Harley Davidson Iron 883 Auspuffanlagen im Test

Der Einstieg in die große bunte Harley-Welt kostet nur knapp 8500 Euro. Für den Gegenwert einer Honda Hornet 600 bekommt man eine 883er-Sportster. Wenn’s etwas mehr Hubraum sein darf, ist man ab 10795 Euro für eine XL 1200 X dabei, die Freunde nur Forty-Eight nennen.

Unter elf Mille für ein Rundum-glücklich-Angebot - inklusive neidischer Autofahrerblicke, inklusive schwer beeindruckter Nachbarn, inklusive einjähriger Mitgliedschaft im größten Wochenendrocker-Club der Welt, inklusive dieses unbezahlbaren Breitgrinsens bei jeder Tour. Alles inklusive? Nicht ganz, denn eines gibt’s bei Harleys Einstiegsdroge nicht zum Einstiegspreis: anständigen Sound.

Nun kann man kaum behaupten, dass sich ab Werk die großen Schwestern der Sportster soundmäßig wesentlich besser aus der Affäre ziehen, doch bei denen fällt das leidige Thema dank serien­mäßiger Klappensysteme im Auspufftrakt nicht ganz so auf. Dyna, Softail und Touring-Modelle klingen serienmäßig immerhin langweilig, doch eine Sporty im Serientrimm klingt einfach nur scheiße. Um es mal ganz vorsichtig zu formulieren.

Das Thema ist längst kein Minderheitenproblem mehr, denn wer sich vergegenwärtigt, dass Harley mittlerweile Platz drei der Zulassungshitparade belegt und die besagte Forty-Eight in schöner Regelmäßigkeit zu den 20 am besten verkauften Motorradmodellen in Deutschland gehört, ahnt vielleicht, über welche Stückzahlen man sich unterhält.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die aktuelle Sportster - zumindest in Auspuffdingen - nur unwesentlich von einer Sportster des Modelljahrs 2004 unterscheidet. Zugegeben: 2007 bekam die Sporty eine Einspritzanlage verpasst, was emissionstechnisch zumindest theoretisch ein großer Schritt war. Doch in der Praxis passt ein neuer Topf auch ans alte Gerät. Und umgekehrt.

Stückzahlmäßig von Belang ist auch, dass 883er und 1200er (nicht nur beim Auspuff) engstens verwandt sind. Trotzdem bitte die Angaben der Auspuffanbieter beachten, denn nicht alles, was technisch geht, ist auch zulassungstechnisch okay - Stichwort Typprüfung mit Einhaltung der Fahrgeräuschwerte von 80 dB(A).

Ein erster Versuch von MOTORRAD, ein interessantes Testfeld zusammenzubekommen, scheiterte im Sommer 2012. Ob es an mangelnder Lieferfähigkeit, Ignoranz, Desinteresse, Trägheit oder nur unprofessioneller Pressearbeit lag, ließ sich nicht in jedem Fall klar sagen, aber es war auffällig, wie abgeschottet ein Teil der Harley-Zubehör-Szene immer noch agiert. Zum Teil gab es sehr einsilbige Absagen auf die schriftlichen MOTORRAD-Anfragen, zum anderen noch nicht einmal das.

Umso erfreulicher war es, dass beim zweiten Versuch auch Anbieter zusagten, deren Anlagen vor ein paar Monaten noch nicht serienreif waren: Die Test-Teilnahme von Miller und Dr. Jekill & Mr. Hyde stellte sich als Glücksfall heraus, bewiesen doch die beiden brandneuen Anlagen im Test recht eindrucksvoll, zu was gut gemachte Auspuffanlagen an einer Harley fähig sind.

Die beiden Anlagen stellen auch die beiden Extreme in diesem Test dar. Zum einen die günstige, auch von ambitionierten Hobbyschraubern zu bewältigende Slip-on-Anlage von Miller. Zum anderen die nur von Profis zu montierende Jekill & Hyde-Anlage mit ihrem elektronisch gesteuerten Klappensystem, die inklusive Einbau auf über 2000 Euro kommt.

Für den professionellen An- und Umbau der Auspuffanlagen an der Forty-Eight holte sich MOTORRAD tatkräftige Unterstützung ins Team: Lucas Schmidt von der Harley-Factory in Frankfurt. Das 57-jährige Schraubergenie sorgte vor vielen Jahren dafür, dass Toni Mangs Fahrwerke WM-tauglich wurden, kümmerte sich später beim MotoGP-Projekt von BMW um die streng geheime Technik der Dreizylinder und restauriert seit jeher Harleys.

In der Factory ist er ein Mann für Spezialaufgaben, zurzeit bringt er unter anderem einer XR 1000 das Laufen bei. Und er ist der Herr über den Dynojet-Prüfstand, auf dem alle Anlagen beweisen mussten, ob sie neben dem Schalldruck auch noch anderweitig Druck machen können.

Auspuffanlagen im Test

Hier eine Übersicht verschiedener Auspuffanlagen für die Harley-Davidson Sportster im Test:

Auspuffanlage Preis (ca.) Sound Fahrgeräusch dB (A) Fazit MOTORRAD-Urteil
Harley-Davidson Original 954 Euro leise, verhalten 80,0 Die Originalanlage passt mit ihren schlanken Tüten natürlich prächtig zur Harley. Was aber gar nicht passt, ist die dürftige Soundkulisse. befriedigend
Akrapovic Slip-on 1448,23 Euro kernig, bissig 89,4 Den Kantenlook mag nicht jeder. Keine Diskussion gibt es beim Finish und den ausgefeilten Details. Die Fahrgeräusche sind viel zu laut. befriedigend
Jekill & Hyde Shorty Big Shot ab 1639 Euro vibrierend 80,7 Das klappengesteuerte System überzeugt mit brachialem Sound - und hält dazu die Grenzwerte ein! Presst dazu eine fette Drehmomentwelle aus dem V-Twin. sehr gut
Sebring Classic 1150 Euro leicht bollernd 81,3 Sieht aus wie die Serie, klingt fast wie die Serie und kitzelt auch nicht das wahre Potenzial aus der 1200er-Sporty heraus. Das Finish überzeugt. befriedigend
Termignoni HD 05 929 Euro soft 81,6 Mehr fühlen als hören. Termignoni punktet durch die fette Drehmomentausbeute, weniger durch einen packen­den Sound. Die Passform ist mies. befriedigend
Zard Z HD 527 SKO-CR ab 879 Euro krawallig 92,7 Mit der Komplettanlage gewinnt die Sportster an Schub und Schräglage. In Sachen Sound sehr schrill und zu laut. Kleine Mankos beim Finish. gut

Die Miller Auspuffanlagen

Miller Silverado II

Die Miller Auspuffanlage Silverado II: eine hochwertige Slip-On Anlage aus Edelstahl für Ihre Sportster. Erleben Sie mit ihr den unverwechselbaren Harley V2 Klang, der hiermit voll zur Geltung kommt. Diese Auspuffanlage ist EURO 3 homologiert und damit für die Harley Davidson Sportster Modelle ab 2014 bis 2016 zugelassen.

Unsere Miller Silverado II Schalldämpfer sind in verschiedensten Variationen erhältlich, ganz nach ihrem individuellen Empfinden. Sie können zwischen dem polierten und dem schwarz matten Finish wählen, sowie unter unseren drei unterschiedlichen Endkappenformen: Standart, Tapered und SlashCut. Die originalen Auspuffkrümmer bleiben bestehen. Einfach die Serienschalldämpfer mit den Miller Silverado II Slip-On Schalldämpfern tauschen und legal losfahren.

In einem Vergleichstest für Schalldämpfer für die Harley-Davidson Sportster-Familie hat unsere Silverado II in allen Bereichen Bestnoten eingefahren und ist Sieger im Test.

Miller Silverado I

Die Miller Auspuffanlage Silverado I: eine hochwertige Slip-On Anlage aus Edelstahl für Ihre Sportster. Erleben Sie mit ihr den unverwechselbaren Harley V2 Klang, der hiermit voll zur Geltung kommt. Diese Auspuffanlage ist EURO 3 homologiert und damit für die Harley Davidson Sportster Modelle ab 2004 bis 2013 zugelassen.

Unsere Miller Silverado I Schalldämpfer sind in verschiedensten Variationen erhältlich, ganz nach Ihrem individuellen Geschmack. Sie können zwischen dem polierten und dem schwarz matten Finish wählen, sowie unter unseren drei unterschiedlichen Endkappenformen: Standart, Tapered und SlashCut. Die originalen Auspuffkrümmer bleiben bestehen. Einfach die Serienschalldämpfer mit den Miller Silverado I Slip-On Schalldämpfern tauschen und legal losfahren.

In einem Vergleichstest für Schalldämpfer für die Harley-Davidson Sportster-Familie hat unsere Silverado I in allen Bereichen Bestnoten eingefahren und ist Sieger im Test.

Wichtige Hinweise zu Lärmgrenzwerten und Legalität

Die Streckensperrung im Lechtal ist für Motorräder mit einem eingetragenen Standgeräusch von mehr als 95 dB(A) festgelegt. Sollte Ihr Wert dort höher sein, so dürfen Sie diese Strecken nicht befahren. Relevant ist daher das eingetragene Standgeräusch in Ihrem Fahrzeugschein.

Eine nach den EG-Richtlinien zugelassene Zubehöranlage verändert nicht den Wert Ihres eingetragenen Standgeräuschs. Sollten Sie also in Ihrem Fahrzeugschein einen Standgeräuschwert von 95 dB(A) oder niedriger eingetragen haben, so dürfen Sie natürlich eine nach den EG-Richtlinien zugelassene Auspuffanlage verbauen und die oben genannten Strecken weiterhin befahren. Sollten Sie einen Wert von über 95 dB(A) eingetragen haben, dürfen Sie diese Strecken im Zeitraum 15. April - 31. Oktober nicht befahren.

Für die unsere MILLER Auspuffanlagen sind extra leise dB-Absorber erhältlich. Sie haben auf das eingetragene Standgeräusch eine gesetzliche Toleranz von +5 dB(A). Werden diese Vorgaben bei der Messung nicht eingehalten, kommt es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu einem falschen Messergebnis.

Unsere MILLER Auspuffanlagen sind doppelwandig ausgeführt um eine Verfärbung durch die Hitzeentwicklung zu vermeiden. Am Anschluss und Konus des Schalldämpfers kann es dennoch zu Verfärbungen kommen.

Jenseits des gefühlten Sounderlebnisses hier die Punktewertung des Schalldämpfertests für die Harley-Davidson Sportster-Reihe: Zum Tabellenführer schwingt sich die preiswerteste Anlage im Test auf. Millers Silverado-Dämpferpaar überzeugt mit einem guten Gesamtpaket aus Leistung, Drehmoment und noch moderatem Fahrgeräusch.

Interview mit Harley-Händler Thomas Trapp

Thomas Trapp ist Geschäftsführer der Harley-Factory Frankfurt, Europas größtem Harley-Händler. Der 55-Jährige fährt die Milwaukee-Twins seit 35 Jahren und ist ausgewiesener Oldtimer-Experte.

Trapp: Jeder zweite Kunde ordert bereits beim Kauf der Neumaschine oder spätestens im Laufe der ersten Saison einen Zubehörauspuff. Es gibt keinen Kunden, der in den Laden kommt und nicht nach Sound fragt. Kein Wunder, klingen die Originalanlagen wegen der Emissionsgrenzwerte doch sehr dezent.

Trapp: Ganz klar der Sound. In Sachen Leistung gehen zumindest die Laien sowieso davon aus, dass ein offener Auspuff immer mehr Leistung als das Original hat. Marke und Preis sind meistens zweitrangig. Wenn der Soundcheck überzeugt, ist die Anlage praktisch gekauft.

Trapp: Wir halten bei uns in der Factory mindestens ein Vorführfahrzeug aus jeder der fünf Harley-Baureihen mit einer Zubehör-Auspuffanlage zur Probefahrt bereit. Mindestens fünf Anlagen von fünf verschiedenen Herstellern - das ist schon ein sehr guter Querschnitt.

Trapp: Bestens. Durch den regen Informationsaustausch in den verschiedenen Internet-Foren ist der Markt für die Kunden mittlerweile sehr überschaubar. Die Anbieter können sich kaum noch erlauben, irgendetwas zu tricksen, und sind in Sachen Garantie- und Kulanzabwicklung besonders in der Zusammenarbeit mit großen Händlern sehr bemüht, kundenfreundlich zu reagieren. Die Harley-Community ist extrem gut vernetzt.

Trapp: Bei uns gehen nur Systeme raus, die legal sind. Aber man muss sich natürlich keine Illusionen machen: Wer es darauf anlegt, wird immer Mittel und Wege finden, um mit mehr „Sound“ unterwegs zu sein. Und diese Kundschaft ist sich über die rechtlichen Konsequenzen sehr wohl bewusst.

Trapp: Zu über 90 Prozent unsere Werkstatt. Der Großteil der Harley-Kundschaft besteht längst nicht mehr aus Selbstschraubern, und mit „mal eben ranstecken“ ist es bei den meisten Anlagen auch nicht getan. Wenn dann noch Abstimmungsarbeiten dazukommen, ist der Hobbyschrauber schnell überfordert.

Trapp: Der Trend geht ganz klar zu elektronisch gesteuerten (Klappen-)Systemen. Die machen bei uns bereits zwei Drittel des Auspuffgeschäfts aus. Und auch Kunden, die schon eine „konventionelle“ Anlage haben, überlegen, ob sie nicht wechseln sollten. Der Grund dafür dürfte die immer höhere Kontrolldichte sein.

Trapp: Behaltet unbedingt auch die Originalanlage; denn je älter eine Harley wird, desto mehr ist wieder ihr Originalzustand gefragt.

Gebrauchte Iron 883 und Forty-Eight

Mit dem Modelljahr 2021 hat Harley-Davidson die luftgekühlten Sportster aus der Programm gestrichen. Wer sich jetzt noch eine XL 883 oder 1200 zulegen will, muss auf ein Second-Hand-Bike zurückreifen. Iron 883 und Forty-Eight mit dem 1200er Evo bieten sich da als Objekte der Begierde an - aber welche nehmen?

Die Evo-Sportster sind absolut robuste, ausgereifte Motorräder die kaum Ärger machen. Das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt ist üppig. Wer sorglos unterwegs sein will, greift auf eine junge Gebrauchte zurück. Sowohl die Iron 883, als auch die Forty-Eight wurden zuletzt im Jahr 2016 nicht nur hinsichtlich des Fahrwerks kräftig überarbeitet. Welchem Bike hat das Upgrade mehr gebracht?

Iron 883

Die Iron 883 rollt auf in Schwarz getauchten und mit gefrästen Akzenten versehenen Neunspeichen-Leichtmetallgussrädern. Am Vorderrad kam eine neue, schwimmend gelagerte Bremsscheibe zum Einsatz. Viel wichtiger aber waren die neuen Innereien in der Gabel.

Hier waren nun sogenannte Cartridges verbaut, Feder-/Dämpfereinheiten, die in einer Kartusche integriert sind. Zudem bietet ein abgesteppter Sitz nicht nur mehr Bequemlichkeit, sondern auch mehr Halt für den Fahrer. Hinzu kamen gechoppte Fender, das schwarze Triebwerk samt schwarzer Auspuffanlage, der Drag Bar Lenker, ein in Schwarz gehaltener gerippter Luftfilter und das Bullet-Hole-Design an Zahnriemenabdeckung, Auspuffhitzeschilden und am Frontfenderhalter.

Forty-Eight

Die über die Maßen beliebte Forty-Eight erhielt für das Modelljahr 2016 einen noch kraftvolleren Look. Das bobberartige Vorderrad wurde von einer neuen Gabel mit 49 Millimeter dicken Standrohren geführt, die in nicht minder wuchtigen Leichmetall-Gabelbrücken stecken.

Auch der Gabelstabilisator zwischen den beiden Tauchrohren ist deutlich kräftiger ausgeführt. Sehr augenfällig ist auch die neu gestaltete Auspuffanlage mit den geschlitzten Hitzeschutzschilden. Das Thema Streifen zieht sich über das gesamte Bike hin, der Tank wurde mit horizontalen Streifen versehen, eine Hommage an den Style der 70er Jahre.

Den Look dieser Linien findet man auch auf den Sitz gestickt, an der Zahnriemenabdeckung und der Riemenscheibe. Natürlich profitierte auch der Bestseller Forty-Eight von der neuen Fahrwerksabstimmung.

Auf dem Papier liegen zwischen den beiden Motoren 25 Nm, und die spürt man ganz klar in so mancher Fahrsituation. Die 1200er pumpt sich spürbar souveräner aus niedrigen Drehzahlen hoch, die „Kleine“ braucht dafür mehr Drehzahl, mehr Zeit, oder mehr Gleichmut.

Vor der Modellpflege hätte die Sache vielleicht noch anders ausgesehen, aber seit der umfassenden Fahrwerksoptimierung mit den höherwertigeren Feder- und Dämpferelementen ist die Iron fahrdynamisch einfach im Vorteil.

Die Forty-Eight hat aufgrund ihres flachen geduckten Aufbaus und der 16-Zoll-Bobber-Bereifung eine erfahrbar geringere Bodenfreiheit als die Iron, sprich: die Schräglagenfreiheit der Forty-Eight ist begrenzter, unterstützt noch von den etwas tiefer angebrachten vorverlegten Fußrasten. Forty-Eights kratzen schon hässliche Striemen in den Asphalt, wenn Iron-Treiber noch über Reserven verfügen.

Die Iron ist länger, breiter, höher und sogar ein paar Kilo schwerer als die Forty-Eight. Sie hat auch einen größeren Radstand, sie ist also tatsächlich das erwachsenere Motorrad. Und das spürt man auch beim Fahren.

In winkligem Geläuf, wo die Forty-Eight mit ihren 16-Zöllern manches Mal etwas hibbelig wirkt, schnürt die Iron souverän und stoisch durch wie der Schnellzug durch den Dorfbahnhof.

Die Iron bietet richtig viel Harley-Davidson fürs Geld und kommt mit ihrem - vernünftigen - 12,5 Liter-Tank auch noch fast 100 Kilometer weiter als die Forty-Eight mit ihrem Peanut-Fässchen. Somit wird die Fahrmaschine Iron 883 in diesem Vergleich - ungeachtet der unbestrittenen optischen Attraktivität der Forty-Eight - die eindeutige Siegerin unserer Herzen.

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