Sind Sie es satt, sich dem mitunter gefährlichen Straßenverkehr auszusetzen? Sehnen Sie sich nach Fahrten in der Abgeschiedenheit? Wollen Sie sich vielleicht einfach nicht (mehr) auf das eine oder andere festlegen? Oder suchen Sie womöglich ein Zweitrad? Doch wenn Sie das Thema anspricht, lohnt ein genauer Blick auf die Bikes in einem großen Vergleichstest: Zu Preisen zwischen 1499 und 1999 Euro sind die Räder relativ günstig und können eine Alternative - oder Ergänzung - zum Straßenrenner darstellen.
Manche sind deutlicher als andere auf den Einsatz im Gelände ausgerichtet, andere mehr auf Asphalttouren getrimmt, wieder andere empfehlen sich für die epische Bikepacking-Tour, um den Abenteuerdurst zu stillen. Welches Rad sich wofür am besten eignet, enthüllen die folgenden Seiten. Nur so viel vorweg: Sie werden eine ganze Menge grundsolider und treuer Begleiter für Abenteuer und Sport kennenlernen.
Aluminiumrahmen dominieren das Testfeld
Angesichts des vorgegebenen Preisrahmens bis 2000 Euro rollen fast ausnahmslos Räder mit Aluminiumrahmen ins Testlabor. Zwar ist die Anschaffung eines Carbonrahmens inzwischen wesentlich günstiger als noch vor einigen Jahren, nahezu jedes wettkampftaugliche Straßenrad basiert auf dem Verbundwerkstoff. Allerdings ist die Weiterverarbeitung zu einem fertigen Rahmen weiterhin aufwendiger und kostenintensiver als die eines Chassis aus Alu.
Dessen Rohre werden in der Regel unter Druck in Form gebracht, dem sogenannten Hydroforming, und miteinander verschweißt. Dank der physikalischen Eigenschaften des Leichtmetalls ist es einfacher und günstiger, fahrstabile, verwindungssteife Konstruktionen auf die Reifen zu stellen.
Soll der Alu-Rahmen aber auch noch möglichst leicht sein, steigt der Aufwand wieder, und der Preisvorteil gegenüber Carbon schrumpft. Folglich behandeln fast alle namhaften Marken den Alu-Rahmenbau inzwischen eher stiefmütterlich und investieren kaum noch in Innovationen. Die günstigen Gravelbikes machen da keine Ausnahme.
Voluminöse Alu-Rohre machen die Rahmen fast durchweg unerschütterlich steif und fahrstabil - aber eben recht schwer. Mit durchschnittlich fast elf Kilogramm Gesamtgewicht treten die Schotterflitzer jedenfalls nicht in der Fliegengewichts-Klasse an, im Gegenteil: Die Räder werden insgesamt immer schwerer - was auch an der Gravelbike-Evolution liegt: Immer breitere Reifen, breitere Felgen, breitere Lenker und riesige Ritzel wiegen eben auch mehr.
Dass der langlebige Werkstoff Aluminium nicht zwangsläufig hohes Gewicht zur Folge haben muss, zeigt sich andererseits am Radon. Dessen Rahmen ist vergleichsweise filigran und zählt mit rund 1800 Gramm zu den leichteren Alu-Gestellen auf dem Markt. Das neue Specialized Crux DSW ist nach unserer Kenntnis das aktuell leichteste Alu-Gravelbike (Rahmen-Set 1530 Gramm, Gesamtgewicht 9,6 Kilogramm), dafür aber teurer (2700 Euro).
Neben den Rahmen-Sets haben die größtenteils einfachen Laufräder entscheidenden Anteil an den pfundigen Bikes. Die Kombi aus schlichten Alu-Felgen, breiten Stollenreifen, großer Kassette und einfachen Bremsscheiben macht bei fast allen Testrädern knapp die Hälfte des Gesamtgewichts aus.
Auch innerhalb der Preisklasse eröffnen sich Qualitätsunterschiede. Hervorzuheben sind die Laufräder bei Giant und Rose, die kaum schwerer als günstige Carbonlaufräder ausfallen. Die schweren Modelle in den Bikes von Bulls, Carver oder Megamo servieren den Tuning-Tipp hingegen auf dem Silbertablett. Diese sind zwar unkaputtbar und halten ein ganzes Fahrradleben lang, machen sich aber auf der Waage und vor allem im Sattel bemerkbar.
Cube Nuroad: Eine Ausnahmeerscheinung
Streng genommen gelingt es nur dem Cube als einzigem Modell, das Speed-Gefühl eines Rennrads auf die Schotterpiste zu übernehmen. Aus einem einfachen Grund: Der deutsche Hersteller schafft es wieder einmal, sein Bike überdurchschnittlich gut auszustatten und trotzdem mit einem leichten Carbonrahmen in den Handel zu stellen; gegenüber dem schwersten Modell im Test von Carver ist es zwei Kilogramm leichter.
Dafür ist das Carver das mit Abstand günstigste Rad. Doch auch Carvers Top-Modell, das die Frankfurter im Testzeitraum nicht vorrätig hatten, lässt wegen des vergleichbaren Set-ups eine deutliche Lücke. Bis auf das Radon kommen auch die weiteren Konkurrenten nicht an das agile Fahrverhalten des Preiskrachers von Cube heran, der mit dem niedrigen Gewicht auch teurere Modelle in den Schatten stellt.
Top Bereifung für mehr Komfort
Beim Federkomfort, der als wichtigstes Gravelbike-Kriterium mit 30 Prozent in die TOUR-Note einfließt, wechseln Licht und Schatten. Auf dem Prüfstand können zwei Räder ergiebig punkten: Das Canyon profitiert von einer flexiblen Carbonsattelstütze, das Giant von einer speziellen Alu-Version mit aufwendiger Klemmung. Auf der Schotterpiste zehren die Räder von ihren hochwertigen Reifen, womit die meisten Modelle den geringen Rahmenkomfort ganz gut kompensieren können.
Viele Hersteller wählen dafür vergleichsweise breite Gummis mit 45 Millimetern. Alle Räder rollen auf tubeless-fähigen Pneus, das komfortbetonte Giant kommt bereits ab Werk mit Dichtmilch. Die Reifen lassen sich dadurch mit weniger Druck fahren und bügeln Unebenheiten spürbar glatt. Mit teils üppigen Reifenfreiheiten können die Bikes noch geländegängiger abgestimmt werden.
Spitzenreiter ist das Giant, das dank eines verstellbaren Radstands Platz für bis zu 53 Millimeter breite Schlappen lässt. Das Focus geht noch ein Stück weiter, erfordert aber den Wechsel auf Laufräder im kleineren 650B-Format. Wichtig: Mit der Wahl breiterer Pneus ändert sich das Fahrverhalten, die ohnehin schon laufruhigen Graveler reagieren noch etwas träger auf Lenkbefehle.
Rahmengeometrie und Fahrverhalten
Bei den Rahmengeometrien zeigt sich eine Zweiteilung in die eher komfortable oder relativ sportliche Richtung, wobei die Betonung einer vergleichsweise gestreckten Sitzposition im Test überwiegt. Wissen muss man: Die Geometrie von Gravelbikes fällt im Vergleich zum Straßenrenner grundsätzlich etwas gemäßigter aus.
Selbst wettkampftaugliche Schotterfräsen grenzen sich zum Teil deutlich von aggressiven Straßenboliden ab. Auf den meisten - auch sportlichen - Gravelbikes in unserem Test sitzt man also wie auf einem Marathonrad, womit die Hersteller ein breites Publikum im Blick haben. Wer in der Preisklasse unter 2000 Euro hingegen einen Gravel-Racer mit tiefem Lenker sucht, wird - jedenfalls von der Stange - nichts finden.
Einigkeit herrscht beim Fahrverhalten. Durch lange Radstände, flache Lenkwinkel und viel Gabelnachlauf grenzen sich die Räder klar vom agilen Straßenrenner ab und liegen satt auf Feld- oder Waldweg. Weniger routinierte Radler dürften das einfache Handling zu schätzen wissen. Besonders spurtreu steuert das Merida durchs Gelände, dessen Radstand schon fast dem eines Mountainbikes entspricht.
Breite Lenker mit ausgestellten Enden fördern die Kontrolle über das Rad ebenfalls. Der sogenannte Flare, der den Ausstellwinkel des Unterlenkers beschreibt, fällt mit Ausnahme des Rose Backroad (24 Grad) bei den meisten Rädern jedoch moderat aus.
Klassische Ahead-Vorbauten sowie frei zugängliche Bremsleitungen und Schaltzüge erleichtern Wartungs- und Montagearbeiten und erlauben die relativ unkomplizierte Anpassung der Sitzposition. Dass man trotz des bewährten Systems nicht zwangsläufig auf eine moderne, aufgeräumte Optik verzichten muss, zeigt rund die Hälfte der Modelle.
Bei Cube, Focus, Merida, Ridley, Rose und Scott werden die Kabel unter dem Vorbau ins Steuerrohr geführt, wodurch die Räder teureren Versionen mit integrierten Lenker-Vorbau-Einheiten ähnlich sehen.
Komponenten: Ein Verwirrspiel
Auch bei der Getriebewahl unterscheidet die günstigeren Räder auf den ersten Blick wenig von den Top-Modellen. Bis auf das Megamo ist an alle Räder Shimanos gravelspezifische GRX-Schaltgruppe geschraubt. Da sich hinter dem Kürzel allerdings ein Wust an Einzelteilen unterschiedlicher Qualität verbirgt, die wild kombiniert werden können, ergeben sich doch teils deutliche Unterschiede in der Performance.
Einigkeit herrscht in dem Punkt, dass die Gänge mechanisch gewechselt werden. Bei Schaltwerk und Kassette dominieren aktuelle Zwölffach-Versionen; immerhin fast ein Drittel der Testräder ist aber noch mit älteren Zehn- oder Elffach-Ritzelpaketen ausgestattet; die Kurbelgarnituren sind mit einem oder zwei Kettenblättern anzutreffen und entstammen durchweg der einfachsten, dafür aber auch etwas schwereren Produktlinie.
Die Antriebe mit Zweifach-Kettenblatt bieten ein größeres Übersetzungsspektrum mit kleineren Sprüngen zwischen den Gängen. Die Übersetzungen sind an allen Rädern auch für Einsteiger und weniger trainierte Gravelbiker tauglich und bieten Reserven für steile Anstiege.
Vorteil der Ein-Kettenblatt-Technik ist die einfachere Bedienung, außerdem ist sie weniger fehleranfällig und wartungsärmer als Schaltungen mit zwei Kettenblättern und Umwerfer.
Aber kein Vorteil ohne Nachteil: Riesige Mountainbike-Kassetten wie am Carver, Cube, Megamo und Radon kompensieren zwar das fehlende zweite Kettenblatt; die extreme Untersetzung im kleinsten Gang ist für typische Gravelbike-Touren aber zu krass. Hinzu kommen die teils sehr großen Sprünge von Gang zu Gang.
Das führt zu großen Unterschieden in der Trittfrequenz beim Gangwechsel und kann beim gleichmäßigen Pedalieren stören.
Die Bremsen sind im besten Sinne solide; dass man mit den überwiegend einfachen Hebeleien die Bremsleistung etwas weniger genau dosieren kann als bei den Top-Modellen, merkt man nur im direkten Vergleich. Kritisieren darf man, dass an allen Rädern einfache Stahl-Bremsscheiben montiert sind, die bei Dauerbremsungen unter Volllast überhitzen und Leistung verlieren können.
Einzig Merida und Rose ernten in dieser Disziplin dank riesiger 180-Millimeter-Scheiben am Vorderrad Top-Noten.
Die besten Gravel Bikes 2025 im Überblick
In einer Zeit, in der das Streben nach Abenteuern und Freiheit ständig wächst, bieten Gravel Bikes die perfekte Schnittstelle zwischen Straßenrennrad und Mountainbike. Egal, ob du ein erfahrener Gravel Bike Enthusiast oder ein Neuling in der Welt der grobkörnigen Fahrradwege bist, hier findest du nützliche Einblicke, die dir helfen, die perfekte Wahl zu treffen.
Allroad Gravel Bikes
Allroad Gravel Bikes besitzen eine harmonische Geometrie, mit einer aufrechteren Sitzhaltung, die den Fahrkomfort auf längeren Touren verstärkt. Sie sind mit breiten Reifen ausgestattet, die jedoch in der Regel nur über ein minimales Profil verfügen - optimal für Kieswege, aber weniger geeignet für schlammige Bedingungen. Die Allroad Gravel Bikes zeichnen sich durch ihre Agilität aus und bieten ein breites Übersetzungsverhältnis sowie Befestigungspunkte für Schutzbleche, was sie zur idealen Wahl für Ausflüge auf Feld- und Waldwegen macht.
Ghost Asket CF 30
Mit dem Ghost Asket CF 30 bringt Ghost sein erstes Gravel Bike mit Carbonrahmen auf den Markt - und bleibt dabei der eigenen Mountainbike-Tradition treu. Die Rockshox Federgabel mit 40 mm Federweg bietet in ruppigem Gelände zusätzlichen Komfort, während die verbaute Dropper Post auf Abfahrten für mehr Sicherheit sorgt. Das Ghost Asket CF 30 ist ein spannender Hybrid aus Gravel- und Mountainbike, das besonders auf technischen Trails seine Stärken ausspielt.
- Robuster Carbonrahmen mit MTB-inspirierter Geometrie
- 40 mm Federweg für hohen Fahrkomfort
- Dropper Post für bessere Kontrolle
- Relativ schwer (10,1 kg)
- Weniger agil auf schnellen Schotterstrecken
Cervélo Áspero
Mit dem neuen Cervélo Áspero bleibt der kanadische Hersteller seiner Linie treu: ein kompromisslos schnelles Race-Gravel-Bike mit optimierter Aerodynamik und hoher Vielseitigkeit. Die zweite Generation bringt vor allem Detailverbesserungen mit sich, ohne das Erfolgsrezept des Vorgängers zu verändern. Das Cervélo Áspero bleibt ein kompromissloses Race-Gravel-Bike für alle, die Geschwindigkeit lieben.
- Verbesserte Aerodynamik
- Mehr Komfort durch überarbeiteten Hinterbau
- Integrierte Kabelführung für cleanen Look
- Keine wesentlichen Änderungen an der Geometrie
- Weniger geeignet für Bikepacking
Scott Speedster Gravel 30
Das Scott Speedster Gravel 30 präsentiert sich als minimalistisches, robustes Gravel Bike für Performance-Fans, die Wert auf Funktionalität ohne unnötigen Schnickschnack legen. Ausgestattet mit robusten Schwalbe G-One Reifen und zuverlässigen hydraulischen Shimano BR-RX400 Scheibenbremsen ist es für anspruchsvolles Gelände und jede Jahreszeit gewappnet. Das Bike überzeugt durch ein angenehmes Fahrgefühl, wobei sowohl das Schaltwerk als auch die Kraftübertragung vor allem bergab überzeugen.
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Sehr sportlich
- Optimale Kraftübertragung
- Für sehr unebenes Gelände ungeeignet
Gravel Bikes fürs Bikepacking und Abenteuerfahrten
Gravel Bikes fürs Bikepacking und ausgedehnte Reisen bestechen durch eine relativ aufrechte Sitzhaltung. Sie bieten eine robuste Rahmenstruktur und Optionen zur Anbringung von Gepäckträgern und Taschen. Ein niedriger Schwerpunkt fördert zudem die Stabilität während der Geländefahrt.
Carver Gravel 230
Mit dem Carver Gravel 230 bringt der deutsche Hersteller ein vielseitiges Gravel Bike, das Komfort, Kontrolle und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis vereint. Der leichte Aluminiumrahmen überzeugt mit cleveren Dämpfungseigenschaften, die für ein angenehmes Fahrgefühl auf langen Touren sorgen. Das Carver Gravel 230 überzeugt als komfortabler und vielseitiger Allrounder, der in jeder Umgebung eine gute Figur macht.
- Hochwertiger Aluminiumrahmen mit guter Dämpfung
- Zahlreiche Montageösen für Bikepacking & Schutzbleche
- Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis (1.699 €)
- Wenig spritzig im Antritt
- Laufräder nicht tubeless-fähig
Merida Silex 700
Das Merida Silex 700 überzeugt als vielseitiger Gravel-Allrounder, der sowohl komfortabel als auch spritzig ist. Mit einem Aluminiumrahmen und einer Carbon-Gabel kombiniert es Stabilität mit angenehmem Dämpfungsverhalten. Das Merida Silex 700 ist ein hochwertig ausgestattetes, laufruhiges und vielseitiges Gravelbike, das für lange Touren, sportliche Fahrten und Bikepacking-Abenteuer ideal ist.
- Top ausgestattetes und ausgewogenes Gravel Bike
- Laufruhig, sprintstark und tourentauglich
- Viele Befestigungsösen - ideal für Bikepacking und lange Touren
- Schmaler Lenker ohne Flare - könnte mehr Kontrolle bieten
- Erhöhter Wartungsaufwand
Giant Revolt Advanced Pro 1
Das Giant Revolt Advanced Pro 1 ist eine der vielseitigsten Optionen im Gravel-Bereich und kombiniert hohen Komfort mit sportlicher Agilität. Durch die Flip-Chip-Technologie am Hinterbau kann der Radstand verlängert und damit die Reifenfreiheit auf satte 53 mm erweitert werden - eine Seltenheit im Performance-Gravel-Segment.
- 53 mm Reifenfreiheit
- Flip-Chip für variable Geometrie
- D-Fuse-Sattelstütze für mehr Komfort
- Clevere Integration mit Staufach im Unterrohr
- Umstellung der Geometrie erfordert Bremssattel-Neuausrichtung
- Cockpit eher breit
Race-Gravel-Bikes 2025: Auf der Suche nach Sekunden
Was einst nach staubigen Abenteuern und Lagerfeuer-Romantik klang, hat sich still und leise in die Pole Position des modernen Radsports geschoben. Gravel-Racing ist raus aus der Nische, rein ins Rampenlicht - und wer glaubt, hier geht’s noch um entspannte Ausfahrten im Flanellhemd, hat die letzten drei Jahre verschlafen.
Das Segment erfindet sich quasi mit jedem Rennen ein Stück weit neu - und genau das macht es so spannend zu beobachten. Gravel-Racing ist in Bewegung. Und weil Gravel-Racing eben so vielseitig ist, braucht es auch eine Teststrecke, die genau das fordert. Keine Theorie, kein Labor und kein Schotter-Romantik-Klischee, sondern ein für die Gravel-WM würdiges Terrain.
Anforderungen an Race-Gravel-Bikes
- Handling: Ein präzises, direktes Lenkverhalten ist wie ein guter Wingman: unaufgeregt, verlässlich, immer da, wenn’s brenzlig wird.
- Beschleunigung: Ein echtes Race-Gravel-Bike muss explosiv beschleunigen. Gewicht spielt hier genauso eine Rolle wie die Laufrad- und Reifenwahl.
- Komfort: Komfort auf Race-Gravel-Bikes bedeutet nicht nur weniger Ermüdung, sondern auch bessere Performance über längere und härtere Strecken.
- Vielseitigkeit: In diesem Vergleichstest suchen wir nach einem Bike, das in möglichst vielen Situationen performt.
- Design: Ein scharfes Design gibt euch das gute Gefühl, auf dem richtigen Bike zu sitzen - Mental-Doping sozusagen.
Die Testkandidaten im Detail
Die Reifenfreiheit ist im Schnitt von 43 auf 46 mm gewachsen - ein Plus von rund 7 %. Die tatsächliche Reifenbreite stieg von durchschnittlich 38 auf 42 mm, also ganze 10,5 % mehr Breite für Grip, Komfort und Rollwiderstand. Gleichzeitig purzelten die Kilos: Das Durchschnittsgewicht sank von 8,74 auf 7,98 kg - eine Reduktion um gut 8,7 %.
3T Extrema Italia
Das 3T Extrema Italia ist kein Rad für halbe Sachen. Mit massiven Schwalbe G-One RX Pro-Reifen in 50 mm Breite, Aero-Rahmen im Carbon-Rohlook und kompromisslosem Setup bringt es echten Monstertruck-Vibe ins Race-Gravel-Game. Im Gelände zeigt das Extrema seine Stärken: unglaubliche Laufruhe, enormer Grip und Fahrstabilität auf jedem Untergrund.
Cannondale SuperX 2
Mit dem SuperX 2 bringt Cannondale ein topmodernes Race-Gravel-Bike an den Start - und bricht dabei radikal mit den wendigen Cyclocross-Genen des vorherigen SuperX. Wo das CX-Bike noch wendig und agil war, setzt das neue SuperX 2 voll auf Laufruhe, Stabilität und souveränes Handling. Dank ausgewogener Geometrie, cleveren Flexzonen und viel Reifenfreiheit zieht das SuperX 2 auch im gröbsten Schotter ruhig seine Linie.
Falkenjagd Aristos SL
Das Falkenjagd Aristos SL ist eine Ansage - und zwar eine aus Titan. Der Rahmen aus leichtem Grade 5 Titan, kombiniert mit einer passenden Titan-Gabel und anodisierten goldgrünen Schriftzügen, verleiht dem Bike nicht nur eine außergewöhnliche Optik, sondern auch das Versprechen maximaler Haltbarkeit. Auf der Rennstrecke überrascht das Aristos SL mit einem lebendigen, agilen Fahrverhalten, hohem Fahrspaß und viel Komfort.
MERIDA SILEX 8000
Das MERIDA SILEX 8000 bringt Adventure-DNA und Race-Ambitionen in einem Rahmen zusammen. Für den Test wurde es gezielt auf den Rennbetrieb getrimmt - mit schmalem Cockpit, schnellen MAXXIS Reaver-Reifen und sportlicher Sitzposition. Zwar bleibt es mit 8,96 kg das schwerste Bike im Vergleich, doch es punktet mit enormer Laufruhe und Stabilität, besonders auf groben Gravel-Passagen.
Parapera Anemos²
Mit nur 7,47 kg gehört das Parapera Anemos² zu den leichtesten Gravel-Bikes im Test - kompromissloser Leichtbau zieht sich vom Vollcarbon-Sattel über Schmolke-Stütze bis zu den teuren Lightweight-Laufrädern. Die Geometrie mit kurzem Radstand, steilem Lenkwinkel und den kürzesten Kettenstreben im Test sorgt für messerscharfes Handling, das auf feinem Untergrund enormen Fahrspaß bringt. Doch der Fokus auf Speed fordert Kompromisse: Die maximale Reifenfreiheit von 40 mm begrenzt Dämpfung und Traktion, auf rauem Terrain fehlt es an Reserven und Komfort.
SCOTT Addict Gravel RC
Mit seinem modernen Look, der auffälligen Lackierung und einem ausgewogenen Verhältnis aus Agilität und Stabilität liefert es genau das, was man sich von einem Race-Gravel-Bike erhofft. Schon auf den ersten Metern begeistert das SCOTT mit einem direkten, verspielten Handling, das enge Kurven und schnelle Richtungswechsel zum Vergnügen macht. Die sportliche Geometrie lädt zum Angreifen ein, ohne den Fahrer zu überfordern - ein idealer Kompromiss aus Race-DNA und Alltagstauglichkeit.
Superior XR 9.7 GF
Mit dem XR 9.7 GF bringt Superior ein echtes Allroad-Bike in den Race-Gravel-Vergleich - leicht, wendig und mit viel Fahrspaß. Für 4.899 € bietet es ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis, doch im direkten Vergleich offenbaren sich klare Schwächen. Die Ausstattung mit Rennrad-Schaltgruppe, schmalen 35-mm-Reifen und Endurance-orientierten Laufrädern limitiert die Gravel-Race-Tauglichkeit deutlich.
Vielseitigkeit und Abenteuerlust: Gravelbikes im Trend
Gravelbikes sind gekommen, um zu bleiben. Und zwar nicht nur in einem Aktiv-Trend. Nein, dass sie sich durchgesetzt haben, liegt vornehmlich an drei bis vier Dingen: dem Abenteuer, das sie versprechen, ihrer vergleichsweisen Leichtigkeit und Sportlichkeit und an ihrer Vielseitigkeit. Das Abenteuer liegt in der Freiheit, sich den Weg einfach aussuchen zu können.
Lose Untergründe schrecken diese „Rennräder“ nicht ab. Straßen aber auch nicht. In ihren Rennrad-Genen, verkörpert nicht zuletzt vom Renn-Lenker, neudeutsch: Drop-Bar, liegt die Sportlichkeit und Leichtigkeit, obwohl Gravelbikes schnell 2, 3 oder 4 Kilogramm schwerer sind als die Straßenrenner.
Ausstattung und Komfort
Die Vielseitigkeit drückt sich in den oft zahlreichen Montagepunkten aus, mit denen Schutzbleche, Gepäckträger, auch Beleuchtung und teils sogar Ständer montiert werden können. Weitere Buchsen ermöglichen das Anbringen von Trägern und Taschen für modernes, leichtes Reiseequipment, sprich: für Bikepacking.
Qua ihrer Ursprünge sind die Testräder in erster Linie mit Kettenschaltungen ausgestattet. Kombiniert mit 11, 12 oder 13 Ritzeln am Heck eine moderate Bandbreite von circa 400 bis 450 Prozent, je nach Kassettenspreizung, die mal bergtauglicher, mal schneller ausfällt, insgesamt aber in den meisten Fällen speziell auf den Graveleinsatz zugeschnitten ist (Shimano GRX, SRAM XPLR-Gruppen) und auch völlig ausreicht.
Um sich während des Schotterritts nicht zu sehr zu quälen, ist auch das körperliche Wohlbefinden ein wichtiger Aspekt. Viel geht hier über das Rahmen- und Gabelmaterial. Gerade die Carbonrahmen können exakt komfortabel oder extra-steif konstruiert werden. Aluminiumrahmen hinterlassen auch im Test einen klar steifen Eindruck, sind sehr vortriebsorientiert. Sehr guten Komfort liefert auch das Titanrad von Falkenjagd.
Reifenwahl und Fahrspaß
Gehäuft sind die Räder mit 40 mm breiten Pneus bezogen. Die sind ein guter Kompromiss aus Gewicht (als rotierende Masse nicht unerheblich) und Haftung auf Schotter, verschenken aber auch Komfortpotenzial. Merklich besser machen es schon die 45er Gummis. Weniger ein Komfort-Aspekt, aber für den Fahrspaß durchaus entscheidend ist das Reifenprofil.
Gefederte und absenkbare Sattelstützen und Federgabeln sind in Gravelbikes eher unüblich, treten aber zunehmend auf. Beides ermöglicht es, mehr „Gelände“ zu fahren, Steine und Wurzeln besser und schonender zu überrollen und steilere Bergabpassagen mit besserem Schwerpunkt zu meistern.
Mit ihrer Agilität und Spritzigkeit begeistern Gravelbikes leicht, können sogar süchtig machen. Und das in einer immer weiter wachsenden Angebotsbandbreite.
Fazit
Die Gravelbikes im Test sind eine solide Basis für Abenteuer und Touren auf und abseits asphaltierter Wege; viele lassen sich zudem unkompliziert zu einem Reise- oder Pendlerrad aufrüsten und bewähren sich im Alltag, auf der Feierabendrunde oder bei der Urlaubstour mit Gepäck als robuste Allrounder.
Wer angesichts des Rennlenkers auch auf sportliche Talente hofft, könnte indes etwas enttäuscht sein, denn Leichtfüßigkeit und Spritzigkeit sind keine Kerntugenden der vergleichsweise schweren Bikes - ausgenommen das Cube Nuroad, dessen Carbonrahmen sich am Ende doch als Trumpf im Wettstreit um den Testsieg erweist.
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