Harley-Davidson feiert das 50. Jubiläum der Super Glide. Sie gilt als das erste Factory-Custom-Bike der US-Marke und hatte nachhaltige Auswirkungen auf ihr Image als Chopper-Hersteller. Vor 50 Jahren brachte Harley-Davidson die FX Super Glide auf den Markt. Sie war der erste Versuch der US-Marke, einen serienmäßigen Chopper zu bauen.
Die Anfänge und der Einfluss von "Easy Rider"
Das Jahr 1969 sollte für die in der Krise steckende Marke Harley-Davidson alles ändern. Der Verkauf war rückläufig, immer mehr Kunden wandten sich anderen Herstellern zu, die Motorräder mit modernerer Technik anboten. Die Rettung kam ausgerechnet in Gestalt eines Films, der unter erheblichem Drogeneinfluss entstanden war und die vergebliche Suche nach der großen, amerikanischen Freiheit thematisierte. Die heimlichen Helden waren aber zwei Harley-Davidson-Chopper auf denen Wyatt und Billy von Los Angeles nach New Orleans fuhren.
Dabei hatte sich die Geschäftsführung von Harley-Davidson zuvor geweigert, Motorräder für den Film zur Verfügung zu stellen, weil das "Outlaw-Image" der beiden Protagonisten nicht zur Marke passen würde. Fonda ersteigerte deshalb notgedrungen bei einer Auktion in Los Angeles vier ausrangierte Polizei-Motorräder für 500 Dollar. "Easy Rider" löste eine Chopper-Mode aus. Dass Harley-Davidson keinen Chopper im Programm hatte, war ganz normal, solche Bikes waren damals Einzelanfertigungen. 1969 im Rahmen von "Easy Rider" erstmals auf der großen Leinwand zu sehen, gewannen die Bikes der Marke Harley Davidson immer mehr an Popularität. Konventionelle Serienmotorräder wirkten gegen Ende des Jahrzehnts im Vergleich plötzlich unattraktiv.
Die Geburt der FX Super Glide
William G. Davidson erkannte jedoch das wirtschaftliche Potenzial des Chopper-Trends. Der Enkel des Firmengründers William Davidson und Sohn des Geschäftsführers William H. Davidson leitete das Styling Department und entwarf die FX (Factory Experimental) Super Glide, die zwar nicht an die aufwendigen Umbauten aus dem Film herankam, aber zumindest ging sie stilistisch in Richtung Chopper. Der Erste Schritt auf dem Weg zum "Factory Custom" (welch schöner Widerspruch) war getan. Dafür hatte Davidson die schlanke Gabel und das schmale Vorderrad einer XL Sportster mit dem Rahmen, dem 1207 Kubikzentimeter großen Shovel-Head-Motor und dem fetten Hinterrad der FL Electra Glide kombiniert.
Willie G. Davidson, Enkel eines der Firmengründer und seit 1963 Chef von Harleys Designabteilung, war begeistert von dieser Szene und beschloss in Folge, selbst ein Motorrad zu entwerfen, das bereits serienmäßig ein individuelles Feeling vermittelte, wie es die in Stunden umfangreicher Werksarbeit entstandenen Chopper ausstrahlten. Es war der Startschuss für die Customizings ab Werk bei Harley Davidson. Willie G. Davidsons Idee bestand darin, die schlanke Gabel und das schmale Vorderrad einer XL Sportster mit dem Rahmen, dem Shovelhead-Motor und dem fetten Hinterrad eines FL Big Twin in einem Modell zu verschmelzen. Darauf verwies das Typkürzel FX, das zugleich für "Factory Experimental" stand.
Die Entwicklung der Super Glide Modelle
1971 präsentierte Harley-Davidson die FX Super Glide, jedoch mit dem etwas merkwürdigen "Boat Tail"-Kunststoffheck der Sportster, das so gar nicht dem Spirit der "Easy Rider"-Bikes entsprach. Ein Jahr nach der Premiere verschwand das von den Fans wenig geliebte Kunststoffheck namens Boat Tail, ein geschwungener Heck-Fender sowie eine kompakte, gestufte Sitzbank harmonisierten das Design und verhalfen der Maschine zum endgültigen Durchbruch. Der FX Super Glide folgten mit Modellen wie der Low Rider (1977) und der Wide Glide (1980) zahlreiche Epigonen.
Aus den FX-Typen geht 1984 die FXR-Familie hervor. Das R steht für "rubber mounted" und kennzeichnet die Gummilagerungen des neuen Evo-Motors im Rahmen. 1991 debütiert die FXDB Sturgis: Anstelle des R trägt sie den Buchstabenzusatz D im Typkürzel, der für Dyna beziehungsweise Dynamic steht. Sie ist die erste Harley deren Rahmen im CAD-Verfahren (Computer Aided Design) entwickelt wird, deutlich steifer ist und eine neue Modellfamilie begründet: Die Dynas. Neben den weiterhin absatzstarken Sportstern und den seit 1984 erfolgreichen Softail-Twins, die dritte traditionsreiche Baureihe. Ab 1999 werden die Dynas als Erbinen der Super Glide vom neuen Twin-Cam-88-Motor mit zwei Nockenwellen und 1.432 Kubik angetrieben. 2007 kommt nach einem neuen Rahmen, dem Sechsganggetriebe und 160 Millimeter breitem Hinterradreifen der Twin-Cam 96-Motor als Kraftwerk mit 1.562 Kubik in die Dynas. Brachialste und wohl auch fahraktivste Dyna ist die Low Rider S von 2017 mit dem knapp 100 PS starken 110er-CVO-Motor. Seit 2018 fahren die Dynas-Modelle den aktuellen Milwaukee-Eight-Motor mit 107 oder 114 Kubikinch, also 1.742 und 1.868 Kubik.
Zum 115. Firmenjubiläum im Jahr 2018 muss aber auch Abschied genommen werden. Harley-Davidson vereint unter dem Namen Softail und einer vollkommen neuen, nicht ganz unwichtigen, Modellstrategie die bisherigen Baureihen Softail und Dyna.
Die Harley-Davidson XL50 50th Anniversary Sportster
Die Harley-Davidson XL50 50th Anniversary Sportster erscheint ausschließlich im Modelljahr 2007 als limitierte Sonderedition. Sie markiert das 50-jährige Jubiläum der Sportster-Baureihe, die 1957 mit der XL eingeführt wurde. Die XL50 basiert technisch auf der regulären Sportster 1200 Custom, unterscheidet sich jedoch durch exklusive Ausstattungsmerkmale und eine limitierte Stückzahl.
Limitierung und Sondermerkmale
Die XL50 wird weltweit auf 2.000 Exemplare limitiert. Jedes Fahrzeug trägt eine individuelle Seriennummer auf einer Plakette am Lenkkopf. Die Sonderlackierung in „Birch White“ mit goldfarbenem Tankemblem ist exklusiv diesem Modell vorbehalten. Das Emblem ist eine Replik des Logos der ersten Sportster von 1957. Weitere Merkmale sind verchromte Motordeckel, ein verchromter Luftfilterdeckel mit Jubiläumsgravur sowie ein spezieller Zündschlüssel mit XL50-Prägung.
Technische Basis und Ausstattung
Die XL50 nutzt den luftgekühlten Evolution-V-Twin mit elektronischer Kraftstoffeinspritzung (ESPFI), der 2007 serienmäßig in allen Sportster-Modellen eingeführt wird. Das Modell verfügt über ein 5-Gang-Getriebe und Riemenantrieb. Die Sitzposition ist typisch für die Custom-Variante: leicht nach hinten versetzt mit mittelhohen Riser-Lenkern und vorverlegten Fußrasten. Die Sitzhöhe beträgt laut Hersteller 668 mm, was eine niedrige Sitzposition ermöglicht.
Die XL50 ist serienmäßig mit einem analogen Rundinstrument ausgestattet, das Geschwindigkeit, Kilometerstand und Kontrollleuchten anzeigt. Ein LC-Display ist nicht verbaut. Die Bereifung besteht aus Dunlop D401-Reifen, montiert auf 21-Zoll-Vorderrad und 16-Zoll-Hinterrad mit Speichenfelgen. Ein Windschild ist nicht serienmäßig enthalten. Gepäcklösungen wie Taschen oder Koffer gehören nicht zur Serienausstattung.
Reichweite, Garantie und Soziustauglichkeit
Der Tankinhalt beträgt 17 Liter. Bei einem vom Hersteller angegebenen Durchschnittsverbrauch von 4,9 l/100 km ergibt sich eine rechnerische Reichweite von rund 340 Kilometern. Die XL50 ist serienmäßig mit einem Soziussitz ausgestattet und verfügt über Soziusfußrasten. Die Garantie beträgt laut Harley-Davidson USA zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung.
Weitere Fragen zur XL50
Die niedrige Sitzhöhe und das gutmütige Fahrverhalten machen sie grundsätzlich einsteigerfreundlich. Das Leergewicht von über 250 kg erfordert jedoch etwas Erfahrung im Handling. Das Modelljahr 2007 der XL50 ist nicht mit ABS ausgestattet. ABS wird bei Sportster-Modellen erst ab späteren Baujahren optional angeboten.
Die XL50 basiert technisch auf der 1200 Custom, unterscheidet sich aber durch die limitierte Stückzahl, exklusive Lackierung, Jubiläumsplakette und spezielle Zierdetails. Der Tank fasst 17 Liter. Bei einem Verbrauch von 4,9 l/100 km ergibt sich eine Reichweite von etwa 340 km. Das Standgeräusch der XL50 beträgt laut US-Spezifikation 91 dB(A).
Harley-Davidson Jubiläen im Überblick
Was in der Harley Geschichte immer ein bisschen mitspielt ist das "Timing" der einzelnen Daten! Alle 5 Jahre werden die Harley-Davidson Geburtstage international gefeiert - und in Milwaukee, Geburtsort der Marke.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1903 | Gründung der Company |
| 1918 | 1. Weltkrieg |
| 1923 | Harley sucht neue Märkte |
| 1928 | Grund zum Feiern (25. Jubiläum) |
| 1933 | Depression-Ära |
| 1938 | Gründung Sturgis Rally (35. Jubiläum) |
| 1943 | 2. Weltkrieg (40. Jubiläum) |
| 1948 | Harley beschenkt sich selbst |
| 1953 | 50 Years Harley-Davidson |
| 1973 | Von Umbrüchen und Pech bei der Planung |
| 1976 | Anniversary-Editions |
| 1978 | Sternfahrt der Manager (75. Geburtstag) |
| 1983 | Gründung der HOG |
| 1988 | Stadtfest von Milwaukee (85. Geburtstag) |
| 1993 | Über 100.000 Teilnehmer (90. Geburtstag) |
| 1998 | Stundenlange Parade (95. Geburtstag) |
| 2003 | Rund um den Globus (100. Geburtstag) |
| 2008 | Museums Eröffnung (105. Geburtstag) |
| 2013 | Alle Wege führen nach Rom (110. Geburtstag) |
| 2023 | Harley Donner an der Donau! (120 Jahre Harley-Davidson) |
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