Griechischer Finanzminister und seine Motorrad Sammlung

Die Rolle des griechischen Finanzministers war in den letzten Jahren von entscheidender Bedeutung, insbesondere im Kontext der andauernden Finanzkrise des Landes. Verschiedene Persönlichkeiten haben dieses Amt bekleidet und dabei unterschiedliche Ansätze verfolgt.

Die Finanzkrise und die Rolle des Finanzministers

Sollte Griechenland pleitegehen, wäre die Europäische Zentralbank nach den Worten ihres Ratsmitglied Ewald Nowotny nicht in der Lage, mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen. Über eine Brückenfinanzierung ohne neues Hilfsprogramm lasse sich aber sprechen.

Eurogruppen-Chef Dijsselbloem hat Griechenland dringend aufgefordert, konstruktive Vorschläge zur Lösung der Finanzkrise vorzulegen. Ohne ein klares Reformpaket sei ein Verbleib Griechenlands in der Eurozone "sehr fraglich", betonte der niederländische Finanzminister im Parlament. "Eine Währungsunion erfordert gegenseitige Verpflichtungen. Wenn man die nicht will, dann hört es auf."

Griechenland muss nach den Worten des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte noch heute Nacht entscheiden, ob es in der Euro-Zone bleiben wolle. Das Land müsse große Reformen akzeptieren, wenn es ein neues Hilfspaket wolle. "Haben die Griechen wirklich gedacht, wir würden ankommen und fragen: ,Wie hättet Ihr's denn gern?'"

Die USA fordern Griechenland und seine europäischen Gläubiger auf, einen Kompromiss zu suchen, um den Verbleib des Landes in der Euro-Zone zu ermöglichen. Es liege auch im Interesse der USA, dass die Griechenland-Krise beigelegt werde, erklärt das Weiße Haus.

Merkel und Hollande treten in diesem Moment nach ihrer Unterredung vor die Presse. Ihre Botschaft: "Die Tür ist weiter offen". Aber, so Merkel, die Voraussetzung für ein neues Hilfsprogramm mit dem ESM sei derzeit nicht gegeben. Es sei jetzt an Athen, darzulegen wie es weitergehen soll. Hollande sagte, er erwartet ein "glaubwürdiges Angebot". Die Zeit dränge.

Russlands Präsident Wladimir Putin und IWF-Chefin Christine Lagarde haben sich laut der Nachrichtenagentur Interfax in einem Telefonat über die Griechenland-Krise ausgetauscht. Über russische Finanzhilfen sei es dabei nicht gegangen. Beide seien sich einig gewesen, weiter nach einer optimalen Lösung für die Schuldenkrise zu suchen.

Der britische Finanzminister George Osborne sieht die Aussichten auf einen guten Ausgang der Griechenlandkrise schwinden. Die Risiken für Großbritannien nehmen nach seiner Darstellung zu. Er ruft Griechenland und die Euro-Zone auf, eine tragfähige Lösung zu finden.

Der Internationale Währungsfonds will Griechenland weiter unterstützen. "Wir beobachten die Situation genau und sind bereit, Griechenland zu unterstützen, wenn dies gewünscht ist", teilte IWF-Chefin Lagarde mit. Den Ausgang des Referendums kommentierte sie nicht. Der IWF habe die Volksabstimmung über die Sparvorgaben der Gläubiger "zur Kenntnis genommen." Athen hatte vergangene Woche eine fällige Kreditrate in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro nicht pünktlich zurückgezahlt.

Nach Einschätzung der EZB haben Griechenlands Banken ausreichend Reserven, um bis übermorgen ohne zusätzliche Liquititätshilfen überleben zu können. Das berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Demnach will die EZB am Mittwoch erneut über das Thema beraten. Bis dahin sind die Banken nach einer Entscheidung der Regierung in Athen weiter geschlossen.

Yanis Varoufakis: Ein unkonventioneller Finanzminister

Yanis Varoufakis erlangte internationale Bekanntheit als griechischer Finanzminister. Er ist bekannt für seine unkonventionellen Auftritte und seine Leidenschaft für Motorräder. Sein Rücktritt erfolgte nach dem Referendum, wobei er betonte, dass bisher noch nichts erreicht worden sei.

Varoufakis' beste Sprüche: Abfahrt vom Ministerium heute. Motorrad, Lederjacke, Stinkefinger werden von Varoufakis in Erinnerung bleiben - und provokante Statements. Etwa seine Entgegnung auf Kritik der "Bild"-Zeitung: "Es ist eine Ehre, dass 'Bild' versucht, mir zu schaden", sagte er einmal der griechischen Nachrichtenagentur ANA. "Je mehr sie es machen, umso besser schlafe ich nachts." Oder seine Aussage, Reformvorschläge an die Gläubiger seien absichtlich ungenau formuliert gewesen: "Wir sind stolz auf das Niveau der Ungenauigkeit", sagte er. Es handle sich um eine "produktive Ungenauigkeit", die eine Einigung leichter mache.

Der Rücktritt des griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis ist ein erstes Zeichen der Syriza-Regierung, dass sie den Konflikt mit den europäischen Institutionen nicht auf die Spitze treiben will. Im Überschwang ihres Erfolgs bei dem Referendum nicht aufzutrumpfen, sondern ihren schärfsten Propagandisten zurückzuziehen, zeugt von Klugheit und Realismus.

Tsipras selbst hat seine Position nur innenpolitisch gestärkt. Gegenüber den Gläubigern hat er dagegen seine Vertrauenswürdigkeit endgültig verspielt, daran ändert auch die Opferung seines rüden Finanzministers nichts. Tsipras wollte einen Nervenkrieg, jetzt bekommt er ihn.

Luft anhalten, bis man seinen Willen bekommt, ist ein beliebter Kleinkindtrick. Er wird nicht unauffälliger, indem man mit Finanzminister Varoufakis den schärfsten Provokateur aus der Schusslinie nimmt.

Bundesfinanzminister Schäuble trifft sich gerade mit seinem polnischen und französischen Amtskollegen. In einer Pressekonferenz äußerte er sich erstmals seit dem Griechenreferendum: Er respektiert die Entscheidung der Griechen. Sie mache die Suche nach einer Lösung "nicht einfacher". Der Rücktritt seines Amtskollegen Varoufakis erleichtere die Verhandlungen in Zukunft nicht. Das Problem sei nie "ein persönliches" zwischen ihm und Varoufakis gewesen, sagte Schäuble. Varoufakis' Nachfolger stehe vor denselben Problemen.

Euklides Tsakalotos: Der Nachfolger

Der bisherige Chefkoordinator und stellvertretende Außenminister Euklides Tsakalotos soll nun neuer Finanzminister werden. Der zurückgetretene Varoufakis hatte Tsakalotos, ebenfalls ein Professor mit internationaler akademischer Erfahrung und Vorstandsmitglieds von Syriza, als seinen Wunschnachfolger genannt.

Und schon hat er sein Amt angetreten. Der Nachfolger von Varoufakis als griechischer Finanzminister hat seinen Amtseid abgelegt - ohne Krawatte. Er sagte, verberge nicht, dass er nervös und besorgt sei angesichts der Aufgabe, die vor ihm liegt. Über seinen Vorgänger sagte er, dass es Varoufakis zu verdanken sei, dass die ganze Welt nun über die Notwendigkeit einer nachhaltigen Lösung für Griechenland rede.

Ebenfalls ein lockerer Typ, aber nicht ganz so unkonventionell wie Varoufakis: Euklides Tsakalotos.

Die Motorrad Sammlung

Es gibt nur einen, auf den diese Personenbeschreibung zutreffen kann: Janis Varoufakis, Finanzminister in der Syriza geführten Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras bis zum Referendum über die Zukunft Griechenlands in der Europäischen Währungsunion von Anfang Juli. Er fährt Motorrad.

In Deutschland erinnert man sich vielleicht noch an die verschiedenen Bemühungen, Yanis Varoufakis persönlich das Image eines unberechenbaren motorradfahrenden Radikalinskis innerhalb einer ohnehin schon radikal unberechenbaren Bewegung zuzuschreiben (Stinkefinger und #Varoufake).

Sparmaßnahme: der neue und der alte Finanzminister auf einem Motorrad (Archivbild)

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