Harley-Davidson Einzylinder Modelle: Eine Reise in die Vergangenheit und Gegenwart

Seit der Gründung von Harley-Davidson im Jahr 1903 hat das Unternehmen eine bewegte Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen erlebt. Im Laufe der Firmengeschichte gab es immer wieder Phasen, in denen Einzylinder-Modelle eine Rolle spielten. Betrachten wir die Entwicklung der Harley-Davidson Einzylinder Modelle, von den Anfängen bis zu den modernen Interpretationen.

Die Anfänge mit Einzylinder-Motoren

Jeder hat sie bestimmt schon mal gehört, die Geschichte vom Hinterhofholzschuppen, in dem die ersten drei Harley-Davidson-Motorräder entstanden. Die ersten drei fahrtüchtigen Motorräder - Einzylinder mit Riemenantrieb - werden hergestellt. Die „Produktion“ erfolgt nach Feierabend und am Wochenende in einem Schuppen in der 37. Straße von Milwaukee, auf den Arthurs Schwester „Harley-Davidson Motor Co.“ gepinselt hat.

Die ersten Harley-Davidson waren nichts anderes als an einem Fahrrad-Rahmen montierter Einzylinder Motor mit 25 bis 37 cubic inch, der das Hinterrad über einen Riemen direkt antrieb. Wie damals üblich ohne Kupplung, Getriebe, Bremsen und ohne Federung.

Die junge Firma zieht in ein größeres, zweigeschossiges Holzgebäude an der heutigen Juneau Avenue. Gleichzeitig wird die Harley-Davidson konstruktiv systematisch verbessert. Die Harley-Davidson wird ab jetzt nicht mehr nur schwarz, sondern auch grau lackiert, was ihr - zusammen mit dem geräuscharmen Motorlauf - den werbewirksamen Spitznamen „Silent Gray Fellow“ (leiser grauer Kamerad) einbringt.

Die frühen technischen Details

Das Bauprinzip des 30,50-cui-Motors war ebenso einfach wie zuverlässig. Ein Auftrag an die Entwicklungsabteilung lautete, dass so viel Teile wie möglich für alle Modelle identisch sein müssen, um für die 350er-, 500er- und 750er-Twin-Modelle benutzt werden zu können. Prinzipiell waren für beide Einzylindermodelle alle wesentlichen Teile austauschbar.

1926 ersetzte Harley den IOE-Motor durch den Seitenventiler. Wer wollte, konnte seinen zweirädrigen Liebling ordentlich aufmotzen. Ab 1939 tauchten die Einzylinder nicht mehr in den Modellkatalogen der Company auf, wurden aber auf Bestellung noch in Kleinserien weitergebaut und zum Teil mit erheblichen Preisnachlässen abgegeben.

Die Ära der V-Twins beginnt

Aus den Einzylindermodellen der frühen Jahre wurden schon 1909 stärkere 45°-V-Twins. Der erste V-Twin - konstruiert von William Harley - kommt auf den Markt. Hier arbeiten inzwischen 35 Angestellte, die in diesem Jahr insgesamt 1.149 Motorräder fertigstellen.

1934 wurde die Fertigung von Einzylindermodellen eingestellt. Doch bis es so weit war, stand dem Unternehmen eine lange Reise bevor.

Das kurze Intermezzo der Zweitakter

Von 1948 bis 1966 baute Harley Zweitakt-Modelle mit DKW-Motoren und bis 1978 mit Aermacchi-Technik. Startschuss der 30 Jahre langen Zweitaktära von Harley waren Reparationen aus dem Zweiten Weltkrieg. Aus den DKW-Werken in Zschopau wurden Pläne der RT 125 und Maschinen unter den Alliierten verteilt.

Einige Zweitakt-Modelle von Harley-Davidson:

  • Harley-Davidson Model S 125
  • Harley-Davidson Model 165
  • Harley-Davidson Hummer
  • Harley-Davidson Super 10
  • Harley-Davidson Pacer
  • Harley-Davidson Ranger
  • Harley-Davidson Scat
  • Harley-Davidson Bobcat/Bobtail

Die Harley-Davidson X 440 und Nightster 440 von Hero

In Indien hingegen sind nach wie vor Einzylindermotoren bis 500 Kubik üblich und beliebt, meist noch ohne Wasserkühlung. Wichtiger ist der indischen Kundschaft: Made in India. Dementsprechend wurde bei Hero, dem großen indischen Hersteller und offiziellen Harley-Davidson-Partner, ein neues Modell entwickelt - die erste Hero-Harley.

Hero, in den 1980er-Jahren als Partner von Honda gestartet, ist einer der größten indischen Motorradhersteller, hat allerdings bisher nur Einzylinder-Modelle zwischen 100 und 200 Kubik im eigenen Sortiment. Den neu für die Hero-Harley entwickelten Motor mit über 400 Kubik wird Hero wohl künftig auch für eigene Modelle nutzen.

Technische Details der X 440

Dabei handelt es sich um einen luft-ölgekühlten Einzylinder-Motor mit 440 Kubik. Langhubig angelegt mit 79,6 Millimeter Bohrung und 88,4 Millimeter Hub, moderat verdichtet mit 9,5:1. Nennleistung der X 440: 27 PS (20 kW) bei 6.000/min, maximales Drehmoment: 38 Nm bei 4.000/min.

In Verbindung mit einem 6-Gang-Getriebe soll sowohl die Beschleunigung als auch die Höchstgeschwindigkeit der Hero-Harley die Werte der nationalen Konkurrenz übertreffen.

Wie die ersten Bilder von der Hero-Harley bereits erkennen ließen, zielt dieses Konzept nicht in die Cruiser-Abteilung, obwohl Harley-Davidson dort bekanntlich seine Kernkompetenzen hat. Die Upside-down-Telegabel mit 43 Millimeter Standrohrdurchmesser und offensichtlich nicht flachem Lenkkopfwinkel ist das wesentliche Indiz für ein vergleichsweise modernes und sportliches Naked Bike.

Weitere Details

Mit 805 Millimeter ist die Sitzhöhe anfängerfreundlich moderat. Relativ schwer wiegen hingegen die angeblich 190,5 Kilogramm mit vollem Benzintank (13,5 Liter). Gebremst wird mit jeweils einer Scheibe pro Rad, vorn mit einer 320er und hinten mit einer 240er, sowie mit Bremszangen vom indischen Brembo-Ableger Bybre - und mit ABS.

Auffällig schick - und typisch für Harley-Davidson - sind die dunklen Aluminiumguss-Räder mit seitlich überschliffenen Speichen. Die Radformate mitsamt Reifen: 100/90-18 vorn, 140/70-17 hinten. Radstand: 1.418 Millimeter.

Moderne Elektronik

Offenbar ist das Display im Cockpit der Hero-Harley eine moderne TFT-Ausführung mit farbigen Anzeigen - und mit Bluetooth-Connectivity. Obendrein ist eine USB-Buchse vorhanden. Ebenso im Gespräch sind verschiedene Fahrmodi, ob eine Schlupfregelung vorhanden sein wird, ist indes noch unklar.

Wichtiger: Mit den LED-Leuchten wird die Strahlkraft der Marke Harley-Davidson genutzt, entsprechende Schriftzüge und Logos sind optimal und eindeutig platziert.

Preis und Verfügbarkeit

Trotz Markenprestige und ordentlicher Ausstattung beginnen die Preise für die Harley-Davidson X 440 zur Markteinführung in Indien im Juli 2023 bei 229.000 Indischen Rupien, umgerechnet circa 2.500 Euro (Stand Juli 2023).

Die Basis-Variante Denim rollt auf Drahtspeichenrädern. Die Variante Vivid mit Aluminiumguss-Rädern, kostet 249.000 Indische Rupien, umgerechnet circa 2.800 Euro. Die Top-Variante S mit seitlich überschliffenen Aluminiumguss-Rädern kostet 269.000 Indische Rupien, umgerechnet circa 3.000 Euro.

Nightster 440 als Modell-Variante

Ebenso möglich erscheinen weitere Modelle auf der gemeinsamen technischen Basis: ein Tourer mit Verkleidung, eine Enduro - und selbstverständlich auch ein Cruiser. Hierfür hat Hero bereits eine Modellbezeichnung registriert: Nightster 440.

Fazit

Die Harley-Davidson X 440 stellt einen bedeutenden Schritt für das Unternehmen dar, indem sie auf dem indischen Markt mit einem lokal gefertigten Einzylinder-Motorrad antritt. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieses Modell und seine Ableger, wie die Nightster 440, entwickeln werden und ob sie auch international Anklang finden.

Zusammenarbeit mit Qianjiang in China

Andere Länder, andere Vorlieben: Bei den Modellen Harley-Davidson X 350 und X 500, die ab 2023 in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller Qianjiang gefertigt werden, wurde beiderseits darauf Wert gelegt, dass die Motoren jeweils zwei Zylinder haben. Wenn schon nicht in Harley-typischer V-Anordnung, sondern in Reihe, dann aber immerhin deren zwei.

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