Die Kündigung der Händlerverträge für HD Köln und Bonn, beides Eigentum von Kierdorf, erfolgte zum Ende letzten Jahres. Weil Georg Kierdorf im Schriftverkehr mit dem bei Verdi angestellten Rechtsanwalt Dr. Onur Ocak zu rassistischen Äußerungen gegriffen haben soll, was der bei der Linken kandidierende Anwalt in den sozialen Medien publik machte und auch dem Spiegel zur Veröffentlichung anbot, kündigte Harley-Davidson zum Ende letzten Jahres die Händlerverträge für HD Köln und Bonn, beides Eigentum von Kierdorf.
Schon wieder Aufregung im DACH-Händlernetz von Harley-Davidson: Nach der freiwilligen Rückgabe des Händlervertrages des größten österreichischen Dealers Zündwerk in Strasshof bei Wien und der Trennung Harleys vom schweizerischen Partner Bächli Harley-Heaven in Zürich hat die Deutschlandzentrale der Motor Company nun die Händlerverträge für die Standorte in Bonn und Köln zum 31. Dezember gekündigt. Der Grund: Angeblicher Rassismus des Geschäftsführers der K + K Holding, Georg Kierdorf, dem die beiden Stores gehören. Harley-Davidson befürchte einen Reputationsschaden für die Marke und den Namen Harley-Davidson Köln.
Der Auslöser: Ein Brief und seine Folgen
Diese Debatte wurde durch den bei Verdi angestellten Bielefelder Rechtsanwalt, Dr. Onur Ocak, ausgelöst. Im Kern ging es darum, dass eine ehemalige Mitarbeiterin von Harley-Davidson Köln (Firmenslogan: „Jeck op Harley“) über den Verdi-Anwalt aufklären lassen wollte, warum ihre letzte Gehaltsabrechnung niedriger ausgefallen war, als erwartet. Dr. Onur Ocak hat daraufhin den Vertragshändler angeschrieben und anwaltlich versichert, im Auftrag der ehemaligen Mitarbeiterin zu agieren. Dem Schreiben fehlte aber (zunächst) eine von der Mandantin unterschriebene Vollmacht.
Der Stein des Anstoßes: Georg Kierdorf, der über die Holding 95 Prozent der Anteile an Harley-Davidson Köln und Bonn besitzt, antwortete dem Rechtsanwalt in einem Brief und wählte folgende Worte: „Möglicherweise ist es in dem Land, aus dem sie stammen, ja üblich, eine Vollmacht lediglich zu versichern, hier in unserem Land ist es nicht so.“ Georg Kierdorf hat im Gespräch mit »bike & business« inzwischen eingeräumt, bei der Wahl seiner Worte Fehler gemacht zu haben. „Ich bin kein Rassist, natürlich waren diese Sätze in diesem Kontext nach aktuellen Maßstäben völlig inakzeptabel, deshalb habe ich mein Mandat als Geschäftsführer der Holding dann auch am 16. November niedergelegt.“
Die Eskalation und die Reaktion von Harley-Davidson
Dass seine Aussage nach hinten losging, merkte er schnell: Dr. Ocak entschied sich drei Tage später, am 15.11.2021, das Antwortschreiben Kierdorfs auf Social Media zu veröffentlichen. Zu dieser Zeit brach ein Sturm über den Kölner herein. Zunächst, so Kierdorf, sei ein Schwall von schlechten Google-Bewertungen seiner Harley-Shops ins Haus gekommen. Anklagen wie „ein ganz brauner Haufen“ machten ihn stutzig - er vermutete eine „Kampagne“ Ocaks und wendete sich erneut an den Verdi-Mann.
In Folge des Spiegel-Artikels wird der Konzern Harley-Davidson mit der Darstellung seines Vertragshändlers Kierdorf als rassistischem Bedroher konfrontiert - der Konzern lässt ihn fallen. Man distanziert sich von Kierdorf, bald folgt die Kündigung beider Händlerverträge, 50 Jobs hängen in der Schwebe. Dass, wie Ocak formulierte, „die die Medienberichterstattung überleben“, scheint an diesem Punkt unwahrscheinlich.
Am 9. Januar hat der Deutschland-Importeur im „Kölner Stadtanzeiger“ ausführlich seine Sicht der Dinge und die Kündigungsgründe dargestellt. Der Eigentümer der beiden Händlerbetriebe habe sich „absolut unangemessen“ gegenüber dem Anwalt verhalten. Man sei von der erheblichen negativen Resonanz in der Presse und den sozialen Medien mit voller Wucht getroffen worden. Dies habe der Marke erheblichen Schaden zugefügt. Man arbeite mit Hochdruck an einer Nachfolgelösung, die sowohl Mitarbeiter wie auch Kunden zufriedenstellen soll.
Die juristische Auseinandersetzung und die Folgen für die Mitarbeiter
„Derzeit lassen wir diese Kündigungen einer rechtlichen Überprüfung vor dem Oberlandesgericht Frankfurt unterziehen“, so Georg Kierdorf. „Unserer Rechtsauffassung nach ist die Kündigung aus verschiedenen Gründen unwirksam. Der genannte Kündigungsgrund ist aus unserer Sicht unzureichend und vollkommen unverhältnismäßig“, so Kierdorf. Für ihn liege die Vermutung nahe, dass es sich hier um einen Vorwand handele, der in anderer Form begründet sei.
Mittlerweile hat Kierdorf einen juristischen Erfolg einfahren können: Vergangene Wo-che hat das Oberlandesgericht Frankfurt die fristlose Kündigung der Händlerverträge für rechtswidrig erklärt. Vorerst kann er seine Betriebe fortführen. Aufatmen bei den ca. 50 Mitarbeitern in Köln und Bonn! Jetzt ist zumindest sichergestellt, sollte es zu einer Geschäftsübernahme kommen, das diese nur in Absprache mit allen Beteiligten und ohne Druck stattfinden kann.
Die beleidigenden Anrufe, die Verunglimpfung von Kierdorf und seinen Mitarbeitern: Das alles scheint System gehabt zu haben, wirkt wie „Pfeile im Köcher“ eines Kampagnenmachers. Der Rassismus-Vorwurf sei weltfremd: „Ich bin seit vielen Jahren in der Flüchtlingshilfe tätig, mein bester Freund ist Afghane, ich beschäftige Griechen, Araber, Türken und Weißrussen“, erzählt er gegenüber TE.
Kundenreaktionen und Garantien
Eine völlig übertriebene Reaktion aus Angst vor einem Shitstorm, findet Kierdorf und beruhigt die Kunden: „Die Auslieferung der bestellten Neufahrzeuge ist garantiert, Shop und Werkstatt sind geöffnet. Was Garantie- und Servicearbeiten angeht, sind sämtliche unserer Mitarbeiter topgeschult; wir verfügen über alle notwendigen Werkzeuge und Diagnosetools. Werkstatttechnisch ändert sich für unsere Kunden also nichts“, versichert Georg Kierdorf.
Stellungnahme von Ver.di
Auf Harleysite Nachfrage bei Ver.di, gab es folgende Rückmeldung vom ver.di Bezirksgeschäftführer D.: Herr Ocak ist Volljurist und bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) als Rechtsassessor im Team Beratung und Recht (Rechtschutz) beschäftigt. Die Veröffentlichung von Korrespondenz in Rechtschutzangelegenheiten ist unüblich, in politisch bedeutsamen Verfahren oder Vorgängen aber angezeigt. ver.di stellt sich in der täglichen Arbeit konsequent gegen jede Form von Rassismus, benennt entsprechende Vorfälle konkret und im Einzelfall auch öffentlich.
Dass die rassistischen Äußerungen von Herrn Kierdorf und ihre Veröffentlichung mit der Kündigung der Lizenzverträge Auswirkung auf die Beschäftigten beider Betriebe haben würde, war nicht vorhersehbar. Ich halte es nicht für richtig, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in beiden Betrieben für das Fehlverhalten des ehemaligen Geschäftsführers zu bestrafen und appelliere an Harley Davidson, diese Entscheidung zu überdenken.
Ursprünglich wollte eine ehemalige Mitarbeiterin von H-D Köln, ihre letzte Lohnabrechnung über den Rechtsbeistand der ver.di überprüfen lassen, sie scheint mit ihren Belangen jetzt am Seitenrand zu stehen.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Auslöser | Rassistische Äußerungen von Georg Kierdorf gegenüber Dr. Onur Ocak |
| Reaktion von Harley-Davidson | Kündigung der Händlerverträge für Köln und Bonn |
| Juristische Auseinandersetzung | Oberlandesgericht Frankfurt erklärte die Kündigung für rechtswidrig |
| Folgen für Mitarbeiter | Unsicherheit um die Arbeitsplätze, zwischenzeitliche Entwarnung durch Gerichtsbeschluss |
| Kunden | Garantierte Auslieferung bestellter Neufahrzeuge, Werkstattbetrieb gesichert |
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