Harley-Davidson: Eine Reise durch die Geschichte einer legendären Marke

Harley-Davidson feiert dieses Jahr sein 120-jähriges Bestehen. Die Marke begeistert Motorradfahrer seit 1903 und verkörpert wie kaum ein anderes Zweirad das amerikanische Lebensgefühl.

Die Anfänge in Milwaukee

Die Harley-Davidson Motor Co. wurde 1903 in Milwaukee, Wisconsin (USA), von William S. „Bill“ Harley (1880-1943) und Arthur Davidson (1881-1950) gegründet. Später kamen die Brüder William A. Davidson (1870-1937) und Walter Davidson (1877-1942) hinzu. 1903 bezogen Harley und Davidson ihre erste eigene Werkstatt, ein kleiner Schuppen hinter dem Haus der Familie Davidson in Milwaukee.

Der Prototyp von 1903 sowie die beiden Vorserienmodelle von 1904 sind nicht erhalten, darüber hinaus gibt es keine zeitgenössischen Fotos oder Zeichnungen dieser drei Motorräder. Die früheste Skizze einer Harley-Davidson ist datiert auf den 1. April 1905, das erste Foto einer Harley-Davidson stammt von Ende April 1905 und zeigt das Modell 1.

Am 17. September 1907 wurde bei einem Notar die Harley-Davidson Motor Company of Milwaukee gegründet. Präsident wurde Walter Davidson, Sekretär und Verkaufsmanager Arthur Davidson, William Harley Chefingenieur und William Davidson Vizepräsident und Produktionsleiter. Es erfolgten erste Aufträge für die Lieferung von Motorrädern für Polizei und die Bell Telephone Company; die Firma beschäftigte 18 Vollzeit-Mitarbeiter, zwei Jahre später bereits 149. 1912 wurde das neue Gebäude an der Juneau Avenue in Milwaukee bezogen.

Die frühen Modelle verfügten über Einzylinder-Motoren mit Riemenantrieb. Aus den Einzylindermodellen der frühen Jahre wurden schon 1909 stärkere 45°-V-Twins. Seit Mitte der 1910er-Jahre fuhr das Werksrennteam, genannt Wrecking Crew, mit Bikes wie dem 180 km/h schnellen „Eight-Valve Racer“ der Konkurrenz davon. So wuchs Harley-Davidson binnen 17 Jahren zum größten Motorradhersteller der Welt heran und konnte sich seiner imposanten Fabrik rühmen, die unweit des Holzschuppens an der heutigen Juneau Avenue in Milwaukee entstanden war.

Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Harley-Davidson Produktion in den ersten Jahren:

JahrProduktion
19033 Motorräder
19091.149 Motorräder
192028.980 Motorräder

Herausforderungen und Erfolge im Laufe der Jahrzehnte

Was in der Harley Geschichte immer ein bisschen mitspielt ist das "Timing" der einzelnen Daten! Alle 5 Jahre werden die Harley-Davidson Geburtstage international gefeiert - und in Milwaukee, Geburtsort der Marke.

  • 1923: Harley-Davidson war der nach Produktionskapazität größte Motorradhersteller der Welt, hatte aber zunehmend Probleme Kunden im eigenen Land zu finden. Statt zu feiern suchte man neue Märkte in Japan und kürzte das Rennbudget.
  • 1933: Es war eines der schwärzesten Produktionsjahre in der „Depressions-Ära“.
  • 1943: Unpassend zum 40. Geburtstag ist mal wieder Weltkrieg angesagt.
  • 1953: Die Verkäufe sinken um schockierende 20% und das Jubiläumsgeschenk kommt von der Konkurrenz: Konkurrent Indian schließt die Tore und lässt Harley-Davidson als einzigen namhaften Motorradhersteller der USA zurück.
  • 1968: Tatsächlich steht die Firma 1968 kurz vor der Zahlungsunfähigkeit und schließt sich am 18.

Die Verkaufszahlen sanken. Um überleben zu können, wurde Harley-Davidson 1965 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, um der Firma frisches Kapital zum weiteren Überleben zu verschaffen. Rettung in der Not versprach der Mischkonzern AMF (American Machine and Foundry Company) im Januar 1969.

Stattdessen kam es im Juli 1981 zum Management-Buy-out durch eine dreizehnköpfige Gruppe ehemaliger Manager und Mitarbeiter der Firmenleitung um Vaughn Beals, Willie G. Davidson und Charles Thompson. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das einst blühende Unternehmen inmitten eines boomenden Motorradmarktes zum Sanierungsfall entwickelt. Hohe Produktionskosten, eine veraltete und nicht marktgerechte Produktpalette und Qualitätsmängel hatten zu einem erheblichen Imageverlust geführt.

Die Wiedergeburt der Marke

Die Sanierung gelang nicht von heute auf morgen. Sie umfasste unter anderem eine Reorganisation des gesamten Managements und den Abbau von 43 Prozent der Arbeitsplätze auf nur noch 2.000 Mitarbeiter. Viele Produktionsmethoden wurden überdacht und strikte Qualitätskontrollen eingeführt. Die umfangreichste Sanierungsmaßnahme bestand in der Entwicklung neuer, zeitgemäßer Produkte, verbunden mit einem Umsteuern beim Marketing.

Im Jahre 1986 ging das Unternehmen an die Börse, um mit neuem Kapital einen wirtschaftlichen Aufschwung herbeizuführen. Die Umsätze stiegen in den Folgejahren durchschnittlich um 18 Prozent jährlich und es konnten aufgrund des Gewinns entsprechende Dividenden gezahlt werden.

Statt in den 1980er Jahren mit den Japanern auf dem Gebiet technologischer Fortschritte zu konkurrieren, stellte Harley-Davidson mit seiner neuen Werbestrategie in erster Linie den Charakter und Erlebniswert der Produkte in den Vordergrund.

Harley-Davidson heute

Noch heute ist Harley-Davidson in Milwaukee daheim, wo einst alles begann, und noch heute ist die Firma dem viertaktenden V2 treu ergeben. Auch wenn er äußerlich manchen seiner Ahnen gleicht, wurde er Jahrzehnt für Jahrzehnt den Erfordernissen der Zeit angepasst.

Mit dem Milwaukee-Eight und dem Revolution Max fertigt Amerikas traditionsreicher Motorradhersteller derzeit zwei unterschiedliche Motorenkonzepte: einen luftgekühlten 45°-V2 mit flüssigkeitsgekühltem Auslassbereich und einen flüssigkeitsgekühlten 60°-V2. Von 975 bis 1.923 Kubikzentimeter reichen die Kubaturen, bis zu 112 kW (152 PS) leisten die Triebwerke.

Längst haben moderne Features wie elektronische Assistenzsysteme, praktische Bluetooth-Handyanbindung und modernes Infotainment auch in Maschinen aus Milwaukee Einzug gehalten. Doch bis es so weit war, stand dem Unternehmen eine lange Reise bevor.

Das Harley-Davidson Museum in Milwaukee

Das Harley-Davidson Museum in Milwaukee feiert die mehr als 100-jährige Geschichte der Harley-Davidson-Motorräder. Das Museum ist nicht nur für Motorradfahrer oder Harley Fans interessant. Wir sehen Familien mit Oma, Opa und Kindern. Auf dem Parkplatz finden mehr als 1.000 Motorräder und 500 Autos Platz.

In sämtlichen Bereichen des Museums lassen Erinnerungsstücke, Werbeplakate, Poster, Briefe, Broschüren, Zeitschriften und Fotografien Epochen der vergangenen 106 Jahre lebendig werden. Allerorten können die Gäste ihren Wissensdurst an Touchscreens, Videobildschirmen und zahlreichen anderen interaktiven Elementen stillen. Der "Engine Room" etwa macht die Besucher mit der Geschichte, der Technik und dem Sound der V2-Motoren von Harley-Davidson vertraut.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0