Harley-Davidson Knickrahmen: Informationen und Hintergrund

Der Ghostrider auf David Manns Bild folgt seinem ihm vorbestimmten Weg über den Asphalt auf einem klassischen Starrrahmen. Was lag also näher, auch für mein Projekt einen solchen Rahmen zu verwenden.

Die Ära des Starrrahmens

Starre Rahmen wurden innerhalb der Company nur bis 1958 gefertigt und weil sie für die Summer der Old School Begeisterten die Krönung eines Choppers darstellen, sind sie entsprechend begehrt. Generationen von Schraubern hätten Hand an ihn gelegt und der Erfahrung nach war kaum einer dieser Rahmen nicht bereits auf die eine oder andere Weise umgestaltet worden. Nein, ein solcher Rahmen würde Erfahrungsgemäß mehr Ärger als Freude bereiten und genau darum sollte man lieber die Finger davon lassen.

Die Suche nach dem passenden Rahmen

Bei all den Gesprächen die ich in der Folge meiner Rahmensuche führte, wurde immer deutlicher dass ich die Möglichkeit einen alten Rahmen bei einem kommerziellen Händler zu erstehen bereits Aufgrund der Kosten aus meinem Aufgabenheft streichen konnte. Ein zugegeben schwieriges Unterfangen, wenn man, wie in meinem Fall nicht zu den ständigen Mitgliedern der Szene gehörte und auch nicht vorhatte sich einer der in Frage kommenden Gruppierungen anzuschließen. Was blieb waren die Anzeigenrubriken in diversen Fachzeitschriften und das von ebay gebotene Portal zur virtuellen Auktion.

Bei dem Gros der Angebote die sich dort fanden, handelte es sich um Zubehörrahmen. Einige von zweifelhafter Herkunft und die meisten ohne Papiere. Da es sich zudem meist um Festpreis Angebote und Auktionen handelte, befanden sich die Preisvorstellungen der Verkäufer in der Regel jenseits von gut und böse, sprich meiner Zahlungsfähigkeit und auch Zahlungswillen.

Wer bei ebay den Suchbegriff HARLEY-DAVIDSON eingibt; wird sich schnell mit einer unüberschaubaren Flut von Angeboten konfrontiert sehen. Doch ebay ist längst nicht mehr das was es einmal war. Um nicht der Versuchung der Angebotsflut zu erliegen, suchte ich so gezielt wie möglich nach Gegenständen, von denen ich glaubte sie besitzen zu müssen.

Hatte ich zu Beginn meiner Suche noch HARLEY-DAVIDSON RAHMEN in das Suchfeld eingegeben, beschränkte ich mich sehr schnell darauf nur noch STARRRAHMEN einzutippen. In der Regel wurden mir daraufhin zwischen fünf und zehn Treffer angezeigt. Natürlich waren auch viele der über ebay zum Verkauf stehenden Rahmen von zweifelhafter Herkunft, doch da die meisten der Verkäufer die Bereitschaft zum Pokern in sich trugen und darum ihre Rahmen nicht selten zu einem Startpreis von einem Euro einstellten, bot ich bei einigen von ihnen zum Spaß mit.

Bei Summen die deutlich über der 999 Euro Marke lagen, stieg ich bereits wieder aus. Mit einigen der Verkäufer, deren Angebot aus welchem Grund auch immer schleppend anlief, nahm ich Kontakt auf und immer waren ihre Angaben so dürftig und wenig Vertrauen erweckend, dass ich die Überlegung ernsthaft zu bieten bereits im Ansatz wieder verwarf.

"Sie bieten auf einen Harley-Davidson Starrahmen Baujahr 1951. Fahrzeughersteller ist Harley-Davidson mit TP-Nummer. Es können EVO-, Shovel- und Pan-Motoren verbaut werden. Der Rahmen ist unfallfrei und rot kunststoffbeschichtet. Deutscher Fahrzeugbrief ist vorhanden mit unzähligen Eintragungen, wie z. B. 205er Autohinterreifen usw. Fahrzeugbrief kann gefaxt werden. Der Rahmen befindet sich in einem sehr guten Zustand." Eine Anzeige von vielen. Der Starpreis betrug 999 Euro und so gab ich in dem Bewusstsein die Auktion sowieso nicht zu gewinnen einen Betrag von 1501,- Euro ein. Gleichzeitig bat ich den Verkäufer darum mir eine Kopie des Briefs zuzusenden.

Obwohl es sich bei dem Rahmen keinesfalls um ein Originalrahmen der Company und auch nicht um das Baujahr 1951 handeln dürfte, sprach die Kopie des Fahrzeugbriefs eine andere Sprache. Dort war als Hersteller tatsächlich Harley-Davidson und als Tag der Erstzulassung der 1.

"Du bist dir hoffentlich darüber im Klaren, dass es sich bei dem Rahmen nicht um einen originalen Rahmen handeln kann" Ich zuckte mit der Schulter. Da ich einen Chopper aufbauen wollte und nicht an der Restauration einer alten Maschine im Originalzustand interessiert war, konnte es mir egal sein, was der Rahmen war, solange es mit den Papieren keine Schwierigkeiten gab. Und nach Jörgs Einschätzung waren keine zu erwarten.

Obwohl ich gehofft hatte, bis zur Fertigstellung meines Projektes auf meiner Sportster durch die Gegend zu prötteln, stand ich nun vor der Entscheidung Rahmen oder Sportster. Ich hatte nicht das Geld um parallel zum Aufbau des Motors auch den Rahmen zu finanzieren. Trotzdem hatte es mir der Rahmen auf sonderbare Weise angetan.

Doch um ihn bezahlen zu können, würde ich meiner Sportster das Herz aus dem Rahmen reißen und bei ebay einstellen müssen. Also rief ich die Seite mit dem Rahmen auf, gab als neue Gebotsobergrenze 2551,- Euro ein und überließ es dem Schicksal ob ich den Zuschlag bekommen sollte oder die Suche weitergehen würde.

"Los man, du bist überboten worden! Soll das etwa schon alles gewesen sein? Nein, ich gehörte nicht zu den Taktikern unter den alten ebay Hasen, die bis auf die letzte Sekunde warteten, um dann im alles entscheidenden Augenblick zuzuschlagen. Ich ging mit einem einfachen und dementsprechend langsamen Modem ins Internet und allein diese Tatsache nahm mir die Möglichkeit an solcherlei taktischem Handeln aktiv teilhaben zu können.

Die Dinge auf die ich bot, besäßen für mich einen Wert den ich zum Zeitpunkt der ernsthaften Gebotsabgabe festsetze. Da es jedoch zur Antifrustrationsstrategie der ebay Betreiber zu gehören schien auch die weniger erfolgreichen unter den Mitgliedern bei Laune zu halten, fanden sich neben den Mitteilungen das man wieder einmal den kürzeren gezogen hatte umgehende Benachrichtigungen, das in der ebay Welt weitere, ähnliche Angebote die mich ebenfalls interessieren könnten, auf ein Gebot von mir warteten.

"Herzlichen Glückwunsch, sie haben diesen Artikel gekauft! So wie es aussah war dieses Wochenende doch noch zu einem Erfolg für mich geworden. Für schlappe 2286,- Euro sollte der Rahmen in meinen Besitz übergehen und wenn ich auch nur eine der anderen Auktionen gewonnen hätte, dann hätte ich ein ernsthaftes Problem finanzieller Natur. Die Freude darüber, dass ich den Zuschlag noch gut 250,- Euro unter meinem Limit erhalten hatte, konnte auch nicht durch die von Jörg an den Tag gelegte Skepsis getrübt werden.

Für einen originalen Rahmen in welchem Zustand auch immer, wäre es seiner Meinung nach ein sehr guter Preis. Etwa zwei Wochen später benachrichtigte mich der Besitzer des Rahmens das er aus dem Urlaub zurück sei und der Rahmen nun abgeholt werden könne. Also machte ich mich an einem Montagmorgen auf den Weg nach Bad Königshofen in der bayerischen Rhön.

Während der Routenplaner mir die Strecke Dortmund - Kassel - Fulda riet, entschied ich mich für die Stecke Köln - Siegen - Giesen - Fulda und landete selbst zur frühen Stunde erst einmal im alltäglichen Stauwahnsinn des Kölner Rings. Statt des normalen Verkehrs wurden die Straßen dort lediglich von Kirchgängern gesäumt. In Bad Königshofen angekommen gestaltete sich die Übergabe des Rahmens wenig spektakulär.

Er stand mit einer Decke abgedeckt neben dem neuen Aufbauprojekt des Besitzers in dessen Kellerwerkstatt. "Hier ist der Rahmen", war im wesentlichen schon die wichtigste Information die zwischen uns ausgetauscht werden sollte. Es schien sich bei dem Verkäufer nicht gerade um einen Mann zu handeln der viele Worte verlor.

Ich erfuhr eigentlich nur das, was ich bereits wusste. Ich dachte, dass es wenig Sinn machen würde die Originalität des Rahmens in Frage zu stellen, also ließ ich es und beschränkte mich darauf die Nummern auf Rahmen und Brief zu vergleichen und ihm das Geld zu geben. Bevor er mir half den Rahmen aus dem Keller zu tragen, erfuhr ich dass er noch alle möglichen Teile hatte, die für mich von Interesse sein könnten.

Doch da er sich noch keine Gedanken über einen möglichen Verkauf gemacht und damit auch noch keine konkreten Preisvorstellungen hatte, blieb es an diesem Tag zunächst beim Rahmen. Wegen der anderen Teile könne man ja noch einmal telefonieren. Nachdem wir ihn auf die Ladefläche gelegt hatten, standen wir noch ein paar Minuten an meinem Bus und tauschten ein paar letzte Worte aus.

Ohne besonderen Zusammenhang teile er mir unvermittelt mit, dass er einen Händler gefragt habe, was der Rahmen seiner Einschätzung nach wert sei. Ich hatte das Gefühl, dass es ihm nicht leicht zu fallen schien sich von seinem Rahmen trennen zu müssen. Doch möglicherweise täuschte mich mein Gefühl. Noch bevor ich den Zündschlüssel im Schloss drehte, befand er sich ohne einen weiteren Gruß oder Blick wieder auf dem Weg zurück ins Haus.

An der nächsten großen Kreuzung stand ich vor dem Entschluss den gleichen Weg zurück zu nehmen oder bis Fulda über die Dörfer zu fahren und dann über Kassel - Dortmund zurück zu fahren. Die geschlossene Wolkendecke hatte inzwischen hier und da Risse bekommen und unter dem Einfluss der Sonne begannen die Farben der spätsommerlichen Natur um mich herum zu strahlen.

Kurz vor Kassel machte ich Rast und nutzte die Gelegenheit mir in der Sonne sitzend bei einer Tasse Kaffee in Ruhe den Brief anzusehen. Für die meisten, die eine Harley-Davidson erwerben wollen, ist der übliche Weg der, in einen Laden zu gehen, ein Bündel Geldscheine über den Tresen zu schieben oder einen Finanzierungsvertrag zu unterzeichnen und den Laden auf einer neuen Maschine verlassen.

Das schöne an solch einem Projekt ist, das es einen bis zu seinem Abschluss mit immer neuen Fragen in Bewegung hält und das man bis zum Ende nie mit Sicherheit sagen kann, welche Richtung es letztendlich einschlagen wird. Mit dem Menschen der hinter dem Dokument in meiner Hand stand schien es sich ähnlich zu verhalten, oberflächlich betrachtet ein ganz normaler Kraftfahrzeugbrief. Mit allen notwendigen Unterschriften und Stempeln versehen, um ihn gültig und rechtskräftig zu machen.

Der letzte eingetragene Halter hatte das Motorrad laut Brief erst vier Monate zuvor von dem Mann übernommen, von dem ich den Rahmen vor wenigen Stunden gekauft hatte. Der ursprüngliche Besitzer des Rahmens hatte ihn, wenn die Eintragungen korrekt waren 1995 aus den USA eingeführt und 1996 einen deutschen Fahrzeugbrief beantragt.

Wie oft hatte ich im Zusammenhang mit Starrahmenprojekten diesen Satz schon gehört und wie wenige sind dann letztendlich tatsächlich diesem scheinbar so einfachen Weg gefolgt? Als ich 2003 in Sturgis war, hatte ich mich angesichts der schier unüberschaubaren Angebotsflut an Teilen wie ein kleiner Junge im Spielzeughimmel gefühlt.

Gekauft habe auch ich trotzdem nur ein paar Kleinteile. Warum? Weil meine Zweifel ganz einfach zu groß waren. Was ist Original? Was nicht? Wie sah es mit Papieren aus? Waren die Teile in Ordnung? Was würde der Zoll sagen und was der TÜV? Steht man vor der Wahl, dann kommen einem urplötzlich unzählige Fragen in den Sinn, die in der kürze der Zeit vor Ort nicht so einfach zu klären sind.

Wie dieser Rahmen bewies, schien jedoch nicht jeder an diesen Ängsten und Zweifeln zu scheitern und so hatte er seinen Weg nach Deutschland gefunden und war allen möglichen Widerständen zum Trotz mit einem deutschen Fahrzeugbrief ausgestattet worden. Sein Besitzer wird sich seinen Traum realisiert haben und was letztendlich den Ausschlag dafür gegeben haben mag sich wieder von ihm zu trennen wird sein Geheimnis bleiben.

Dass er sich bereits bevor er den Rahmen nun an mich verkauft hatte, von ihm getrennt haben musste, belegt der Eintrag eines weiteren Halters im Brief. Dieser hatte die Maschine jedoch nur vier Monate besessen. Danach fand sie mit ihrer Demontage ihr endgültiges Ende.

Möglicherweise gab es einen Grund für den neuen Besitzer die Maschine zurückzugeben. Vielleicht hatte er den Motor zu klump gefahren. Wie dem auch sei, letztendlich war an dieser Stelle ein Traum der 1996 Gestalt angenommen hatte, ein Jahrzehnt später wieder in seine Einzelteile zerfallen.

Auch für mich wurde es Zeit sich wieder auf den Weg zu machen und nach 850 Kilometern schloss sich der Kreis für mich vor dem Werkstattor meiner beiden Schrauber. Ich war froh, dass sich kein weiterer Kunde in der Werkstatt aufhielt, um mich sofort mit dummen Sprüchen zum Neuerwerb des Rahmens voll zuquatschen.

Wir hoben ihn von der Ladefläche und stellten ihn an die gleiche Stelle, an der vor einigen Monaten bereits der Motor gestanden hatte. Ich beobachtete Jörg wie er den Rahmen schweigend von allen Seiten begutachtete und mir wurde wieder einmal bewusst, dass ich seine ruhige Art des Schauens mochte.

Natürlich hatte er, wenn der Laden voll war, die ganze Palette lockerer Sprüche drauf, wie man sie offensichtlich von einem echten Harley Schrauber erwartete. Als Ergebnis seiner Betrachtung kam er zu dem Schluss, dass es an dem Rahmen nichts auszusetzen gäbe. Trotzdem wollte er sich nicht festlegen was er nun sei. Original? Teilweise Original? Zubehörrahmen? Letztendlich konnte es mir egal sein. Das war zunächst alles was ich hören wollte.

Dafür hatte er allerdings meine finanziellen Möglichkeiten bei weitem überschritten und so läutete die mangelnde Masse das vorläufige Ende ein. Doch bevor sich das Tor meiner Garage für die nächsten Wochen hinter mir schloss, verpasste ich dem Rahmen noch eine gründliche Reinigung.

Unter Einsatz der Kaltreinigerspritze und einiger grober Lappen, erstrahlte die rote Kunststoffbeschichtung schon nach kurzer Zeit in ihrem ursprünglichen und so wie es aussah auch unbeschädigtem Glanz. Obwohl mich das rote Modell des Billy Bikes allmorgendlich auf meinem Schreibtisch begrüßte, war mir klar, das das Rot des Rahmens nicht meine Farbe war und es auch nicht werden würde.

Seit Jahren brachte ich Teile die ich beschichten lassen wollte zu einem Beschichter nach Düsseldorf. Rolf, der den Laden gemeinsam mit Frau und Sohn schmiss, hat selbst lange Zeit eine Harley bewegt. Inzwischen war er es jedoch leid nach jeder Tour sich lockernde Schrauben nachzuziehen oder bereits verlorene zu ersetzen und war auf eine, seiner Meinung nach wesentlich unproblematischere BMW umgestiegen.

Ich kannte Biker für die die Kunststoffbeschichtung das größte war und ebenso viele, die dem guten alten Lack die Stange hielten. Da ich mit meinen Beschichtungen in der Vergangenheit gute und schlechte Erfahrungen gemacht hatte, entschied ich mich im Falle meiner Sportster für eine Mischlösung.

Auf großen Flächen konnte der Kunststoff positiv punkten, während er bei kleinen Flächen mit vielen Schrauben und starker Beanspruchung meiner Meinung nach eher im minus stand. An Teilen wie zum Beispiel einem Seitendeckel, war es ratsam Schraub...

Die Evolution der Harley-Davidson Rahmen

Bekanntlich hat alles irgendwann ein Ende, auch die einundzwanzigjährige Ära unserer Harley-Starrrahmen. In den 50er-Jahren rüsteten auch die letzten Hersteller auf vollgefederte Fahrwerke um, und so präsentierte Harley-Davidson für das Modelljahr 1958 die „Duo Glide“.

Der Knickrahmen (1958-1964)

Charakteristisch für diesen Rahmen war die Aufnahme der Federbeine in Augen, die in einem leichten Aufwärtsknick hinter den Oberzügen saßen. Das brachte dem Fahrwerk in Deutschland den Namen „Knickrahmen“ ein. Die niedrigen Oberzüge machten zwar den Einbau eines Anlassers über dem Getriebe unmöglich - Knickrahmen-Bikes können nur mit Kickstarter gestartet werden - aber die Sitzposition war genau deshalb so schön niedrig.

Der Schwingenrahmen (ab 1965)

Daran dachte man bei der Company noch nicht, als Harley-Davidson für das Jahr 1965 den Rahmen der Electra Glide vorstellte. Die Oberzüge dieses Fahrwerks ließen mehr Platz für einen elektrischen Anlasser, das brachte der E-Glide auch ihren Namen ein.

Darüber hinaus war dieser Rahmen weniger verwinkelt, hatte weniger Ecken und Kanten, weshalb er stabiler und leichter zu vermessen war. Er war in seiner Linienführung unscheinbar und blieb ohne einen prägnanten Namen. Unter Nachfertigern ist er einfach ein Schwingenrahmen mit vielen modellgepflegten Nachkommen, die wir in ihren Details, später sogar mit gummigelagerten Antriebseinheiten, nicht aufzählen müssen.

Zur genaueren Kennzeichnung nennt man ihn bei VG zum Beispiel „Swingarm FX/FLH-Style“.

Weitere Entwicklungen

Natürlich wollen wir die wichtigsten Nachkommen der zweiten Schwingenrahmen-Generation nicht unterschlagen. Hervorgegangen ist aus ihr nämlich der Rahmen der FLT Tour Glide von 1980 bis 1983, zumindest in seinem grundsätzlichen Layout als Doppelschleifenrohrrahmen mit obenliegendem Zentralrohr.

Die Tour Glide war ein Übertourer mit rahmenfester Verkleidung. Die Gummilagerung diente dem Komfort. Weil sich unter der Verkleidung darüber hinaus eine Menge verstecken ließ, brachte sein Entwickler Erik Buell einen besonders wuchtigen Lenkkopf an.

Der Tour-Glide-Rahmen bewährte sich, die gummigelagerte Antriebseinheit machte Schule. In einer am Lenkkopf abgespeckten Version übernahm man sein Prinzip an der wenig später folgenden FXR von 1982 bis 1990. „FX“, das stand auch mal für „Factory Experimental“, die Harleys aus der FX-Baureihe visierten immer die etwas sportlichere und wagemutigere Kundschaft an.

Das Fahrwerk hatte einen guten Ruf und wurde in seinem Grundschema für die „Dyna Glide“-Reihe von 1991 bis 2017 fortgesetzt, aber immer wieder auch optimiert. So zum Beispiel bekam die Dyna-Baureihe für das Modelljahr 2006 nicht nur ein Upgrade, was das Fahrwerk betrifft, sondern wurde von Grund auf neu konstruiert.

Dyna Glide

Die Gummilagerung des Motors wurde beibehalten, was gleichermaßen für die verkleideten Tourer galt. Ihre Vibrationsdämpfung war so effizient, dass der 1998 eingeführte Twin Cam-Motor in zwei Versionen ausgeliefert wurde, als Twin Cam A ohne Ausgleichswellen und als Twin Cam B, also „Balanced“ mit zwei Ausgleichswellen.

Dyna Glide 1991 - 2017, Dyna-Fahrwerk - Die Dyna Glides waren eine Fortentwicklung der FXR-Serie. Der Rahmenoberzug bestand aus einem stabileren Kastenprofil, der Motor hing nur noch in zwei statt vier Gummilagern. Der Öltank befand sich nun unter dem Getriebe.

Charakteristisch für die Dynas war darüber hinaus die Unterbringung des Öltanks unter dem Getriebe. Dort war genug Platz, weil der Dyna-Rahmen seine Federbeine außen an der klassischen Zweiarmschwinge behielt.

Softail

Ihr Erscheinungsbild prägte ab 1984 den Stil der meisten Harley-Chopper bis heute. Die charakteristische dreieckige Schwinge sorgte für eine durchgehende Linie der Rahmenoberzüge vom Lenkkopf bis zur Hinterachse, denn die Federbeine lagen flach versteckt unter dem Getriebe.

Harley-Davidson führte dieses Prinzip zusammen mit dem Evolution-Motor im Jahr 1984 ein. Aber die Company hatte es nicht erfunden. Tatsächlich hatte ein US-Customizer namens Bill Davis dieses Prinzip in den Jahren 1974 und 1975 für seine Firma „Road Worx“ entwickelt.

Er ließ sich das Fahrwerk patentieren und stellte es im Jahr 1976 Willie G. Davidson vor. Der sprang aber nicht unmittelbar darauf an. Der Softail-Rahmen schlug ein wie eine Bombe.

Jeder konnte sich damit endlich einen glaubwürdigen und auch zuverlässigen Chopper ab Werk zulegen. Das Fahrwerk hatte seine Schwächen, klassische FXR- und Dyna-Fahrwerke waren einfach besser.

Milwaukee-Eight-Softails

Mit den Milwaukee-Eight-Softails verabschiedete sich die Company für das Modelljahr 2018 nämlich endgültig von den beiden unter dem Getriebe versteckten Federbeinen. Stattdessen federt und dämpft seitdem ein Mono-Federbein, das in Cantilever-Manier unter dem Sattel angebracht ist und sich gegen die Ausläufer des Oberzugs abstützt.

Sang- und klanglos verschwand mit der Milwaukee-Eight-Softail aber auch das Fahrwerk der Dynas. Von den Polaris-Töchtern Victory und Indian erhielt die Company jedenfalls mächtig Gegenwind.

Die Bedeutung des Rahmens für Customizing

So baut man einen originalen alten Harley-Rahmen zum Chopper-Rahmen um: Der Lenkkopf wird unten angeschnitten, aufgespreizt und neu verschweißt.

Nachfertigungen und Ersatzteile

Nachfertigungen dieser Rahmen sind trotzdem noch möglich. Zulässig sind sie als Ersatzteile oder für das Show-Customizing. Den VG-Rahmen eilt der Ruf voraus, äußerlich originaler als das Original zu sein.

Originalität vs. Urkundenfälschung

Wer einen neuen Rahmen nimmt und ihn in einem nachträglichen Aufbau als originalen Rahmen vortäuscht, begibt sich in die Liga des Straftatbestandes der Urkundenfälschung. Einzige Ausnahme ist der Ersatzteiltausch.

Umbauten und Individualisierung

Die gerade nach hinten verlaufenden Heckstreben serienmäßiger Sportster-Fahrwerke waren Ludwig Dotzer von Rothsee-Choppers schon immer ein Dorn im Auge. Also machte sich der Zweiradmechanikermeister und staatlich geprüfte Maschinenbautechniker daran, sitzhöhentechnisch und optisch Abhilfe zu schaffen. So etwas geht allerdings nur mit Hilfe tiefgreifender Einschnitte in die originale Rahmengeometrie der Sportster.

Tabelle: Harley-Davidson Rahmen-Generationen

Ära Rahmen-Typ Baujahre Besonderheiten
Frühe Jahre Starrrahmen Bis 1957 Geradlinige Unterzüge, später Wishbone-Rahmen
1958-1964 Duo-Glide (Knickrahmen) 1958-1964 Federbeine mit Aufwärtsknick hinter den Oberzügen
Ab 1965 Schwingenrahmen Ab 1965 Mehr Platz für elektrischen Anlasser
1984 Softail Ab 1984 Versteckte Federbeine unter dem Getriebe
1991-2017 Dyna Glide 1991-2017 Fortentwicklung der FXR-Serie, Öltank unter dem Getriebe
Ab 2018 Milwaukee-Eight-Softails Ab 2018 Mono-Federbein unter dem Sattel

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