Hardtail-Erfahrungen mit 140 mm Federweg: Ein umfassender Überblick

Hardtails erfreuen sich großer Beliebtheit, denn zum einen sind sie effiziente Kletterer, zum anderen wartungsärmer und meist günstiger verglichen mit Fullys. Mit dem BIG.TRAIL 2024 setzt MERIDA auf effiziente 29”-Laufräder vorne und hinten und einen Aluminiumrahmen mit Trail-optimierter Geometrie.

MERIDA BIG.TRAIL 600 im Detail

Das BIG.TRAIL war das erste „Trail-fokussierte“ Hardtail von MERIDA und kam 2016 auf den Markt. Eine Erfolgsgeschichte, denn das BIG.TRAIL entwickelte sich zum meistverkauften Mountainbike der Taiwanesen. Der Grund dafür? Es spricht eine große Bandbreite von Fahrern an, vom Mountainbike-Einsteiger über den Pendler bis hin zum Trail-Shredder.

Unser BIG.TRAIL 600 Test-Bike in Größe L wiegt 14,58 kg und bringt 140 mm Federweg mit, die auf 150 mm upgegraded werden können. Es geht in der Topausstattung für einen Preis von 2.350 € über die Ladentheke, ist vorerst aber nicht auf dem deutschen Markt erhältlich. Der Preis ist für ein Alu-Hardtail allerdings auch nicht gerade ein Schnäppchen.

Rahmen und Geometrie

Neben dem angepassten Größenkonzept, das man bei MERIDA schon vom ONE-FORTY und ONE-SIXTY kennt, gab es beim BIG.TRAIL ein Update an der Rahmengeometrie, das es in der Abfahrt potenter als sein Vorgänger gestalten soll. Die Rahmengeometrie ist mit einem Lenkwinkel von 64° sehr flach, laut Hersteller erhält das Bike im Downhill so mehr Stabilität, auch auf ruppigen Trails.

Optisch wirkt das BIG.TRAIL unspektakulär, das Cockpit hingegen hinterlässt einen aufgeräumten Eindruck. Die Kabel laufen sauber über den Steuersatz in den Rahmen. Dafür sorgt der zweiteilige Wire Port aus Plastik von MERIDA, der ein Klappern effektiv verhindert. Da die Züge erst unterhalb des Vorbaus im Steuersatz verschwinden, könnt ihr weiterhin ohne Probleme euer Cockpit nach euren Wünschen umbauen.

MERIDA hat bei ihrem BIG.TRAIL 2024 ihr Größensystem angepasst und richtet sich dabei nach ihrer ONE-SIXTY- und ONE-FORTY-Modellreihe, die das gleiche System bereits verfolgt. So sind die Bikes im neuen System nicht mehr in S/M/L/XL/XXL unterteilt, sondern in X-Short/Short/Mid/Long/X-Long. Hierbei wachsen Reach und Radstand bei einer relativ konstanten Sitzrohrlänge. So wird z. B. X-Short für Fahrer mit einer Körpergröße von 155 cm empfohlen, X-Long für Fahrer mit einer Körpergröße von 195 cm.

Ausstattung

An der Unterseite des Oberrohrs befindet sich ein Toolmount für eure Trail-Essentials. Zusätzlich hat MERIDA in einer kleinen Box unter dem Sattel ein Multitool verstaut und am Schnellspanner der hinteren Steckachse ist ein 6-mm- und 4-mm-Inbus-Schlüssel versteckt. Auf dem Unterrohr findet ihr noch zwei Mounts für einen Flaschenhalter, so dass man stets hydriert ist.

Ein Highlight ist der Kettenstrebenschutz, er ist der erste dieser Art, den MERIDA verbaut. Er besteht aus zwei unterschiedlich harten Kunststoffen: Auf der Unterseite ist er hart, um in den Rahmen eingeclipst zu werden, und oben weich, damit er keine Geräusche macht, wenn die Kette aufschlägt. Die Neuentwicklung funktioniert außerordentlich gut und das MERIDA BIG.TRAIL ist auf dem Trail angenehm leise.

MERIDA hat am BIG.TRAIL 2024 im Rahmen Aufnahmen für Schutzblech, Ständer und Gepäckträger angebracht. Unser MERIDA BIG.TRAIL 600 hat eine RockShox Pike Base-Federgabel mit simpler Rush RC-Kartusche, bei der man allerdings nur die Low Speed Compression und den Rebound einstellen kann. Dazu gibt es eine Shimano XT-Vierkolbenbremse, in Kombination mit zwei großen 200-mm-Bremsscheiben. Das loben wir uns, denn so etwas sieht man eher selten an Hardtails! So hat man genug Bremspower auch auf steilen Abfahrten.

Die mechanische 12-fach-Schaltung DEORE von Shimano sorgt beim MERIDA BIG.TRAIL für einen zuverlässigen Gangwechsel. Eine Kettenführung ist von MERIDA bereits verbaut und die integrierte ISCG05- Aufnahme ermöglicht euch, einen Bashguard nachzurüsten, falls gewünscht.

Die hauseigene MERIDA-Sattelstütze hat bei unserem Bike in Größe L einen Hub von 200 mm und kann komplett im Sitzrohr versenkt werden. Das verschafft euch eine gute Bewegungsfreiheit auf dem Trail - vor allem bei einem Hardtail ist das essenziell.

Die ebenfalls hauseigenen 29”-Aluminium-Laufräder sind vorne mit dem MAXXIS Minion DHF und hinten mit einem MAXXIS DISSECTOR aufgezogen. Beide mit der etwas härteren MaxxTerra-Gummimischung, die sich auch zum Pendeln eher eignet als eine weiche MaxxGrip-Mischung. Das unterstreicht den flexiblen Einsatzzweck des BIG.TRAIL.

An der Front kommen die Reifen mit einer EXO-Karkasse, im Heck mit der etwas stabileren EXO+ Karkasse, die für Spazierfahrten zum Bäcker definitiv ausreicht. Wer mit dem BIG.TRAIL aber ruppige Trails mit Steinfeldern und technischen Wurzelpassagen in Angriff nehmen will, sollte zumindest hinten auf Reifen mit der stärkeren Doubledown-Karkasse zurückgreifen.

Ausstattungsvarianten

Das MERIDA BIG.TRAIL 2024 wird in 3 Ausstattungsvarianten verfügbar sein: 600, 500 und 300. Je höher die Zahl, desto hochwertigere Parts und höher der Preis. So bekommt ihr das BIG.TRAIL 300 für 1.300 € mit einer SR Suntour XCR 34 2CR-Gabel, Shimano 9-fach CUES-Schaltung und der Shimano MT200-Zweikolbenbremse, die 2-Finger-Bremshebel verbaut hat. Wir können das Bike in dieser Ausstattung allerdings nicht für Trails oder lange Abfahrten empfehlen, dafür ist die Zweikolbenbremse nicht geeignet: zu wenig Power und anstrengend für die Finger.

In der 500er-Variante verbaut MERIDA eine RockShox Psylo Silver RC, Shimano CUES 11-fach-Schaltung und die etwas stärkere Shimano MT410-Bremse, die allerdings auch nur zwei Kolben hat.

Fahreigenschaften

Schwingt man sich auf das MERIDA BIG.TRAIL, nimmt man direkt eine zentrale Sitzposition ein. Aufgrund der gleichmäßigen Belastung von Gesäß und Händen fühlt es sich schön ausgewogen an. So kann man gut von oben in die Pedale treten und spürt die direkte Kraftübertragung für einen effizienten Vortrieb. Auf Forststraßen und flowigen Uphills zaubert das einem ein Grinsen ins Gesicht. Hier wird auch der Vorteil gegenüber einem Fully deutlich, bei dem die Energie eher im Dämpfer verpufft.

Im technisch anspruchsvollen Uphill muss man allerdings immer aufpassen, dass man die richtige Linie wählt, da durch das steife Heck bei dicken Wurzeln oder Stufen Traktion verloren geht. Durch den steilen Sitzwinkel hat man eine aufrechte Position und viel Druck auf der Front. So hebt das Vorderrad auch bei steilen Anstiegen nicht vom Boden ab und ihr könnt weiterhin Lenkimpulse umsetzen.

Im Downhill lässt sich das MERIDA BIG.TRAIL gut kontrollieren, ist agil und setzt Lenkimpulse direkt um. Durch das straffe Heck ist das Bike sehr direkt, man bekommt unmittelbar Feedback vom Untergrund, was eine aktive Linienwahl unerlässlich macht. Hier muss man mit Kopf und Körper aktiv mitarbeiten, was zwar anstrengend ist, aber auch verdammt viel Spaß macht. Unterstützt wird man dabei durch die angenehme Ruhe, für die der Kettenstrebenschutz und die Kabelverlegung sorgen.

Auf flowigen Trails fühlt sich das BIG.TRAIL am wohlsten, da man das straffe Heck hier richtig durch Anlieger pushen und über Roller pumpen kann. Auf natürlichen Trails mit leichten Stein- und Wurzelfeldern arbeitet die Pike-Federgabel zuverlässig und fängt kleine Schläge ab. Bei größeren Stufen oder schnell aufeinanderfolgenden Hits fehlt es ihr aber an Reserven und die Schläge werden an die Arme weitergeleitet. Dazu sollte man immer noch auf eine gute Linienwahl achten, da beim MERIDA BIG.TRAIL am Heck nur dünne Reifen und der eigene Körper für die Dämpfwirkung sorgen.

Allgemein fährt sich das BIG.TRAIL auf Flowtrails und längeren Touren spaßig und effizient. Auf Singletrails kommt es aber, wie alle Hardtails, schnell ans Limit, da man durch das steife Heck im technischen Uphill und Downhill markante Grip-Einbußen hat und das Bike nicht über Hindernisse bügelt wie ein Fully.

Empfehlung

Das MERIDA BIG.TRAIL 600 empfehlen wir fitnessorientierten Bikern, die einen effizienten Kletterer suchen und gerne Kilometer machen - und auch den ein oder anderen flowigen Trail mitnehmen wollen. Aber auch für erfahrene Trail-Shredder ist das BIG.TRAIL eine gelungene Ergänzung im Bike-Keller. Außerdem kann man das BIG.TRAIL einfach zum Alltagsgerät transformieren, indem man es durch die integrierten Aufnahmen für Schutzblech, Ständer und Gepäckträger in ein Pendel-Bike verwandelt. Wer also ein Bike sucht, mit dem man Trails genauso gut wie den Weg in die Arbeit fahren kann, empfehlen wir das BIG.TRAIL.

Das MERIDA BIG.TRAIL ist ein solides und gut durchdachtes Hardtail mit einem großen Einsatzgebiet für Einsteiger über Pendler bis hin zum Trail-Shredder. Das Größensystem ist gelungen und erlaubt mehr Flexibilität in der Rahmenwahl. Auf ruppigen Trails kommt das MERIDA BIG.TRAIL an seine Grenzen, hier muss man mit guter Linienwahl und Kraft ausgleichen. Auf einfachen Tracks hat man mit den BIG.TRAIL durch sein direktes Fahrverhalten auf jeden Fall eine Menge Spaß.

Vergleich mit anderen Mountainbikes

Wir haben vier Mountainbikes zwischen 2500 und über 6000 € auf Herz und Nieren geprüft. Die große Frage dieses Tests: Wie viel Geld muss man ausgeben, wenn man ordentliche Mountainbike-Trails fahren will.

All unsere Testbikes sind darauf ausgelegt, Fahrspaß auf ernsthaften Trails zu versprühen. Aber zwischen ihnen liegt ein Preisunterschied von über 4000 €. Das brandneue Orbea Laufey Trailhardtail repräsentiert dabei mit einem Preis von 2500 € den Einstieg in die Welt der hochwertigen Mountainbikes.

In der Mitte zwischen den Extremen buhlen das Radon Slide Trail AL als Fully zum attraktiven Preis von unter 3000 € und das Canyon Spectral für einen UVP von 5000 € um die Gunst der Bike-Käufer. Das Canyon stellt dabei bereits exklusive Innovationen wie das K.I.S.

Obwohl zwischen unseren Testbikes ein Preisunterschied von über 4000 € liegt, sind die Extreme im Markt damit noch lange nicht ausgeschöpft. Es gibt schließlich auch Bikes für über 10.000 €.

Als Fachhandelsmarke kann Orbea preislich gesehen nicht ganz so aggressiv agieren wie die Versender Radon und Canyon. Auch ein Rose Bonero wird ohne Händlermarge bei ähnlichem Ausstattungsniveau sicherlich etwas günstiger im Rose-Onlineshop verkauft als das Orbea Laufey.

Testkriterien

Wenn man Äpfel und Birnen in den Vergleich schickt, ist es wichtig, sie anhand derselben Kriterien zu bewerten. Natürlich haben wir jedes Bike mit ein und derselben Waage gewogen. Wir haben sogar den Laufradsatz eines jeden Bikes extra gewogen, um die rotierende Masse explizit zu erfassen.

Uns war es wichtiger, die Bikes in einheitlichem Terrain zu testen. Mit dem Testrevier Finale Ligure ist auch schon klar, welchen Maßstab wir dabei anlegen lassen. Die Bikes müssen sich im rauen Gelände behaupten.

Bei all unseren Tests ist es für uns immer wichtig, ein Bike nicht einseitig zu betrachten. Denn auch wenn der Trail bergab die Hormone im Körper sprudeln lässt, ordnen wir der Euphorie im Downhill nicht alles unter. Man kann diese Euphorie schlicht und ergreifend nicht erfahren, wenn man zuvor nicht den Anstieg bezwungen hat.

Sicherlich haben wir diese Zeit bei unseren Testeindrücken weniger stark gewichtet als die Zeit auf dem Trail. Aber jedes Bike aus diesem Test musste es sich gefallen lassen, dass es sowohl bergauf wie auch bergab kritisch betrachtet wurde.

Wir stehen in diesem Punkt zu unserer Haltung, dass ein Mountainbike bergauf zumindest nicht nerven sollte. Wer den Anstieg per se verteufelt, findet mittlerweile auch im E-MTB-Segment geile Bikes, die den Aspekt Uphill nahezu nichtig machen.

Vergleich der Testbikes

Das neue Orbea Laufey ist die Hoffnung für alle jene, deren Budget deutlich unter der 3000 € Grenze liegt. Durch den fehlenden Dämpfer im Heck, spart man sich nicht nur das Bauteil und damit das Budget für den Dämpfer. Auch die Rahmenkonstruktion ist deutlich einfacher als bei einem Fully. Diese Kombination macht das günstigste Bike in unserem Vergleich gleichzeitig zum leichtesten. Bergauf zieht das Laufey die Konkurrenz ab.

Blickt man auf die Trailhardtail-Konkurrenz, wird klar: Das Laufey ist eines der abfahrtslastigsten Trailhardtails auf dem Markt. Starke Bremsen, dicke 2,6er Reifen, ein Staufach im Unterrohr und ein sehr tiefes Tretlager grenzen es deutlich von der Konkurrenz ab.

Ein Hardtail bleibt immer ein Hardtail, egal wie abfahrtslastig es ausgestattet ist. Steigt das Tempo auf dem Trail, prasseln die Schläge am Heck so ein, dass man die Kontrolle bereits deutlich früher verliert als mit einem Fully. Man muss das Tempo und die Fahrweise mit dem Hardtail gegenüber dem Fully deutlich anpassen.

Das Radon Slide AL ist das günstigste Fully in unserem Vergleich und hat uns damit überrascht. Es spielt den Vorteil des gefederten Hinterrads in der Abfahrt deutlich gegenüber dem Hardtail aus. Das Radon liefert gemessen an seinem Preis eine gute Leistung ab. Je mehr man das Gas stehen lässt, desto mehr muss man jedoch bei Hinterbau und Geometrie Kompromisse eingehen.

Mit einem Gewicht von 15,6 Kilo ohne Pedale schafft man am Ende des Tages sicher auch den einen oder anderen Trail weniger als mit dem Hardtail. Denn der Aufstieg ist zäh mit diesem Bike.

Das Canyon Spectral CF 8 mit KIS System kostet deutlich mehr als das Radon, wiegt aber genauso viel. Es hat mehr Federweg und ist abfahrtslastiger, wiegt aber ebenfalls 15,5 Kilo wie das Radon. Und damit bleibt klar: Auch mit diesem Bike macht der Weg zum Traileinstieg nur bedingt Spaß.

Dafür ist das Canyon Spectral auch in der Mullet-Version ein Bügelbrett bergab. In der 160 mm Klasse lässt es keine Wünsche im Downhill offen. Das Rock Shox Fahrwerk liefert ab, die DT Swiss Laufräder sind für ihre stabile Bauweise bekannt.

Man bekommt mit dem Canyon Spectral CF also ein echt geiles Bike für die Abfahrt, muss aber auch im Preisbereich um die 5000 € noch einen Kompromiss eingehen. Bergauf fährt auch dieses Bike nur mit viel Input seitens des Fahrers.

Für 6999 € verbaut Liteville nur beste Teile. Die Syntace Carbon Laufräder und das Fox Factory Fahrwerk, drücken nicht nur das Gewicht nach unten, sondern funktionieren auf dem Trail einwandfrei. Der Alu Rahmen spielt mit einem Rahmengewicht von ca. 3300 Gramm in einer Liga mit aktuellen Carbon Modellen.

Wer bereit ist, tief in die Tasche zu greifen, bekommt ein Bike, das sowohl im Downhill, als auch auf dem Weg zum Traileinstieg viel Freude macht. Das einzige Bike, mit dem weder bergauf noch bergab ein großer Kompromiss eingegangen werden muss, ist tatsächlich das Liteville für 6999 €.

Das Spectral in der 5000 € Preisklasse funktioniert zwar bergab sogar noch etwas besser, verlangt im Anstieg aufgrund des Gewichts aber auch nach einer besseren Form vom Fahrer.

Federweg am Hardtail: 120 mm vs. 140 mm

Brauchen Trail-Hardtails 140 Millimeter Federweg oder ist ein Hardtail mit einer 120er-Gabel womöglich sogar die bessere Wahl?

100 Millimeter Federweg waren über Jahrzehnte der Standard bei Race-Hardtails. Aber 100-Millimeter-Race-Hardtails wie das Scott Scale, das Merida Big Nine oder auch das Cube Elite sind mittlerweile super spartanische Geräte für die Rennstrecke.

Hardtails mit 120 mm Federweg und mit Teleskopstütze wiegen bei ähnlichem Preis nur ca. 700 Gramm bis 1 Kilo mehr und sind deutlich geländegängiger. Dabei ist uns aufgefallen, dass man den zusätzlichen Federweg zwar spürt, dass der im Vergleich zur Teleskopstütze aber nicht der Gamechanger ist.

Um die Frage nach dem optimalen Federweg am Hardtail wirklich sauber zu klären, haben wir uns zwei absolut vergleichbare Bikes besorgt. Beide Bikes haben denselben Rahmen, aber eine unterschiedliche Ausstattung. Während die 120er-Version auf leicht profilierten Reifen rollt, hat die 140er-Trail-Version nicht nur deutlich gröbere Stollen, sondern auch Alu-Laufräder, dickere Standrohre an der Gabel und eine Vier-Kolben-Bremsanlage am Vorderrad. Das ganze Konzept ist also deutlich mehr auf Abfahrt ausgelegt, was in Anbetracht des zusätzlichen Federwegs auch wirklich Sinn macht.

Wenn man direkt zwischen den Bikes wechselt, merkt man sofort, dass man auf dem 140er Trailhardtail aufrechter sitzt. Dabei lastet deutlich weniger Druck auf den Handgelenken als beim 120er-Bike. Die ganze Front unter dem Lenker kommt etwas höher. Man muss sich das so vorstellen: Mit der längeren Gabel rotiert die ganze Geometrie des Bikes um die Hinterradachse zwei Zentimeter nach oben. Dadurch wird das Oberrohr, wenn man es waagrecht misst, kürzer, und der Stack steigt an.

Im Singletrail bergab dreht sich der Spieß um. Allerdings weniger, als man es vermuten würde. Man steht beim 140er-Bike aufrechter hinter dem Lenker und hat so etwas mehr Kontrolle. Aber: Auch das Trail-Hardtail bleibt ein Hardtail!

Um das volle Potenzial der größeren Gabel im Gelände zu heben, bräuchte es ein Fully. Um das Potenzial der 140er-Gabel und der groben Reifen voll auszunutzen, bräuchte das Bike einen Dämpfer im Heck.

Mit dem 140er-Trailhardtail sind zweifelsohne auch größere Sprünge möglich. Auf gröberen Trails ist man mit mehr Federweg bei angepasstem Tempo sicherer unterwegs.

Bei der Frage nach dem Federweg am Hardtail ist aber mehr nicht zwingend besser. Trailhardtails wie das H3 in der Trailbike-Ausstattung oder das Rose Bonero haben ihre absolute Berechtigung, wenn der Fahrspaß bergab an erster Stelle steht, das Budget aber nicht für ein Fully reicht.

Wenn du gerne auf ganz ruppige Trails abbiegst, aktuell aber nur 2000-2500 € für ein Bike ausgeben kannst, sind Trailhardtails eine sehr gute Wahl. Denn sie sind leichter und vor allem hochwertiger ausgestattet als Fullys.

Trailhardtails mit 140 mm Federweg haben ihre Berechtigung für Biker, die den Abfahrtsspaß über alles stellen und ein geringes Budget haben.

Radon Cragger vs. Rose Bonero

Zwei dieser Exemplare haben wir zum Duell geladen: das uns gut bekannte Radon Cragger und das brandneue Rose Bonero. Warum? Weil die zwei Versender-Bikes mit Preisen um die 2000 Euro nach aktuellen Maßstäben Preiskracher sind!

Sowohl das Bonero als auch das Cragger machen auf langen Touren Laune, das leichtere Bonero hat hier Vorteile.

Die größten Unterschiede zeigen sich an den Reifen - das Radon setzt auf Enduro- Pneus, das Rose auf flotte Allrounder -, am Setup der Gabeln sowie bei den stabilen Alu-Rahmen. Letztere sind mit über zwei Kilo beide alles andere als leicht, das Rose ist aber das modernere Bike mit noch einmal progressiverer Geo (längerer Reach), mehr Detail-Liebe und der zeitgemäßen Option, es auch als Alltags- oder Bikepacking- Rad zu nutzen.

Im Gegenteil, beide Hardtails sind tolle Vertreter ihres Segments, die auf der schnellen Feierabendrunde genauso überzeugen wie auf epischen Ausfahrten oder knackigen Trailrides.

Radon Cragger 8.0

Das preiswerte Cragger ist unter den Trail-Hardtails ein alter Bekannter und in der vierten Saison unterwegs. Das sieht man dem Alu-Rahmen auch an den außenliegenden Zügen oder der veralteten IS-Bremsaufnahme an.

Geschaltet wird mit einer Sram-GX-Gruppe, auch die im maximalen Hub einstellbare Ethirteen-Stütze sowie die Magura-MT5-Bremse gefallen. Die stabilen Laufräder liefert Newmen, bestückt mit der legendären Maxxis-Minion-Kombi. Selten verbaut, aber hübsch anzuschauen ist die DVO-Gabel.

In der Praxis merkt man sofort die im Vergleich zum Rose zäheren Reifen, auch ist der Sitzwinkel mit 74° weniger tritteffizient. Mit 13,4 Kilo wiegt das Radon nicht zu viel, das Bonero ist aber spürbar leichter.

Mit dem Abbiegen in den Downhill dreht das Cragger auf: Hier glänzen die Maxxis-Pneus mit tollem Grip, die Magura-Bremse mit perfekter Verzögerung. Das Radon zeigt sich auch so dank der eher hohen Front und des 65°-Lenkwinkels angenehm fahrstabil.

Rose Bonero 3

Für 2199 Euro stellt sich das Bonero-Topmodell dem Duell. Dass es als Saison-Debütant das deutlich neuere Bike ist, zeigt sich am zwar schweren (2136 g), aber toll gemachten Alu-Rahmen mit teils verschliffenen Schweißnähten.

Der bietet zudem - trendgerecht - viele Anschraubmöglichkeiten, um zum Alltagsrad oder Bikepacking-Begleiter zu werden. In Sachen Parts ist das Rose dem Radon sehr ähnlich, Schaltung und Vario-Stütze sind identisch.

Mit leichten 12,7 Kilo schießt das Rose in der Ebene und am Berg am Radon vorbei. Die rotierende Masse ist auch dank Tubeless-Aufbau deutlich leichter, die Kenda-Reifen rollen schnell, und auch der sehr steile 76°-Sitzwinkel macht sich positiv beim Hochtreten bemerkbar. So sind auch lange Touren ein Genuss!

Auf dem Trail zeigt die beliebte Rock-Shox- Pike-Federgabel mit 140 mm Hub hohe Nehmerqualitäten selbst im Groben, sie ist zudem schnell perfekt abgestimmt. Auch die Geo weiß zu gefallen: Der lange Reach sowie der flache 65°-Lenkwinkel generieren hohe Spurstabilität, durch die niedrige Front kommt guter Druck aufs Vorderrad, das tiefe Tretlager sorgt für Drehfreude - klasse!

Top elf Hardtails aus 2024

Hier findest du eine Übersicht über die elf besten Hardtails aus 2024.

Neben den bekannten Größen überraschen 2024 vor allem einige spannende Exoten, die das Hardtail neu interpretieren. Hier sind die besten Modelle der Saison.

  • Canyon Exceed CF
  • Bulls Black Adder
  • Cube Phenix
  • Trek Procaliber Gen 3
  • Mondraker Podium
  • Ghost Lector
  • Rose Bonero
  • Merida Big.Nine TR
  • Scott Scale Gravel RC
  • Bike Ahead The Frame
  • Yeti ARC

Tabelle: Vergleich ausgewählter Hardtail-Modelle 2024

Modell Federweg (mm) Gewicht (kg) Preis (Euro)
Canyon Exceed CF 100 ab 10,5 ab 1599
Bulls Black Adder 100 ab 10,0 ab 2599
Cube Phenix 100 ab 8,5 ab 5399
Rose Bonero 140 ab 13,4 ab 1299
Merida Big.Nine TR 120 ab 10,6 ab 1449

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