Die Harley-Davidson FXDX Dyna Super Glide Sport ist ein Motorrad, das polarisiert. Für die einen ist es die einzig wahre Art, sich auf zwei Rädern fortzubewegen, für die anderen ein fragwürdiges Konzept. Doch Harley-Davidson selbst versucht, mit diesem Modell eine Brücke zwischen den Parteien zu schlagen.
Fahrbericht
Die für das Modelljahr 2000 gründlich überarbeitete Dyna Super Glide Sport wartet mit einigen Features auf, die eindeutig in Richtung Fahrwerks-Hightech gehen. Nach wie vor satte 300 Kilogramm schwer, verbinden nun eine voll einstellbare Gabel und zwei in Federbasis und Zugstufendämpfung justierbare Federbeine die gefederten und ungefederten Massen.
Dass zudem Gabel und Federbeine über progressiv gewickelte Federn verfügen und im Heck sogar gasdruckunterstützt gedämpft wird, zeigt die Richtung auf. Unterstrichen wird dies von den neuen Vierkolben-Festsattelbremsen vorne und hinten: Dyna goes sportwärts.
Um diesen Anspruch zu unterstreichen, rollt hinten ein 150er-Reifen statt des bisherigen 130ers. Dafür wurde der Zahnriemen schmaler, dank des Einsatzes von Kohlefaser aber auch standfester.
Harley spricht von »Sport Custom« und möchte neben der traditionellen Klientel auch routinierte Fahrer anderer Marken ansprechen. Darum bleibt beim ersten Fahrtermin im sonnigen Portugal die Rennstrecke von Estoril links liegen. Es locken Landstraßen jeder Ordnung.
Also den Choke zwischen den beiden Zylindern gezogen, Druck aufs Knöpfchen und da sind sie wieder, die Vibrationen. Unübersehbar schüttelt sich der Twin zwischen den Beinen, der in der Dyna-Reihe ohne die Ausgleichswellen der B-Version des Twin Cam 88-Motors auskommt. Scheinbar entkoppelt von der Peripherie, weil der Motor in Gummilagern hängt. Aber nur scheinbar. Bemerkbar machen die Vibrationen sich immer. Genau wie das Getriebe. Ein Knall, der Erste sitzt. Der Milwaukee-Twin stampft los.
68 PS aus fast 1500 Kubikzentimetern: Das geht ab 1500/min schön ruckfrei und gleichmäßig. Wenn es sein muss, bis hin zum roten Bereich bei 5500/min. Theoretisch. Praktisch entwickelt der linke Fuß auf seinem Weg zum letzten Gang zwar keine Hektik, wohl aber eine Dynamik, die sich trefflich mit dem grundsätzlichen Charakter der Dyna Glide Sport verbindet und den ganzen Fahrer ruck, zuck vereinnahmt.
Sport das ist bei Harley nicht der Ritt auf der letzten Rille. Sport ist, wenn selbst bei zügigem Tempo straßenbauliche Gegebenheiten wie Fahrbahnunebenheiten, Kurven, aber auch kilometerlange Geraden den Fahrgenuß nicht nachhaltig stören.
Diese Vorgabe erfüllt die aufgepeppte Sport-Dyna durchaus überzeugend. Die neue Gabel glänzt mit feinem Ansprechverhalten, ohne bei schärferen Bremsmanövern und dazu sind die Vierkolbensättel vorne wie hinten durchaus in der Lage ungebührlich weit abzutauchen oder gar auf Block zu gehen. Etwas härter sind die Federbeine ausgelegt, aber auch hier gilt: Reserven sind immer vorhanden.
Begrenzt wird das Vergnügen eigentlich nur von der geringen Schräglagenfreiheit. Rechts setzt die Fußraste auf, links suchen Fußraste und unterer Schalldämpfer schnell Kontakt zur Fahrbahn und signalisieren: Jetzt reicht´s, das war zu forsch.
Weil die Qualitäten der Harley weiter reichen als ihre Bodenfreiheit, schlägt jetzt die Stunde der Wahrheit. Problemlos sind die hinteren Federn mittels Hakenschlüssel komplett vorgespannt, die Zugstufendämpfung wird fast zugedreht. Gleiches gilt für die Dämpfung der Gabel. Ergebnis: Die Dyna fühlt sich deutlich straffer an, setzt später auf und gewinnt an Handlichkeit. Lässt sich recht behände von einer Schräglage in die nächste werfen, schiebt gelassen aus den Ecken, macht einfach Spaß.
Der könnte allerdings noch höher sein, wenn die Handkraft am Bremshebel geringer wäre. Oder wenn die wirkungsvolle Hinterradbremse besser dosierbar wäre. Deren Hebel liegt nämlich so hoch, dass der Fuß von der Raste genommen werden muß und so praktisch frei schwebend feinmotorischen Ansprüchen nicht mehr genügt. Und noch ein kleines Manko: In schnellen Kurven pendelt auch die sportlichste Dyna ein wenig. Trotz neuer Federelemente.
Doch diese Eigentümlichkeiten sieht man ihr nach. Genau wie das Zündschloss unter der Sitzbank, das separate Lenkschloss oder den trotz Überarbeitung immer noch nicht gut erreichbaren Seitenständer. Denn auch wenn an der Dyna vieles anders ist, bleibt alles anders. Da bleibt Harley sich selbst treu.
Technische Daten
Hier sind die technischen Daten der HARLEY - DAVIDSON Dyna Super Glide Sport:
| Motor | Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor, Kurbelwelle querliegend, zwei untenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, zwei Ventile pro Zylinder, Hydrostößel, Kipphebel, Trockensumpfschmierung, ein Keihin-Gleichdruckvergaser, Ø 40 mm, kontaktlose Transistorzündung, ungeregelter Katalysator, E-Starter, Drehstromlichtmaschine 416 W, Batterie 12 V/20 Ah. |
|---|---|
| Bohrung x Hub | 95,3 x 101,6 mm |
| Hubraum | 1449 cm³ |
| Verdichtungsverhältnis | 8,8 : 1 |
| Nennleistung | 50 kW (68 PS) bei 5500/min |
| Max. Drehmoment | 106 Nm (10,8 kpm) bei 2900/min |
| Kraftübertragung | Primärantrieb über Duplexkette, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Zahnriemen, Sekundärübersetzung 70:32. |
| Fahrwerk | Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, Standrohrdurchmesser 39 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Stahlprofilen, zwei Federbeine, verstellbare Federbasis, Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Vierkolbensättel, Ø 292 mm, Scheibenbremse hinten, Vierkolbensattel, Ø 292 mm. |
| Reifen | 100/90 H 19; 150/80 B 16 |
| Radstand | 1607 mm |
| Gewicht vollgetankt | 300 kg |
| Tankinhalt/Reserve | 18,6/1,9 Liter |
Weitere Informationen
Die Harley-Davidson Dyna Super Glide Sport (interne Modellbezeichnung FXDX) wurde von 1999 bis einschließlich 2003 produziert. Sie gehört zur Dyna-Baureihe, die sich durch einen gummigelagerten V-Twin-Motor im klassischen Dyna-Rahmen mit konventioneller Teleskopgabel und Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen auszeichnet.
Baujahre und Änderungen
- Baujahr 1999: Einführung der FXDX mit sportlich abgestimmter Telegabel, Doppelscheibenbremse vorn und aufrechterer Sitzposition.
- Baujahr 2000-2002: Optionale elektronische Kraftstoffeinspritzung (EFI) erhältlich.
- Baujahr 2003: Letzte Modellpflege, keine Umstellung auf CAN-Bus-System.
Eignung für Anfänger
Die FXDX ist aufgrund ihres hohen Gewichts, der kraftvollen Leistungsentfaltung und der sportlich-straffen Fahrwerksabstimmung nicht primär für Fahranfänger geeignet. Sie richtet sich an erfahrene Fahrer, die ein sportlich orientiertes Cruiser-Fahrverhalten suchen.
ABS
Nein, die FXDX wurde in keinem Modelljahr mit ABS angeboten.
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