Harley-Davidson Preise in den USA und ihre Auswirkungen auf den deutschen Markt

Die Kultmarke Harley-Davidson steht unter Druck. Das Jahr 2024 endete mit einem schlechten Ergebnis, und 2025 droht die Zollkeule. Zwar glänzt und blitzt das Chrom, doch darunter schimmert es rostrot bei Harley-Davidson. Die Jahreszahlen 2024 streuen Salz in die Wunde und der Zollpoker des US-Präsidenten Trump könnte einen Tsunami auslösen. Denn Altlasten der ersten Trump-Regierung und der letzten Biden-Administration könnten ein Damoklesschwert sein, das über dem US-Motorradhersteller hängt. Im schlimmsten Fall stehen ab dem 1. April in Summe 56 Prozent Zoll an. MOTORRAD erklärt, was gerade los ist in Milwaukee, Washington und Brüssel, und was das für den deutschen Harley-Markt bedeuten könnte.

Drohende Zollentwicklungen

Nachdem Teile der USA 2017 zum ersten Mal Donald Trump zum Präsidenten gewählt hatten, wurden Strafzölle von 25 Prozent auf Stahl- und 10 Prozent auf Alu-Importe aus der EU erhoben. Die EU reagierte entsprechend und erhob 25 Prozent zusätzliche Zölle auf ausgewählte US-Produkte wie Jeans, Bourbon, Erdnussbutter und Motorräder von Indian und Harley-Davidson. So waren für Motorräder nicht mehr 6 sondern 31 Prozent für die Einfuhr fällig. 2019 eskalierte der deutlich ältere Streit um Subventionen der EU an den europäischen Flugzeughersteller Airbus und US-Subventionen an Boeing, mit dem Ergebnis weiterer Zollvolumen, die gegenseitig verhängt werden durften. Um dieses Volumen von 4 Milliarden Dollar, das die EU zusätzlich erheben durfte, zu füllen, sollten weitere 25 Prozent Strafzölle auf die entsprechenden Produkte folgen. Sprich: 56 Prozent Zoll auf eine Harley drohten.

Im gegenseitigen Einvernehmen setzten die USA und die EU diese zusätzlichen Volumen und damit weitere Strafzölle aus, bis zum 31. März 2025. Sollte bis zu diesem Datum keine weitere Einigung erfolgen, treten die ausgesetzten Strafstufen theoretisch in Kraft. Sprich, es könnten dann 56 Prozent Einfuhr-Zoll anfallen, was eine Harley in der EU nahezu unfinanzierbar werden ließe, insbesondere wenn diese zusätzlichen 50 Prozent an Kunden durchstechen. Und das scheint notwendig, denn der Company geht es nicht gut.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten von Harley-Davidson

Selbst mit den niedrigen 6 Prozent Zoll und ohne Strafzölle kämpft Harley-Davidson mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen. 2024 sank der Umsatz um 11 % auf 5,19 Milliarden US-Dollar, während der Nettogewinn um 36 % auf 455,4 Millionen US-Dollar zurückging. Besonders alarmierend war das vierte Quartal, in dem das Unternehmen einen Verlust von 117 Millionen US-Dollar verzeichnete - ein deutlicher Einbruch gegenüber dem Vorjahresgewinn von 26 Millionen US-Dollar.

Die weltweiten Motorradlieferungen gingen um 17 % auf 148.862 Stück zurück, was für Harley auf eine schwächere Nachfrage und wirtschaftliche Unsicherheiten zurückzuführen ist. Lediglich im US-Touring-Segment konnte das Unternehmen ein leichtes Wachstum von 5 % verzeichnen und seinen Marktanteil auf 74,5 % ausbauen. Dennoch bleibt die allgemeine Geschäftsentwicklung besorgniserregend, insbesondere im Hinblick auf die sich abzeichnenden neuen Handelskonflikte. Doch nur die berühmten makroökonomischen Gründe entlasten Harley-Davidson nicht, denn die Probleme sind wohl auch hausgemacht.

Umsatz und Gewinn von Harley-Davidson im Jahr 2024

Kennzahl Wert
Umsatz 5,19 Milliarden US-Dollar (-11 %)
Nettogewinn 455,4 Millionen US-Dollar (-36 %)
Motorradlieferungen weltweit 148.862 Stück (-17 %)

Die Modellpolitik von Harley-Davidson

Seit vielen Jahren versucht Harley-Davidson, sich über die Modellpolitik zu verjüngen. Kleinere Hubräume, neue Konzepte, neue Segmente und ein überraschend sportlicher Ansatz ziehen sich seit 2018 stetig durch die Jahrgänge. Gezogen hat gefühlt kaum etwas. Da ist die Pan America 1250 noch das kleinste Problem. Die dürfte zwar noch lange mit ihren Entwicklungskosten durch die Bilanzen geistern und kaum etwas zur Refinanzierung beitragen, aber sie hält wohl niemanden davon ab, eine Harley zu kaufen.

Das dürfte eher der Fall sein durch den Wegfall der luftgekühlten XL-Modelle, der erfolgreichen Sportster-Reihe. Die wurde zwar von der wassergekühlten Sportster S und der Nightster beerbt, doch deren Durchschlag im Markt, wie die alten 883er und 1200er ihn hatten, blieb bisher wohl aus. Ebenso schwierig hat sich das Portfolio der Big-Twins entwickelt. Zwar ist das Angebot attraktiv, die Preispolitik allerdings verdichtet das Angebot ebenso stark im enorm hochpreisigen Segment. Es gibt im Grunde keine "günstige" große Harley mehr, wie es die Street Bob - obwohl 2024 bestverkauftes Modell - bis vor 2 Jahren noch war. Und die Softail Standard als aktuelles "Basis-Modell" ist mit 16.790 Euro schlicht nicht attraktiv eingepreist. Weiter in Modellen gesprochen: Für unter 20.000 Euro bekommt man nur wenig Harley, zwischen 20.000 und 35.000 Euro in kleinen Schritten ist die Auswahl dafür schier grenzenlos. Allerdings: 2024 war rein nach Neuzulassungen mit 8.701 Einheiten in Deutschland ein recht erfolgreiches Jahr.

Das Schlupfloch der sogenannten Ursprungsklausel stopfte die EU in diesem Kontext bereits 2021, was wiederum Brisanz entwickelte, in Zeiten, in denen die zweite Strafstufe auf in Summe 56 Prozent drohte. Für die EU ist also jede Harley-Davidson ein Produkt aus US-amerikanischer Herstellung.

Alarmstimmung bei den Händlern

Fakt ist: Kommen die hohen Zölle und werden nicht wie zuvor vom Unternehmen abgefedert, gefährden sie Existenzen, bringt es der deutsche Harley-Davidson-Händlerverband auf den Punkt. Und da Europa für Harley-Davidson neben den USA weiterhin ein Kernmarkt ist, träfen die Zölle der EU direkt ins Herz der US-amerikanischen Motorradindustrie, wozu Indian ebenfalls zählt.

Selbst wenn Harley die drohenden Strafzölle von 25 oder gar 50 Prozent nicht an die Kunden weitergeben würde, schlügen die ebenso auf das Ergebnis ein, nur eben nicht über den Umweg Europa. Egal wie: Trumps Zollpoker könnte Harley und Indian direkter und härter treffen, als es der wählenden US-Mehrheit klar ist.

Jetzt noch schnell eine Harley kaufen?

Doch einen Lichtblick für Harley-Freunde gibt es. Besonders für jene, die planen, im Frühjahr 2025 eine Harley zu kaufen, denn die Händler sind vorbereitet. Zum einen sind dank des Umstellens auf Euro5+ ausreichend 2024er-Modelle mit Tageszulassung oder mit Ausnahmegenehmigung verfügbar, zum anderen waren die ersten Chargen des 2025er-Modelljahres bereits bestellt und auf dem Weg.

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Die EU reagiert mit Gegenzöllen auf Donald Trumps restriktive Außenhandelspolitik. Im März hat der handelsstreitlustige US-Präsident Donald Trump Zölle von 25 Prozent auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU verhängt, ab dem 3. April kommen 25 Prozent für Autos hinzu. Brüssel antwortete prompt mit Gegenzöllen von 50 Prozent auf einige US-Produkte. Die treffen ab Mitte April auch den Hersteller Harley-Davidson. Um wie viel die Preise der ohnehin teuren Motorräder (ab 16.000 Euro) durch den Aufschlag steigen, ist noch unklar. Handelsexperten schätzen, es könnten im Durchschnitt mehr als 4000 Euro pro Exemplar werden. Der deutsche Vertrieb hatte nur eine Preisgarantie bis zum 31. März gegeben.

Das Vergeltungsspielchen ist nicht neu. Schon im Juni 2018 hatte Trump Europa mit höheren Abgaben belegt. Auch hier reagierte die EU mit höheren Zöllen auf US-Ware. Bei Harleys kletterten sie von 6 auf 31 Prozent. Das Harley-Management beschloss damals, einen Teil der Produktion aus den USA unter anderem nach Thailand zu verlagern, um die Strafzölle zu umgehen und auf dem EU-Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Die EU bewertete aber die Produkte von dort weiterhin als US-Ware: Jede Harley über 500 Kubikzentimeter Hubraum gilt als US-Harley, egal wo sie gebaut wird.

Bei den Kunden macht sich in Foren Unmut über die Preiserhöhung breit. Im Internet läuft über die Plattform Reddit eine Verbraucherkampagne namens "BuyFromEU" - wo es billiger ist. Dass Harley auf eine saftige Preiserhöhung in Europa verzichtet, ist schwer vorstellbar. Das Unternehmen, geführt vom ehemaligen Puma-Chef Jochen Zeitz, leidet wirtschaftliche Not.

Der Reiz des US-Imports

Motorräder aus den USA sind nach wie vor ein großer Genuss für Motorradfans. Trotz der vergehenden Jahre wächst ihre Beliebtheit kontinuierlich, und die Legende des Mannes, der von einer brummenden Harley begleitet wird, ist in der Popkultur lebendig. Amerikanische Motorräder verkörpern grenzenlose Freiheit und Unnachgiebigkeit. Diese Attribute verbindet man am stärksten mit den kraftvollen Maschinen, die auch in unserem Land immer größeres Interesse finden. Jährlich gelangen Tausende von Autos und Motorrädern aus den Vereinigten Staaten nach Europa, wo sie auf Auktionen mit einem "salvage“ Titel angeboten werden. Fast immer handelt es sich um Fahrzeuge mit Schäden.

Während im Jahr 2015 etwa jedes zweite exportierte Fahrzeug betroffen war, stieg diese Zahl im Jahr 2019 auf neun von zehn Fahrzeugen an. Etwa 80 % der Motorräder, die aus den USA importiert werden, haben den Titel "salvage". Das bedeutet jedoch nicht zwingend, dass sie schwer beschädigt sind. Es ist vorteilhafter, ein etwas teureres Motorrad mit geringfügigen Schäden zu kaufen als ein günstigeres mit schwerwiegenden Schäden. Mit steigenden Reparaturkosten geht der Import von stark beschädigten Fahrzeugen allmählich zurück und betrifft nur noch Nischenmotorräder.

Was bedeutet "Salvage Title"?

Ein "salvage“ Titel wird ausgestellt, wenn ein Fahrzeug aufgrund von Schäden infolge eines Unfalls, Wasserschadens, Feuers oder eines anderen Vorfalls nicht mehr für den Straßenverkehr geeignet ist. Wenn der Besitzer des Motorrads einen Unfall meldet, schickt die Versicherung einen Gutachter, um die Reparaturkosten im Verhältnis zum Wert des Motorrads zu bewerten. Wenn die Reparaturkosten den akzeptablen Prozentsatz des Motorradwerts übersteigen, wird es als „salvage“ eingestuft. Im Allgemeinen wird ein Totalschaden angenommen, wenn die Reparaturkosten mehr als 70 oder 80% des Wertes des Motorrads betragen. Hierbei ist es wichtig zu beachten, dass ein Fahrzeug mit dem Titel "salvage" nicht zwangsläufig als Schrott betrachtet werden muss, obwohl dies manchmal der Fall ist.

Risiken und Vorsichtsmaßnahmen beim US-Import

Solche Informationen können beim Kauf eines Motorrads aus den USA abschreckend wirken. Importeure behaupten einstimmig, dass sie fast ausschließlich beschädigte Motorräder importieren, da dies sowohl für sie als auch für die Kunden die besten Gelegenheiten sind, hochwertige Maschinen günstiger zu erwerben. Doch hier ist Vorsicht angesagt. Man sollte sich bewusst sein, dass Importeure oft schnelles Geld verdienen wollen und die Qualität der Reparaturen zweifelhaft sein kann. Es ist jedoch äußerst schwierig, die Unfallschäden und die tatsächliche Qualität der Reparaturen beim Kauf zu überprüfen, da Importeure oft darauf aus sind, Kosten zu sparen und schnellstmöglich Gewinn zu erzielen.

Im Vergleich zu Europa gibt es dafür mehrere Gründe. Zweitens sind die Kosten für Motorradreparaturen in den USA stark gestiegen, und selbst kleinere Reparaturen sind sehr teuer. Während Ersatzteile wirklich günstig sein können, gestaltet sich die Suche nach einer kostengünstigen und qualitativ hochwertigen Reparatur schwierig. Einige Motorräder gelangen nicht einmal aufgrund von Schäden auf Auktionen, sondern aufgrund zu hoher Reparaturkosten. Drittens sind Versicherungsgesellschaften nur ungern bereit, Motorräder mit einem "rebuilt" Titel nach einem "salvage" Schaden zu versichern. Die Kosten für die Versicherung eines solchen Fahrzeugs können zu hoch sein, und im Falle eines erneuten Schadens kann man nicht mit angemessener Entschädigung rechnen. Im Gegensatz dazu haben Motorräder mit leichten Schäden in Europa praktisch den gleichen Wert wie unfallfreie Fahrzeuge. Diese Unterschiede verdeutlichen, wo der eigentliche Preis eines Fahrzeugs aus den USA liegt - in seiner Historie. Ein Motorrad mit sauberer Historie ist nicht dasjenige, das sich lohnt zu importieren.

Zusätzlich kommen dann noch Zoll und MwSt. auf den Kaufpreis. Um zu überprüfen, ob die importierte Harley einen Unfall hatte, können Sie diverse Anbieter wie z.B. Carfax in Anspruch nehmen, die einen Zugang zu den Datenbanken der Versicherungen ermöglichen. In der Regel reicht es aber einfach die Fahrgestellnummer der Harley zu googeln. Wichtig! : Die Fahrgestellnummern der Harleys beginnen in Europa mit 5HD und in den USA mit 1HD. Oft wissen Besitzer einer Harley nicht, dass Sie einen reparierten US-Import fahren.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Motorräder in den USA im Vergleich zu Europa oft günstiger sind. Dies liegt zum einen daran, dass sie dort generell preiswerter verkauft werden und somit auch als Gebrauchtmotorräder zu niedrigeren Preisen angeboten werden. Ein weiterer Faktor ist die höhere Kostenstruktur für Motorradreparaturen in den USA, wodurch beschädigte Motorräder oft zu einem "salvage" Titel führen und günstig verkauft werden. Es ist von größter Bedeutung, sich bewusst zu sein, dass der Kauf solcher Motorräder ein hohes Risiko birgt. Die bereits reparierten Motorräder werden oft als vermeintlich hochwertige Umbauten angeboten, die äußerlich in gutem Zustand erscheinen. Doch die Käufer wissen nicht, ob strukturelle Schäden vorhanden sind oder wichtige Komponenten ordnungsgemäß repariert wurden. Die vermeintlichen Schnäppchenpreise, die Motorräder aus den USA oft bieten, sollten keinesfalls den Blick auf die potenziellen Risiken verstellen. Die Importeure möchten möglicherweise schnelles Geld verdienen, und die korrekte Reparatur solcher Unfallmaschinen ist fraglich. Es ist daher äußerst wichtig, vorsichtig zu sein und gründliche Recherchen anzustellen, bevor man sich für den Kauf eines Motorrads aus den USA entscheidet.

Der Traum einer Harley-Davidson aus den USA - für viele Motorradfans klingt das nach einem verlockenden Abenteuer. Die Auswahl ist groß, die Preise sind oft günstiger, und der Gedanke, eine echte amerikanische Harley zu fahren, hat seinen Reiz. Doch bevor Du Dich für einen US-Import entscheidest, solltest Du die möglichen Nachteile nicht unterschätzen.

Ein US-Import kann reizvoll sein, aber Du solltest die möglichen Nachteile nicht unterschätzen. Es lohnt sich, die Kosten und den Aufwand genau zu kalkulieren und Dir eventuell professionelle Hilfe zu holen, z. B. von Import-Spezialisten oder deutschen Händlern, die sich auf Harleys spezialisiert haben.

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