Aus Amerikas vielfältiger Motorradindustrie im ersten Viertel des Jahrhunderts blieb nur die Firma Harley-Davidson übrig. 1903 von William Harley und den drei Brüdern Davidson gegründet, begann der Betrieb in den ersten Jahren mit kleinen Stückzahlen. Doch mit dem ersten V-Zweizylinder ging es ab 1911 steil bergauf, nach dem Ende des ersten Weltkriegs konnte man erstmals den Rivalen Indian überflügeln. Auf den amerikanischen Rennstrecken dominierten die Harley-Vierventiler mit unglaublichen Geschwindigkeiten. In Milwaukee entstanden in der Folgezeit eine grosse Zahl unterschiedlicher Modelle, auch Einzylinder und Boxer-Motoren waren darunter, doch dem V-Twin mit 1000 oder 1200 ccm wurde stets der Vorzug gegeben.
1930 wurden die bis dahin wechselgesteuerten Motoren von Seitenventilern abgelöst, die sich bis 1971 halten konnten, erstaunlicherweise auch als Rennmotoren. Legendär wurde das 750-ccm-Modell WLA im 2. Weltkrieg wegen seiner Bewährung im harten Einsatz. Das neu entstandene ohv-Modell bekam 1949 eine Telegabel und leitete damit die berühmte "Glide"-Serie ein.
Modellgeschichte der Harley-Davidson WLA (1940-1945)
Die Harley-Davidson WLA wird ab 1940 speziell für den militärischen Einsatz der US-Armee entwickelt. Sie basiert auf dem zivilen Modell WL, das zur Baureihe der 45-Kubikzoll-Flathead-V2-Motorräder gehört. Die Bezeichnung „WLA“ steht für „W“ (Baureihe), „L“ (zivile Hochkompression, bei der WLA jedoch mit niedrigerer Verdichtung für schlechte Kraftstoffqualität) und „A“ (Army).
Baujahr 1940 - Beginn der militärischen Fertigung
Im Jahr 1940 beginnt Harley-Davidson mit der Produktion der ersten WLA-Modelle. Diese sogenannten „Type I“-Versionen verfügen über einen 45-Kubikzoll-Flathead-V2-Motor, ein handgeschaltetes Dreiganggetriebe mit Fußkupplung und eine Springer-Vorderradgabel. Eine Teleskopgabel wird bei der WLA zu keinem Zeitpunkt verbaut. Die Fahrzeuge sind in Olive Drab lackiert und mit militärischer Zusatzausstattung versehen, darunter ein Gewehrhalter am Vorderrad, ein seitlich montierter Luftfilter, ein 6-Volt-Elektriksystem und ein Einzelsattel mit Federung. Die Hinterradaufhängung ist starr.
Baujahre 1941-1942 - Serienanpassungen für den Kriegseinsatz
Mit dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg 1941 wird die Produktion der WLA stark ausgeweitet. Die Modelle dieser Phase (Type II und III) erhalten unter anderem verstärkte Schutzbleche, eine geänderte Auspuffanlage mit Schalldämpfer und eine verbesserte Luftfiltereinheit für den Einsatz in staubigen Regionen. Die Zündanlage wird abgeschirmt, um Störungen durch Funkgeräte zu vermeiden. Die Sitzposition bleibt aufrecht, ein Soziussitz ist optional erhältlich, aber nicht serienmäßig. Die Fahrzeuge sind für den militärischen Einsatz optimiert, nicht für den zivilen Straßenverkehr.
Baujahre 1943-1945 - Standardisierung und Massenproduktion
Ab 1943 wird die Produktion weiter standardisiert. Die WLA-Modelle dieser Jahre (Type IV und V) verfügen serienmäßig über eine Blackout-Beleuchtung mit Tarnscheinwerfer und abgedecktem Rücklicht. Die Reifen stammen überwiegend von Firestone, Modell „Deluxe Champion“, in der Größe 5.00-16. Die Motorräder werden in Holzkisten („Crate Bikes“) verpackt und weltweit an alliierte Streitkräfte verschifft. Die Lackierung bleibt Olive Drab, teils mit matter Oberfläche zur Reduktion von Lichtreflexionen. Der Tankinhalt beträgt 3,5 US-Gallonen (13,25 Liter). Die offizielle Reichweite liegt laut technischen Unterlagen bei rund 120 Meilen (193 km).
Nachkriegsverwendung und zivile Umrüstung
Nach Kriegsende 1945 wird die Produktion der WLA eingestellt. Viele Fahrzeuge gelangen als Überschussmaterial in den zivilen Markt oder werden an alliierte Streitkräfte übergeben. In Europa finden sie unter anderem in Frankreich, den Niederlanden und der Sowjetunion Verwendung. Zahlreiche WLA-Modelle werden zivil umgebaut, wobei militärische Komponenten wie Tarnbeleuchtung oder Gewehrhalter entfernt werden. Eine Werksgarantie ist für Kriegsmodelle nicht dokumentiert, da es sich um militärisches Gerät handelt.
Technische Details und Modifikationen
Beim Zerlegen der 1942er WLA kam bei den V-Triebwerkern Ernüchterung auf. Wie sich herausstellte, war vom Motor nur noch das Kurbelgehäuse mit den Zylindern brauchbar. Alles andere war Kernschrott und flog in die Tonne, der Motor nun komplett neu aufgebaut. Die neue Kurbelwelle besteht aus Schwungscheiben von Truett & Osborne, die Pleuel sind spezielle WR-Klone von S&S. Und weil man schon einmal dabei war, wurde der Hubraum flugs auf 900 Kubikzentimeter aufgestockt. Kolben, Ventile, Nockenwellen - alles neu. Zusätzlich wurden die Ölpumpen modifiziert und im Nockendeckel zusätzliche Kanäle zwecks besseren Ölflusses gefräst.
O-Ton von Erbauer Hendrik Klocke: „Durch den zusätzlichen Hub auf über 900 ccm ist die Modifikation des Ölkreislaufs zwingend notwendig, sonst läuft sie fix trocken.“ Eine Folge der Modifikation war, dass der Ölkreislauf die Primärkette nicht mehr mitschmiert. Der Tank ist der einer WR mit halbseitiger Teilung. In der linken Hälfte ist Sprit, rechts Motorenöl. Schrecklich viel passt in den Sprittank nicht hinein, bei Volllast ist nach 60 Kilometern Ebbe im Kanister.
Zum Zeitpunkt der Fotoaufnahmen war ein Magneto von Hunt und ein Amal-Concentric-MKI Vergaser mit geändertem Manifold verbaut. Nach den ersten Testfahrten zeigte sich, dass die Bremswirkung nicht ausreichte. Deshalb ist hinten nun eine 100er-Scheibenbremse verbaut und mit einem Cover versehen, so fällt das moderne Bauteil nicht gleich als optisches No-Go auf. Vorn ist eine Big-Twin-Trommel mit modifizierten Belägen verbaut.
Der Aufbau sollte möglichst originalgetreu werden. Lediglich die verkleidete Scheibenbremse am Hinterrad ist der Neuzeit geschuldet.
WLA im zivilen Einsatz und Umbauten
Es kann einer abgehalfterten Harley-Davidson WLA wahrlich Schlimmeres passieren, als in solch eine Beauty verwandelt zu werden. Wenn man Bikes wie dieses sieht, braucht es schon ein gerüttelt Maß an Fantasie, um sich vorstellen zu können, dass die Basis-Brocken zwanzig Jahre lang in Einzelteilen in einer Kellerecke herummoderten. Wie so oft hatte der Vorbesitzer eine Vollrestaurierung geplant, aus der dann doch nichts wurde.
Stephan Schöning ist ein echter Autodidakt. Hoch im Norden sind die Abende und Nächte im Winter bekanntlich ein bisschen länger. So war das auch bei Stephan, der sich entschlossen hatte, eine Harley-Davidson WLA nicht nur von Grund auf zu restaurieren, sondern dies in der eigenen Werkstatt durchzuziehen! Originale Harley-Teile wurden aufgearbeitet und größtenteils brüniert. An WLA-Teilen - original und in neuer Fabrikationsqualität - herrscht auch 75 Jahre nach Ende des Krieges eigentlich kein Mangel, doch natürlich haben die ihren Preis.
Stephan erinnert sich: „Nach und nach wurden die Teile wieder montiert und beim Zusammenbau ergaben sich diverse Schwierigkeiten: Teile bedurften spezieller Anpassung, oft gab es keine Teile im gewünschten Stil auf dem Zubehörmarkt, diese habe ich dann selbst hergestellt. Als besonders aufwendig stellte sich die Restaurierung von Benzin- und Öltank dar, hier mussten Lack, diverse Lagen Spachtelmasse und Grundierung mit Heißluftfön und grober Spachtel entfernt werden. Nach der Versiegelung wurden die Tankhälften und das Ölreservoir in einer Fachwerkstatt lackiert. Der Sattel kam von Jimi von „Spirit Leather“, die maßgeschneiderte Sattelaufnahme entstand in Eigenbau.
An Stelle des Serienvergasers wird das Aggregat durch einen modernen Mikuni-Vergaser beatmet, somit konnte ein konventioneller Gaszug mit Handarmaturen von Kustom Tech verwendet werden, passend zum Bobber-Charakter. Die Elektrik der „gebobbten“ WLA ist eine Kombination von Alt und Neu: Der 12-Volt-Generator mit Laderegler und Lifepo-Akku versorgt die Lichtanlage mit ausreichend Strom.
Wer schon mal eine WLA gefahren ist, kennt die „Performance“ der Serientrommeln, die ihre Ursprünge aus den 30er Jahren nicht verleugnen können: „Um die bestmögliche Bremsleistung aus ihnen zu holen, habe ich neue Bremsbeläge aufbringen lassen“, bestätigt Stephan. Stephan „bobbte“ die WLA eher dezent: Weglassen statt dranschrauben war angesagt - der Lowbrow-Fender hinten ist klassisch geformt, aber sichtbar aus heutiger Zeit. Zeitgenössisch ist der Würfel an der Tachoeinstellung und der Handschifter mit Billardkugel.
Häufige Fragen zur Harley-Davidson WLA
- Ist die Harley-Davidson WLA für Anfänger geeignet?
Die WLA ist nicht für Einsteiger geeignet. Die Bedienung mit Fußkupplung und handgeschaltetem Getriebe erfordert Erfahrung im Umgang mit historischen Motorrädern.
- Hat die Harley-Davidson WLA ABS?
Nein, die WLA ist nicht mit einem Antiblockiersystem ausgestattet. Sie verwendet mechanische Trommelbremsen ohne elektronische Unterstützung.
- Harley-Davidson WLA vs. WL - Unterschiede?
Die WLA basiert auf dem Modell WL, unterscheidet sich jedoch durch militärische Ausstattung wie Tarnbeleuchtung, Gewehrhalter, verstärkte Schutzbleche, abgeschirmte Zündung und spezielle Luftfilter. Auch die Verdichtung des Motors ist für den Einsatz mit minderwertigem Kraftstoff reduziert.
- Harley-Davidson WLA Tankinhalt und Reichweite?
Der Tankinhalt beträgt 3,5 US-Gallonen (13,25 Liter). Die offizielle Reichweite liegt bei etwa 120 Meilen (193 km).
- Kann man mit der Harley-Davidson WLA zu zweit fahren?
Ein Soziussitz ist nicht serienmäßig verbaut, kann jedoch nachgerüstet werden.
Technische Daten im Überblick
Hier ist eine Übersicht der wichtigsten technischen Daten der Harley-Davidson WLA:
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Motor | 45-Kubikzoll-Flathead-V2 |
| Getriebe | Handgeschaltetes Dreiganggetriebe mit Fußkupplung |
| Tankinhalt | 3,5 US-Gallonen (13,25 Liter) |
| Reichweite | ca. 120 Meilen (193 km) |
| Bremsen | Mechanische Trommelbremsen |
| Vorderradgabel | Springer-Vorderradgabel |
| Hinterradaufhängung | Starr |
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