Die Harley-Davidson-Welt sieht sich derzeit mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert, die sowohl den Markt als auch die treue Fangemeinde betreffen. Zum einen belasten hohe Importzölle die Preise von Motorrädern und Ersatzteilen, zum anderen sorgt die zunehmende Regulierung von Auspuffgeräuschen für Frust unter den Fahrern.
Insolvenz von Kesstech: Ein schwerer Schlag für Harley-Fans
Ein weiterer schwerer Rückschlag für die Harley-Fans kam mit der Insolvenz von Kesstech, einem führenden Hersteller von Auspuffsystemen für die Marke. Kesstech ist bekannt für seine elektronisch verstellbaren Auspuffanlagen, die nicht nur die Leistung der Maschinen steigern können, sondern auch den legendären Sound bewahren.
Der auf Harley-Davidson-Auspuffanlagen spezialisierte Hersteller Kesstech hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Amtsgericht Bamberg hat dem Antrag am 1. März stattgegeben, wie der "Fränkische Tag" berichtet. Das insolvente Unternehmen will sich damit neu aufstellen und finanziell sanieren.
Kesstech, das heute unter dem Namen MEC firmiert, stellt seit Jahrzehnten elektronisch gesteuerte Klappenauspuffanlagen her. Geschäftsführer Patric Schneider begründete die Insolvenz mit "Altlasten aus der Vergangenheit", die das Unternehmen Ende 2024 wirtschaftlich belastet hätten.
Die Eigenverwaltung ermögliche eine gezielte Restrukturierung, um Kesstech wieder als Marktführer zu etablieren. Schneider und seine Investorenfamilie hatten das nun insolvente Unternehmen erst 2023 übernommen.
Kesstech wurde 1984 vom unterfränkischen Tüftler Roland Keß gegründet und hatte 2016 noch als weltweit führender Anbieter für elektronisch gesteuerte Auspuffanlagen gegolten. Laut Schneider hätten jedoch technische Herausforderungen und strategische Fehlentscheidungen den Betrieb geschwächt und schlussendlich zur Insolvenz geführt.
Ziel sei es nun, wieder auf Qualität und Innovation zu setzen. Die neuen Eigentümer hätten bereits hohe Summen investiert und seien überzeugt vom Erfolgspotenzial der Marke.
Als Sachwalter des Insolvenzverfahrens wurde der Frankfurter Rechtsanwalt Jan Markus Plathner eingesetzt. Er lobte das Engagement der Geschäftsführung und der Mitarbeiter und sieht Chancen für eine erfolgreiche Sanierung.
Die Insolvenz des Unternehmens trifft also einen bedeutenden Anbieter für maßgeschneiderte Auspufflösungen, der sowohl den hohen Qualitätsansprüchen der Harley-Kunden gerecht wird als auch die Emissionsvorgaben einhält. Trotz des Insolvenzverfahrens betont Kesstech, dass die Produktion und Auslieferung weiterhin zuverlässig erfolgen und alle Garantie- und Gewährleistungsansprüche bestehen bleiben. Das Unternehmen arbeitet zudem an einem Sanierungsplan, der eine nachhaltige Entschuldung und die Revitalisierung der Marke zum Ziel hat.
Für die Zukunft plant KessTech eine komplette Neuaufstellung. Die Finanzierungsstruktur soll neu geordnet werden, mit dem Ziel einer nachhaltigen Entschuldung. Zudem will das Unternehmen seinen Vertrieb reorganisieren und die Händlerstruktur optimieren, besonders im Bereich „Customizing Harley-Davidson“.
Dennoch bleibt abzuwarten, ob der Sanierungsplan aufgeht. Für die zahlreichen Fans der Marke und die Beschäftigten steht viel auf dem Spiel.
Auswirkungen auf Aftermarket und Community
Neben den unmittelbaren Auswirkungen auf die Fahrer selbst betrifft die Kesstech-Insolvenz auch den gesamten Aftermarket für Harley-Davidson. Die große Nachfrage nach individuellen Auspufflösungen und Zubehörteilen hatte Kesstech zu einem unverzichtbaren Teil der Harley-Community gemacht. Die Insolvenz wirft ein weiteres Licht auf die Fragilität von spezialisierten Unternehmen, die von der Marktnische abhängig sind.
Custom Chrome Europe: Ein weiterer Schlag für die Szene
Custom Chrome Europe, Großhändler mit einer über 50-jährigen Geschichte im Vertrieb von hochwertigem Zubehör und Ersatzteile für Harley-Davidson und Indian Motorcycles, hat Insolvenz angemeldet. Das zuständige Amtsgericht Bingen am Rhein (Aktenzeichen: 4 IN 26/25) hat am 23. April 2025 die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet.
Das Verfahren läuft nach § 270b InsO (Schutzschirmverfahren) ab. Das Ziel ist es, CCE als Unternehmen zu erhalten und eine zukunftsfähige Lösung zu entwickeln. Gerade für kleinere Händler war die zuverlässige Versorgung mit Custom Chrome-Produkten über viele Jahre hinweg ein wichtiger Baustein im Sortiment.
Custom Chrome Europe führt den Geschäftsbetrieb derzeit unter Aufsicht des vorläufigen Sachwalters fort. Bestellungen, Lieferungen und Serviceleistungen laufen in der Regel weiter, solange keine gegenteiligen Informationen bekanntgegeben werden. Sollte die Sanierung erfolgreich verlaufen, könnten Kunden und Partner sogar gestärkt aus der Situation hervorgehen.
CCE mit Sitz im rheinland-pfälzischen Grolsheim ist bekannt als Aftermarket-Lieferant von insgesamt 25.000 verschiedenen Zubehör- und Ersatzteilen namhafter Hersteller und Marken wie Arlen Ness, Roland Sands Design, Legend Air Suspension und Le Pera sowie Helmen von Torc und Bell. Zudem ist man Vertriebspartner für Jekill & Hyde-Auspuffanlagen, Zubehörteile von Thunderbike und Rick's Motorcycles.
Ob eine nachhaltige Sanierung gelingt, hängt maßgeblich von der Entwicklung eines überzeugenden Restrukturierungskonzepts und der Unterstützung durch die Gläubiger ab.
Insolvenz der Hertrampf-Gruppe
Diese News löste Schockwellen in der Motorradhändlerszene aus: Die Hertrampf-Gruppe, führender Anbieter im Bereich Motorradhandel, Tuning, Motorsport und E-Mobilität, befindet sich seit dem 19. Juni 2025 beim Amtsgericht Lingen (Ems) in einem vorläufigen Insolvenzverfahren (Aktenzeichen: 18 IN 41/25).
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Andreas Sontopski aus Wettringen bestellt. Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen werde der Geschäftsbetrieb an allen Standorten - Emsbüren, Nordhorn und Dorsten - uneingeschränkt fortgeführt.
Die Gruppe ist offizieller Vertragspartner zahlreicher Marken, darunter KTM, Ducati, Harley-Davidson, Husqvarna und R-Raymon. Unter dem Label Hertrampf Racing engagiert sich das Unternehmen im professionellen Rennsport, unter anderem als offizieller Triumph-Rennstall in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) sowie in der Langstrecken-Weltmeisterschaft.
Die Restrukturierung wird gegenwärtig von einem Beraterteam um Christian Coordes (Grafschaft Beratung), Eric Coordes von der Münsteraner Kanzlei Mönig, sowie der Mentor AG begleitet. Letztere prüft im Zuge eines strukturierten Investorenprozesses nun alle Sanierungsoptionen. Ziel sei es, den renommierten Motorradbetrieb mit seinen spezialisierten Markenwelten und seinem motorsportlichen Profil zukunftsfähig aufzustellen und langfristig zu erhalten.
Denis Hertrampf, geschäftsführender Gesellschafter: „Wir haben in den vergangenen Jahren eine einzigartige Kombination aus Motorradhandel, Technikkompetenz und motorsportlicher Leidenschaft aufgebaut. Die Hertrampf Gruppe bietet nicht nur markenübergreifendes Fachwissen und gewachsene Strukturen, sondern auch ein eingespieltes Team mit starker Kundenbindung.
Im Fokus stehen insbesondere strategische Investoren aus dem Zweirad- oder allgemeinen Fahrzeughandel, motorsportaffine Unternehmer sowie finanzstarke Investoren mit Erfahrung in Restrukturierungssituationen. Interessenten können nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung Zugriff auf einen virtuellen Datenraum erhalten.
Personalwechsel bei Harley-Davidson
Der US-amerikanische Motorradhersteller Harley-Davidson muss sich auf die Suche nach einem neuen Vorstandschef machen. Wie das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Milwaukee mitteilte, werde Jochen Zeitz, der seit 2020 an der operativen Spitze des Unternehmens steht, seine Position spätestens bis zum Jahresende verlassen.
Bereits im vergangenen Jahr habe der 62-jährige Deutsche signalisiert, dass 2025 sein letztes Jahr bei Harley-Davidson sein werde. Gleichwohl habe Zeitz erklärt, dafür bereit zu sein, im Amt zu bleiben, bis ein Nachfolger für seine Position gefunden wurde.
Während seiner Amtszeit führte Zeitz die sogenannte "Hardwire"-Strategie ein, die darauf abzielte, die Marke neu zu erfinden und aus einer Krise zu führen. Der Verwaltungsrat betonte, dass das Unternehmen ihm viel zu verdanken habe, insbesondere in "einer der schwierigsten Phasen für das Unternehmen".
Zudem versuchte Zeitz, die Traditionsmarke durch einen Fünfjahresplan für jüngere Kunden attraktiver zu machen und dabei den Fokus auf margenstarke Produkte zu legen. Dieser Plan zeigte allerdings nicht die gewünschten Effekte: Im vergangenen Jahr sank der Umsatz um rund 15 Prozent. Auch für das laufende Jahr erwartet Harley-Davidson bestenfalls ein stagnierendes Geschäft.
Die Nachricht über Zeitz’ bevorstehenden Abgang führte dennoch zu einem positiven Impuls an der Börse: Die Harley-Aktie stieg vorbörslich um 3,3 Prozent. Zeitz war bereits 2007 in den Verwaltungsrat von Harley-Davidson eingetreten und hatte zuvor als jüngster Vorstandschef Deutschlands bei Puma Bekanntheit erlangt.
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