Harley Davidson Nightster Testbericht

Die Harley-Davidson Nightster ist eine moderne Interpretation der Sportster-Baureihe, die Tradition und Innovation vereint. Mit ihrem flüssigkeitsgekühlten V2-Motor und dem agilen Handling spricht sie eine neue Generation von Fahrern an, ohne dabei das typische Harley-Davidson-Feeling zu vernachlässigen.

Design und Optik

Designtechnisch fügt sich die Nightster wunderbar in Harleys bisherige Sportster-Modellpalette ein. Die Nightster besticht durch ihre sportlich-aggressive Linienführung, die ihr ein modernes und dynamisches Aussehen verleiht. Im Vergleich dazu hat die Nightster einen etwas klassischeren Look, der die traditionellen Elemente von Harley Davidson betont. Beide Modelle sind mit hochwertigen Materialien ausgestattet.

Das klassische Sportster-Design hat sein Team neu interpretiert: schlank, niedrig, kraftvoll - die Linie ist vertraut, aber erwachsener als bislang. Der Kraftstofftank versteckt sich unter dem Sitz. Der „Tank“ ist lediglich Optik und Verpackung für die Airbox. Wenig überraschend: Schwarz dominiert als Farbe. Räder, Fender, Lampenverkleidung, Luftfilter, Lenker - alles „black“.

Den Aufpreis von 280 Euro für die graue (und auch rote) Variante würde ich mir persönlich gönnen.

Leistung und Fahrverhalten

Die Nightster ist mit einem stärkeren Motor ausgestattet, der ein sportlicheres Fahrverhalten ermöglicht. Damit ist sie ideal für Fahrerinnen und Fahrer, die gerne dynamisch unterwegs sind. Dafür bietet die Nightster ein sanfteres Fahrgefühl, das sich hervorragend für entspannte Fahrten eignet.

Der neue Revolution Max Motor fällt bereits auf den ersten Kilometern mit sehr guten Manieren und kaum spürbaren Vibrationen auf.

90 PS bei 7500/min und 95 Nm bei 5000/min können sich auf dem Papier außerdem trotz "nur" 975 Kubikzentimetern durchaus sehen lassen. Ab ca. 3500/min entfaltet der Motor seine Kraft so richtig und ich werde mit einem deutlichen Schub nach vorne gedrückt. Sehr schaltfaul darf man bei der Nightster nicht sein, sie fühlt sich in hochtourigen Bereichen am wohlsten. Probleme schnell an der Ampel vom Fleck zu kommen, habe ich allerdings nie.

Die versprochenen 90 PS scheinen glaubwürdig. Bis rund 4500/min serviert der Vau seine Leistung verhalten. Danach explodiert er förmig.

Mit ihrer Leichtigkeit und Unkompliziertheit hat sich die Nightster längst in mein Herz gefahren. Die Kehren am Palomar Mountain meistert sie ohne Krafteinsatz, Impulse auf den flachen und breiten Lenker setzt sie zielgenau um. Und auch die Bremsen spielen beim flotten Swing mit. Vorne beißt ein Vierkolben-Festsattel kräftig in eine 320er Scheibe, hinten haben wir eine 260mm Scheibe. Die Hebel sind fünffach einstellbar und die Kupplung ist leichtgängig.

Easy Going: Lässig lässt sich die Nightster durch die Kurven schwingen, ihr Lenkverhalten ist spielerisch. Die mit 100/90-19 vorn und 150/80-16 vergleichsweise schmalen Reifen lenken federleicht ein.

Easy Going: Die Nightster ist weit entfernt vom trägen Lenkverhalten ihrer Urahnen. Mit nur 221 Kilo wiegt sie beispielsweise 39 Kilo weniger als ihre Namensgeberin des Jahres 2009. Das merkt man auf jedem Meter. Zudem konnten die Techniker den Motorradschwerpunkt senken.

Fahrmodi und Elektronik

Die Sprünge in den drei Fahrmodi Rain, Road und Sport sind deutlich spürbar, wobei vor allem letzterer die 90 PS voll beeindruckend auskostet.Neben diesen Fahrmodi, Traktionskontrolle und ABS sind serienmäßig auch eine Anti-Hopping-Kupplung und ein Keyless-Go-System vorhanden.

Als elektronische Helferlein sind neben einem ABS auch eine Traktionskontrolle sowie eine Motorschleppmoment-Regelung an Bord.

  • Rain: Reduziert die Leistung um 15 Prozent, sanfte Gasannahme, frühes Eingreifen der Traktionskontrolle.
  • Road: Homogene Leistungsentfaltung, moderates Eingreifen von ABS und Traktionskontrolle.
  • Sport: Volle Leistung, direkte Gasannahme, spätes Eingreifen von ABS und Traktionskontrolle.

Komfort und Ergonomie

Die Nightster Special bietet eine ergonomischere Sitzposition, die auch auf langen Strecken ein angenehmes Fahrgefühl vermittelt. Auch die Nightster verfügt über eine bequeme Sitzbank, die allerdings für manche Fahrer etwas weniger Unterstützung bieten könnte. Wer also häufig längere Touren plant, könnte mit der Nightster Special besser bedient sein.

In sportlicher, aber zugleich bequemer Sitzposition schwinge ich von Kurve zu Kurve und das Stunde um Stunde.

Allerdings machen sie die Nightster ein ganzes Stück breiter, was mir das "Durchschlängeln durch den Verkehr" (was in Kalifornien erlaubt ist) in vielen Situationen erschwert und ich durchaus hin und wieder abrupt in die Eisen gehen muss.

Die zwei außenliegenden Federbeine hinten (in der Vorspannung einstellbar) bieten nur 76 mm Federweg und kommen auf Holperpisten entsprechend schnell an ihre Grenzen - endlich eine Tugend, die die Nightster von ihren Vorfahren übernimmt, wenn auch in abgeschwächter Form.

Ausstattung und Technik

Die Nightster Special verfügt jedoch über einige zusätzliche Features, die sie auszeichnen. Dazu gehören fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme und ein hochwertiges Infotainmentsystem. Die Nightster hingegen konzentriert sich mehr auf die Basisfunktionen, was sie für puristische Fahrer attraktiv macht, die Wert auf das Wesentliche legen.

Schön: Im digitalen Zusatzdisplay des analogen Tachos lässt sich unter anderem auch die Restreichweite anzeigen.

Reifendruck und Batteriespannung können ebenso abgerufen werden wie die Öltemperatur, zudem lässt sich der Bildschirm zum Navigieren und Musikhören via Bluetooth mit dem Smartphone verbinden, ein USB-Anschluss ist ebenfalls vorhanden und unauffällig, aber gut erreichbar platziert.

Der Tank der Nightster fasst 11,2 Liter und der angegebene Verbrauch liegt bei 5,5 Liter / 100 km, was sich wirklich sehen lassen kann.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Nightster Special liegt in der Regel in einer höheren Preisklasse, was durch die zusätzliche Ausstattung und die verbesserte Leistung gerechtfertigt ist. Auf der anderen Seite bietet die Nightster ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, insbesondere für Fahrerinnen und Fahrer, die ein klassisches Harley-Davidson-Erlebnis suchen, ohne viel Geld ausgeben zu müssen.

Allerdings ist der Einstandspreis mit 14.995 Euro eine hohe Hürde.

In Deutschland ist die moderne Harley ab 14.990 Euro, und in Österreich ab 17.995 Euro erhältlich.

Technische Daten

Motor Flüssigkeitsgekühlter 60-Grad-V2-Motor
Hubraum 975 ccm
Leistung 90 PS (66 kW) bei 7500 U/min
Drehmoment 95 Nm bei 5750 U/min
Getriebe 6-Gang
Gewicht (fahrfertig) 221 kg
Tankinhalt 11,7 Liter
Sitzhöhe 705 mm
Preis (Deutschland) ab 14.990 Euro

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