Harley Davidson Lautsprecher Test: Das Ultimative Motorrad-Audioerlebnis

Auch wenn in letzter Zeit die Car-Audio Neuheiten von Rockford Fosgate eher rar gesät waren, war man in Tempe, Arizona alles andere als untätig. Marine und Powersports heißen die Zauberworte, außerdem betätigt man sich als OE-Hersteller, z.B. für Nissan in den USA. Doch auch eine weitere 12 Volt Spielwiese haben die Amis gründlich in den Fokus genommen: Motorrad HiFi.

Motorrad HiFi und Harley Davidson

Motorrad HiFi heißt in den USA erst einmal Harley Davidson, was kein Wunder ist, da es die amerikanische Motorradmarke ist und weil es eine ganze Reihe Schlachtkreuzer auf zwei Rädern im Programm gibt, die auf den endlosen Highways eher mit einem anständigen HiFi System eine gute Figur machen als mit Knieschleifern und Sturzpads. Jenseits des großen Teichs bereits ein big business, kommt Bike HiFi aber auch in Europa mehr und mehr in Mode. Daher haben wir in dieser Ausgabe statt einer Installation im Auto die Vorstellung einer Harley Davidson Anlage von Rockford Fosgate, auch für eingefleischte Autofahrer kann ja ein kurzer Blick über den Tellerrand nicht schaden.

Wichtige Aspekte der Harley Nachrüstung von Rockford Fosgate

Gleich zu Beginn seien drei Dinge erwähnt. Rockford Fosgate meint es ernst mit der Harley Nachrüstung, es gibt nicht nur Verkleidungslautsprecher und Motorradendstufen, Rockford kommt mit einem umfangreichen Baukasten daher, der viele Fahrzeuge und unterschiedliche Ausbaustufen der Motorradanlage enthält. Zweitens hat sich Rockford sehr genau Gedanken gemacht, dass die HiFi Komponenten auch installiert werden können, die Rundum-glücklich Pakete enthalten alle zum Einbau benötigten Materialien und Kabelbäume, so dass man nicht Elektrotechnik studiert haben muss, um die Anlage korrekt anzuschließen und zu betreiben. Drittens, leider, wird der Spaß nicht ganz billig. Jedenfalls sind die Harley Komponenten deutlich teurer als vergleichbares Car-HiFi. Doch dafür gibt‘s auch Wetterschutz, fürs jeweilige Motorradmodell passende Komponenten und die erwähnten Montagesätze.

Der Harley Baukasten von Rockford Fosgate

Obwohl man von Rockford einzelne Komponenten wie eine Headunit oder Verkleidungslautsprecher erwerben kann, empfiehlt es sich stark, ein Audio Kit mit allem Benötigten zu ordern. Audio Kits gibt es grob gesagt für alle großen Tourer, bei Harley Grand American Touring, also ziemlich alles, was eine ausladende Verkleidung und Seitenkoffer hat. Zu unterscheiden sind Harleys von 1998 bis 2013 und solche ab 2014, hier gab es einen Generationswechsel des Werks-Entertainments. Die Versionen 98-13 sind an ihren Kürzeln zu erkennen:: RG (Road Glide) SG (Street- und E- Glide), RGU, SGU (Ultra). Bei den Versionen 14+ sind es RGSG, CVO („Custom Vehicle Operations“), U (Ultra). Genaueres gibt es auf der Vertriebshomepage.

Ausbaustufen der Audio Kits

Die meisten Audio Kits sind in drei Ausbaustufen Stage1, Stage2 und Stage3 aufgeteilt. Die Stage1 Kits bestehen aus einer Headunit und einem Paar Frontlautsprecher für die Verkleidung. Bei Stage2 kommt eine Vierkanalendstufe hinzu, die ebenfalls in der Verkleidung Platz nimmt. Stage3 stellt die Erweiterung um ein Paar Hecklautsprecher dar, die in den Kofferdeckeln montiert werden müssen - neben den Subwoofern der einzige schwerwiegende Eingriff zur Installation der Anlagen. Die 14+ Kits enthalten keine Headunit, da die Originale noch aktuell sind, dafür sind bis zu drei Paar Lautsprecher nachrüstbar, je nach Modell. Unabhängig von den Audio Kits gibt es auch noch das Subwoofer Kit für die Seitenkoffer, das mit einer eigenen Endstufe und einem Montagesatz kommt.

Audio Kit HD9813RG-Stage3 im Detail

Zuerst haben wir nicht schlecht gestaunt, als fünf bis sechs teils ausgewachsene Kartons (inklusive Subwoofer) in der Redaktion eintrudelten (angekündigt zum Thema Harley Davidson „Ok, ich schicke es dir mal zu“). Nach dem Auspacken des Stage3 für Road Glide (Custom) traten dann eine Riesenkarton Hecksystem, ein Frontsystem, Ein Radio, eine Endstufe, ein Extrakarton Verstärkereinbausatz, etliche Meter verschiedener Kabelbäume und Zubehör von den Befestigungsschrauben über eine massive Montageplatte bis zu Kabelbindern (!) zutage. Also erst einmal auf mindestens 2 x 3 Metern Fläche alles ausgebreitet und die Kabel zugeordnet. Und siehe da - alles passt mit den richtigen Steckverbindungen aneinander!

Die Rockford Headunit hat notfalls 4 Verstärkerkanäle, wir nutzten jedoch die 5 Vorverstärkerausgänge, da ja Endstufen vorhanden waren. Die Vierkanalendstufe TM400X4ad bekommt Signal vom Rockford Radio und speist dann Front- und Hecksystem. Signal, Strom und Lautsprecherleitungen sind kunstvoll in verzweigte Snakeskin-Kabelbäume verwoben, in der richtige Länge für die Road Glide. Stromkabel inklusive Kabelsicherung gibt es genauso wie Signalabgriff per Hochpegel, so dass der Baukasten auch ohne die Nachrüst-Headunit funktionieren sollte.

Die TM-Endstufe entstammt Rockfords Marinesortiment, sie ist jedoch nicht wasserdicht, sondern hat eine spezielle Platinenbeschichtung bekommen. Das reicht für die vorgesehene Montage in der Verkleidung wohl aus. Die Frontlautsprecher TMS6RG sind etwas geschrumpfte 16er mit speziell für Harley angefertigten Körben und je nach Motorrad unterschiedlichen Gittern. Montage und die Lautsprecher selbst sind wasserdicht. Alle Lautsprecher sind Koaxe, wobei der Hochtöner in der Mitte der Tieftonmembran mit einer Gummisicke gegen die Membran gedichtet ist. Alle Membranen bestehen selbstverständlich aus wetterfestem Kunststoff - beim Motorrad hat man da nicht so die Wahl.

Die Hecklautsprecher TMS69 im Format 6x9 Zoll nehmen in den Kofferdeckeln Platz, auch hier liegt Material und Schablone zur dichten Montage bei. Sogar ein Schutzkorb ist dabei, der den Lautsprecherkorb und Magneten nach innen vor dem Kofferinhalt schützt.

Subwoofer Kit HD14-SBSUB

Unser HD14-SBSUB ist zur Zeit das einzige Subwoofer Kit im Angebot, es passt auf eine ganze Reiche 2014+ Modelle wie E-Glide Ultra, Road Glide und Street Glide inklusive vieler der für den Laien unüberschaubaren Special-Editionen. Die Subwoofergehäuse sind sehr aufwendig gemacht mit einer Unzahl von Aussparungen und Einbuchtungen, die Gehäuse werden aus Polyethylen im Rotationsform-Verfahren hergestellt. An den Oberseiten sind passende Aussparungen für die Hecklautsprecher in den Kofferdeckeln vorhanden und auf einer Seite ist Platz für die Endstufe. Überall außen finden sich Moosgummiauflagen, damit der Woofer im Betrieb nicht im Koffer rappelt.

In den Gehäusen sitzt je ein 10 Zoll Subwoofer mit Kunststoffmembran, der sich in den ca. 20 Litern pudelwohl fühlen dürfte. Zur Montage müssen wie schon bei den Deckellautsprechern die Koffer dran glauben. Es gilt einige Haltelöcher und Durchführungen für die Kabel zu bohren, dazu liegen Schablonen und ein 45 Millimeter Lochbohrer bei. Belohnt wird das Ganze mit einem ausgeklügelten System. Der Kabelbaum samt Durchführungen ist natürlich wasserdicht, die Hauptverbindung erfolgt mit dichten Amphenol-Steckverbindern.

Auch die Endstufe ist wasserdicht, sogar nach IPX6, was durch spezielle, verschraubte Stecker und eine Abdeckung über den Bedienpotis erzielt wird. In der Praxis ist man dankbar, dass das System variabel und Plug&play entnehmbar ist. Es wird einfach eine Steckverbindung getrennt, und jeder Subwoofereinsatz lässt sich einzeln herausnehmen, falls der Stauraum benötigt wird.

Messungen und Klangeindruck

Eine Headunit, zwei Lautsprecherpärchen, zwei Vierkanalendstufen und zwei Subwoofergehäuse, allein die Komponenten sind eine ganze Menge HiFi. Bei allem steht die Widerstandsfähigkeit gegen Witterung im Vordergrund, denn was nützen die schönsten High- End Komponenten, wenn sie den Alltag nicht überleben. Die Verstärker sind weiterentwickelte Car-HiFi Verstärker, die wetterfest gemacht wurden.

Der Front- und Heckendstufe TM400X4ad entlocken wir am Messplatz 125 Watt an 4 Ohm und 149 Watt an 2 Ohm. Die beiden Subwoofer hängen jeweils in Brücke an je zwei Kanälen der M5, so dass jeder stattliche 314 Watt abbekommt. Beide Verstärker haben statt eines normalen Bassboosts den Rockford-eigenen Punch-EQ, der nicht nur 45 Hz im Bass, sondern auch 12 kHz im Hochton hochzieht. Kann man vielleicht auf dem Bock besser gebrauchen als im Auto.

Die Verkleidungslautsprecher ziehen im Präsenz- und Hochtonbereich gehörig an, was sicherlich Absicht ist und auf dem Motorrad Sinn ergibt. Denn mit Helm und mit den Geräuschen einer fahrenden Harley Davidson sollten die Lautsprecher sich deutlich Gehör verschaffen. Ähnlich sieht es mit den Hecklautsprechern aus, hier kommt kein Tiefbass, dafür ein Grundtonbuckel und wieder Präsenz und Höhen. Der Subwoofer läuft sehr schön abgestimmt in seinen geschlossenen Gehäusen. Sein Lieblingsfrequenzbereich liegt zwischen 50 und 100 Hz, wieder praxisgerecht auf Punch statt auf Tiefbass ausgelegt.

Insgesamt schafft die Anlage sehr beachtliche Pegel, indem sie die Frequenzbereiche der Lautsprecher nicht unnötig ausreizt. Frontsystem und Subwoofer sind knackig abgestimmt und bekommen reichlich Leistung. So klingt es auch, nämlich anständig laut und durchsetzungsfähig. Der Subwoofer läuft wunderbar und macht richtig Spaß.

Bei uns „trocken“ stimmte natürlich nicht alles, wie nicht anders zu erwarten. Es macht aber auf jeden Fall Lust darauf, die Anlage in Aktion auf dem Motorrad zu testen.

Weitere Audio-Optionen und Meinungen

Einige Biker ziehen es vor, ihre Street Glide akustisch aufzurüsten und erwägen Alternativen wie Soundstream oder Hertz. Es gibt verschiedene Ansätze, von Kofferdeckeln mit 8" Ground Zero Lautsprechern bis hin zu individuellen Lösungen mit 6x9" Lautsprechern und separaten Hochtönern. Die Wahl des Verstärkers und die Positionierung der Lautsprecher in der Fairing sind weitere wichtige Überlegungen. Einige bevorzugen kompakte Verstärker, die in der Fairing verschwinden, während andere auf DSPs setzen, um den Klang optimal anzupassen.

Für diejenigen, die zusätzlichen Sound wünschen, gibt es auch die Möglichkeit, Speakerpods im Tourpak zu verbauen. Hier stellt sich die Frage, ob Mitteltieftöner oder Koaxiallautsprecher die bessere Wahl sind. Die Entscheidung hängt von den individuellen Vorlieben und den Platzverhältnissen ab.

Harley-Davidson Audio powered by Rockford Fosgate: Der neue Verstärker mit viermal 100 Watt pro Kanal (RMS) an 2 Ohm (UVP 654 Euro (zus. Installation Kit erforderlich)) versorgt von einem Seitenkoffer aus vier Lautsprechersysteme und erzielt bei Bedarf hohe Lautstärkepegel. Seine elektronischen Systeme wie BME (Bass Management Enhancement) und M-DEQ (Motorcycle Dynamic EQ) sollen eine unabhängig von Fahrgeschwindigkeit, Wind-, Motor- und Abrollgeräuschen automatische Klangregelung mit einem in jeder Fahrsituation kraftvollen Bass und brillanten Höhen sicherstellen.

Für die verzerrungsfreie Umsetzung in Schallwellen sorgen spiegelbildlich für die linke und rechte Fahrzeugseite aufgebaute Rockford-Fosgate-Lautsprechersysteme mit Spritzgusskörben für die Tieftöner (UVP ab 301 Euro (zus. Installation Kit erforderlich)). Sie sind als Zwei- und als Dreiwegesystem erhältlich und ersetzen aufgrund ihrer Abmessungen die vorhandenen Lautsprecher, sodass sich das gesamte System ohne optische Veränderung in das Motorrad integrieren lässt. Die Komponenten von Harley-Davidson Audio powered by Rockford Fosgate sind serienmäßig bei der CVO Street Glide und der CVO Road Glide verbaut und können bei zahlreichen Touring-Modellen mit Boom!-Box-Infotainmentsystem ab 2014 nachgerüstet werden.

Die Harley Davidson® Audio powered by Rockford Fosgate® Stage III 6 x 9 " Seitenkofferlautsprecher sind die größten und leistungsstärksten Seitenkofferlautsprecher, die je von Harley-Davidson angeboten wurden. Zusammen mit den 6,5 " Stage III Verkleidungslautsprechern, liefert dieses System eine unglaubliche Lautstärke mit ultraklaren Höhen, supersauberen Mitten und satten Bässen. Dieses komplette 4-Lautsprecher-System ist praktisch verpackt und einbaufertig.

Komponente Details
Verstärker 4 x 100 Watt pro Kanal (RMS) an 2 Ohm
Lautsprecher Rockford Fosgate, Spritzgusskörbe für Tieftöner
Systeme Zwei- und Dreiwegesysteme erhältlich
Features BME (Bass Management Enhancement), M-DEQ (Motorcycle Dynamic EQ)

Rockford bietet neben dem hier gezeigten Punch-Kit auch noch ein Power-Kit für runde 1.000 Euro an, so dass man sogar eine kleine Auswahl hat. Unser Punch-Kit ist ein Rundum-glücklich-Paket mit allen benötigten Teilen für die Aufrüstung.

Bei Endstufe und Lautsprechern musste Rockford nur ins Punch-Regal greifen, wo die kompakte Vierkanalendstufe PBR300x4 schon seit ein paar Jährchen liegt. Die PBR war damals eine der ersten wirklich kompakten Endstufen, wir haben sie in Ausgabe 1/2012 getestet und ihr dabei 4 x 83 Watt bestätigt.

Dazu gesellt sich mit dem Punch P16 ein Koaxlautsprecher im amerikanischen 16-cm-Format; was wir salopp immer 16er nennen, ist genau genommen das alte DIN-Format 16,5 cm, an das sich heute nur noch die wenigsten Fahrzeughersteller halten. Dieser Koax ist absolut solide gemacht, er hat einen recht flach bauenden Blechkorb mit dem für Rockford typischen Montageflansch für alle möglichen Einbauplätze.

Die Tiefmitteltonmembran besteht aus schwarz glänzendem Polypropylen, in ihrer Mitte befindet sich ein Hochtonaufbau mit einer 19-mm-Kalotte, deren Membran ebenfalls aus Kunststoff gefertigt ist. Das ist kein High-End, aber sehr ordentlich gemacht. Und vor allem halbwegs wasserfest mit den Kunststoffmembranen.

Neben den Komponenten gibt es einen Adaptersatz mit einer Endstufen-Montageplatte aus dickem, lackiertem Blech, Lautsprecher-Adapterringen und zwei verschiedenen Halteblechen für die Endstufe. Alle Löcher und Gewinde sind bereits passend vorhanden. Auch der Kabelsatz überzeugt mit guter Qualität und perfekter Konfektion inklusive Sicherung nahe der Batterie.

Eingebaut wird das Ganze in die Street Glide und Road Glide, welche die Frontlautsprecher in der Lenkerverkleidung tragen. Hier nehmen die Rockford-Koaxe mit den speziellen Adaptern Platz, der Nachrüstkabelbaum passt an die originalen Lautsprecherkabel und wird ebenfalls bei den Frontspeakern eingeschleift. Genauso geschieht es hinten, wo zwar keine Austauschlautsprecher mitgeliefert werden, aber die Vierkanalendstufe ihre Mehrleistung einspeisen kann. Der Verstärker selbst wird auf der Montageplatte festgeschraubt und mit dem passenden Halteblech aufs Originalradio geschraubt.

Dieser Einbau ist auch vom versierten Laien an einem Samstagmorgen erledigt. Es ist zu vermuten, dass die Komponenten in weitere Harleys passen, wobei evtl. kleine Änderungen nötig sind. Hier ist es wieder sinnvoll, doch eventuell einen Car- HiFi-Fachhändler anzusteuern.

Klang

Klanglich hat uns das PKIT ganz gut gefallen. Von einem Motorradset erwarten wir nicht, dass es allerfeinste Verästelungen der Aufnahme hörbar macht oder hauchzart-filigran in höheren Sphären schwebt. Ein Motorradset ist nicht dazu gemacht, Highender zu beeindrucken, sondern Spaß zu haben. Genau das tut das Rockford-Soundpaket, und zwar richtig. Durch die satte Leistung der Endstufe gibt es richtig Pegel, die Lautsprecher lassen sich auch im Bass nicht lumpen und legen gegenüber einem Standardlautsprecher eine gewaltige Schippe drauf. Schlagzeug kommt mit fetzigen Snaredrums und Becken, überhaupt geht Rockmusik sehr ordentlich mit dem Rockford-Set. Dazu ist das Set gehörig pegelfest - schließlich sollen die anderen Biker ja merken, dass man nachgerüstet hat.

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