Was macht Harley-Fahren aus? Ist Hubraum bei einem Cruiser alles und sind PS unbedeutend? Zwei beinah identische US-Bikes liefern Antworten: die Harley-Davidson Sportster Iron 883 und die Nightster 1200.
Design und Unterschiede
Man muss schon genau hinsehen, um Unterschiede zu erkennen. Auffälligstes Merkmal: Die 1200er Nightster rollt auf Speichen-, die 883 Kubik starke Iron auf Gussrädern. Und der luftgekühlte, urwüchsige 45-Grad-V2 präsentiert sich in unterschiedlichen Gewändern: grau mit polierten Ventildeckeln bei der Nightster, schwarz bei der Iron. Auch ist die Riemenabdeckung der 1200er gelocht und die Lackierung unterschiedlich, bei der Nightster sogar zweifarbig ausgeführt.
Preisunterschied und Wert
Was rechtfertigt bei zwei technisch beinahe identischen Bikes den Preisunterschied von mindestens 1875 Euro? Eine Nachforschung fördert Erstaunliches zutage: Die Gussräder sind mit 1187 Euro gegenüber 637 Euro für die Speichenräder der Nightster sogar fast doppelt so teuer. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Amis die Preise ihrer 883-Einsteigermodelle bewusst niedrig ansetzen, um Kunden langfristig in die Harley-Welt zu holen oder auch vom Kauf eines japanischen Mittelklasse-Cruisers wegzufischen, ist hoch.
Fahrgefühl und Handling
Die Nightster hat einen breiteren Lenker, und der Sitz ist unkomfortabler, da er etwas weniger Polsterung als das Iron-Pendant besitzt. Dieser Unterschied schlägt sich auch in der Höhe nieder: Mit 740 Millimetern hockt der Iron-Fahrer 20 Millimeter höher als der Nightster-Pilot. Wendemanöver sind durch den zierlicheren Lenker für Menschen mit kurzen Armen etwas einfacher, sie brauchen nicht so weit zu greifen.
Die Soundwertung gewinnt die 1200er, allerdings nur mit wenig Abstand. Mehr verbrannte Luft, etwas höher verdichtet sogar, zwängt sich durch Röhren mit identischen Durchmessern. Die Kupplung geht bei beiden Modellen gleich schwer, zierliche Persönchen mit Spaghetti-Unterarmen werden daran verzweifeln.
Hier ist der erste Vorteil der 1200er: Beim zielfreien, innerstädtischen Cruisen braucht der Nightster-Fahrer weniger kuppeln als der Iron-Pilot. Um 50 km/h bei wohlfühlend-lässigen 2500/min zu cruisen, reicht bei der 1200er der zweite Gang, während bei der 883 der dritte eingelegt sein muss. Der Grund dafür liegt in der kürzeren Getriebeübersetzung des kleinen Sportster-Modells - bei 170 km/h ist nämlich Schluss, während die große Schwester bis 210 übersetzt ist.
Leistung und Drehmoment
Die Differenz von 53 PS (Iron) zu den 67 Pferden der Nightster ist gar nicht so riesig, denn die kürzere Übersetzung kaschiert sie beim Landstraßencruisen. Wer im gemütlichen 70- bis 100-km/h-Bereich unterwegs ist, der wird bei der Iron überhaupt nichts vermissen. Das viel höhere Drehmoment merkt man hingegen in niedrigen Drehzahlen, vor allem beim Anfahren.
120 km/h Cruise-Speed sind optimal für die beiden Sportster. Gefühlt hat der 1200er-Motor die etwas größere Schwungmasse, was dem Cruisen sicherlich zugute kommt. Mit 96,8 Millimeter haben beide Twins identischen Hub, das Hubraumplus der 1200er gewinnen die Amis durch eine 12,7 Millimeter größere Bohrung. Doch das macht den eigentlich langhubigen Motor - die Rumpfkonstruktion ist identisch - noch lange nicht zum Kurzhuber.
Fahrwerk, Bremsen und Gewicht
Auch beim beinah identischen Gewicht - die Iron ist vier Kilogramm schwerer: kein Unterschied spürbar. Bremsen - identisch. Fahrwerke - identisch. Federwege und deren Abstimmung - identisch.
Die Geschichte der Harley-Davidson Sportster XL 883
Die Harley-Davidson XL 883 Sportster wird ab 1986 mit dem luftgekühlten Evolution-V2-Motor produziert. Der Motor ist in dieser Phase mit einem Vergaser ausgestattet. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Fünfgang-Getriebe und einen Zahnriemen. Der Motor ist starr im Stahlrohrrahmen verschraubt. Die Modelle verfügen über eine konventionelle Telegabel und eine aufrechte Sitzposition mit mittig montierten Fußrasten. Ein Soziussitz ist serienmäßig vorhanden.
Modelljahre und Veränderungen
- 2004-2006: Neue Rahmenplattform mit Gummilagern zur Reduzierung von Vibrationen.
- 2007-2013: Einführung der elektronischen Einspritzung (ESPFI) zur Verbesserung des Startverhaltens und der Einhaltung von Emissionsvorgaben.
- 2014-2020: Überarbeitete Bremsanlage, optionales ABS und Anpassung der Abgasanlage.
Die Produktion der XL 883 Sportster endet in Europa mit dem Modelljahr 2020 aufgrund der Nichtanpassung an die Euro-5-Norm.
Technische Daten im Vergleich
| Merkmal | Harley-Davidson Sportster XL 883 N Iron 2013 | Harley-Davidson Sportster XL 883 N Iron 2018 |
|---|---|---|
| Motor | 4-Takt V 2-Zylinder | 4-Takt V 2-Zylinder |
| Hubraum | 883 ccm | 883 ccm |
| Max. Drehmoment | 70 Nm bei 3.750 U/min | 68 Nm Drehmoment bei 4.750 U/min |
| Radstand | 1.510 mm | 1.515 mm |
| Sitzhöhe | 735 mm | 735 mm |
| Tankvolumen | 12,5 Liter | 12,5 Liter |
Erfahrungen und Meinungen
Einige Fahrer berichten von einer Höchstgeschwindigkeit von gut 200 km/h laut Tacho und knapp 200 km/h nach Navi. Andere betonen, dass die Höchstgeschwindigkeit nicht im Vordergrund steht, sondern das entspannte Fahrgefühl. Viele Fahrer empfinden Geschwindigkeiten bis 130 km/h als angenehm und lässig.
Modifikationen und Individualisierung
Viele Besitzer modifizieren ihre Sportster, um die Leistung zu steigern oder den Look zu individualisieren. Beliebte Modifikationen sind der Einbau von Sportluftfiltern, Auspuffanlagen und Supertunern.
Verwandte Beiträge:
- Harley Davidson Holzbild: Individuelle Wanddekoration für Fans
- Harley Davidson Softail Satteltaschen: Modelle, Kaufberatung & Tipps
- Harley Davidson Evo Motor neu: Kaufberatung, Preise & Tuning
- Harley Davidson BSL Auspuff: Test, Sound & Kaufberatung
- Die Beste Protektorenjacke für Motorradfahrer – Ultimativer Test & Kaufberater
- Motorradtransport mit dem Zug: So gelingt der sichere und bequeme Transport!
Kommentar schreiben