Dieser Artikel befasst sich mit der Ermittlung der Leistungsfähigkeit der Ölpumpe bei Harley Davidson Twin Cam Motoren (TC88, TC96). Dabei werden die Spezifikationen, die benötigten Werkzeuge und die Vorgehensweise zur Messung des Öldrucks erläutert.
Grundlagen des Öldrucks bei Harley Davidson Twin Cam Motoren
Die Werkstatthandbücher nennen für TC88 und TC96 die folgenden Spezifikationen:
- Alle Messwerte gelten für 110° heißes Öl (!).
- Ab 3 psi (0,2 bar) erlischt bereits die Öldruck-Warnlampe.
- Öldruck 9-12 psi (0,6 - 0,8 Bar) bei Leerlaufdrehzahl (ca. 1000 U/min).
- Einsatz der Piston Jets (Ölspritzdüsen der Kolben) ab 12-18 psi (0,8 - 1,2 bar).
- Öldruck 30-38 psi (2,1 - 2,6 bar) bei 2000 U/min.
- Ab 35 psi (2,4 bar) beginnt das Bypassventil in der Nockenwellenplatte zu öffnen und begrenzt den Öldruck auf maximal 50 psi (3,5 bar).
Die Problematik herkömmlicher Öldruckmesser
Handelsübliche mechanische Öldruck-Manometer sind oft ungenau, besonders im niedrigen Druckbereich um 10 psi (Leerlauf). Preiswerte Öldruckmesser für die Werkstatt sind meist für 30 bar und mehr ausgelegt und somit für eine Harley mit maximal 3,5 bar unbrauchbar.
Die Wahl des richtigen Sensors: VDO Druckgeber
Eine gute Alternative ist ein elektromechanischer Druckgeber von VDO mit 5 bar Messbereich. Als kostenpflichtige Zusatzfunktion hat er einen Anschluss für eine Öldruckwarnlampe, die unter 0,5 bar Öldruck aufleuchtet. Ohne dieses Extra kostet so ein Qualitäts-Sensor rund € 60,- (natürlich gibt es auch billigere aus Fernost).Den Sensor wollte ich anstelle des Öldruckschalters verbauen. Der sitzt hier:
Der Sensor sollte anstelle des Öldruckschalters verbaut werden. Dieser sitzt an folgender Stelle:
Leider ist so ein Sensor wesentlich größer als der Öldruckschalter, was man erst so richtig sieht, wenn man den Sensor in Natura vor sich hat und beides nebeneinander hält:
Das Problem mit den Gewinden
Die Ermittlung des an der Harley verwendeten Gewindes war schwierig. Im HTT-Forum in Amiland wurde die Information gefunden: 1/4"-18 NPT. Das ist eine Rohrverschraubung mit einem konischen Gewinde von gut 13mm Durchmesser. Leider gibt es den VDO-Sensor nur mit einem kleineren Rohrgewinde: 1/8"-27 NPTF. Die einzige Quelle für einen passenden Adapter von 1/8" auf 1/4" scheint ausgerechnet Conrad-Elektronik zu sein:
Zum Abdichten der Rohrverschraubung schreibt H-D das weiße Loctite 565 vor. Das gibt es nur in Amiland oder beim Freundlichen (99818-97).
Alternativ kann anstelle von Loctite 565 das Produkt 511 verwendet werden, welches resistent gegen Öl ist und langsamer aushärtet.
Der VDO-Sensor hat eine Kennlinie, die ich hier mal aufgemalt habe (einschließlich der Anforderungen für den Twincam-Motor):
So sieht der montierte Sensor aus (gewinnt natürlich keinen Schönheitspreis ):
Jedenfalls kann man das Ding im Gegensatz zu einem Werkstattmanometer beim Warmfahren des Motors montiert lassen .
Die Öldruckmessung in der Praxis
Bewaffnet mit einem Ohm-Meter und einem Hand-Drehzahlmesser wurde der Motor warm gefahren. Es war nicht möglich, in 20 Minuten Fahrzeit bei den schattigen Temperaturen 110° Öltemperatur zu erreichen. Das Ohmmeter zeigte:
- 70 Ohm bzw. 25 psi (1,7 bar) bei vorgeschriebener Leerlaufdrehzahl von 950 U/min
- 100 Ohm bzw. 38 psi (2,6 bar) bei 2000 U/min
- max. 130 Ohm bzw. 50 psi (3,5 bar) bei hohen Drehzahlen
Es ist zu erwarten, dass bei sommerlicher Hitze niedrigere Drücke auftreten. Die Ölpumpe scheint jedoch in gutem Zustand zu sein.
Gemessen wird der Sensorwiderstand mit einem haushaltsüblichen Multimeter im Ohm-Messbereich. Mithilfe der Grafik in meinem Eingangsbeitrag kann man dann den Öldruck ermitteln. Während der Fahrt will ich den Öldruck nicht unbedingt messen. Das geht prima im Stand mit dem Moped auf dem Seitenständer.
Alternativ kann man sich von VDO oder Motometer für ca. € 30,- auch eine Öldruckanzeige kaufen und diese per Kabel an den Sensor anschließen.
Der originale Harley-Davidson Öldrucksensor (74438-99)
Von Harley gibt es einen Öldrucksensor (74438-99), der serienmäßig an Tourern mit Öldruckanzeige verbaut wird. Er kostet ca. € 50,- und ist schlank. Der passt dann (Widerstand/Kennlinie) zwar nicht zum schicken VDO Instrument (sowas liegt bei mir noch rum ), aber sicher zu dem von H-D . Wenn der jetzt noch ‘nen Schalter drin hat, für das Öldrucklämpsche, wär er perfekt (der fette VDO Sensor -Standard in allen Autos der 60er/70er/... mit Öldruckanzeige- hätte dann einen dritten Anschluß dafür, war glaub ich Amp 6.3mm).
Der Schalter/Sensor arbeitet gegen Gehäusemasse.
Es gibt auch Hinweise darauf, dass bei einem Freund der Zahnrad-NW-Antrieb wegen Axialschlages des KW-Stumpfes vom Dealer nicht empfohlen wurde. Die Größe der Auslenkung befand sich allerdings noch innerhalb der HD-Toleranz.
Der schlanke H-D Sensor kann dauerhaft montiert bleiben und lässt jederzeit eine Öldruckkontrolle mit einem Ohmmeter zu. Ein Messinstrument am Lenker als Dauereinrichtung ist nicht unbedingt erforderlich. Sollte die Ölpumpe schlagartig versagen, ist dies unmittelbar an den rasselnden Ventilen wegen der kollabierenden Hydrostößel zu hören.
Weitere Informationen zum originalen Öldrucksensor von H-D (74438-99A)
So sieht er im Vergleich zum VDO-Sensor aus:
Der Kontakt mit dem "E" ist der Sensorkontakt. Der andere Anschluss ist für die Öldruck-Kontrolllampe. Die Kennlinie erweist sich als völlig unterschiedlich zum VDO-Standard und ist nicht ganz linear. Wichtig: Unterhalb von ca. 5 psi zeigt der Sensor den Widerstand "unendlich". Erst oberhalb dieses Drucks ist ein endlicher Widerstand messbar.
Einige Fahrer haben den Harley Öldrucksensor (74438-99A) montiert und verkabelt. Gemessen wird der Sensorkontakt gegen Masse mit einem Multimessgerät. Der Schaltkontakt ist mit dem vorhandenen Kabelanschluss verbunden, der auch korrekt nach dem Start die Warnleuchte ausschaltet.
Wichtig sind die Werte bei Betriebstemperatur. 120 Ohm bei 70 km/h entsprechen ca. 30 psi bzw. 2 bar bei 1800 U/min. Der Öldruck hängt fast linear von der Öltemperatur ab. Je kälter das Öl, desto höher der Druck bei gleicher Drehzahl und umgekehrt. Für den TC-Motor mit seinen Wälzlagern ist die von der Pumpe geförderte Ölmenge wichtig, nicht so sehr der Druck.
Es spricht nichts dagegen, die Drehzahl etwas zu senken, solange man nicht stundenlangen Leerlauf exerziert, da sonst die Batterie schlapp macht.
Analoge Öldruckmesser
Ölpumpen sind Verschleißteile, Öldruckschalter und -Kontrollleuchten können versagen. Anstatt auf die Elektrik zu vertrauen, kann man den Öldruck auch analog überwachen: mit einem Zeigerinstrument, dem Öldruckmesser. Von PanAm, Moon oder Wika, egal von welchem Hersteller, sind sie mit 60 psi oder 80 psi Skalen ausgestattet (4,2 bar bzw. 5,6 bar) und haben ein zölliges 1/8”-27 Anschlussgewinde. Damit passen sie an und für jede Harley von Eisenkopf bis Evo. Zur exakten Anpassung an die Harley gibt es auch verschiedene Adapter und Winkelstücke.
Wem der Blick runter zum Motor zu unbequem ist, der kann eine Universal-Stahlflexbremsleitung nehmen und damit den Öldruck Richtung Lenker umleiten. Die PTFE-Schläuche unter der Ummantelung halten die Temperatur problemlos aus, und passende Adapter gibt es auch.
Probleme und Lösungen
Einige Fahrer haben Probleme mit dem Öldruckschalter ihrer Evo-Big Twin (z.B. Baujahr 1999). Der Harleyhändler kennt diesen Schalter möglicherweise nicht oder bietet nur einpolige Varianten an, während der vorhandene Schalter zweipolig ist. Zweipolige Schalter mit M10x1 Gewinde sind im Internet erhältlich, während Harleyschalter 1/8" Gewinde haben. Es gibt jedoch "Nachbauten", die gegen Masse schalten.
Wenn kein Öldruck messbar ist, sollte ein Fachmann hinzugezogen werden. Späne im Ölfilter können auf einen Lagerschaden hindeuten.
Bei falsch gehenden Öldruckmanometern in der Verkleidung von Glides kann der Öldruckschalter getauscht werden, der das Signal für das Manometer gibt und gleichzeitig als Schalter für die Öldruckkontrollleuchte fungiert. Die Anschlussleitungen sollten auf die Polarität geprüft werden.
Wichtiger Hinweis: Die hier beschriebenen Informationen dienen lediglich zu Informationszwecken und sollten nicht als Ersatz für professionelle Beratung oder Reparatur durch einen qualifizierten Mechaniker angesehen werden. Unsachgemäße Reparaturen können zu Schäden am Motorrad führen.
Verwandte Beiträge:
- Harley Davidson Holzbild: Individuelle Wanddekoration für Fans
- Harley Davidson Softail Satteltaschen: Modelle, Kaufberatung & Tipps
- Harley Davidson Evo Motor neu: Kaufberatung, Preise & Tuning
- Harley Davidson BSL Auspuff: Test, Sound & Kaufberatung
- Sebring Motorrad Auspuff Test: Der Ultimative Vergleich für Maximale Leistung und Sound
- Michelin Fahrradreifen unplattbar: Test & Kaufberatung für pannensichere Reifen
Kommentar schreiben