Harley Davidson und das Kreuz: Eine spirituelle Reise auf zwei Rädern

Die Welt des Motorradfahrens ist oft von Freiheit, Abenteuer und einem Hauch von Rebellion geprägt. Doch für einige Biker geht es um mehr als nur den Nervenkitzel der Geschwindigkeit. Die "Jesus Biker" verbinden ihre Leidenschaft für schwere Maschinen mit ihrem christlichen Glauben und werben auf unkonventionelle Art für ihre Überzeugung.

Die "Jesus Biker": Glauben auf der Straße

Die "Jesus Biker" gibt es seit fünf Jahren, und etwa 40 Leute gehören dazu. "Wir wollen den Glauben auf die Straße bringen", sagt der 55-jährige Matz Hübner. Auf seiner Kutte, einer schwarzen Lederweste, die er beim Motorradfahren trägt, steht: "Jesus Christus - Weg, Wahrheit, Leben".

Ein Zusammenschluss mit Überzeugung

Die "Jesus Biker" sind kein Club oder Verein, sondern ein lockerer Zusammenschluss. "Wer hier ist, ist freiwillig hier." Aufrufe zu gemeinsamen Ausfahrten oder Gottesdiensten erfolgen über die sozialen Medien. Manche der Mitglieder kommen auch aus Schaafheim. Andere lenken ihre schweren Maschinen regelmäßig zu Draxlers Haus, um sich mit Gleichgesinnten zu treffen und um, wie Biker Stefan Stumpf sagt, Energie zu tanken. Irgendwann wurde Stumpf die Fahrerei zwischen Kaiserslautern und Schaafheim zu lästig, und er zog mit seiner Frau in das Dorf.

Die Kapelle als spirituelles Zentrum

Wer sich zu den "Jesus Bikern" bekennt, bekommt eine Lederweste in einer feierlichen Zeremonie in Draxlers Kapelle überreicht, die er im Keller seines Hauses eingerichtet hat. Dort stehen Kirchenbänke und Marienstatuen, Kreuze, Kerzen, Ikonenbilder, ein lebensgroßer Jesus aus Holz im Schoß seiner Mutter. Je nachdem, welcher Konfession die neuen Mitglieder angehören - katholisch, evangelisch, syrisch-orthodox oder freikirchlich -, beschafft Draxler den passenden Geistlichen. "Wir kommen auch vor jeder Ausfahrt hier zusammen, um zu beten", sagt Hans Winkler. Den 67-Jährigen beruhigt es, dass Jesus ihn auf seiner Kutte begleitet.

Die "Jesus Biker" feiern regelmäßig gemeinsam Gottesdienst. In der Kapelle finden auch Gottesdienste statt, mit den Pfarrern aus Schaafheim; immer wieder hält auch Draxler selbst einen Wortgottesdienst. Eins seiner Themen sind die vier Kardinaltugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Die stehen als Abnäher vorne auf der Lederweste. Motorradfahren beispielsweise sei gut, aber in Maßen.

Die Harley Davidson für den Papst

Am 29. Juni brechen die "Jesus Biker" zu einer ganz besonderen Fahrt auf: einem Peace-Ride, einer Friedensfahrt, nach Rom, genaugenommen zum Vatikan. Mit dabei: eine Harley Davidson für Papst Franziskus.

Das Ganze hat eine längere Vorgeschichte, die damit beginnt, dass Draxler vor ein paar Jahren Karl Wallner kennenlernt, Dogmatikprofessor und damals noch Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz in Niederösterreich. Die "Jesus Biker" arbeiten an der Harley Davidson, die Papst Franziskus segnen wird. Vor einem Jahr jedenfalls begegnen sie sich wieder - und Wallner berichtet Draxler, in diesem Juli erwarte Franziskus sein Motorrad.

Draxler ist schockiert: Woher soll er die Harley nehmen? Als er auf dem Heimweg vom Motorradgottesdienst in Altötting ist, macht Draxler Halt beim "Chicken" in Würzburg, den er so nennt, weil er neben seinem Harley Davidson-Shop noch einen Hühnerhof besitzt. "Hast du nicht eine Harley übrig?", fragt Draxler Christoph Repp alias Chicken, und der meint: Klar. Seitdem wird, unter höchster Geheimhaltung, in Repps Werkstatt für den Papst ein Motorrad zusammengeschraubt. "Es wurde ein eigener Mechaniker, Miro, dafür abgestellt, der von nichts anderem mehr träumt als von der Papst-Harley", sagt Draxler.

Um das Ganze noch auf die Spitze zu treiben, haben die "Jesus Biker" jetzt sogar einen Termin bei der nächsten Generalaudienz im Vatikan bekommen. Repp und sein Lackierer werden also nach Rom fahren, das Motorrad von Papst Franziskus signieren und segnen lassen und es wieder nach Würzburg zurückbringen. Am 15. Juni, wenn Repp auf seinem Hühnerhof sein alljährliches Sommerfest feiert, wird die Maschine erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Rund 60 Biker haben sich bislang für die Pilgerreise, wie die "Jesus Biker" ihre Fahrt nennen, angemeldet. Begleitet werden sie von einem Pater und einem Bruder der Franziskanischen Gemeinschaft von Betanien in Aschaffenburg. Das Kloster hatte ein eigenes Bier nach alter Rezeptur entwickelt, das hat Draxler begeistert. Es gab wieder Gespräche, und nun fahren Pater Alberto und Bruder Maurizio in einem von einer Brauerei gesponserten Biertransporter beim Peace-Ride mit, im Gepäck befinden sich 100 Kisten des Klostergebräus und moralische Unterstützung.

Das Papst-Bike wird am Ende versteigert, mit dem Geld soll ein Waisenhaus in Uganda finanziert werden. Die Welt sei so komplex geworden, sagt Draxler, da sei es wichtig, im Glauben eine Erdung zu finden.

Das Eiserne Kreuz in der Biker-Szene

Das Eiserne Kreuz ist ein beliebtes Symbol unter Bikern, das Härte, Disziplin und Loyalität bedeuten soll. Es ist eines der Insignien der Chopper-Bewegung, zusammen mit FTW-Aufklebern (Fuck the World) und Totenschädeln. Die Amerikaner waren es zuerst, die das Motorrad und das Eiserne Kreuz miteinander verknüpften. Gruppen wie die Hells Angels trugen Nazi-SS-Abzeichen und Tapferkeits-Orden, die als Beutegut in die USA gelangten, schon in den sechziger Jahren an ihren Jeans-Westen.

Bastler gestalteten Benzin- und Öltanks für diese Chopper in der Form des Iron Cross, und bald erkannte auch die damals gerade aufkeimende Zubehörindustrie dieses Potenzial. Nachgemachte Embleme, Gürtelschnallen und Flaggen, Rückleuchten und Spiegel mit den Konturen des Eisernen Kreuzes kamen auf den Markt, allerdings unter der Bezeichnung »Maltese Cross«.

Die Geschichte des Eisernen Kreuzes reicht bis ins Jahr 1813 zurück, als Friedrich Wilhelm III., König der Preußen, den Orden stiftete. Die Frontseite des Abzeichens war glattflächig. Die Rückseite, später zur Vorderseite gemacht, trug die Königskrone und sein Namenskürzel FW sowie drei Eichenblätter und die Jahreszahl 1813.

Laut Gesetz vom 26.07.1957 ist bei uns das Tragen des WW-II-Kreuzes, auf dem das Hakenkreuz abgebildet ist, verboten. Was allerdings unsere Armee nicht daran hindert, mit einem neutral nüchtern wirkenden Abbild des Eisernen Kreuzes (ohne Swastika) die Tradition des preußischen Ordens auch heute noch fortzuführen.

Viele amerikanische Biker scheren sich nicht um historische Zusammenhänge und Unterschiede. Für sie sind sowohl das Hakenkreuz, das Malteser- und auch das Eiserne Kreuz einfach nur cool. Sie wollen nichts weiter als schocken! Das Eiserne Kreuz richtet sich vor allem gegen die in den eigenen Reihen angesiedelten, ach so glatt gebügelten Custombikes der Schickeria.

Fazit

Ob als Ausdruck des Glaubens oder als Symbol der Rebellion, das Kreuz hat in der Biker-Szene eine vielfältige Bedeutung. Es steht für Spiritualität, Zusammenhalt und die Suche nach einem tieferen Sinn im Leben, während man auf zwei Rädern die Freiheit genießt.

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