Harley-Davidson Motoren: Ein Überblick über die Geschichte und Entwicklung

Seit der Gründung von Harley-Davidson im Jahr 1903 hat das Unternehmen eine lange Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen erlebt. Der berühmte V2 ist über Jahrzehnte das Erkennungszeichen des Harley-Motors. Nach wenigen Jahren als Einzylinder, gibt es schon seit dem Jahr 1909 nur noch diese Zylinderanordnung.

Frühe Jahre: Von Einzylinder zu V-Twin

Die erste Harley-Davidson war nichts anderes als ein an einem Fahrrad-Rahmen montierter Einzylinder Motor mit 25 bis 37 cubic inch, der das Hinterrad über einen Riemen direkt antrieb. Die ersten Versionen verfügten weder über eine Kupplung noch über ein Getriebe.

Um mehr Leistung als beim Einzylinder zu erzielen, konstruiert Harley-Davidson einen Zweizylinder mit 45° Zylinderwinkel. Die ersten V-Twins entstehen in einer Kleinserie von 27 Exemplaren.

Für das Modelljahr 1911 wird der V2 grundlegend überarbeitet und verbessert. Nun betätigte die Nockenwelle über eine Stößelstange auch das Einlassventil, das im Zylinderkopf über dem seitlichstehenden Auslassventil angeordnet ist (inlet over exhaust; ioe).

Flathead (1929)

Benannt nach seinen flach gewölbten Zylinderköpfen erschien der erste Flathead Motor 1929. Die Ventile wurden seitlich angeordnet.

Die flachen Zylinderköpfe verleihen dem 750er Flathead-Motor seinen Namen. Seine Ventile wurden seitlich angeordnet, die Zylinderköpfe sind leicht zu demontieren.

Der Flathead wird ständig weiter perfektioniert und wächst auf bis zu 1340 cm3 Hubraum und 34 PS.

Der Flathead wurde im zweiten Weltkrieg in den WLA Maschinen für die US-Army verbaut und machten Harley-Davidson zu diesem Zeitpunkt zum größten Motorradhersteller der Welt.

Der Flathead Motor wird auf bis zu 1340ccm Hubraum und 34 PS optimiert.

Knucklehead (1936-1947)

Der Knucklehead-Motor wurde von 36-47 produziert und war der erste Harley Motor mit Überkopfventilen und ist nicht zu unrecht der Wohl beliebteste Motor bei Harley Sammlern.

Der Name erhielt der Knuckelhead von seinen Rockerboxen, die den Knöcheln einer menschlichen Faust ähneln.

Seinen Kosenamen „Knöchelkopf“ verdankt dieser bis zu 48 PS starke 1200er den charakteristischen Konturen seiner Zylinderkopfabdeckungen. Als erster Harley Motor verfügt der Knucklehead über im Kopf hängende Ventile und eine Druckumlaufschmierung.

Panhead (1948-1965)

Der Panhead Motor, welcher zu seiner Auslaufzeit 1965 über 60 PS verfügt, zählt als Vorbild der Electra Glide und verfügt zu diesem Zeitpunkt bereits über einen E-Starter. Den Namen hat der Panhead von der unverwechselbaren Kuchenpfannenoptik der Rockerboxen.

Neue Zylinderköpfe aus Aluminium, der hydraulische Ventilspielausgleich sowie eine verbesserte Schmierung und Kühlung zählen zu den wichtigsten Merkmalen des 1200er Panhead Motors. Sie machen ihn stärker, leichter und langlebiger.

Sein Name rührt von den Zylinderkopfabdeckungenher, die wie umgedrehte Pfannen aussehen.

Shovelhead (1966-1984)

Wieder einmal verleiht der Look der Rockerboxen diesem Harley Motor seinen Namen. Die Zylinderkopfabdeckung erinnert an Schaufeln, deswegen auch Shovelhead.

Der 1340 ccm 65 PS Motor hat neue Zylinderköpfe mit überarbeiteten Kanälen und kompakten Brennräumen, höher verdichtende Kolben, neue Nockenwelle und einen neuen Vergaser.

Evolution (1984-1999)

Der 1340ccm Evolution Motor wurde seinem Namen gerecht, denn er war eine wahre Evolution. Der „Evo“ verbraucht deutlich weniger und erzeugt zeitgleich deutlich mehr Drehmoment. On Top dreht er ruhiger und ist dadurch auch langlebiger.

Er war der Motor für die damals brandneue Softail, welche heute als Urvater der kompletten Softail-Baurreihe gilt.

Als Nachfolger des Shovelhead-Motors sind am Evolution-Triebwerk auch die Zylinder aus Leichtmetall statt wie vorher aus Grauguß. Der Evo-Motor erhielt auch wegen strengerer Abgasbestimmungen und weniger klopffester Kraftstoffe eine geänderte Brennraumform.

Obendrein rückten die über wartungsfreie Hydrostößel bewegten Ventile enger zusammen und die elektronische Zündanlage regelt die Frühzündung variabel in zwei Stufen.

Zusammen mit diversen anderen Änderungen ist der Evolution-Motor stabiler, in der Verbrennung ökonomischer und leichter als der Vorgänger.

Twin Cam (1999-2017)

1999 ist es wieder so weit. Der Twin Cam kommt mit 1449 cm3 Hubraum, mehr Leistung und einer noch steiferen Verbindung zum Getriebe als seine Vorläufer.

Milwaukee-Eight (2017-heute)

Der neue Milwaukee-Eight Motor kommt 2017 in allen Harley-Davidson Touring Modellen und in den Trikes zum Einsatz. Er wird in zwei Hubraumkategorien und in drei Varianten hergestellt. Bei allen Varianten sind die Auslassventile flüssigkeitsgekühlt.

Der neue Motor unterschreitet die weltweit verschärften Geräuschgrenzwerten, zugleich kommt der satte Auspuffklang besser als je zuvor zur Geltung. Für die typische Zündfolge eines Harley-Davidson Big Twins wurde dem Milwaukee-Eight wieder ein Zylinderwinkel von 45 Grad verpasst und beide Pleuel laufen auf den gleichen Hubzapfen. Das Zusammenspiel sorgt für den berühmten „Potato, Potato“ Sound.

Die Leerlaufdrehzahl wurde beim Milwaukee Eight von 1.000 auf 850 U/min abgesenkt, um die Harley im Stand leiser und ruhiger laufen zu lassen.

Bei einem Plus an Leistung und einem in jeder Hinsicht begeisternden Motorrad-Erlebnis für Fahrer und Beifahrer ist es Harley-Davidson mit dem neuen Milwaukee-Eight gelungen, den charakteristischen Look, den markanten Sound und die typische Leistungsentfaltung seiner legendären Vorgänger in vollem Umfang zu bewahren.

Der neu konstruierte Motor zeigt sich aber drehfreudiger sowie elastischer und weist einen noch angenehmeren Klang auf.

Der Milwaukee-Eight Motor setzt je nach Modell bis zu elf Prozent mehr Drehmoment frei als sein jeweiliger Vorgänger. Über den erhöhten Hubraum hinaus weist der Milwaukee-Eight ein höheres Verdichtungsverhältnis sowie Vierventil-Zylinderköpfe mit einem um 50 Prozent höheren Gasdurchsatz auf.

Dank des hydraulischen Ventilspielausgleichs entfällt der Ventilservice. Eine Doppelzündung erhöht die Effizienz der Verbrennung. Das Gewicht des neuen Milwaukee-Eight ist in etwa identisch mit seinem jeweiligen Vorgänger.

Die Modelle mit Milwaukee-Eight 107 beschleunigen um elf Prozent schneller von 0 auf 100 km/h, was im Direktvergleich zwei bis drei Motorradlängen entspricht.

Der Milwaukee-Eight bietet Fahrer und Beifahrer dank verringerter Wärmeabstrahlung, verbesserter Wärme-Abweisung und eines neu konstruierten Abgassystems ein Plus an thermischem Komfort.

Die unterschiedlichen Ausführungen des Milwaukee-Eight setzten dabei auf die optimale Kühlstrategie für die jeweiligen Modelle: Die Zylinderköpfe werden entweder durch Öl oder Kühlflüssigkeit gekühlt. Neue Klopfsensoren für jeden Zylinder gestatten zugleich eine präzisere Regelung des Zündzeitpunkts.

Die geänderte Führung des hinteren Krümmers trägt im Verbund mit dem neu positionierten Katalysator dazu bei, den Beifahrer noch effizienter vor Abwärme zu schützen. Eine schlankere Primärantriebs-Abdeckung und ein flacherer Luftfilterdeckel verschaffen dem Fahrer im Bereich des Motors ein Plus an Beinfreiheit und sorgen damit zugleich für einen verbesserten Bodenkontakt.

Der Milwaukee-Eight ist in Gummi gelagert und weist eine Ausgleichswelle auf, die im Leerlauf die Schwingungen erster Ordnung zu 75 Prozent reduziert. Leichtere Ventile, eine einzelne Nockenwelle sowie optimierte Motordeckel und Antriebskomponenten tragen beim Milwaukee-Eight dazu bei, das mechanische Geräuschaufkommen des Antriebsstrangs weiter zu verringern. Auch der neue Ansaugtrakt und der Luftfilter zeichnen sich bei hohem Luftdurchsatz durch ein noch weiter reduziertes Ansauggeräuschniveau aus.

Die Kipphebelabdeckungen spannen sich geradezu muskulös über die Zylinderköpfe. Erstmals seit dem klassischen Knucklehead stellt das Design der Kipphebel-Abdeckungen wieder einen Bezug zu den mechanischen Vorgängen her, die sich darunter abspielen. Zugleich fallen sie groß und massiv aus.

Mit nur einer kettengetriebenen Nockenwelle fällt der Ventilantrieb des Milwaukee-Eight leichter, leiser und einfacher aus als bei dem Twin Cam Motor. 75% der Schwingungen erster Ordnung werden durch eine stirnradgetriebene interne Ausgleichswelle ausgeglichen und sorgen so für erhöhten Fahrkomfort für Fahrer und Beifahrer. Der klassische Charakter einer sanft schüttelnden Harley V2 bleibt dabei erhalten. Bei hohen Geschwindigkeiten sorgt die Gummilagerung für ein sanftes Schwingungsverhalten. Es sind aktuell Versionen in 107, 114 und 117 Cubic Inch erhältlich.

In Kombination mit der effizienteren Verbrennung aufgrund der neuen Doppelzündung, erreicht der Milwaukee-Eight bis zu 10% mehr Drehmoment bei 11% weniger Verbrauch.

Revolution Max (2021-heute)

Mit diesem Motor schlägt Harley-Davidson ein neues Kapitel der legendären V-Twins auf. Der wassergekühlte Revolution Motor hat mit einem klassischen Harley-Davidson Motor, bis auf die langhubige Auslegung und den 45 Grad Zylinderwinkler nicht viel gemein.

Der Motor leistet von 117PS mit 1130ccm bis 124 PS mit 1250ccm. Der Motor wurde in Zusammenarbeit mit Porsche auf Basis des Renntriebwerkes der VR1000 entwickelt.

Er dient als mittragendes Fahrwerkselement, das einen herkömmlichen Rahmen überflüssig macht. Dadurch wird das Gesamtgewicht der Maschine erheblich reduziert, der Schwerpunkt liegt niedrig und das wird Handling optimiert. All dies zusammen bringt eine hervorragende Beschleunigung aus dem Stand und ordentlich Power bei hohen Drehzahlen.

Sportster Evolution

Dieser Motor ist heute die Basis aller Modelle der Sportster-Familie, auch fast alle Buell Modelle werden von leistungsgesteigerten, modellgepflegten Derivaten des Evolution Sportster Motors angetrieben. Der Motor reicht von 883cm³ mit 46 PS bis 1202cm³ mit 67PS. 2007 wird der Keihin-CV Vergaser durch eine elektronische Saugrohreinspritzung ersetzt.

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