Happy Birthday Fahrrad – Eine Geschichte von Innovation und Freiheit

Das Fahrrad hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich, die von einfachen Anfängen bis zur modernen Technologie reicht. Es ist mehr als nur ein Fortbewegungsmittel; es ist ein Symbol für Freiheit, Mobilität und einen aktiven Lebensstil. Um die Geschichte des Fahrrads zu verstehen, werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Entwicklungen und Ereignisse.

Die Anfänge: Karl Drais und die Laufmaschine

Die Geschichte des Fahrrads beginnt vor 200 Jahren mit Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn. Not macht erfinderisch: Nach einer Naturkatastrophe baute Karl Drais vor 200 Jahren eine Laufmaschine - das erste Fahrrad. Die Explosion des indonesischen Vulkans Tambora 1815 hatte zu Ernteausfällen und "Jahren ohne Sommer" geführt. Der Haferpreis stieg, Pferde konnten nicht mehr versorgt werden und starben. Ein Gefährt, das auch ohne tierische Hilfe fuhr, musste her.

Drais erfand das Zweiradprinzip: zwei Räder laufen hintereinander. Gelenkt wurde am Vorderrad, eine Stütze für die Unterarme, das sogenannte Balancierbrett, übertrug die Kraft ins Rad. Diese sogenannte Draisine war das Ur-Fahrrad. Drais demonstrierte ihr Potential am 12. Juni 1817 höchstpersönlich. Er lief von seinem Mannheimer Wohnhaus nach Schwetzingen - für die hin und zurück 14 Kilometer brauchte er mit seinem rund 20 Kilo schweren Gefährt knapp eine Stunde. Eine passable Zeit.

Drais selbst nannte seine Erfindung Laufmaschine. "Auf keinen Fall dürfen wir es Laufrad nennen, das ist wichtig", sagt Thomas Kosche, der die Ausstellung "2 Räder - 200 Jahre" für das Mannheimer Technoseum kuratiert hat. "Ein Laufrad war schon damals die Tretmühle, das Hamsterrad. Doch die neuen Zweiräder setzten sich nicht durch. Zum einen kosteten sie verhältnismäßig viel Geld und waren für die meisten schlicht nicht erschwinglich. Zum anderen waren sie auf den damaligen holprigen Straßen äußerst unbequem. Als Alternative auf die Bürgersteige auszuweichen, kam nicht in Frage: Kurz nach dem Aufkommen der Laufmaschinen haben die ersten Städte das Fahren auf dem viel komfortableren Gehweg verboten, damit keine Fußgänger zu Schaden kamen. So verschwand die Draisine recht bald nach ihrer Erfindung wieder in der Versenkung - zumindest in Deutschland.

Die Engländer hatten durchaus Gefallen an dieser neuen Art der Fortbewegung gefunden. "Die Bezeichnung hobby horse oder auch dandy horse macht allerdings sehr deutlich, dass eine solche Laufmaschine etwas war, das sich nur wenige leisten konnten", sagt Kosche. Auch wenn die Draisine nur zögerlich Anlauf nahm - die Idee war in der Welt.

Die Entwicklung des Pedalrades

Gut fünf Jahrzehnte vergingen, bis sie wieder aufgegriffen wurde. Es war vermutlich der Franzose Pierre Michaux, der das Rad mit Pedalen ausgestattet hat. Andere sehen seinen Landsmann Pierre Lallement als wahren Erfinder des Pedalrades. Sicher ist, dass Lallement kurzzeitig bei Michaux angestellt war. Dieser wiederum arbeitete mit den überaus geschäftstüchtigen Brüdern Olivier zusammen. Sie finanzierten die Produktion der nun mit Pedalen versehenen Fahrräder und machten sie auf der Weltausstellung 1867 in Paris der ganzen Welt bekannt. Der Name: vélocipède bicycle, auf Deutsch Velozipede, also schnelle Füße.

"Bis heute ist nicht ganz geklärt, ob das Fahrrad auf der Weltausstellung gezeigt worden ist oder es einfach von Menschen in dem Umfeld benutzt worden ist", erklärt Thomas Kosche. Das neue Verkehrsmittel etablierte sich von nun an schnell. In Deutschland entstanden zahlreiche Velozipedfabriken.

Das Hochrad: Ein Statussymbol

Das Fahrrad wurde zunächst als Hochrad weiterentwickelt. Denn je größer das Rad, umso größer die Entfernung, die mit einer Umdrehung zurückgelegt werden konnte. Und umso schneller. Das führte zu vielen Unfällen, es gab Tote. "Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in anderthalb Meter Höhe auf so einem wackligen Konstrukt, fahren in ein Loch und das ganze Rad kippt nach vorne - mit Ihnen drauf", schildert Kosche einen typischen Unfallhergang. Trotz der Gefahr: Radfahren entwickelte sich zu einem beliebten Freizeit- und Vereinsvergnügen. Gependelt ist damit jedoch noch niemand.

Ein Hochrad war teuer, um 1880 kostete ein Exemplar rund 400 Reichsmark. So viel verdiente ein Arbeiter in einem ganzen Jahr. Das Rad wurde zum Prestigeobjekt: Vor allem Dandys - vornehme junge Männer - hatten genug Zeit, Geld und Balancegefühl, um so ein teures Rad im Park spazieren zu fahren. Angenehm war das nicht, die Räder hatten bald den Ruf als "Knochenschüttler" weg.

Das hielt zwanzig Hochradfans jedoch nicht davon ab, am 17. April 1869 in Hamburg den ersten - und heute noch existierenden - Radfahrclub der Welt zu gründen: den Eimsbüttler Velocipeden-Reitclub. Die Mitglieder unternahmen Weltreisen und veranstalteten erste Rennen. Eines der ersten Fernradrennen war damals Paris-Roube 1893. Das Hochrad, sagt Thomas Kosche, war der SUV der damaligen Zeit - vom Preis und von der Anmutung her. "Und es war ebenso eine technologische Sackgasse."

Das Niederrad und die moderne Form

Das Hochrad verschwand. Das sogenannte Niederrad mit Kettenantrieb, wie wir es heute kennen, wurde zum ersten Mal 1885 in England gebaut. Der Begriff "Fahrrad" taucht hier ebenfalls erstmals auf, doch vorerst lautete der Handelsname noch "Sicherheitsniederrad". Die harten Vollgummireifen wichen bald Luftgummireifen, das Radfahren wurde deutlich bequemer. Und fand immer mehr Anhänger.

Ende des 19. Jahrhunderts war die Entwicklung des modernen Fahrrades nahezu abgeschlossen. "Die klassische Rahmenform gab es damals bereits, und sie ist bis heute geblieben, weil sie einfach perfekt ist", sagt Kosche. Das Fahrrad - ein sehr früh ausgereiftes Industrieprodukt, an dem im Laufe der Jahrzehnte nur Nuancen verfeinert werden.

Das Fahrrad im 20. Jahrhundert

Um die Jahrhundertwende war das neue Verkehrsmittel für die meisten Menschen erschwinglich geworden. Die weltweit größten Fahrradfabrikanten saßen zu dieser Zeit in Deutschland. Ein Fahrrad bedeutete Freiheit und Mobilität, das machte es auch in den Augen vieler Frauen attraktiv. Die mussten sich ihr Recht, Rad zu fahren, jedoch erst erkämpfen. Schädlich für die Gebärfähigkeit sei diese Art der Fortbewegung, hieß es. Und gefährlich dazu: Lange Röcke verhedderten sich zu schnell in den Speichen des Rades.

Das Fahrrad hat es schnell vom Luxussymbol zum beliebten Gebrauchsgegenstand gebracht. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg änderten sich die Begehrlichkeiten rasch: Wer etwas auf sich hielt, der legte sich ein Auto zu. Bis in die 80er-Jahre hinein dauerte der Autoboom, dann begann langsam ein Umdenken. Die Deutschen haben die Vorteile des Fahrradfahrens erkannt: Es hält fit, schon die Umwelt, schleust den Fahrer zuverlässig am Stau vorbei und erspart die Parkplatzsuche. Und es gibt keinen effektiveren Weg sich fortzubewegen. 69 Prozent der Deutschen besitzen mindestens ein Fahrrad, 2015 haben diese Radler insgesamt knapp 25 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Karl Freiherr Drais von Sauerbronn, der auf der allerersten Radtour der Welt 14 Kilometer zurückgelegt hatte, wäre stolz.

Das E-Mountainbike: Eine neue Ära

Manchmal bedarf es einer vollkommen neuen Denkweise, um Neues zu bewirken. Wie Apple mit dem iPad einst einen neuen Markt erschuf, so werden E-Mountainbikes ihren Markt schaffen. E-Mountainbiken hat das Potential das „Ski-Fahren“ des Sommers zu werden. E-Bikes sind die besten Mountainbikes, um das Erlebnis und die allgemeine, breite Akzeptanz des Sports zu fördern. E-Tourismus boomt. Deshalb sprechen wir Junggebliebene aller Altersklassen an, Menschen mit einem gewissen Lebensstil und einem hohen Anspruch an Lebensqualität. Wellness, Goodlife und Work-Life-Balance sind bedeutende Themen für eine solvente und tendenziell sportliche Zielgruppe zwischen 30 und 65 Jahren. Ein ebenso großes Thema ist, Job, Familie und Freizeit zu vereinbaren.

In Zeiten der rasant wachsenden SUV-Zielgruppe, die E-Mountainbikes als Alltagsgefährt und Statussymbol einsetzt, ist dieses Konzept aktueller denn je. Doch leider schien dem damals nicht so. Wenige Early-Adopter und eine kleine Anzahl an Bikeherstellern (darunter an vorderster Front Haibike und CUBE) bildeten den Markt. Doch damit nicht genug, wir mussten zahlreiche blöde Kommentare und gar Anfeindungen über uns ergehen lassen: „Ihr Verräter, was macht ihr denn mit diesen blöden Weicheier-Mountainbikes?“ Nichtsdestotrotz glaubten wir an unsere Vision und finanzierten das E-MOUNTAINBIKE Magazin die ersten 3 Jahre quer. Unsere Überzeugung: Was Spaß macht, gewinnt. Und E-Mountainbikes machen einfach verdammt viel Spaß!

Unsere Vision war zu plausibel, das Potenzial war zu groß, der Markt und die möglicherweise bevorstehenden Veränderungen waren zu spannend, um Aufgeben zu einer Option zu machen! Ein guter Kapitän plant seine Route, bewahrt sich aber immer ein sinnvolles Maß an Flexibilität und passt sich den jeweiligen Bedingungen der Reise an. So war es auch in unserem Fall: Beim Design & Innovation Award im Folgejahr konnte E-MOUNTAINBIKE als erstes Magazin das neue Haibike XDURO Nduro 2014 fahren, das schon wieder Welten vom Vorjahresmodell entfernt war und von der Award-Jury als „Game Changer 2014 für die gesamte Bikeindustrie“ bezeichnet wurde.

Dabei wurde uns klar, dass E-Mountainbiken radikaler werden würde als gedacht. Deshalb änderten wir kurz darauf unser Logo. Statt Wellness - symbolisiert durch die geschwungenen Linien in der Bildmarke - wollten wir mehr Sport und Action. Die Ecken und Kanten der neuen Bildmarke, die ein E für E-MOUNTAINBIKE, einen Elektrostecker und einen Berg darstellt, sollten den nun sportlicheren Charakter unterstreichen.

Das Fahrradjubiläum 2017

Das Fahrrad feierte 2017 seinen 200. Geburtstag.

Auftaktevent zur RadKULTUR 2017 Am Samstag, 8. April 2017, fand auf dem Bismarckplatz ein Auftaktevent zur RadKULTUR 2017 mit RadCHECK und Codieraktion statt.

Großer RadKULTUR-TagRadKULTUR-Tag am Samstag, 20. Mai 2017, auf dem Universitätsplatz.

RadSCHAUIm Juni 2017 fand in Kooperation mit dem Citymarketingverein Pro Heidelberg e.V. Jubiläumswettbewerb: Beim landesweiten Jubiläumswettbewerb „Fahrrad. Ideen. Entwickeln.“ des baden-württembergischen Ministeriums für Verkehr schaffte es die Stadt Heidelberg aufs Siegertreppchen. Sie überzeugte in der Kategorie „Wirtschaft“ mit den RadKULTUR-Events, die 2017 in Kooperation mit dem Einzelhandel geplant sind. Dafür wurde Heidelberg mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Der erste Platz ging an die „Industrie-Strampler“ von badenova, der dritte Platz an die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e.V. (AGFK-BW), der auch die Stadt Heidelberg angehört.

Fahrradkalender 2017Anlässlich des Jubiläums hat die Stadt Heidelberg einen kostenlosen Fahrradkalender 2017 herausgebracht. Er ist mit schönen großformatigen Fotos zum Thema „Fahrradfahren in Heidelberg“ gestaltet und zeigt die wichtigsten Fahrrad-Termine im Jubiläumsjahr.

Die Zukunft des Fahrrads

2023 markiert und verbindet in einzigartiger Weise Tradition und Aufbruch für die deutsche Fahrradindustrie und unseren Verband - wir begehen das 135-jährige Jubiläum des ZIV und seiner Vorgängerverbände und wir richten den ZIV gleichzeitig neu aus, indem wir uns für alle Akteure des Ecosystems Fahrrad öffnen.1888 haben sich die ersten Pioniere der Fahrradproduktion in Deutschland zusammengetan, um die Interessen ihrer jungen, gerade erst entstehenden Industriebranche gemeinsam zu vertreten. Zwischen diesem Zeitpunkt und heute liegen Welten, ein Kaiserreich, zwei Kriege, Diktaturen, Trennung und Wiedervereinigung.

Gleichzeitig erfordern sie eine Erweiterung der Perspektive und einen Wandel - auch des ZIV. Der ZIV, der auch in der Vergangenheit bereits Import und Großhandel vertreten hat, trägt zwar weiterhin ‚Zweirad-Industrie-Verband‘ im Namen, vertritt aber künftig das komplette Ecosystem rund um das Wirtschaftsgut Fahrrad. Die Lage ist vielversprechend: 80 Millionen Fahrräder sind die größte Fahrzeugflotte in diesem Land. 75% der Bevölkerung nutzen das Fahrrad. Jeden Tag werden mehr Wege auf dem Fahrrad als im gesamten ÖPNV gemacht. Wir haben die Elektrifizierung des Fahrzeugs längst erfolgreich geschafft und haben ohne einen Cent Subventionen 10 Millionen E-Fahrzeuge in den Bestand gebracht. Wir sind in so Vielem die führende Fahrzeugindustrie in diesem Land. Unsere Geschichte hat gerade erst richtig begonnen!

Zusammen feiern - das große JubiläumsfestAm Vorabend der ZIV-Mitgliederversammlung 2023 in Berlin fand am 20. April 2023 unter dem Motto «135 Jahre zusammen stark: die deutsche Fahrradindustrie» ein großes Jubiläumsfest statt.

Wenn in diesem Jahr das Fahrrad seinen 200. will ich Dir DANKE sagen - danke dafür, dass Du mich durchs Leben trägst. Oft bist Du mir mehr Last-als Drahtesel und nimmst mir damit jede Menge Gewicht ab, an dem ich sonst schwer schleppen würde. Bei Wind und Wetter sind wir zusammen draußen und nie murrst und meckerst Du darüber. Das nenne ich eine treue Seele. Früher warst Du mir treuer Urlaubsbegleiter, heute rettest Du mich zeitgeizigen Menschen durch den Alltag, denn durch Dich brauche ich exakt zehn Minuten von Tür zu Tisch. Um Dich zu feiern, liebes Radl, sag ich Dir herzlich „Happy Birthday“ und schenke Dir eine Extraportion Kettenöl, eine sanfte Staublappenmassage und ein paar Einheiten Schraubendrehen, denn auch das, liebes Rad, hab ich durch Dich gelernt (oder mit zwölf lernen müssen, als mein Vater beschlossen hat, dass Radpflege ab sofort allein meine Sache ist): Wer selber schraubt, ist klar im Vorteil.

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