Harley-Davidson Fat Bob 114: Technische Daten und Fahrbericht

Die Harley-Davidson Fat Bob bietet seit 2018 neue Technik, weniger Gewicht und mehr Leistung. 2022 wurde sie optisch leicht überarbeitet. Der Motorradbauer aus Milwaukee hat 2018 die Fat Bob völlig auf links gedreht. Wie anders wäre sonst das komplett neue Rahmenkonzept zu bezeichnen?

Softail-Rahmen

Lief die Fat Bob bis zuletzt als Dyna-Modell vom Band, dämpfte achtern mit zwei direkt zwischen Schwinge und Rahmen angeschlagenen Federbeinen, ist sie seither eine Softail-Variante. Seit 1984 ahmt das Softail-Rahmenkonzept einen Starr-Rahmen nach, weil die hinteren Dämpfer nicht zu sehen sind. Diese lagen bis dato unsichtbar unterhalb von Motor und Getriebe. Aus den zwei untenliegenden Federbeinen wurde beim jetzigen Softail-Layout nur noch eines, das zwischen oberem Rahmenrohr und oberem Schwingenzug befestigt ist.

Das neue Layout hat den Vorteil, dass der hintere Dämpfer einfacher zu erreichen ist. In Milwaukee spendierte man der Fat Bob sogar ein praktisches Handrad zur Verstellung der Federbasis. Ebenfalls positiv: Der neue Rahmen hilft, Gewicht einzusparen. Drückte der alte, dicke Bob noch 321 Kilogramm auf die Waage, sind es bei dem Nachfolger laut Hersteller noch 306 Kilo. Das wäre ein Minus von 15 Kilogramm.

Nachgemessen sind es dann allerdings 308 Kilogramm vollgetankt. Löblich ist das Weniger an Masse schon, aber mehr als 300 Kilogramm bleiben immer noch eine ganze Menge. Schließlich steht vor uns die dicke Fat Bob mit dem 114er-Motor. 114 Kubikinch ergeben satte 1868 cm³ Hubraum. Gut für 94 fleißig antrabende Ponys soll der um die Auslassventile partiell ölgekühlte Motor sein.

Der Motor

Der mächtige Ami-V2 tritt richtig satt an. Lustvoll schlürft der offene Luftfilter auf der rechten Seite Sauerstoff in sich hinein, muss nur bei feuchten Bedingungen mit einem Tarnnetz abgedeckt werden. Beruhigt durch zwei Ausgleichswellen pulst der starr im Rahmen aufgehängte 45-Grad-Antrieb ab 1500 Umdrehungen so lässig wie ein fetter Schiffsdiesel voran. Weniger Drehzahlen mag er nicht, dann verschlechtert sich das Ansprechverhalten spürbar, drängt sich die Trägheit der Schwungmassen im Motor zu sehr in den Vordergrund.

Und nur ein paar Millimeter weiter oben auf der Drehzahlleiter, ab etwa 1800 bis 2000 Umdrehungen, ist der 114er-Motor so richtig zu Hause. Positiv fallen dabei seine geschliffenen Umgangsformen, seine lebhaften akustischen Äußerungen auf. Klingt gut, die Fat Bob, ohne Nachbarn zu verprellen. Im Vergleich zur 1200er-Sportster beispielsweise läuft der Fat-Bob-Motor um Längen geschmeidiger, elastischer, ruhiger und dennoch viel kraftvoller. Oder kurz gesagt: einfach besser.

Motor mit Schwächen

Allerdings, wie an den Kurven für Leistung und Drehmoment zu sehen ist, hat das gut gelaunte Treiben knapp jenseits von 4000 Touren ein Ende. Ab hier verliert der Motor sein dynamisch pulsierendes Talent, werden aus "good vibrations" nervige Frequenzen, die sich immer stärker in den Vordergrund drängen. Die Hochdrehlust nimmt mit einem Schlag ab. Sanft setzt der Begrenzer dem Ausdrehunterfangen unterhalb von 6000/min ein Ende. Wer genau gerechnet hat, stellt fest, dass damit etwas mehr als 2000 Umdrehungen bleiben, in denen der Fat Bob-V2 sein komplettes Wohlfühlpotenzial entfaltet. Nicht viel.

Mit tolerierbaren Bedienkräften lässt sich die Kupplung dosieren, rasten die Gänge nach langen Schaltwegen sauber ein. Bemerkenswert dabei: Das sonst übliche harte "Klonk" beim Einlegen von Gangstufe eins wischt nur noch als zurückhaltendes akustisches Signal am Ohr vorbei. Hörbarer Fortschritt beim Milwaukee-Eisen. Selbst bei Schrittgeschwindigkeit bleibt die Fat Bob gutmütig beherrschbar.

Das Fahrwerk

Eine deutliche Evolution bietet zudem das Fahrwerk. Vorne spendierte Harley den Fat Bob-Modellen eine 43er-Upside-down-Gabel von Showa, ausgerüstet mit der Dual Bending Valve-Technik. Kurz gesagt: Im Inneren werkeln nun Shim-Pakete, welche die Ein- und Ausfederbewegung beeinflussen. Das machen sie richtig gut. Satt, straff und gefühlsecht liegt die Front auf der Straße, lässt sich selbst beim Griff zur Bremse nicht stressen. Forsch packt die Doppelscheiben-Anlage zu, bringt die Fat Bob sicher und gut dosierbar zum Stehen. Und sollte der Vorderreifen doch mal rutschen, greift das ABS schnell ein.

Einzig die groben Regelintervalle stören. Ein Grund dafür: Der Sensorkranz liegt in der Radnabe. Der kleine Durchmesser bietet nur Raum für wenige Impulsabnahmen pro Radumdrehung. Die Optik regiert vor der Funktion. Das trifft auch auf den Vorderreifen zu. Die alte Fat Bob vertraute noch auf ein Pendant der Dimension 130/90 im 16-Zoll-Format. Nun rotiert an gleicher Stelle ein 150/80-Puschen, ebenfalls auf einer 16-Zoll-Felge.

Gut für den noch imposanteren Auftritt. Schlecht fürs Fahrverhalten. Das Einlenkverhalten erfordert klare Befehle über den Dragbar-Lenker. Selbst einmal in Schräglage gebracht, hilft nur konstanter Zug an der breiten Lenkstange, um dort rauszukommen, wo man hinwollte. Immer will sich die Fat Bob aufstellen, rollt nicht neutral ums Eck. Nach ein paar Kilometern ist das in Fleisch und Blut übergegangen. Auf eine gewisse Weise anstrengend bleibt es aber.

Verbesserte Schräglagenfreiheit

Verglichen mit den alten Doppelstoßdämpfern macht das einzelne Pendant seine Sache besser. Was vor allem daran liegt, dass der Federweg von ehedem 55 auf 113 Millimeter wuchs. Allerdings tastet das Federbein die Straßenoberfläche nicht so sensibel ab wie die Gabel, besitzt nicht deren Dämpfungsreserven. Das fällt besonders beim Schwung durch schnelle Kurven auf, bei der das Heck ein leicht rührendes Eigenleben entwickelt.

Zugutehalten muss man den neuen Fahrwerkskomponenten noch, dass sie der Schräglagenfreiheit gutgetan haben. Klar später als bislang kratzen die Rasten über die Straße, lässt sich die Fat Bob nun beherzter abwinkeln. Das Auskosten der Schräglagenfreiheit darf gerne etwas länger dauern, schließlich hockt der Pilot auf dem 740 Millimeter hohen Sitz recht bequem. Lenker und vorverlegte Rasten erzwingen zwar eine nach vorn gebeugte, angriffslustige Haltung, aber die lässt sich locker aushalten, bis das 13,2 Liter große Spritfass leer gefahren ist. Bei 5,2 Liter Verbrauch auf 100 Kilometern spult die Fat Bob so gut 250 Kilometer ab, bis der nächste Stopp nötig wird.

Falls die Dunkelheit dabei hereinbricht: Der formschlüssig zwischen die Gabelholme integrierte LED-Scheinwerfer leuchtet einen sicher heim. Dort darf der V2 in Ruhe ausknistern.

Technische Daten Harley-Davidson Fat Bob 114

Hier eine Übersicht der technischen Daten der Harley-Davidson Fat Bob 114:

MerkmalDaten
MotorLuft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor
Hubraum1868 cm³
Nennleistung69,0 kW (94 PS) bei 5020/min
Max. Drehmoment155 Nm bei 3000/min
GetriebeSechsganggetriebe
Gewicht vollgetankt308 kg
Tankinhalt/Reserve13,2/3,8 Liter
Preisab 20.495 Euro

Weitere Technische Daten

KategorieHerstellerangabe
Leergewicht in kg306
Zul. Gesamtgewicht in kg526
Länge in mm2340
Breite in mm960
Höhe in mm1110
Sitzhöhe in mm710
Tankvolumen in Liter13.2
Verbrauch in Liter/ 100 km5,5
Höchstgeschwindigkeit in km/h190
MotorHerstellerangabe
2-Takter/ 4-Takter4-Takt
Anzahl Zylinder2
Motorbauart45°-V-Motor
Hubraum in cm 31868
Ventile pro Zylinder4
Verdichtungsverhältnis10,5:1
Max. Leistung in kW69
Drehzahl der max. Leistung5020
Max. Drehmoment155.0
Drehzahl der max. Drehmoment3500
KühlsystemLuft-/Flüssigkeitskühlung
Abgasreinigungssystemgeregelter Katalysator
Eingehaltene AbgasnormEuro 5
Vergaser/ EinspritzanlageEinspritzanlage
TreibstoffartSuper
StarterE-Starter
Standgeräusch in db(A)94
Fahrgeräusch in db(A)75
AntriebHerstellerangabe
GetriebeartSchaltung
Anzahl der Getriebegänge6
SekundärantriebZahnriemen
FahrwerkHerstellerangabe
RahmenbauartDoppelschleifenrohrrahmen/Stahl
Radstand in mm1615
Nachlauf in mm132
VorderradführungUp-Side-Down-Telegabel
Federweg vorne in mm130
Standrohrdurchmesser in mm43
HinterradführungDreieckschwinge
Federweg hinten in mm113
Reifendimension vorne150/80 - 16 71 H
Reifendimension hinten180/70 B 16 77 H
BremseHerstellerangabe
Bremsensystemeinzeln betätigt
AntiblockiersystemSerie
Bremsenbauart vorneScheibe
Anzahl Bremsen vorne1
Bremsendurchm.vorn in mm300
Bremsenbauart hintenScheibe
Bremsendurchm.

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