wir qualitative Schwächen feststellen. Die Rahmen, ob aus Alu oder Carbon, waren durch die Bank gut verarbeitet. Vorherrschende Schaltgruppe ist die wirklich sehr gute Shimano GRX 600 oder gleichwertige Mitbewerber. Kein Hersteller kam auf die Idee, billige No-name-Reifen zu verwenden, und nur sehr günstige Bikes kamen ohne Tubeless-ready-Option. Nur ein Gravelbike im Test verfügte nicht über hydraulische Scheibenbremsen; auch in puncto Bremsperformance bekommen Sie in dieser Preisklasse das bestmögliche System. Mit allen hier vorgestellten und für mindestens gut befundenen Bikes ist die Flucht aus dem Alltag eine große Freude.
Tabelle: Wertung Gravelbikes bis 3.000 Euro
| Hersteller | Modell | Preis | Reifenfreiheit | Übersetzung | Ausstattung | Vielseitigkeit | Gewicht | Fahrspaß | Design | Punkte | Note |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| BHC | Gravel X | 2.399 Euro | 7/10 | 7/10 | 6/10 | 6/10 | 7/10 | 8/10 | 8/10 | 49 | 2,2 (gut) |
| Canyon | Grizl AL 7 | 1.799 Euro | 10/10 | 10/10 | 8/10 | 10/10 | 7/10 | 9/10 | 9/10 | 63 | 1,4 (sehr gut) |
| Canyon | Grail AL 7 Etap | 2.199 Euro | 8/10 | 8/10 | 8/10 | 6/10 | 8/10 | 9/10 | 7/10 | 54 | 1,9 (gut) |
| Conway | GRV 10.0 | 2.799 Euro | 8/10 | 10/10 | 9/10 | 10/10 | 8/10 | 8/10 | 8/10 | 61 | 1,5 (gut) |
| Focus | Atlas 6.7 EQ | 1.899 Euro | 9/10 | 10/10 | 8/10 | 10/10 | 5/10 | 7/10 | 7/10 | 56 | 1,8 (gut) |
| Rose | Backroad AL | 2.399 Euro | 8/10 | 10/10 | 6/10 | 10/10 | 8/10 | 8/10 | 9/10 | 59 | 1,6 (gut) |
| Salsa | Warbird | 2.499 Euro | 8/10 | 7/10 | 3/10 | 10/10 | 7/10 | 10/10 | 8/10 | 53 | 2,0 (gut) |
| Scott | Addict Gravel 30 | 2.799 Euro | 8/10 | 10/10 | 8/10 | 10/10 | 8/10 | 9/10 | 10/10 | 63 | 1,4 (sehr gut) |
| Specialized | Diverge Comp E5 | 2.850 Euro | 9/10 | 9/10 | 7/10 | 8/10 | 8/10 | 10/10 | 9/10 | 60 | 1,6 (gut) |
| Votec | VRX | 1.999 Euro | 7/10 | 9/10 | 4/10 | 2/10 | 8/10 | 9/10 | 7/10 | 46 | 2,4 (gut) |
Testsieger (2022/2023) Gravelbikes ab 3.000 Euro
Fazit: Gehirnschmalz und Liebe zum Detail zahlen sich aus - so ist das Trek Checkpoint der König in der Königsklasse. Kein anderes Gravelbike fährt mehr Punkte ein, kein anderes Gravelbike nimmt im Premium-Segment die Hürde zum "Sehr gut". Wenn man überhaupt ein Haar in der Suppe finden will, mag es die Reifenbreite von "nur" 45 Millimetern sein. Das Checkpoint punktet vor allem in den Kategorien Vielseitig und Ausstattung. Im Unterrohr befindet sich zum Beispiel ein kleines Staufach für Werkzeug, aber das ist noch nicht alles. So verfügt der Rahmen außerdem über Treks Vibrationen schluckenden Isospeed-Dämpfer an der Verbindungsstelle von Oberrohr und Sattelstütze.
Preis-Leistungs-Sieger (2022/2023) Gravelbikes ab 3.000 Euro
Fazit: Stevens kennt sich mit Geländebikes aus, schließlich hat der Hamburger Fahrradhersteller eine lange Tradition im Cyclocross. Und endlich, mit dem Camino zeigen die Nordlichter, dass sie auch das Thema Gravel beherrschen. Mit nur 8,6 Kilogramm ist das Camino eines der leichtesten Gravelbikes im Test, entsprechend sportlich und leichtfüßig läuft es. Montagepunkte gibt es ausreichend, ebenso ist die Reifenfreiheit von 45 Millimetern einem Gravelbike angemessen. Das schlichte Design und die guten Ausstattungsmerkmale haben uns neben dem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt. Das Camino ist auch deswegen so gut, weil es keine Schwächen hat.
Gravelbikes ab 3.000 Euro: Wertung
Nach unserem Praxistest können wir festhalten: Die günstigen Gravelbikes haben schon wirklich viel Spaß gemacht, doch die Premiumbikes ab 3.000 Euro sind durch die Bank richtige Rennmaschinen. Das Santa Cruz Stigmata beispielsweise rollt auf Reifen und Laufrädern von Zipp, die jedes Watt Pedalleistung sofort in Vortrieb umsetzen; am aerodynamisch ausgeklügelten Storck Grix hat uns fasziniert, wie zackig das Bike trotz grober Stollenreifen von der Stelle kommt.
Es macht eben doch einen Unterschied, ob man auf 1500 Gramm leichten Carbonlaufrädern fährt oder auf robusten, günstigen Alufelgen. Carbonrahmen drücken nicht nur das Systemgewicht nach unten, sondern wirken sich auch aufgrund der besseren Dämpfungseigenschaften gegenüber Aluminium positiv auf den Fahrkomfort aus.
Dämpfung ist ohnehin einer der großen Trends im Gravelbereich: Treks Gravel- und EnduranceRennräder kommen mit Iso-Speed-System, ein Elastomer zwischen Sattelstütze und Rahmen, welches Stöße abdämpft. Das Cannondale Topstone hat mit dem Kingpin-System gar eine Hinterbauaufhängung ähnlich wie bei einem vollgefederten Mountainbike. Alle hier vorgestellten Bikes machen richtig Spaß und bieten viel Qualität fürs Geld. Deswegen sind wir überzeugt, auch wenn Sie für diese Gravelbikes tief ins Portemonnaie greifen müssen, werden Sie die Anschaffung nicht bereuen.
Tabelle: Wertung Gravelbikes ab 3.000 Euro
| Hersteller | Modell | Preis | Reifenfreiheit | Übersetzung | Ausstattung | Vielseitigkeit | Gewicht | Fahrspaß | Design | Punkte | Note |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| BHC | Gravel X Evo 3.5 | 3.999 Euro | 7/10 | 10/10 | 6/10 | 6/10 | 8/10 | 7/10 | 9/10 | 53 | 2,0 (gut) |
| Cannondale | Supersix Evo | 4.999 Euro | 8/10 | 9/10 | 8/10 | 2/10 | 9/10 | 10/10 | 9/10 | 55 | 1,9 (gut) |
| Cannondale | Topstone Carbon | 5.199 Euro | 8/10 | 9/10 | 8/10 | 2/10 | 9/10 | 8/10 | 7/10 | 51 | 2,1 (gut) |
| Canyon | Grizl CF SL 7 | 3.299 Euro | 8/10 | 10/10 | 7/10 | 8/10 | 8/10 | 8/10 | 8/10 | 57 | 1,7 (gut) |
| Officine Mattio | Santiago | 3.790 Euro | 9/10 | 10/10 | 4/10 | 4/10 | 8/10 | 8/10 | 9/10 | 52 | 2,0 (gut) |
| Rondo | Ruut X | 4.199 Euro | 8/10 | 5/10 | 6/10 | 6/10 | 9/10 | 8/10 | 8/10 | 50 | 2,1 (gut) |
| Salsa | Warroad | 4.999 Euro | 6/10 | 7/10 | 6/10 | 8/10 | 9/10 | 8/10 | 8/10 | 52 | 2,0 (gut) |
| Santa Cruz | Stigmata | 5.575 Euro | 8/10 | 10/10 | 8/10 | 4/10 | 9/10 | 10/10 | 8/10 | 57 | 1,7 (gut) |
| Specialized | S-Works Crux | 12.800 Euro | 9/10 | 10/10 | 8/10 | 2/10 | 10/10 | 10/10 | 9/10 | 58 | 1,7 (gut) |
| Stevens | Camino Pro | 3.099 Euro | 8/10 | 9/10 | 6/10 | 8/10 | 9/10 | 8/10 | 8/10 | 56 | 1,8 (gut) |
| Storck | Grix.2 | 5.699 Euro | 8/10 | 8/10 | 7/10 | 8/10 | 9/10 | 8/10 | 10/10 | 58 | 1,7 (gut) |
| Trek | Checkpoint SL 6 | 4.099 Euro | 8/10 | 10/10 | 9/10 | 10/10 | 8/10 | 8/10 | 10/10 | 63 | 1,4 (sehr gut) |
| Urwahn | Waldwiesel | 4.499 Euro | 7/10 | 8/10 | 4/10 | 3/10 | 7/10 | 8/10 | 10/10 | 47 | 2,3 (gut) |
So hat BIKE BILD die Gravelbikes getestet
In unseren Testbriefen gibt Ihnen die Kategorie Übersetzung einen guten Überblick, wie viele Gänge Ihnen am Berg zur Verfügung stehen. Ein Antrieb mit zwei Kettenblättern verdiente sich in unserem Vergleichstest Punkte in der Kategorie Vielseitigkeit (mehr Gänge gleich mehr Möglichkeiten). Deswegen haben wir beim Punkt Vielseitigkeit auch Schraubfassungen für Gepäckträger, Schutzbleche, Flaschenhalter und Zubehör bewertet, die Gravelbikern zusätzliche Befestigungsmöglichkeiten bieten.
Nicht zu verwechseln ist die Vielseitigkeit mit dem Punkt Ausstattung: Hierbei haben wir die Qualität der Schalt- und Bremskomponenten und das Vorhandensein von Schutzblechen und weiterer Alltagsausstattung bewertet sowie Kleinigkeiten wie die Möglichkeit, die Reifen für den Tubeless-Betrieb umzurüsten.
Apropos Reifen: Wir finden, je breitere Reifen Sie theoretisch montieren können, desto besser. Daher der Prüfpunkt Reifenfreiheit. 40-Millimeter-Reifen sind in unseren Augen nur das Mindestmaß für Gravelbikes und sollten von allen modernen Rahmen ermöglicht werden. Der Trend geht zu breiteren Pneus. Volle Punktzahl daher für alle, die sogar 50er-Schlappen in ihre Rahmen lassen. Nicht außen vorgelassen haben wir auch den Punkt Gewicht. Zwar ist es für Bikepacker nebensächlich, ob das voll beladene Rad 20 oder 20,5 Kilogramm wiegt, doch die hier vorgestellten Gravelbikes sind eben auch als Sportgeräte konzipiert.
Über alle diese theoretischen Werte lässt sich vortrefflich diskutieren, doch sie lassen noch keinen Rückschluss darauf zu, ob das Gravelbike gut oder schlecht fährt. Unser Test hat gezeigt, selbst schwere Bikes können richtig Laune machen. Auch mit vermeintlich günstigen 10-fach-Schaltgruppen gibt es tolle Bikes. Sogar das Rahmenmaterial, Aluminium oder Carbon, lässt noch keine Aussage zu, wie flott ein Gravelbike von der Stelle kommt. Den Eindruck unseres Testteams finden Sie daher im Punkt Fahrspaß.
Auch die letzte Kategorie unseres Gravelbike-Tests, das Design, ist keine unwesentliche. Schließlich sollte das Gravelbike nicht nur Ihnen gefallen, sondern es ist auch ein Statement, wenn nicht gar ein Lifestyle-Objekt. Klassische Rundrohre oder Aero-Shapes, knallige Farben oder dezenter Mattlack - alles ist vertreten.
Das wichtigste Merkmal von Gravelbikes sind in Abgrenzung zum Rennrad breite Reifen ab 35 Millimeter, oft mit Stollen für besseren Grip im Gelände versehen. Daher ist die Reifenbreite ein Prüfungspunkt im Testprotokoll von Gravelbikes.
Ob Wald, Schotter oder auch Asphalt: Gravelbikes geben auf vielen Untergründen eine Super-Figur ab und machen deswegen mächtig Laune.
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