Harley Davidson Heritage Softail 1998 Technische Daten

Als es um den Nationalstolz geht, kennen die Amis kein Pardon. Nationalheiligtümer bieten lassen. Eigentlich war es schon immer so. Die Vereinigten Staaten von Amerika, Ronald Reagan, "... sowohl zu kaufen, als auch technische Hilfe zu gewährleisten...".

In den USA gab es einen gewaltigen Motorradboom. Die Jugend hatte das Bike als Spaß- und Freizeitfahrzeug entdeckt. Die japanische Konkurrenz kam nicht aus "Europa", sondern aus Japan. Allen vorweg Soichiro Honda, der bereits im Juni 1959 eine Werksniederlassung in Los Angeles eröffnete, um den restlichen Weltmarkt zu erobern! Mit dem Slogan "You meet the nicest people on a Honda" ging Honda in die Geschichte ein.

Auch die Musikszene machte man sich als Imageträger zunutze. Ein Song der kalifornischen Beatgruppe `The Beach Boys` wurde ein Welthit. Es entstanden flinke Motorräder mit bis zu 350 ccm Hubraum. Harley-Davidson traf die japanische Offensive verheerend. Harley-Davidson stand kurz vor dem Bankrott.

Die Belegschaft war zutiefst frustriert, was später sogar zu ausgedehnten Streiks führte. Von HD-Qualität blieb bald kaum noch etwas übrig. Die Jahresproduktion schien buchstäblich aus allen Nähten zu platzen.

Die US-Motorradmarke wurde ihr "Schrauber-Image" nicht los. Böse Zungen sprachen gar vom "amerikanischen Kernschrott". Auch mit den Abgasvorschriften war es nicht weit her.

Chefingenieur Jeffrey L. Bleustein suchte nach neuen Triebwerkskonzepten. Harley-Techniker suchten Hilfe bei der Edelschmiede Porsche in Weissach. Gerade dieses renommierte Entwicklungszentrum wurde als Partner gewonnen, um den Benzinverbrauch auf ein Optimum zu trimmen. Eine Transistorzündanlage wurde ebenfalls verbaut.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen und sah dazu auch noch bildschön aus. Das Qualitätsniveau erreichte tatsächlich japanisches Niveau. Daraufhin wollten Investoren das HD-Werk zurückkaufen. Vaughn Beals und Willie G. Davidson konnten die "Harley-Davidson Motor Company" vom AMF-Konzern freikaufen.

Obwohl einige AMF-Manager Harley-Davidson treu blieben, musste sich die neue HD-Führung einiges an Kritik gefallen lassen. Vor allem hinsichtlich der Verarbeitung und Standfestigkeit gab es Verstimmung. Die Firmenbosse reagierten umgehend.

Das Modelljahr 1984 sollte die Wende bringen. Die Passagiere wurden vor nervenden Vibrationen verschont. Anders bei der Softail, deren Motor fest verschraubt war. Harley-Davidson bedeutet aber auch Chopper, auch wenn man es in Milwaukee nicht gerne zugeben möchte.

Viele fuhren mit ihren Umbauten als Chopper durch die Gegend. Auf dem Treffen "Swamp Gras" in New Orleans entstanden Spezialanfertigungen, beinharte Chopper. So etwas gab es noch nicht, aus Japan schon gar nicht. Also half man sich selbst. Der Begriff "Chopper" bedeutet frei übersetzt "abhacken". Alles was nicht niet- und nagelfest war, flog im hohen Bogen auf den Müll. Ein kurzes Schutzblech und darunter ein breiter Hinterradschlappen waren typisch. Einziges Zugeständnis für Fahrten im Dunkeln war eine Notbeleuchtung. Mehr und auch nicht weniger. Peter Fonda und Dennis Hopper haben die Chopper in "Easy Rider" berühmt gemacht.

Die gewöhnungsbedürftige Fahrbarkeit der knüppelharten Ur-Chopper war aber nicht jedermanns Sache. Harley-Davidson nahm sich des Problems an und baute das vordere Schutzblech um. Doch der Schein trügte. Die Schwinge wurde geführt. Willie G. Davidson war von dieser Idee begeistert.

Damit war die Zeit für einen käuflichen Chopper reif. Die Debatte begann. Willie G. Davidson stellte sich vor, wie in Milwaukee die Softail geschmiedet wurde. Harley-typischer konnte sie kaum sein. Echte Männer brauchten schließlich so etwas, dachte man. Der "Harley-Davidson Motor Company" ist mit der Softail ein vollkommen neues Bike gelungen. Sie sah so aus und fuhr sich wie eine Neue. Die Vibrationen waren spürbar vermindert. Wer etwas anderes behauptete, war im falschen Film. Wer es nicht wusste, bekam dann die Motorvibrationen deutlich zu spüren.

"Man sitzt auf einer Harley". Die Softail wurde zum Flanier-Bike schlechthin. Sie eignete sich perfekt für eine gemütliche Spritztour am Sonntagmorgen und verkörperte den "Way of Life". Harley-Davidson hatte seinen guten Ruf zurückgewonnen und musste sich mit seinen Motorrädern nicht verstecken. Ganz im Gegenteil. Harley-Davidson besitzt einen Mythos.

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