Günstige Rennräder für Herren im Test: Fahrspaß muss nicht teuer sein

Die Preisentwicklung für Rennräder kennt über alle Kategorien und technischen Qualitäten hinweg nur eine Richtung: nach oben. Das Angebot an Straßenrädern zum günstigen Preis wird immer dünner. Doch es gibt sie noch: günstige Rennräder, die Fahrspaß vermitteln können, ohne ein riesiges Loch in den Geldbeutel zu reißen. Dieser Artikel widmet sich dem Thema und zeigt, worauf es bei der Auswahl eines preiswerten Rennrads ankommt.

Preiswerte Rennräder mit langlebigen Alu-Rahmen sind rar

Unkomplizierte Technik, langlebige Komponenten, komfortable Geometrien und kleine Preise: Die Attribute günstiger Rennräder wandern stetig zum Gravelbike ab, das in schneller Folge und hohen Stückzahlen in den Markt rollt und auf hohe Nachfrage trifft. Preiswerte Neuheiten mit langlebigen Alu-Rahmen ausschließlich für die Straße sind dagegen rar; bestehende Plattformen werden kaum noch weiterentwickelt oder von neuen Modellen ersetzt.

Für viele Hersteller lohnt sich das Geschäft mit günstigen Straßenrennrädern offenbar nicht mehr. Sie stecken ihren Entwicklungsaufwand in hochwertige Räder, die dann mit technischen Innovationen hervorstechen, aber eben auch deutlich teurer sind.

Das Allroadbike als Alternative

Dank viel Platz für breite Reifen sollen die Alu-Renner die Möglichkeit eröffnen, im Gravelbike-Terrain zu wildern. Bereits ab Werk sind die meisten Modelle mit etwas breiteren Gummis als bei Straßenrennern üblich ausgestattet. Durch breite Felgen wölben sich die Pneus auf bis zu 34 Millimeter und übertrumpfen damit sogar das Maß von Cyclocross-Reifen. “Allroadbike” nennt sich diese noch junge Kategorie. Die üppig breiten Reifen wappnen die Kandidaten nicht nur für Abstecher auf Schotterpisten, sie erhöhen auch auf asphaltierten Wegen den Federkomfort, zumal die Hersteller nur in Ausnahmefällen eine komfortfördernde flexible Carbonsattelstütze in den Rahmen stecken.

Auf Komfort im Sinne einer entspannten Sitzposition sind auch die Rahmengeometrien ausgelegt, die Fahrer oder Fahrerin in eine vergleichsweise aufrechte Sitzposition bringen. Das andere Extrem bildet das Radon R1, dessen Rahmen vergleichsweise lang ausfällt und den Fahrer in Kombination mit dem großen Reach der Lenker-Vorbau-Kombi in eine rennmäßige Haltung bringt, wie wir sie eigentlich sonst nur von Profirädern kennen.

Das Gewicht als Dämpfer

Mit den Testrädern muss man zwar keine Rennen gewinnen, das durchweg hohe Gewicht ist aber dennoch ein spürbarer Dämpfer für den Fahrspaß - zumindest wenn man schon mal ein richtig leichtes Rennrad fahren durfte. Die Alu-Rahmen mit dickwandigen Rohren machen die Räder zwar robust, treiben aber auch das Gewicht nach oben.

Zusammen mit soliden Anbauteilen und Laufrädern pendelt sich die TOUR-Waage bei allen Rädern um die 10-Kilo-Marke ein, womit sich zahlreiche Tuning-Tipps ergeben. Leichtestes Rad ist das Canyon, gegenüber Radon und Rose spart es immerhin 700 Gramm.

Zum hohen Gewicht der Räder trägt auch Shimanos Komponentengruppe Tiagra bei, die durchweg montiert ist. Im Vergleich zur aktuellen Schaltungstechnik stehen zwei Ritzel weniger zur Verfügung; andererseits waren 2x10-Antriebe jahrzehntelang Rennrad-Standard, und mit den an den Testrädern montierten Kassetten sind die Räder bergtauglich übersetzt. Größer als beim Getriebe ist die spürbare Diskrepanz zwischen den hydraulischen Scheibenbremsen aktueller Top-Räder und den einfachen mechanischen Scheibenbremsen wie beispielsweise am Fuji und am Giant, die deutlich kräftigeren Zug am Hebel erfordern und nicht so gut bremsen. Auch die ungeschliffenen Scheiben am Radon und am Rose liefern deutlich weniger Bremsleistung.

Das sind die vier günstigen Rennräder im Test

Zum Saisonstart 2024 rollten vier Modelle mit klarem Fokus auf Preis und Rahmenmaterial zum Test heran: Die Räder kosten laut Liste weniger als bzw. um 2000 Euro und basieren auf modernen Carbonrahmen. Diese beiden Kriterien vereinen sich nur noch in ganz wenigen Rennrädern. Bei den namhaften internationalen Marken wie Giant, Specialized oder Trek kosten solche Räder mindestens 2500 Euro und mehr.

Bleiben die vier Räder im Test von Canyon, Cube, Stevens und Van Rysel.

Neben Preis und Rahmenmaterial ist dem Quartett die Ausrichtung als langstreckentaugliche Marathonräder gemeinsam, mit individuellen Abweichungen. Durch eine vergleichsweise gestreckte Sitzposition tendiert beispielsweise das Stevens in Richtung Wettkampfrad. Auch auf dem Van Rysel sitzt man durchaus sportlich. Canyon und Cube schicken prototypische Vertreter der Endurance-Kategorie mit betont aufrechter Sitzposition ins Rennen, womit sie für lange Tage im Sattel prädestiniert sind.

Im wichtigsten Kriterium eines Marathonrads, dem Fahrkomfort, zeigen die Räder teils deutliche Unterschiede. Fast schon traditionell federt das Endurace CF 6 am besten über Unebenheiten. Das günstigste Carbonmodell im Sortiment der Koblenzer profitiert dabei von hochwertigen Anbauteilen aus Carbon: Sowohl die flexible Sattelstütze als auch das schicke One-Piece-Cockpit sind in der 2000-Euro-Klasse ein Alleinstellungsmerkmal. Die einfacheren Alu-Komponenten der Konkurrenten geben Vibrationen deutlicher spürbar an den Fahrer weiter.

Speziell das Stevens erfährt dabei kaum Unterstützung durch die Reifen. Der Grund: Das Izoard bremst mit Felgenbremsen, wodurch die maximale Reifenfreiheit beschränkt wird. Zwar reizen die Hamburger diese mit nominell 28 Millimeter breiten Reifen auf dem Testrad aus, auf der schmalen Alu-Felge bleiben die aufpreispflichtigen Pneus aber schmal. Die anderen Räder rollen effektiv mindestens auf 30-Millimeter-Pneus. Im Stile moderner Allroadbikes sind das Canyon und Van Rysel für bis zu 35 Millimeter breite Reifen freigegeben, was ihr Revier um Schotterstraßen erweitert. Auf Asphalt liegt das Quartett bei den Fahreigenschaften eng beieinander.

Günstige Rennräder: Trotz Carbon recht schwer

Die Rahmen-Sets erzielen auf dem Steifigkeitsprüfstand fast identische Ergebnisse und sind auch für schwerere Piloten gemacht. Laut Herstellerangaben bewegt sich das maximale Fahrergewicht knapp über 100 Kilogramm. Das macht die Räder zu unkomplizierten Begleitern in allen Rennrad-Lebenslagen, auch Neulinge und weniger routinierte Radler müssen keine exaltierten Lenk- oder Fahreigenschaften fürchten, ruhiger Geradeauslauf ist die prägende Charaktereigenschaft.

Tribut fordern die robusten Räder in Form relativ hohen Gesamtgewichts - ausgenommen das Stevens, das dank der Felgenbremsen rund ein Kilogramm leichter ist als Canyon, Cube und Van Rysel. Diesen Gewichtsnachteil schleppen die drei auch im Vergleich zu den nächstteureren Rädern ihrer jeweiligen Modellpalette mit, was neben den vergleichsweise schweren Rahmen auch an den günstigeren Aluminium-Komponenten liegt. Vor allem die Laufräder der Scheibenbrems-Renner fallen bleischwer aus. Der Laufradsatz des Canyon erreicht mit fast 3800 Gramm das Niveau stabiler Gravel-Laufräder.

Die verwendeten Schalt- und Bremskomponenten - überwiegend Shimanos mechanische Zehn- und Elffach-Gruppen - sind technisch nicht auf dem allerneuesten Stand, was ihrer Funktionalität und damit auch dem Fahrspaß aber kaum Abbruch tut. Zeitgemäß und auch bei allen Herstellern im Angebot sind inzwischen freilich mechanische oder elektronische Getriebe mit zwölf Ritzeln und größerem Gangspektrum. Vorteil von Shimanos Tiagra- und 105-Gruppe ist deren unkomplizierte und wartungsfreundliche Technik. Über die Ersatzteilversorgung muss man sich wenig Gedanken, da Verschleißteile von Shimano erfahrungsgemäß über Jahre problemlos erhältlich sind.

Alternativen unter 1000 Euro

ROADBIKE hat geschaut, was der Fachhandel in der Preisklasse bis maximal 1000 Euro im Angebot hat. Im Laden lassen sich Räder in verschiedenen Größen und Geometrien besser vergleichen, wer noch unschlüssig ist, lässt sich vom - hoffentlich guten - Händler die offenen Fragen beantworten.

Ausstattung und Komponenten

Um ein Rennrad für maximal 1000 Euro auf die Laufräder zu stellen, müssen die Hersteller schon scharf kalkulieren und an einigen Stellen den Rotstift ansetzen. Manches davon ist durchaus verschmerzbar und schlägt sich vielleicht auf der Waage, aber kaum im Fahreindruck nieder. Eine günstigere Kassette beispielsweise. Andere Maßnahmen sind dagegen tatsächlich erfahrbar, wie schwere Laufräder oder eine Schaltgruppe mit weniger Gängen oder gröberer Gangabstufung.

Gewicht und Bremsen

Wie zu erwarten, sind die 1000-Euro-Renner mit ihren Alu-Rahmen keine Federgewichte. Selbst das leichteste Rad im Test, das San Remo von Stevens, bringt rund 9,3 Kilo auf die Waage, beim Triban RC 520 von Decathlon sind es sogar 10,75 und damit fast anderthalb Kilo mehr als beim Stevens. Vor allem die mechanischen Scheibenbremsen, wie sie im Test an den Rädern von Cube, Felt und Triban montiert waren, drücken ordentlich auf die Waage. Cannondale und Stevens kommen hingegen mit klassischen Felgenbremsen, sparen so etliche Hundert Gramm und fahren sich deutlich leichtfüßiger bergauf. Immerhin: Im Gegensatz zu den meisten Topbis Mittelklasse-Rädern, die nur noch mit Disc verfügbar sind, hat man im Preisbereich bis 1000 Euro noch die Wahl.

Schaltgruppen und Komfort

Genauso spannend ist der Blick auf die montierten Schaltgruppen. Auch in diesem Bereich beweisen die Hersteller teils viel Kreativität, um Kosten möglichst "unsichtbar" zu drücken, beispielsweise mit günstigeren Kurbeln, Ketten oder Bremskörpern. Gleichzeitig ist die Bandbreite enorm groß, so kommt das Felt beispielsweise mit einer sehr günstigen Shimano Claris; am Triban RC 520 von Decathlon sind, zumindest teilweise, hochwertige 105er-Komponenten montiert. Dazwischen siedeln sich Cannondale, Cube und Stevens mit Shimano-Tiagra-Gruppen an.

Weiteres, wichtigeres Kriterium für den Fahrspaß auf langen Touren ist der Komfort, vor allem am Heck. Dabei schlagen sich die günstigen Rennräder durchaus ordentlich, unangenehm hart fährt sich kein Rad im Test. Klar ist aber auch, dass die aus Kostengründen montierten Sattelstützen aus Alu nicht den Flex eines Carbon-Modells bieten.

Die preiswertesten Rennräder aus 2024er Tests

Scheibenbremsen, elektrische Schaltungen, Systemintegration: Vor allem neue technische Entwicklungen trieben die Preise für Rennräder innerhalb des letzten Jahrzehnts in schwindelerregende Höhen. Dass es auch anders geht, zeigten wir in einem Vergleichstest preiswerter Rennräder in der August-Ausgabe 2024. Bemerkenswert aber ist, dass für nur zehn Prozent des Preises von Top-Modellen doch vollwertige Rennräder machbar sind, die hervorragend funktionieren und Fahrspaß vermitteln können.

Größter Dämpfer in der Preisklasse ist das hohe Gewicht der Räder. Mit dem Rose Blend Road rollte der günstigste Renner in diesem Jahr in unser Labor, es kostet 1199 Euro. Allerdings wiegt das gezielt für Rennrad-Einsteiger konstruierte Modell auch mehr als zehn Kilogramm. Davon abgesehen bietet es aber mit der Shimano Tiagra eine tadellos funktionierende Schaltung mit starken hydraulischen Scheibenbremsen und einem aufgeräumten Cockpit durchaus auch moderne Rennrad-Technik.

Einen sportlichere Ausrichtung bietet das Radon R1 Tiagra, das nur 100 Euro teurer ist und auf dem zweiten Platz in diesem Ranking landet. Beide Modelle zeigen, dass es auch in dieser Preisklasse durchaus technische Unterschiede gibt.

Das Giant, ein Allroad-Modell, das sich problemlos auch über Feldwege treiben lässt, verdient sich mit seiner speziellen Carbon-Sattelstütze Bestnoten in der Komfortwertung, die auch zehnmal teurere Endurance-Modelle neidisch werden lassen.

Die Inflation im Fahrradmarkt

Die Inflation im Fahrradmarkt war über Jahre hinweg sehr hoch. Nun lautet eine extrem wichtige Frage: Was - wie viel „Rad“ - bekommt man nun noch für sein Geld? Sechs der zehn aktuellen Testräder der Preis-Leistungs-Klasse basieren auf Aluminium-Rahmen.

Empfehlungen für Einsteiger

Auf dem Rennrad in die Pedale zu treten, macht Spaß, trainiert die Ausdauer sowie die Muskulatur im Unterkörper und verbrennt nebenbei noch ordentlich Kalorien. Wir haben vier Modelle für Einsteiger herausgesucht, die preislich um die 1.000 Euro liegen und trotzdem mit guten Ausstattungsmerkmalen und Fahreigenschaften punkten.

  • Das Cube Attain Race gilt als solides Einsteigermodell, welches sich komfortabel fährt und trotzdem sportliche und beschleunigungsstarke Eigenschaften mitbringt.
  • Der Giant Content AR2 glänzt vor allem durch seine Vielseitigkeit. Er bietet Komfort und ist gleichzeitig reaktionsschnell.
  • Das Rose Pro SL 105 ist ein super Einstiegsrennrad für Allrounder. Es ist ein komfortabler Begleiter sowohl für längere, flache Touren als auch für bergiges Gelände.

Welches Material?

Ganz klar: Aluminium. Aluminium ist für Einsteiger am besten geeignet. Es ist relativ leicht, robust und in der Regel günstiger als andere Materialien.

Felgen- vs. Scheibenbremsen

Kurz zusammengefasst: Felgenbremsen sind meist kostengünstiger und daher besonders bei Einsteigerrennrädern weit verbreitet. Allerdings bieten sie bei Nässe eine geringere Bremsleistung als Scheibenbremsen, die dafür jedoch schwerer und wartungsintensiver sind.

Test-Ergebnisse im Überblick

Hier ist eine Tabelle, die die wichtigsten Ergebnisse der getesteten Rennräder zusammenfasst:

Modell Preis (ca.) Gewicht (ca.) Besonderheiten
Canyon Endurace 6 1399 Euro 9,5 kg Leichtestes Rad, Carbon-Sattelstütze
Giant Contend AR 2 1399 Euro ca. 10 kg Allroad-Modell, Komfortabel
Rose Blend Road 1199 Euro über 10 kg Günstigstes Modell
Radon R1 Tiagra 1299 Euro ca. 10 kg Sportliche Ausrichtung
Stevens San Remo 1000 Euro 9,3 kg Leichtestes Rad unter 1000 Euro

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