Rohloff Speedhub vs. Pinion Getriebebox: Ein Vergleich für Hardtail-Fahrer

Innovationen sind oft ein zweischneidiges Schwert. Einige verschwinden schnell, während andere genial sind, aber nicht von der breiten Masse erkannt werden. Im Bereich der Schaltsysteme und Getriebe für Fahrräder haben sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder neue und innovative Lösungen entwickelt. Zwei legendäre und revolutionäre Systeme sind die Rohloff Speedhub 14 und die Pinion Gearbox. Doch welches System ist besser, und wo liegen die jeweiligen Vor- und Nachteile?

Der Einfachheit halber betrachten wir hier nur die berühmtesten Alternativen zur Kettenschaltung: Rohloff vs. Pinion. Das Thema ist komplex, und die Werte sprechen meist eine klare Sprache.

Übersetzung und Entfaltung

Eine Rohloff bietet im kleinsten Gang eine Entfaltung von 1,38 m pro Kurbelumdrehung, was 5 km/h entspricht. Im größten Gang sind es dann ca. 45 km/h. Die 18-Gang Pinion offenbart eine Differenz von rund 9 Umdrehungen pro Minute bei jedem Gangwechsel und hat somit ein optimal breites Spektrum.

Wirkungsgrad

Für die Rohloff meldet „cycling about“ eine durchschnittliche Effizienz von 94,5 % über alle Gänge hinweg. Das Pinion Getriebe im Tretlagerbereich kommt durchschnittlich auf etwas weniger, und zwar 90,5 %. Ob der Alltagsradler diese 4 % Unterschied im täglichen Betrieb spürt, wird wohl letztlich verborgen bleiben. Gibt man die Kraft auf das Pinion Getriebe, verursachen die großen Kurbelwellendichtungen, schneller laufenden inneren Zahnräder, das kleinere vordere Kettenblatt und die etwas höhere Kettengeschwindigkeit höchstwahrscheinlich den etwas größeren „Schlupf“.

Gewicht

Vergleicht man beide Systeme, sieht man schnell die unterschiedliche Konzeption. Das Gesamtgewicht einer Rohloff, inkl. Züge und Schaltgriff wird mit knapp 2000g angegeben. Eine Pinion bringt insgesamt rund 900g mehr auf die Waage, auch für die Aufnahme der Box kommt nochmal ein Gewicht on Top. Charmant in diesem Zusammenhang auch der Hinweis in der Rohloff Werbung mit dem Argument „~120 Gramm pro Gang“ eine der leichtesten Nabenschaltungen überhaupt (bei der Pinion sind es dann 150g/Gang).

Geräuschentwicklung und Schaltverhalten

Die Rohloff ist bekannt dafür „Ganggeräusche“ von sich zu geben, im Besonderen sind es m.W. die Gänge 7 und 11 (das sind die Gänge, bei denen sich dann alle Zahnräder im Inneren drehen). Auch dieser Punkt ist maximal nur „einen Hauch different“. Beim Rohloff Gangwechsel ist der Schaltwiderstand in den verschiedenen Schaltkombination der Zahnräder geringfügig höher, während die Pinion über alle Gänge hinweg gleich „smooth“ bleibt. In der Praxis ist dieser „Pluspunkt“ meines Erachtens vernachlässigbar, zumal es Fans in beiden Lagern gibt.

Wartung

In beiden Fällen geht das (auch für ungeübte) leicht von der Hand und dauert mit allem drum und dran (Bier aus dem Keller holen und bereit stellen) maximal 20-30min. In der Regel verlangt eine Pinion Box nach ~10tausend Kilometern frisches Öl, während die Rohloff offiziell einen Wechsel nach 5000km empfiehlt.

Kosten

Beide Systeme schmälern das Konto, keine Frage. Auf der anderen Seite gilt aber auch: beide Systeme sind ihr Geld wert.

Erfahrung und Verfügbarkeit

Pinion ist im besten (pubertierenden) Alter. 2006 haben sich die ehemaligen Porsche Ingenieure auf den Weg gemacht. Da war Bernd Rohloff schon ein paar Tage länger an der Werkbank tätig. D.h. nunmehr 25 Jahre Produktionserfahrung gegenüber 15 Jahre Pinion auf dem Markt. Das sind „netto“ 10 Jahre Differenz - und auch hier einmal mehr mathematisch - mehr an Erfahrung. Vorteil Rohloff. Hier braucht man keinen speziellen Rahmen, keine extra Aufnahme für die Gear Box. Das ist bei Pinion konstruktionsbedingt nicht möglich. Wer sich einmal dafür entschieden hat, der fährt fortan mit Pinion.

Flexibilität

Es gibt heutzutage etliche Rahmen auf dem Markt, die verschiedene Laufradgrößen aufnehmen und somit den Einsatzbereich eines einzigen Bikes um einiges erweitern. Egal ob fatte 26×4,0 oder 27,5 x 3,0 Plus oder schlanke 29 x 2,25 - das geht. Wer einen Pinion Rahmen hat, der tauscht einfach die Laufräder (ok, ok, die kosten auch Geld) und schwupp aus 1 mach 3 ohne den teuren Gesamt-Invest in ein Komplettbike bzw. jeweils eine Getriebeeinheit (die bei Rohloff pro Laufrad erforderlich wäre).

Einsatzbereich

Der Mountainbiker wird wohl eher zu einer Pinion greifen. Durch die zentrale (und etwas tiefere) Lager der Getriebeeinheit im Tretlagerbereich ist der Schwerpunkt einfach mittig, zudem hat man nicht soviel anzutreibende und schwerere Masse am Hinterrad. Ausschlaggebend für den Pinion Punkt ist aber hier vielmehr die Tatsache, das sich die Kurbeln bei einer Rohloff auch schiebend mitdrehen - das kann besonders mit Flatpedals und scharfen Pins zu unangenehmen Situationen auf engen Trails führen.

E-Bike Kompatibilität

Freilich gibt es E-Bikes mit beiden Getriebeausstattungen. Zudem bietet Rohloff einen kompatiblen Shifter an, der mit dem Motor insofern „kommuniziert“ als dass er ihn wissen lässt, wenn die Kraft für den Schaltvorgang etwas zurück genommen werden muss.

Kabel und Schalthebel

Keine meiner Rohloff oder Pinion Kabel sind (bislang) je verschlissen. Bei der Rohloff, so die Fachwelt, ist der Kabelwechsel jedoch einfacher zu handhaben. Sowohl Rohloff Speedhub als auch die Pinion Getriebebox kommen mit klassischen Drehgriffschaltern. Die Fa. Velospring aus München bietet sogar eine Holzversion dessen an - sehr fein. Die Firma Cinq beispielsweise hat die Integration für Rennradlenker oder Mountainbiker Shifter (ala Shimano) geschafft. So kann man z.B. die 11 Speed Sram oder Campagnolo Shifter nutzen um die Rohloff „anzutreiben“. Es gibt im Nachrüstmarkt noch die Fa. Co-Motion, die einen Alternativen Shifter für die Pionion anbietet. Meines Erachtens gehört dieser Punkt klar in die Kategorie „nice to have“ und ist bestenfalls ein Individualisierungsmerkmal denn eine tatsächliche Optimierung des Systems.

Rohloff Nabenschaltung: Details

Die Rohloff Speedhub 500/14 wurde konstruiert, um als Alternative zur Kettenschaltung im MTB-, Trekking- und City-Rad zu dienen. Sie ist eine 14-Gang Hochleistungs-Getriebenabe für jegliche Art von Fahrrädern und kann dank ihres modularen Aufbaus als Basis für verschiedenste Ausführungen in allen gängigen Bike-Standards verwendet werden.

Eine Rohloff steht für einen hohen Wirkungsgrad und wird aufgrund ihrer herausragenden Qualität geschätzt. Die gekapselte Getriebenabe funktioniert nahezu wartungsfrei, ist extrem zuverlässig und robust, dabei ist sie auch optisch ein echter Hingucker.

Für wen eignet sich eine Rohloff Nabenschaltung?

Eine Rohloff Nabenschaltung eignet sich für qualitätsbewusste Radfahrer, die maximale Zuverlässigkeit bei praktisch keinem Wartungsaufwand wünschen oder gar benötigen. Durch den robusten und voll gekapselten Aufbau kommt die Rohloff gerne an Rädern mit hoher Beanspruchung zum Einsatz. Das können beispielsweise Lasten- oder Reiseräder sein, aber auch den Einsatz in jeglicher Art von E-Bikes, Fat-Bikes, Mountainbikes und nicht zu guter Letzt im Alltagsrad meistert sie mit Bravour. Da sie in nahezu jeden Rahmen passt, kann sie auch problemlos nachgerüstet werden. Mit den Jahren hat sich um die Rohloff Getriebenabe eine regelrechte Fangemeinde gebildet.

Bedienung und Aufbau

Die Auswahl der 14 Gänge kann bequem vom Lenker aus entweder manuell oder elektrisch erfolgen. Die mechanische Version wird per Drehgriffschalter mit exakten Rastpunkten bedient, die elektrische Version wird mit Daumen-Tastschaltern ebenfalls vom Lenker aus bedient. Allen Nabenschaltungen gemein ist der verschleissfreie Aufbau, dessen zuverlässige Funktion weit über ein ganzes Fahrradleben hinaus hält, wobei die Rohloff qualitativ über alle Zweifel erhaben ist. Der mechanische Aufbau einer Rohloff - drei im Ölbad laufende Planetengetriebe - ist ein Meisterwerk filigraner Ingenieurskunst und in Sachen Zuverlässigkeit und Robustheit eine Klasse für sich.

Vor- und Nachteile einer Rohloff Speedhub Nabenschaltung

Vorteile Nachteile
riesige Übersetzungsbandbreite von 526% höheres Gewicht als andere Schaltungen (z.B. Kettenschaltung)
höchster Wirkungsgrad aller Getriebenaben in der Anschaffung teurer als herkömmliche Schaltungen
nahezu wartungsfreier Antrieb
kinderleichte Bedienung per Drehgriff oder Taster
voll gekapselter und verschleißfreier Aufbau
minimale Folgekosten durch gering vorhandenen Wartungsaufwand
Aufwertung des Fahrrads
individuelle Konfiguration je nach Verwendungszweck möglich
in E-Bikes perfektes Zusammenspiel mit Bosch Motoren
kann in jedem Bike-Typ verwendet werden

Variationen der Rohloff Speedhub 500/14 Getriebenabe

Als Basis dient die Speedhub 500/14 und sie ist durch ihren modularen Aufbau für alle Einbaubreiten von 135mm bis 197mm erhältlich. Ob Schraub-, Schnellspann- oder Steckachse: Eine Rohloff passt bestimmt auch in deinen Rahmen.

Weitere Variationsmöglichkeiten

Für die perfekte optische Integration in dein Fahrrad ist das Gehäuse der Rohloff Getriebenabe in drei Farbvarianten erhältlich: Rot, Silber oder Schwarz eloxiert. Die Variante XL und XXL sind nur in Schwarz erhältlich.Durch unterschiedliche Gehäusedeckel kann die Rohloff Getriebenabe sowohl mit einer Felgenbremse, als auch mit einer Scheibenbremse kombiniert werden.Um allen Rahmenformen von klassisch bis modern gerecht zu werden, wurde für die Rahmenvarianten OEM, OEM2, Standard und Post Mount eine Achsplatte entwickelt, die die Integration der Rohloff Getriebenabe zum Kinderspiel macht.Auch die Schaltansteuerung der 14 Gänge kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Elektrisch über die kabelgebundene E-14 Ansteuerung oder mechanisch entweder über die externe oder interne Schaltansteuerung.

Die Rohloff Getriebenabe im E-Bike

Die Rohloff Getriebenabe arbeitet perfekt mit den E-Motoren von Bosch zusammen. Durch die Kombination von Rohloff und Bosch ergeben sich eine vereinfachte Bedienung und zusätzliche Komfortmerkmale. Die Ganganzeige und Steuerung über die Bosch-Displays sind dabei nur einige Beispiele der Vorteile dieser Kombination. Technisch harmonieren Antrieb und Getriebe geschmeidig miteinander, woraus sich ein ruhiges und sanftes Fahrverhalten ergibt. Auch die harmonische Gewichtsverteilung bei E-Bikes mit Mittelmotor steht auf der Seite der zahlreichen Vorteile. Die Rohloff Speedhub 500/14 ist übrigens die einzige Getriebenabe, die für die Verwendung in leistungsstarken S-Pedelecs zugelassen ist.

Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine im Vergleich

Mit Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine gibt es unterschiedliche Getriebeschaltungen für das Fahrrad. Wie die einzelnen Hersteller im Vergleich abschneiden, kannst du in der folgenden Gegenüberstellung nachlesen.

Pinion Rohloff Enviolo NuVinci Alfine
Max. Übersetzung 636% 526% 380% 307% - 409%
Max. Gangzahl 18 14 Stufenlose Gänge 8 oder 11
Garantie Fünf Jahre bei Einhaltung der Wartungsintervalle Zwei Jahre Zwei Jahre Zwei Jahre
Gewicht Ca. 1700g Ca. 2450g Ca. 1700g
Nachrüstbarkeit Benötigt speziellen Rahmen Kann durch individuelle Konfiguration mit fast jedem Rahmen verwendet werden Kompatibel mit 135x10mm Ausfallenden Passt in jeden Rahmen mit einem Hinterbau mit den Maßen 10x135mm. Das ist quasi jeder Trekking- oder Citybike-Rahmen
Verwendung im E-Bike Funktioniert mit Nabenmotoren. Kein automatisches Schalten möglich. Getriebe kommuniziert auch nicht mit der Elektronik des Motors/Displays. Funktioniert mit Mittelmotoren. In Kombination mit Bosch Motoren wird die Nabenschaltung intelligent integriert. Empfohlene Gangwechsel werden angezeigt, im Stand wird automatisch auf einen leichten Gang zum Anfahren geschalten uvm. Funktioniert mit Mittelmotoren. Man kann die bevorzugte Trittfrequenz einstellen, die dann durch automatische Schaltvorgänge immer konstant gehalten wird. Funktioniert mit Mittelmotoren. In Verbindung mit dem Shimano Steps Motor kann auch automatisch geschaltet werden.
Wartung Fast wartungsfrei. Lediglich alle 10.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen. Fast wartungsfrei. Lediglich alle 5.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen. Wartungsfrei Wartungsfrei, gelegentlich müssen Schaltzüge an der mechanischen Version nachgestellt werden
Schaltgriff Drehschaltgriff Drehschaltgriff Im Stand, Rollen Drehschaltgriff „Rapid Fire“ Daumenschalthebel, in der elektronischen Version Schaltknopf am Lenker oder Rennrad Brems-Schalteinheit
Schaltvorgang Im Stand oder Rollen und unter Teillast. In schnellere Gänge unter Volllast. Im Stand, Rollen und unter Teillast. Im Stand, Rollen und unter Last Im Stand, Rollen und unter Last
Wirkungsgrad Da nur zwei Getriebestufen vorhanden sind, ist ein Pinion Getriebe effizienter als eine Kettenschaltung. Der Wirkungsgrad liegt aber etwas unterhalb einer Rohloff Bietet den höchsten Wirkungsgrad aller Nabenschaltungen Durch die erhöhte Reibung ergibt sich gegenüber einer Kettenschaltung ein leichter Leistungsverlust Etwas geringer als Rohloff Speedhub
Anschaffungskosten Fahrräder samt Pinion Getriebe fangen aktuell bei ca. 2.500 € an. Seit 2019 auch für den Endverbraucher ab 649€ bis 1.499€ erhältlich. Ca. 1000 € Ca. 350-400 € Ab 150€ für die 8-fach Nabe ohne Zubehör, ca. 300€ für die 11-fach Variante

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