Harley Davidson Deuce Umbau: Eine detaillierte Betrachtung

Die Harley-Davidson FXSTD, kurz Deuce, ist ein Modell, das polarisiert. Sie gilt als eine der besten Harleys, die je gebaut wurden, mit guter Leistung, Bremsleistung und Verarbeitung. Ihr Design stellt die Grenzen zwischen Chopper und Cruiser in Frage.

Umbau der Harley Davidson Deuce

Reifen und Felgen

Viele Besitzer einer Deuce möchten das Hinterteil verbreitern. Eine einfache Möglichkeit ist der 170/60-17er Reifen von Avon oder Metzeler. Für diese Reifen gibt es problemlos eine Bescheinigung für die Abnahme, und Umbauten sind nicht erforderlich. Der einzige Nachteil ist, dass der Tacho durch den minimal geringeren Reifenumfang etwas abweicht.

Eine Umstellung auf einen 180er Reifen ist entweder mit der Originalfelge und dem Screamin Eagle 180er von Dunlop oder mit einer Felge im 18"x5,5" Format möglich. Hier gibt es z.B. von Avon und Metzeler einen 180/55-18er Reifen.

In beiden Fällen sind leichte Modifikationen der Spacer (Abstandshülsen) der Hinterachse und des Bremssattels und evtl. der innen im Fender liegenden Bolzen der Fenderbefestigung notwendig. U.U auch noch der Beltschutzbleche. Für konkretes wendet man sich am besten an eine Werkstatt, die werden bestimmt ihr "Hausrezept" haben.

Ein Schrauber bekommt mit dem schmalen Beltpulley/Belt der Softails ab 2006 mit den o.g. Änderungen sogar einen 200er mittig in den Originalfender. Was darüber hinaus geht, erfordert dann schon eine andere Schwinge und eine Verbreiterung des Heckfenders. Ein Schrauber hat eine Deuce mit 240er hinten gebaut. Dazu hat er (neben dem Austausch der Schwinge natürlich) den Fender um ein paar Zentimeter verbreitert, die Linie aber ansonsten gänzlich erhalten.

Vorderrad

Bezüglich der Vorderraddimensionen gibt es Alternativen zur 2,15 x 21 Felge. Eine 3 x 21 Felge mit einem 120er Reifen ist in vielen Ausführungen erhältlich (Speiche, Gefräst, was man will). Das Fahrverhalten ist nach kurzer Umgewöhnung absolut problemlos, die Bremswirkung viel besser. Es gibt auch die Möglichkeit, ein 21" Scheibenrad mit einem 120er Reifen zu verwenden.

Weitere Modifikationen

  • Heckumbauten: Das Set der heartlandbiker ist pfiffig und setzt keinen Kfz.-Meistertitel voraus. Mit den soliden Heartlandparts sollte es kein großes Problem geben, einen Prüfingenieur zu finden, der solche Umbauteile auch ohne EU- oder sonstiges Prüfzeugnisse einträgt. Von der Serienbereifung bis hin zum 200er in der Originalschwinge ist da so ziemlich alles machbar. Vorteil bei Heartland ist, dass man zwischen 3 verschiedenen Fenderlängen wählen kann.
  • Gabel: Es empfiehlt sich, die Gabel so weit abzusenken, dass die unteren Rahmenrohre möglichst parallel zur Fahrbahn verlaufen. Da dieses vernünftigerweise unter Verwendung progressiver Gabelfedern umgesetzt wird, kommt es nicht nur der Optik, sondern auch der Fahrstabilität zu gute.
  • Tank: Die Deuce wirkt ja nicht nur über ihren Heckfender, sondern insbesondere durch ihren langen, schlanken Tank mit seiner eleganten Konsole, sowie den sehr edel designten Komponenten des Frontends. Der Tankhalter musste verlängert und geändert werden, damit er im Vorderbereich zwei Zentimeter höher liegt.
  • Schutzbleche: Die Schutzbleche sind aus Rohlingen selbst gebaut, alle Halterungen inklusive.

Verchromt oder Alu?

Verchromte Räder sind pflegeleichter, poliertes Alu ist hingegen wahrscheinlich langfristig haltbarer als eine Verchromung, weil keine Beschichtung abblättern kann. Beim Alurad kann man aufpolieren und gut ist.

Viele Aluräder sind dreiteilig und mit Schrauben versehen, oder auch verspielt designt. Da die Räder aber auf jeden Fall schmutzig werden, und Bremsstaub zu poliertem Alu auch nicht besonders nett ist, fürchten viele die ewige Poliererei, insbesondere am schlecht zugänglichen Hinterrad. Deshalb schauen viele eher nach verchromtem.

Custom-Umbau eines Kfz-Technikmeisters

Ein Kfz-Technikmeister kaufte eine Deuce als Unfallmaschine aus den USA. Als Unfallmaschine hat er das Bike aus den USA gekauft, so ziemlich alles daran ist kaputt. Aber die DEKRA bescheinigt in einem Gutachten, dass der Rahmen völlig in Ordnung ist, wichtiger Baustein für den Umbau, der später ja legal gefahren werden soll.

Die Kabel hat er sauber in den Bonanza-Lenker verlegt. Halterungen für Sitzbank oder die Mini-Blinker komplett selbst gefertigt. Alle Teile lackiert er zudem persönlich, die Harley-Aufkleber auf dem Tank werden seitlich »einlackiert«, also mit Klarlack haltbar gemacht. Eines der Details, auf die Erbauer Marco besonders viel Wert legt: Der Abstand vom Fender zum Reifen muss stimmig und nicht zu groß sein.

Die Harley-Davidson Deuce im Detail

Im Jahr 2004 liefen die letzten Softail-Deuce als Vergasermodelle vom Band. Ein kaufentscheidender Punkt für so manchen Schrauber, der allzu lästige Elektroniksorgen umgehen möchte.

Bereits für das Modelljahr 1999 tat sich im Harley-Programm motormäßig eine ganze Menge. Die FLH- und Dyna- Baureihen (also die Electra Glide sowie Super Glide, Low Rider und Wide Glide - alle Big Twins mit sichtbaren Federbeinen) bekamen den Twin Cam 88-Motor spendiert. Twin Cam steht für zwei Nockenwellen, 88 für den Hubraum von 88 cubic inch, also exakt 1449 ccm. Statt müder 56 PS des alten 1340er-Evo-Motors ließ der neue V-Twin flotte 68 Pferde galoppieren. Ein höheres Drehmoment bei niedrigeren Drehzahlen war ein netter Nebeneffekt. Zuverlässigkeit, Wartungsfreundlichkeit sowie Umweltverträglichkeit legten ebenfalls zu.

Die Softails überholten ihre Schwestern nämlich außen. Sie bekamen nicht einfach nur den Twin Cam 88-Motor spendiert. Es durfte der Twin Cam 88B sein. Das unscheinbare B steht für „balanced”, für zwei kettengetriebene Ausgleichswellen.

Der alte Softail-Rahmen bestand aus 34 Teilen, das neue Gebälk wird aus nur noch 17 Teilen zusammengebraten. Und das sehr ordentlich, denn Harley arbeitet neuerdings mit Schweißrobotern. Neue Federbeinaufnahmen machen den Ein- und Ausbau der Federelemente einfacher, die überarbeitete Gabel werkelt nun endlich geräuschlos.

Die Wirkung der Modifikationen ist völlig überraschend: Die Fünfgang-Schaltbox lässt sich leicht, exakt und leise betätigen. Das gab’s bei Harley noch nie. Die neuen Bremsen mit Vierkolben-Festsätteln an Vorder- und Hinterrad lassen sich hervorragend dosieren, packen wirkungsvoll zu und haben durchaus etwas japanisches. Eine Harley mit funktionierenden Bremsen!

Harley verbaut neuerdings eine wartungsfreie Batterie und besser abzulesende Kontroll-Lampen, rüstete auf Einschlüsselsystem um, verzichtet auf die unsinnige Verchromung des Ölmeßstabs und erhöhte das Tankvolumen auf 18,5 Liter. In der linken Tankdeckel-Attrappe ist serienmäßig eine Tankuhr untergebracht.

Technische Daten und Leistung

Mit Ausnahme der Heritage Springer leisten alle Softails zwar nur 63 PS, aber die stehen so gut im Futter wie noch nie bei einer Harley der jüngeren Geschichte. Der Twin nimmt wunderbar Gas an, ist drehfreudig und treibt die 312 Kilogramm Motorrad durchaus flott voran. Ein maximales Drehmoment von 106 Nm bei 3500 U/min ist ein Wort, entscheidender ist aber, dass bereits knapp über Leerlaufdrehzahl immer über 100 Nm zur Verfügung stehen.

Für 4650 Mark plus Einbau montiert der nette Harley-Händler das Screamin Eagle-Umbaukit. Vorteil: Die Big Bore-Harley (1550 ccm) leistet damit 93 PS, bietet 139 Nm und rennt über 200 km/h (Serie: 175 km/h). Nachteil: Der Umbau ist nicht zulassungsfähig, weil zu laut.

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