Nachdem die gesamte Harley-Davidson Sportster Palette ab 2021 aus Europa verschwindet, gibt es nur mehr einen Weg, an ein solches Motorrad zu kommen: Den Gebrauchtmarkt. Wenn Ihr in Eurem Motorradfahrerleben an einem Punkt angelangt seid, an dem euch die Idee, eine Harley-Davidson zu besitzen, zusagt, kämpft nicht dagegen an, sondern akzeptiert es. Es spricht viel dafür, diesen Weg zu gehen, den Fokus von der Geschwindigkeit auf eine entspannte Fahrt zu verlagern und die Freuden eines luftgekühlten Harley V-Twins zu genießen.
Die Harley Davidson Iron 883 im Detail
Die Iron, die mit ihrem fiesen und dunklen Look den aktuellen Customizing Trend voll und ganz aufgreift, ist ein echter Hingucker. Aber die Iron sieht nicht nur gut aus, sondern bietet auch ein tolles Fahrerlebnis. Die 883 ist ein echter Harley V-Twin und als solcher vibriert und klackert sie und gibt den klassischen Blubber-Soundtrack von sich.
Fahrgefühl und Komfort
Die Iron ist nicht die praktischste aller Maschinen und ein ziemlich kleiner 12,5-Liter-Treibstofftank, sowie eine exponierte Sitzposition bedeuten, dass lange Fahrten ein wenig außerhalb ihres Aufgabenbereichs liegen. Der Sitz ist auch ein wenig auf der festen Seite und die Fußrasten schlagen gerne gegen das Schienbein, wenn man nicht aufpasst. Auch der Sozius wird den relativ begrenzten Platz auf dem Sitz nicht genießen.
Doch trotz all dieser Eigenheiten muss man die Iron 883 einfach lieben, denn sie ist sowohl von ihrer Seele als auch von ihrem optischen Reiz her eine echte Harley.
Worauf man beim Gebrauchtkauf achten sollte
Da die Iron nach der Benzineinspritzung und den gummigelagerten Motor-Updates ankam, ist die Hauptsorge bei jedem 883er Modell das Finish. Einige frühe Iron-Modelle leiden darunter, dass ihre Räder unter dem Lack korrodieren, was in späteren Jahren durch einfaches Entfernen des Lacks behoben werden konnte!
Der Motor selbst ist schön und stark, aber es ist immer am besten, sich für ein Motorrad mit einer vollständigen Service-Historie zu entscheiden, da es einige Öle gibt, die von Harley spezifiziert werden. Laien könnten das falsche schwarze Gold verwenden, was in Zukunft Probleme verursachen könnte. Kontrolliert auch den Spannungsregler, denn er befindet sich direkt an der Vorderseite des Motors, was bedeutet, dass er korrosionsanfällig ist.
Bei Zubehör lohnt es sich, für einen anderen Auspuff extra zu bezahlen, aber stellt sicher, dass das Motorrad mit einem neuen Mapping und einem Luftfilter mit hohem Durchfluss angepasst wurde. Und habt keine Angst vor einer 883, die durch einen Harley-Big-Bore-Kit in eine 1200er umgebaut wurde.
Wenn es um das Chassis geht, solltet ihr, nachdem ihr überprüft habt, ob die Dichtungen der Gabel (ggf. müsst ihr die Faltenbälge bewegen) abgerieben sind und ob die Federn immer noch ihre Dämpfung haben, den Antriebsriemen einer ordnungsgemäßen Inspektion unterziehen. Und nicht nur ein kurzer Blick, sondern dreht das Hinterrad, damit ihr seine gesamte Länge überprüfen könnt.
Wenn der Besitzer den unteren Riemenschutz entfernt hat (viele tun dies aus ästhetischen Gründen und einige Modelle haben nicht einmal eine Abdeckung als Standard), ist er anfälliger für Schäden durch Steine, die zwischen Riemen und Kettenrad geraten.
Modellpflege und wichtige Änderungen
Die Iron ist eines der späteren Modelle der Sportster und wurde als solches seit ihrer Einführung im Jahr 2010 nicht mehr so radikal aktualisiert. Dennoch gab es 2014 eine ziemlich wichtige Änderung, als ABS (eine Option für frühere Modelle), der verbesserte Kabelbaum, bessere Bremsen und ein verbesserter Motor für die gesamte 883er-Reihe eingeführt wurden.
Zum aktuellen Stand (Ende 2020) finden sich noch neue Exemplare am Gebrauchtmarkt, doch die Auswahl wird stetig kleiner.
Die Iron 883 im Vergleich
883 gegen 1202 Kubikzentimeter, klingt nach einer klaren Sache. Fakt ist: Die beiden Motoren sind bis auf Bohrung und Verdichtung identisch. Auf einer ihm außerordentlich gut bekannten Berg- und Tal-Strecke auf Mallorca war es dem Autor dieser Zeilen, der auf der Forty-Eight saß, nicht möglich, seinen hinter ihm fahrenden Flügelmann Jack (der von Jack Daniel’s) auf der Iron 883 abzuschütteln. Zwar bringt der Autor gute 40 Kilo mehr auf die Waage als Slim Jacky, doch diese Begebenheit zeigt, wie wenig das Leistungsplus der 1200er im normalen Alltag wiegt. Auf dem Papier liegen zwischen den beiden Motoren 25 Nm, und die spürt man ganz klar in so mancher Fahrsituation.
Die 1200er pumpt sich spürbar souveräner aus niedrigen Drehzahlen hoch, die „Kleine“ braucht dafür mehr Drehzahl, mehr Zeit, oder mehr Gleichmut. Vor der Modellpflege hätte die Sache vielleicht noch anders ausgesehen, aber seit der umfassenden Fahrwerksoptimierung mit den höherwertigeren Feder- und Dämpferelementen ist die Iron fahrdynamisch einfach im Vorteil.
Die Forty-Eight hat aufgrund ihres flachen geduckten Aufbaus und der 16-Zoll-Bobber-Bereifung eine erfahrbar geringere Bodenfreiheit als die Iron, sprich: die Schräglagenfreiheit der Forty-Eight ist begrenzter, unterstützt noch von den etwas tiefer angebrachten vorverlegten Fußrasten. Forty-Eights kratzen schon hässliche Striemen in den Asphalt, wenn Iron-Treiber noch über Reserven verfügen.
Überhaupt macht sie, obwohl sie den hubraumschwächeren Motor hat, den erwachseneren Eindruck. Fakt ist: Die Iron ist länger, breiter, höher und sogar ein paar Kilo schwerer als die Forty-Eight. Sie hat auch einen größeren Radstand, sie ist also tatsächlich das erwachsenere Motorrad. Und das spürt man auch beim Fahren.
In winkligem Geläuf, wo die Forty-Eight mit ihren 16-Zöllern manches Mal etwas hibbelig wirkt, schnürt die Iron souverän und stoisch durch wie der Schnellzug durch den Dorfbahnhof.
Fazit: Die Iron bietet richtig viel Harley-Davidson fürs Geld und kommt mit ihrem - vernünftigen - 12,5 Liter-Tank auch noch fast 100 Kilometer weiter als die Forty-Eight mit ihrem Peanut-Fässchen. Und 2.500 Ocken Differenz waren schließlich auch noch ein Argument. Somit wird die Fahrmaschine Iron 883 in diesem Vergleich - ungeachtet der unbestrittenen optischen Attraktivität der Forty-Eight - die eindeutige Siegerin unserer Herzen. Wenngleich die der Abstand bei den Gebrauchtpreisen nicht mehr ganz so hoch ist.
Technische Daten Sportster Harley-Davidson Sportster 883-Iron, Modelljahr 2009
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Hubraum | 883 cm³ |
| Leistung | 44-53 PS |
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