Hannah und Greta: Eine Fahrradreise durch Afrika

Die Geschichte von Hannah und Greta Schröder ist eine von Mut, Abenteuerlust und dem Vertrauen in die Menschheit. Im Juli 2021 brachen die Schwestern von ihrer Heimat Kassel aus mit ihren Fahrrädern Nulli und Prisemut auf, um die Welt zu erkunden.

Anfangs erzählten sie nur von einer Reise bis nach Portugal, um negativen Reaktionen auf ihr eigentliches Ziel, Südafrika, zu entgehen. Doch die Lust ist ihnen mehr als 10.000 Kilometer weiter südlich noch nicht abhandengekommen. Mit dem Rad, aber auch mal mit dem Güterzug oder per Anhalter, wenn es sein muss, bahnen sich die Schwestern, heute 23 und 22, ihren Weg an der Westküste Afrikas entlang, mittlerweile bis nach Kamerun.

Inzwischen sind sie seit drei Jahren unterwegs: Ihre Reise beginnt in Europa, führt sie durch Frankreich, Spanien, Portugal auf die Kanarischen Inseln - und schließlich nach Afrika. Das Ziel: irgendwann in Südafrika ankommen. Was bereits hinter ihnen liegt: sieben Monate Marokko mit tiefen Freundschaften, 1.000 Kilometer durch die Sahara, dreimal Malaria, unzählige Begegnungen mit vielen verschiedenen Menschen.

Die Sahara wurde im Sandsturm durchquert. Um einen Streckenrekord geht es nicht - andere Radreisende ziehen an ihnen vorbei, während die jungen Frauen auch mal monatelang ein Land erkunden oder, wenn das Visum auszulaufen droht, auch mal auf einem Lastwagen mitfahren.

Ein Hotel ist seltener Luxus - meist zelten die jungen Frauen, die sich nach eigenen Angaben nur von ihrem Ersparten durchschlagen, wild in Feldern, Ruinen oder Rohbauten.

"Wir hatten vorher schon recht viel Vertrauen in die Menschheit, aber jetzt durch diese Reise ist es wirklich so unfassbar tief geworden. Wir machen uns keine Sorgen mehr", sagt Greta. "Man findet immer Menschen, die einem helfen oder gute Laune machen mit irgendeiner Kleinigkeit."

"Wir schließen nicht mal unsere Fahrräder an. Wir haben nachts immer unsere Sachen draußen, egal ob wir in Dörfern schlafen oder mitten in der Wildnis", fügt Hannah hinzu.

Auf die Idee, nach Afrika zu reisen, kamen die Schwestern durch die Geschichten ihres Vaters, der als junger Mann mit dem Auto nach Ghana gefahren war. Das Fahrrad kam später dazu, um möglichst günstig zu reisen und viele Menschen kennenzulernen.

Immer wieder treffen sie auch andere Radreisende. "In Marokko sind es sehr viele, aber viele fahren nur bis zum Senegal. Ich schätze, vom Senegal bis Südafrika sind jetzt gerade vielleicht etwa 50 unterwegs", sagt Hannah. Außer ihnen seien nach ihrem Wissen im Moment nur zwei weitere allein reisende Frauen auf der Strecke unterwegs.

Herausforderungen und Zweifel

Die Schwestern sorgen sich auf andere Art um die Nachhaltigkeit ihrer Reise. "Die letzten Monate hatten wir so große Zweifel wie noch nie. Das liegt vor allem daran, dass wir unseren eigenen Anforderungen und Prinzipien nicht mehr gerecht werden können", schrieben sie auf Instagram.

Dort zeigen sie nicht nur die traumhaften Fotos ihrer Fahrt. Immer wieder geht es auch um die belastenden Seiten: Neben der körperlichen Anstrengung etwa auch die fehlende Privatsphäre, da sie überall auffallen und umringt werden.

"Der größte Punkt ist einfach, dass wir nicht mehr so viel Energie haben. Dadurch können wir mit Leuten nicht mehr so interagieren wie wir gerne würden, und brauchen dann eher Zeit für uns, haben die aber auch nicht", erklärt Greta.

"Wir versuchen immer zuzuhören, zu lernen, nicht mit geschlossenen Augen durch das Land fahren. Wir wollen jede Situation wahrnehmen und zuhören, auch egal, wie schwer es ist. Das ist das Mindeste, was wir machen können, von diesen Menschen zu lernen und zu hören, was sie brauchen, was sich verändern soll.

Deshalb steht nun eine Pause an: Den Sommer über lassen die Schwestern die Räder in Kamerun stehen und fliegen Anfang Juni (7.6.) von Douala in Kamerun nach Deutschland.

"Die Länder, die jetzt kommen, sind die unsichersten auf unserer Reise. Und die Fahrräder gehen immer weiter kaputt, wir sind nur am Reparieren. Das ist psychisch so anstrengend", sagt Hannah.

Einblick in den Podcast

Theresa sprach mit den Schwestern Hannah und Greta Schröder in einer Podcast Folge. Im Live Podcast auf der Bike Travel Stage im Rahmen der Eurobike Festival Days 2024 in Frankfurt am Main werfen sie zusammen mit Theresa einen Blick in ihr Reisefotoalbum. Komm im Podcast mit auf eine abenteuerliche Bikepacking-Reise!

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