Harley Davidson Karikaturen: Eine Geschichte des amerikanischen Mythos

Unerschrocken, kraftvoll, ein bisschen rebellisch: Dafür steht Harley-Davidson. Raue Typen - bisweilen auch deren Karikatur -, die einfach in die unendliche Weite des Landes hinausbrettern, den Horizont als Ziel, den Elementen ausgesetzt - ein amerikanischer Traum. Ein Mythos, den das Unternehmen über Jahrzehnte gepflegt hat.

Der Mythos dieses amerikanischen Flaggschiffs ist 115 Jahre alt, er wurde begründet von vier jungen Männern in einem Schuppen in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin. William S. Harley und die drei Brüder Arthur, William und Walter Davidson hießen die Pioniere, deren Vision Enkel Willi G. Davidson einmal so beschrieben hat: Sie wollten schauen, was passiert, wenn sie einen Motor in einen Fahrradrahmen einbauen.

Die Anfänge und der Aufstieg zum Kult

Es passierte etwas Großes: Fahrrad plus Motor gleich Erfolg. Das erste Serienmodell geht 1905 in den Verkauf, 15 Jahre später ist Harley-Davidson der führende Motorradproduzent der Welt. Soldaten, Polizisten, Briefträger, alle nutzen das amerikanische Motorrad. Vor allem durch den Zweiten Weltkrieg wird es zum patriotischen Gefährt: Das Verteidigungsministerium bestellt knapp 90 000 Harleys für den Kriegseinsatz.

Wie Gerd Eder, der Kopf von Harley-Davidson® Regensburg, sagt: "1903 setzten vier junge Männer die Idee, ein Motorrad zu bauen, in die Tat um. Damit wurde der Grundstein der Harley-Davidson® Motor Company gelegt. Seither haben Generationen von Fahrern die Marke Harley-Davidson® geprägt. Es gibt Millionen von Abenteuern, Erlebnissen und Storys. Und ein jeder von uns schreibt die Geschichte fort. Auf seine Weise. Mit seinem Bike. Denn Individualität und Freiheit macht Harley-Davidson® bis heute zu etwas Besonderem."

Das Harley-Gefühl: Freiheit und Individualität

Nur das Blau des Himmels markiert die Grenze. Das muss es sein, das Harley-Gefühl. Freiheit!

Paul Heine führt die neunköpfige Gruppe der Harley-Davidson-Fahrer an diesem Tag an, ein Mann mit Erfahrung, der 62-Jährige hat zigtausende Meilen hinter sich, allein 67 000 mit seiner jetzigen Maschine, einer Ultra Limited aus dem Jahr 2013. 28500 Dollar hat er für das Touring-Bike bezahlt, dazu kamen nochmal gut 10 000 Dollar für Extras: ein Motor-Tuning und die vielen Teile aus strahlendem Chrom.

Paul, der seine Glatze mit einer verwegen-flachen, schwarzen Lederkappe vor der Sonne schützt, wenn er keinen Helm trägt, streichelt zärtlich den Seitenspiegel und über das Leder der Sitze. Nach jeder Fahrt wird das „Bike“, Paul hat ihm anders als die meisten keinen Namen gegeben, von Staub und Dreck gereinigt und so lange poliert, bis es wieder blitzblank dasteht.

Gerd Eder beschreibt es so: "Freiheit im Kopf, Freiheit als Gefühl und Freiheit im ganzen Leben. Du kommst an und bist einfach glücklich."

Für die Mitglieder der Harley Owners Group aus Fairfax, Virginia, ist das Motorradfahren mehr als ein Hobby. „Warum wir fahren? Ist doch offensichtlich: Wir sehen was von unserem schönen Land und sind mit Gleichgesinnten unterwegs, die auch nichts anderes wollen als zu fahren“, sagt Paul.

Viele der kräftigen Oberarme sind tätowiert, was die Männer bedrohlicher aussehen lässt, als sie es in Wahrheit sind. Sie wollen nur fahren.

Herausforderungen und Kontroversen

Und der jetzt infrage gestellt wird, ausgerechnet durch den angeblichen Harley-Fan Donald Trump, der im Wahlkampf von den „Bikers for Trump“ unterstützt wurde und kurz nach seinem Sieg Manager des Unternehmens im Weißen Haus empfangen hat. Genau hier nämlich stößt die „America first“-Politik des US-Präsidenten an ihre Grenzen: Seine Handelspolitik, die mit immer weiteren „Schutzzöllen“ auf Importe die heimische Wirtschaft retten will, führt dazu, dass das uramerikanische Unternehmen Harley-Davidson im Inland Jobs abbaut und im Ausland neue schafft.

Das Unternehmen hat im Juni angekündigt, eine heimische Produktionsstätte zu schließen und ein neues Werk in Thailand aufzubauen. Dem könnte irgendwann eine Fabrik in Europa folgen, Berlin hat Harley-Davidson bereits ein Angebot gemacht, reagiert hat der Konzern bisher nicht. Angesichts der Strafzölle auf amerikanische Produkte wie Jeans, Whiskey und eben Harleys, die Brüssel im Gegenzug für Trumps Zölle auf Stahl und Aluminium verhängt hat, muss der Konzern handeln. Viel teurer dürfen die Maschinen nicht mehr werden.

Die grundsätzliche Entscheidung, mehr außerhalb der USA zu produzieren, ist schon vor der Einführung von Trumps Schutzzöllen getroffen worden: Im indischen Haryana und im brasilianischen Manaus gibt es bereits Werke, die die Bikes für deren Märkte zusammenschrauben. Auch hier werden so die Einfuhrzölle vermieden, eine Praxis, die es im globalisierten Automobilbau schon lange gibt, und die eigentlich nicht mehr zum Aufreger taugt. Eigentlich.

Made in America: Ein Lebensgefühl

Made in America ist nicht nur ein Satz. Es ist eine Art zu leben, sagt Trump, der es zu seinem Motto erhoben hat, Amerika wieder groß zu machen, dem Land seinen Stolz zurückzugeben. Und der American Way of Life ist vielleicht nirgends so offensichtlich wie im Sattel einer Harley-Davidson, hinter dem oft auch eine US-Flagge steckt. Harley-Davidson ist Amerikas Motorrad, die Fahrer sind Patrioten - das Harley-Geschäft in Fairfax heißt „Patriot“.

In York, Pennsylvania, knapp zwei Autostunden vom Weißen Haus entfernt, wird die Harley gebaut und der Mythos gepflegt. Die von außen unspektakuläre Fabrikhalle ist eine von zwei Endfertigungsstätten im Land, die andere steht in Kansas City im Bundesstaat Missouri. In York sollen dann rund 1400 Menschen arbeiten, bisher sind es 930.

Von York aus werden die Motorräder in 85 Länder verkauft, mit im Paket: eine gehörige Menge amerikanischer Nationalstolz, die Illusion eines handgearbeiteten, bis ins letzte Detail perfekten Produkts, das so nur von wahren Patrioten in den USA hergestellt werden kann.

Die Zukunft von Harley-Davidson

Für viele Jüngere ist das zu viel, ohnehin haben die schweren Maschinen für die mobile, städtische Zielgruppe an Reiz verloren - ein Grund, warum die Absatzzahlen in den USA zurückgehen. Dem Bedeutungsverlust will die Firma ab dem nächsten Jahr ein erstes Elektromotorradmodell entgegensetzen, dem in den darauffolgenden drei Jahren weitere folgen sollen. Gerade vorgestellte Entwürfe zeigen Modelle, die für Harley-Davidson-Verhältnisse geradezu grazil wirken.

Weltweit sank der Absatz von Harley-Davidson-Motorrädern im Jahr 2017 um 6,7 Prozent auf 242 788 Stück. 2008 konnte Harley-Davidson noch 303 479 Maschinen verkaufen. Und auch im ersten Quartal 2018 wurden zehn Prozent weniger Maschinen verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Gerd Eder wünscht sich, dass die Marke Harley-Davidson® vernünftig und global denkend bleibt. "Wir wollen Toleranz und dass sich jeder gut fühlt. Harley-Davidson® soll immer für das Gute stehen. Vor allem wünsche ich mir, dass Harley viel dafür tut, um effizient und abgasarm zu bleiben."

Absatz von Harley-Davidson Motorrädern

Jahr Absatz weltweit
2008 303.479
2017 242.788

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0