Harley Davidson Bremsflüssigkeit wechseln – Eine detaillierte Anleitung

Es lohnt sich, zusammen mit dem Belagwechsel auch gleich die Bremsflüssigkeit zu wechseln. Kostet nicht viel, und bringt Sicherheit. Die Bremsflüssigkeit altert. Sie nimmt mit der Zeit Wasser auf, welches dann an einer heissen Bremse verdampft, Gasblasen bildet und damit die Bremse ausser Kraft setzt. Besonders die hintere Bremse ist da anfällig, da sie wenig Kühlung erfährt.

Bremsflüssigkeitstypen und ihre Eigenschaften

Es gibt verschiedene Bremsflüssigkeiten. Diese sind nicht untereinander austauschbar (Ausnahme siehe unten). Ab 2006 verwendet Harley generell DOT4. DOT4 Bremsflüssigkeit ist hydrophil, also wasseranziehend. Es ist ein Polyalkohol. Später wurde das DOT5.1 entwickelt (Es darf nicht mit DOT5 verwechselt werden! Man achte auf das .1 am Ende). DOT 5.1 Bremsflüssigkeit ist auch hydrophil. Also wasseranziehend. Es ist auf Glykolbasis hergestellt und hat einen höheren Siedepunkt wie DOT4. Zudem greift es die Dichtungen nicht mehr an.

Vor 2004 wurde von Harley das DOT5 (genauer DOT5.0) verwendet. DOT5 darf nicht mit DOT4 oder DOT5.1 gemischt werden! Es ist eine Bremsflüssigkeit auf Silikonbasis, ist hydrophob (also wasserabstossend) und hat gleichfalls einen höheren Siedepunkt. Bei diesen Maschinen muss IMMER DOT5 verwendet werden. Wenn man DOT4 oder DOT5.1 in eine solche Anlage kippt, wurde der Alkohol (bzw. das Glykol) die Gummis angreifen, da DOT5 ja ein Silikon-ÖL ist.

Das Lüften einer DOT5 Anlage ist aufwendiger. Und es ist leichter als DOT4 und DOT5.1. Wer also aus welchen Gründen auch immer eine DOT4 Anlage in DOT5 wandeln will, muss dafür sorgen, dass jeder Rest von DOT4 aus dem System verschwindet. Das kann auch bedeuten, alle Schläuche und Dichtungen auszuwechseln. Es gibt auch mechanische Unterschiede: Während DOT4 inkompressibel wie Wasser ist, gibt DOT5 als Silikonöl etwas nach. Wenn es heiss wird, wird dieser "Gummieffekt" grösser.

Es gibt immer wieder Benutzer, die das aggressive DOT4 durch das DOT5 Silikonöl ersetzen wollen, wie es bis 2006 in Harleys verbaut wurde. Da die Bestellnummern der Bremsteile sich zwischen 2005 und 2007 nicht geändert hat ist davon auszugehen, dass die verwendeten Dichtungen beide Flüssigkeiten vertragen. Die Messwerte von DOT5 unterscheiden sich nicht von DOT5.1. Wenn man also das DOT4 durch DOT5.1 ersetzen kann, dann sollte das auch mit DOT5 gehen. Voraussetzung ist, das man das System durchspült, so das möglichst keine Reste des alten DOT4 übrigbleiben.

Bei einer älteren Anlage sollte man überlegen, gleich neue stahlummantelte Bremsleitungen zu verbauen. Das ist auch nützlich, um wenigstens etwas die kompressibilität von Silikonöl auszugleichen. Bei Fahrzeugen mit ABS würde ich diesen Tausch auf gar keinen Fall machen. Das ABS System macht regelmässige interne Druck und Widerstandsprüfungen.

Tatsächlich sind Betriebsstoffe keine Anbauteile im Sinne des KBA und daher auch nicht ABE-pflichtig! Das kann man jetzt glauben oder nicht. Ich halte es persönlich für sinnvoller, von DOT4 auf DOT5.1 zu wechseln. Dann hat man die Vorteile des hohen Siedepunktes, aber trotzdem keinen Hudel mit der Zulassung. Dann muss man halt alle 2 Jahre etwas vorsichtig beim Bremsflüssigkeitswechsel sein, und die übergelaufenen Reste sofort abwischen.

Aber Achtung: Auch hier gilt, das man das System gut durchspülen muss, damit keine Reste des DOT4 im System verbleiben. Früher gab es mal ein blaues DOT4. Das war praktisch, da man beim Nachfüllen sofort gesehen hat, ab wann die neue Flüssigkeit aus dem Entlüfternippel kommt. Mittlerweile gibt es eine einschlägige Norm (FMVSS § 571.116) für die Farbgebung. Die ist dafür geschaffen worden um zu verhindern, dass versehentlich DOT5 in DOT4 Bremsanlagen eingefüllt wird.

Die britische Firma Automec bietet eine DOT5 Bremsflüssigkeit an, mit der man nach eigenen Angaben ein DOT4 Bremssystem problemlos betreiben kann. Die Firma behauptet aber auch, dass das Silikonöl in den USA gefertigt wird und in der US-Armee zum Einsatz kommt. Obwohl die Fabrik sich um britischen Birmingham befindet.

DOT 5.1, dies ist eine Glykolflüssigkeit wie DOT 3und DOT 4 auch, nur mit leicht besserem Siedepunkt, aber den altbekannten Problemen. DOT 5.0, die es meines Wissens nur von ATE gibt, dies ist eine Silikonbremsflüssigkeit die nicht Kompatibel mit DOT3 oder DOT 4 ist. Hierbei müsste man sämtliche Gummis und Schläuche erneuern und umstellen auf Verträglichkeit mit dieser Flüssigkeit.

Und dann gibt es noch "unsere" DOT 5 von Automec, diese ist trotz Silikon mit DOT3 und DOT4 kompatibel, das heißt ohne Unverträglichkeiten mischbar. Hier wird also im Prinzip nur die alte DOT 3 oder DOT4 abgelassen. Radbremszylinder muss man dazu öffenen, bzw. umdrehen, damit die Flüssigkeit auch rauslaufen kann. Gummis und Leitungen müssen nicht getauscht werden. Danach füllt man einfach dieses DOT 5 ein und fertig.

Je ungenauer man die alte Flüssigkeit abgelassen hat, umso höher ist deren Anteil noch im System, was so gesehen zwar nichts macht, aber die Alterungsbeständigkeit der DOT 5 beeinträchtigt, weil ja immer noch ein Teil DOT3/4 drin ist der Wasser ziehen kann. Heute ist der Stand mit der Zulassung der, dass keine ABE für Bremsflüssigkeiten nötig/erforderlich sind, sondern nur die Normen FMVSS116, ISO4925 erfüllt sein müssen, und das tut DOT 5 vollkommen problemlos.

DOT 6 Bremsflüssigkeit gibt es eigentlich nicht. Die Firma ATE hat eine niedrigviskose Version des DOT 4 hergestellt, die SL.6 heisst. Ansonsten bringt diese Bremsflüssigkeit keine wesentlichen Vorteile gegenüber einem anderen Marken DOT 4 oder gar gegenüber DOT 5.1, das sogar besser ist als SL.6. SL.6 ist auch auf Glykolbasis und greift den Lack genauso an wie DOT 4.

Die Eigenschaft von DOT4 und DOT5.1, hygroskopisch (also wasseranziehend) zu sein, ist nicht schlecht. Eindringendes Kondeswasser wird sich in dieser Bremsflüssigkeit lösen und nur den Siedepunkt herabsetzen. DOT5 Bremsflüssigkeit ist hydrophob, also wasserabstossend. Harley verwendet DOT4.

Bremsbeläge: Typen, Vor- und Nachteile

Alle 2000km sollte man die Bremsbeläge kontrollieren und gegebenenfalls durch neue Beläge ersetzen. Normalerweise sind die Beläge geschlitzt. Solange man noch einen Schlitz sieht, ist man über der 1.0mm Mindestdicke.

Ich nehme Lucas/TRW Sinter(metall)beläge, die sind preiwert und gut (Testsieger). Die hinteren (SH) sind etwas härter und vermeiden dadurch das vorzeitige blockieren der Hinterbremse. Dazu haben sie eine längere Haltbarkeit. Die vorderen Beläge (SV) sind weicher und bremsen besser.

Die Lucas Beläge haben eigentlich nur einen Nachteil, nämlich dass sie manchmal zum quietschen neigen. Aber es gibt mittlerweile eine gute Abhilfe, eine Antiquietsch Folie, die vor der Montage auf die Rückseite des Belages geklebt wird.

Vor- und Nachteile von Sintermetallbelägen

  • Vorteile: Die Sinterbeläge bremsen besser, vor allen Dingen wenn sie heiss werden. Zum Beispiel bei Passabfahrten dauert es wesentlich länger, bevor sie ihre Bremswirkung durch Fading verlieren.
  • Nachteile: Sie sind teurer und neigen zum quietschen. Und sie beanspruchen die Bremsscheibe stärker (einer von beiden muss nachgeben).

Ich fahre mittlerweile 80.000 km mit Lucas Sintermetallbelägen und die Bremsscheibe ist noch weit von ihrer Verschleissgrenze entfernt.

Vor- und Nachteile von Organischen Bremsbelägen

  • Vorteile: Die organischen Beläge sind billiger und bremsen leise. Sie geben ein gutes Bremsgefühl.
  • Nachteile: Sie verschleissen schneller und kommen schneller in den Bereich des Fadings.

In manchen Foren liest man Aussagen ähnlich wie: "Die Sintermetallbeläge sind nur für den Renneinsatz geeignet. Sie müssen permanent auf einer sehr hohen Temperatur gehalten werden. Goldstuff - der Sintermetall-Bremsbelag für die Straße steht für maximale Bremskraft, ist für höchste Beanspruchung und hervorragend für schwere und schnelle Maschinen geeignet. Hergestellt aus einer Kupfer Legierung haben unsere Goldstuff - Sinterbremsbeläge eine stark verbesserte Lebensdauer und sorgen für die perfekte Bremspower bei allen Bedingungen, egal ob Hitze, Nässe, Trockenheit oder Kälte...

Anleitung zum Wechseln der Bremsbeläge

Bremsbeläge wechseln ist nicht schwer. Bei Harleys sind mehrer Typen von Bremssättel eingebaut. Zunächst mal die altbekannten schwarzen mit der Chromniere an der Seite. Die haben 2 Belaghaltestifte. Dann kamen die silbernen Brembo Bremssättel mit dem Chromgitter oben drauf. Bei den Dynas ab 2008 gibt es schwarze Bremssättel mit nur einem Haltestift. Die andere Seite des Bremsbelagens besteht aus einer Nase, die in die passende Aussparung des Bremssattels eingeführt wird.

Meist wird der Belagstift (Nummer 3) mit einer 10er Vielzahn Nuss gelockert/angezogen. Manchmal ist der Belagstift aber auch mit einem TORX T40 zu öffnen. Zudem ist der Belagstift gleichzeitig eine der Halteschrauben für den Bremssattel (da hat die Factory richtig was gespart). Die zweite Halteschraube für den Bremssattel ist auch eine 10mm Vielzahn Nuss (Nummer 4). Wenn man beide Schrauben löst, kann man den Bremssattel abziehen und die Beläge wechseln.

Grundsätzlich ist die Methode des Bremsbelagwechselns bei allen Modellen gleich. Ich beschreibe im Folgenden die Version mit 2 Belagstiften. Bei den Belägen mit nur einem Belagstift wird die gegenüberliegende Nase sorgfältig in den Bremssattel eingeführt. Man muss darauf achten, dass während der Installation diese Nase nicht wieder rausrutscht.

  1. Beim Vorderrad muss man zuerst den Bremssattel abschrauben (10mm 12-kant Schlüssel). Achtung: Man muss darauf achten, dass man NICHT die Haltebolzen des Bremssattels löst, sonst fällt die Bremse auseinander.
  2. Bei den neueren Brembo Bremssätteln (die mit dem silbernen Gitter oben drauf) wird der Belagstift mit einem 5mm Inbusschlüssel gelockert. Dieser ist mit einem Drahtclip gesichert, den man nach oben rausziehen muss.
  3. Nun kann der Bremssattel von der Scheibe gezogen werden.
  4. Dann muss man darauf achten, dass man die alten Beläge mit einem Schraubenzieher oder einem schmalen Schlüssel ganz auseinander drückt, damit die Kolben wieder komplett zurückfahren. Und zwar gleichmässig auf allen Seiten. Sonst bekommt man die neuen Beläge nicht eingebaut. ACHTUNG: Man darf die Bremskolben niemals direkt mit einem harten Werkzeug (Zange, Schraubenzieher etc) zurückdrücken. Deshalb werden die Kolben auch über die eingebauten Beläge zurückgedrückt.
  5. Dann die Stifte, welche die Beläge halten, entgültig rausschrauben und die alte Bremsbeläge rausnehmen. Man sollte sich merken, wie die Bremsbeläge ursprünglich montiert waren. Es gibt Beläge mit einer Nocke (2) und mit zwei Nocken (1). Zudem ist eine Seite des Belages immer gerundet(3).
  6. Der komplette Bremssattel mit Bremsenreiniger satt eingesprüht und mit einer alten Zahnbürste gereinigt. Danach mit einem Tuch trockenwischen. Die Kupferpaste ist in den letzten Jahren eher unbeliebt geworden (elektrolytische Korrosion), und wird zunehmend durch Keramikpaste ersetzt.
  7. Auch die Feder oben im Sattel, welche die Bremsbeläge etwas auf Spannung hält, bekommt ganz wenig Paste ab. Harley liefert bei den Brembo Bremsbelägen ein spezielles "Rückseiten-Abschmierset" mit. Das Problem der quietschenden Bremsbeläge hat ein Ende gefunden. Von Lucas gibt es eine Antiquietsch-Folie, die auf die Rückseite der Bremsbeläge geklebt wird. Sie ist selbstklebend und man muss nach dem befestigen nur die Überstände mit einem Teppichmesser abschneiden. Ich habe diese Folie auf mehreren Bikes montiert und die Bremsbeläge haben nie wieder einen Laut von sich gegeben. Man bekommt sie zum Beispiel bei Louis. Vier Folien (ausreichend für 2 Beläge) kosten da 6,99 Euronen.
  8. Jetzt werden die neuen Bremsbeläge genauso eingesetzt wie die alten und die Bremsstifte reingeschraubt. Die neuen Bremsbeläge drückt man vorsichtig auseinander, und der fertig montierte Bremssattel wird wieder auf die Scheibe geschoben. Es ist wesentlich, dass die Bremssättel mit den korrekten Drehmomentwerten festgezogen werden.
  9. Zum Schluss wird die Bremse ein paarmal betätigt, damit sich wieder Druck aufbaut. Eine Probefahrt zeigt dann, ob die Bremsen wieder einwandfrei funktionieren. Der Bremspunkt muss knackig und ohne schwammiges Gefühl sein.

Hört sich das alles kompliziert an? Ist es nicht. Wenn man die alten Bremsbeläge zurückdrückt kann es sein, dass ein wenig Bremsflüssigkeit aus dem Behälter austritt. Diese greift den Lack an. Das passiert besonders dann, wenn man zwischendurch mal den Bremsflüssigkeitsstand aufgefüllt hat. Das Abnutzen der Bremsbeläge führt automatisch zu einer Absenkung des Bremsflüssigkeitspegels. Wenn jetzt was dazu kommt, läuft der Behälter über, wenn man die Beläge auseinander drückt. Deshalb einen Lappen um den Behälter legen. Manche raten auch dazu, vor dem zurückdrücken der Beläge den Deckel des Bremsflüssigkeitsbehälters aufzuschrauben.

Die Kanten der neuen Bremsbeläge können mit einer Feile im 45° Winkel gebrochen werden. Wenn man das Rad ausbauen muss, kann man gleich die Achse warten. Dazu wird die entfettete Achse mit 1000er Schmirgelpapier glattgerieben (geläppt), um eventuelle Grate und Unebenheiten zu beseitigen. Weiterhin ist es oft ratsam, die Achse "falschrum" wiedereinzubauen. Also mit der Mutter zu Seite des Auspuffs. Der Vorteil ist, dass man das nächste Mal nicht den ganzen Auspuff demontieren muss, um das Rad zu demontieren. Sicherungsring nicht vergessen!

Bei ABS Fahrzeugen muss unbedingt auf die richtige Lage des Sensors geachtet werden. Wenn man einen guten Bremskolbenrücksteller hat, kann man auch ein übriges tun und die Seitenflächen der Druckkolben reinigen. Dazu bedient man (leicht) die Bremse, während die alten Bremsbeläge noch drin sind. Dadurch fahren die Kolben noch ein Stück raus. Dann erst entfernt man die alten Beläge. Der Bremssattel wird mit Bremsenreiniger eingesprüht und vor allen Dingen die Seitenflächen der Bremskolben gereinigt und mit einem sauberen Tuch abgewischt.

ABS-Systeme und Bremsflüssigkeitswechsel

Das Problem bei der konventionellen Methode ist, dass du die Leitung zum ABS Block, wie den ABS Block (Bohrungen + Pumpe) nicht gespült bekommst. Dazu muss die ABS Pumpe per HD Software angesteuert werden. Also zum Händler, frei oder freundlich und machen lassen.

In dem froumromanum Link von hddriver steht, dass es auch ohne Diagnosegerät geht. Konventionell wechseln, dann fahren. Dabei im ABS-Regelbereich bremsen, um den Modulator durchzuspülen. Dann nochmal konventionell wechseln. Das Verfahren, bis in den Regelbereich zu bremsen, um auch die Totvolumina des Modulators zu spülen, habe ich vorgeschlagen.

Klingt ganz schlüssig. Wenn ich es richtig verstanden habe benötigt man zum korrekten Entlüften der Bremsanlage den "Digital Technician" von Harley. Diese sicher kostspielige Diagnoseeinheit wird offensichtlich nicht an Endkunden verkauft. Das bedeutet ja tatsächlich, dass man den 2-jährigen Bremsflüssigkeitswechsel ausschließlich beim Harley-Händler machen lassen kann und nicht bei einer anderen Werkstatt.

Dies wird durch einfaches Abziehen der alten Bremsflüssigkeit unter Vakuum und gleichzeitigem Nachfüllem neuer Bremsflüssigkeit nicht gewährleistet. Das stimmt auch so, dieser Menge ist sehr gering. Beim Kfz mache ich es immer so, dass ich bei rutschigen Untergründen (Nass, Schnee) das ABS mal ordentlich zum Regeln bringe, und somit den Kreislauf spüle.

Wenn man bei einem ABS Motorrad die Bremsflüssigkeit wechselt, dann wird es Problematisch.

Variante 1: Man wechselt herkömmlich und entlüftet wie bei einem nicht ABS Modell.

Variante 2: Man hat auch eine Werkstattsoftware und kann eine Rekalibrierung des ABS auslösen

Variante 3: Man macht die Rekalibrierung und wechselt danach nochmals die Bremsflüssigkeit. Und entlüftet auch nochmals.

Die Variante 1 ist das was die meisten machen: Bremsflüssigkeit wechseln und auf das Beste hoffen. Meist klappt das auch, manchmal aber auch nicht. Dann braucht man Variante 2. Nämlich eine Werkstattsoftware, mit der man die ABS Anlage durchrütteln kann. Das geht meistens gut. Aber ganz sicher ist man immer noch nicht, ob wirklich alle Luft aus dem verzweigten Netz der Bremsleitungen raus ist.

Deshalb empfiehlt die Factory Variante 3, nämich nach dem ABS reset nochmals die Flüssigkeit wechseln und neu entlüften. Das ist teuer und aufwendig. Und wer macht das schon? Nichtmal die Werkstätten. Und so richtig sicher ist man auch bei der Variante 3 nicht.

Es gibt hin-und wieder den Fall, dass man eine Bremse nicht richtig entlüften kann. Ich habe hier eine RoadKing, bei der die Vorderbremse immer schwammig gewesen ist. Ich habe sie schon zigmal neu entlüftet. Sogar die Handarmatur habe ich ersetzt. Ohne Erfolg.

Man sagte mir das man das ABS System nicht selber entlüften kann, weil in der Werkstatt mittels eines Gerätes ein Behälter im Bremskreis zum Entlüften geöffnet wird damit überall der gleiche Druck herrscht.

Laut dieser Theorie käme es bei der herkömmlichen Entlüftermethode, trotz funktionierender Bremse, im Falle eines eintretenden ABS Einsatzes zum worst case. Nämlich der Griff ins leere...

Zum Entlüften der ABS-Bremsanlage (RE 650) ist lt. Manual ein externes Steuergerät erforderlich, das dem ABS einen Betriebszustand simuliert, bei dem alle Kanäle im System durchgepumpt werden. Nach meinem Verständnis von ABS sind doch im Normalzustand alle Kanäle offen und die Regelmimik schließt erst Ventile, wenn entspr. Info von den Radsensoren kommen.

Ohne es genau zu wissen geh ich mal davon aus, dass im ABS-Block nur eine sehr geringe Menge an DOT4 ist, die beim Wechseln nicht mitgenommen wird, wenn man ohne DealerTool arbeitet. Vielleicht 1 - 2 Fingerhut voll? Die Frage wäre dann, ob es den Kohl wirklich fett macht, wenn man diese Menge ignoriert beim Flüssigkeitswechsel.

Das dann ohne Ansteuerung des ABS Blockes zu machen kann eben dazu führen, das Reste der wasserhaltigen Flüssigkeit ium ABS Block verbleiben.

Wie an anderer Stelle beschrieben ist, habe ich zunächst die ABS-Einheit mit dem Service-Tool "Twin Scan 3 ABS" durchgespült, um eventuell vorhandene Ablagerungen in Toträumen der Hydraulik herauszuspülen.Spannend war für mich die Frage, wieviel Flüssigkeit ich brauchen würde, um die langen Wege von der Handpumpe zur ABS-Einheit unterm Sitz und wieder zurück zu den beiden, vorderen Bremszangen auszuspülen. Um es vorwegzunehmen: Für Vorder- und Hinterradbremse habe ich zusammen über 1/2 Liter Flüssigkeit durchpumpen müssen! Perfektionisten zyklisieren anschließend die ABS-Einheit und wechseln nochmals. Das macht dann über 1 Liter...

Praktische Tipps zum Bremsflüssigkeitswechsel

Zunächst muss das Moped senkrecht stehen und der Lenker nach links eingeschlagen sein, um den Bremsflüssigkeitsbehälter am Handhebel waagerecht zu stellen. Ich habe dazu meinen Scherenwagenheber genommen:.Glücklicherweise - wie sich noch herausstellen wird - hatte ich beim Kauf der Bremsflüssigkeit kurzerhand einen Tester erworben,mit dem man den Wassergehalt der Bremsflüssigkeit bestimmen kann. Hier sieht man die Anzeige bei neuer Bremsflüssigkeit mit 0% Wasser. Die 2 Jahre alte Flüssigkeit, die vorher im Behälter war, hatte <2% Wasser, also 3 leuchtende LEDs (noch o.k.)..

Zum Durchpumpen der Bremsflüssigkeit verwende ich eine Mitywac von Tante Louise. Der Vorteil ist, dass man nach ein paar Hüben an der Handpumpe genug Unterdruck auf der Saugseite hat, um sich minutenlang ganz entspannt auf das Nachfüllen des Bremsflüssigkeitsbehälters zu konzentrieren. Das Pumpen am Hand- oder Fußbremshebel entfällt, und damit auch das versehentliche Gewackel am Moped, das schon mal den Flüssigkeitsbehälter überschwappen lässt. Den Auffangbehälter habe ich hier mit Tesa am Gabelholm fixiert.

Der Schlüssel sollte bei dieser Methode immer am Entlüftungsnippel bleiben, sonst kann man im Ernstfall nicht schnell genug das Leerziehen des Bremsflüssigkeitsbehälters stoppen. Solange das Ventil offen ist und noch Unterdruck da ist, fließt nämlich kontinuierlich Bremsflüssigkeit.

Apropos "überschwappen": Mir ist es noch nie gelungen, beim Bremsflüssigkeitswechsel 100% kleckerfrei zu arbeiten. Irgendwo geht immer ein Tropfen daneben. Deshalb ist Vorsorge in Form eines bereit stehenden Wassereimers dringend anzuraten. Da spüle ich dann auch alle mit Bremsflüssigkeit benetzten Teile vor dem Verbauen (Deckel, Dichtungen) oder Verstauen (Werkzeug). Getrocknet wird mit Küchenrolle.

Mein größtes Problem war zunächst: Woran sehe ich, dass ich mit der frischen Bremsflüssigkeit komplett durch bin? Die neue Flüssigkeit von Castrol hatte absolut exakt die gleiche Farbe wie die alte von HD . Einzige Chance: Der Bremsflüssigkeitstester! Ich habe so lange gepumpt, bis die unten austretende Flüssigkeit 0% Wasseranteil hatte.

Übrigens: Das Arbeiten mit Unterdruck, wie ich es hier gemacht habe, führt nie (!) zu einem blasenfreien Flüssigkeitsstrom im transparenten Saugschlauch. Da der Entlüftungsnippel 1/4 Umdrehung offen ist, wird Luft über die Gewindegänge mit angesaugt, die man dann als Blasen im Schlauch sieht. Ob das System luftfrei ist, spürt man am Bremshebel. Wichtig ist zu vermerken, dass bei diesem Verfahren trotzdem keine Luft ins Bremssystem gelangt!

Die Rangfolge von "sehr gut" bis "ausreichend" bei der ABS-Entlüftung sieht für mich derzeit etwa so aus:

Note 1: Bremsflüssigkeit Wechseln - zyklisieren mit Service-Tool - nochmals wechseln

Note 2: Bremsflüssigkeit wechseln - zyklisieren durch ABS-Bremsung - nochmals wechseln

Note 3: Zyklisieren mit Service-Tool - Bremsflüssigkeit wechseln - nochmals zyklisieren

Note 4: zyklisieren durch ABS-Bremsung - Bremsflüssigkeit wechseln - nochmals zyklisieren

Bremsflüssigkeiten DOT4 und 5.1 dürfen also keine andere Farbe haben als farblos bis bernsteingelb! Die silikonbasierende Bremsflüssigkeit DOT5 (für ältere Harleys) muss "purple", also lila/violett sein.

Ich habe deshalb alles so gut es geht mit alten Lappen abgedeckt und den Plastikbehälter der Saugpumpe an einer kleinen Trittleiter mit Klebeband befestigt. Dadurch war diese Ansammlung von Bremsflüssigkeit etwas weiter vom Bike weg. Dass sich im Entlüftungsschlauch IMMER ein paar Luftbläschen finden durfte ich auch erfahren. Zunächst bin ich daran fast verzweifelt.

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