Harley-Davidson Produktionsstandorte: Eine Analyse der globalen Strategien

Der US-Motorradbauer Harley-Davidson hat Werke außerhalb der USA in Brasilien, Indien und Thailand.

Oft werden wir gefragt, wo Harley-Davidson seine Motorräder produziert. Aus diesem Grund möchten wir uns an dieser Stelle dem Thema widmen und Dir zunächst einmal einen kleinen Überblick geben.

Aktuelle Produktionsstandorte von Harley-Davidson

Derzeit gibt es 5 große Standorte, an denen Harley-Davidson seine legendären Bikes produziert:

  • York, Pennsylvania, USA
  • Kansas City, Missouri, USA
  • H-D Brasilien-Manaus, Brasilien
  • Haryana, Indien (lediglich die Street 500 & 750)
  • Tasit, Pluagdang, Rayong, Thailand

Wo Deine Harley-Davidson produziert wurde kannst Du an der jeweiligen Fahrgestellnummer / VIN feststellen. Damals sah das ganze natürlich noch etwas anders aus.

Strategische Verlagerung der Produktion

Der US-Motorradbauer Harley-Davidson will wegen der höheren Zölle in Europa Teile seiner US-Produktion an Standorte im Ausland verlagern. Das betreffe für den europäischen Markt bestimmte Motorräder, teilte das Unternehmen mit.

Diese Fabriken sollen nun ausgebaut werden.

Harley-Davidson hat das Werk im thailändischen Rayong im Jahr 2018 gebaut. Das Unternehmen reagierte damals auf den Zollstreit der Trump-Administration mit der Europäischen Union.

Am Standort Rayong, der auf die Fertigung der modernsten Modelle mit Revolution-Max-Motor ausgelegt ist, sollen nun zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden.

Harley-Davidson plant, seine Modelle für den europäischen Markt schon ab 2020 fast ausschließlich in seinem 2019 eröffneten Werk in Rayong, Thailand, zu montieren. Damit soll die Strafsteuer für US-Importe umgangen werden.

Das haben sowohl Matt Levatich als Präsident der Company wie auch Harley-Finanzchef John Olin Ende Januar gegenüber US-Börsen-Analysten erklärt, nachzulesen in einer Mitschrift des „Earnings Conference Call“ vom 28. Januar 2020, veröffentlich auf der Internetseite der US-Börse Nasdaq.

Laut Harley-Finanzchef Olin erwartet der US-Hersteller durch den angekündigten Schritt Einsparungen in Höhe von rund 70 Millionen US-Dollar (umgerechnet knapp 65 Mio. Euro) allein in diesem Jahr. Diese sollen allerdings nicht dadurch zustande kommen, dass die Endmontage der als Teilesätze aus den USA nach Asien gelieferten Harleys in Thailand so viel günstiger wäre.

Es geht Harley vielmehr darum, die seit Mitte 2018 fälligen Strafzölle von derzeit 25 Prozent auf EU-Importe aus den USA zu umgehen.

Levatich und Olin erklärten übereinstimmend, dass die EU einem entsprechenden Antrag des US-Konzerns bereits zugestimmt habe, keine Strafzölle auf aus Thailand importierte Harleys zu erheben.

Finanzchef Olin erklärte weiter, dass Harley-Davidson für 2020 mit EU-Strafzöllen in Höhe von 20 Millionen Dollar rechne, und zwar auf „Abverkäufe hoch zu verzollenden Lagerbestands und Strafzölle auf CVO-Harleys und Trikes, die wir weiterhin in den Vereinigten Staaten produzieren werden“.

Daraus liegt der Umkehrschluss nahe, dass bis auf die Dreiräder und die geringe Anzahl handgearbeiteter CVO-Sondermodelle noch 2020 alle anderen zum Verkauf in der EU bestimmten Harleys aus Thailand kommen werden.

Trotz des Zolls werde Harley-Davidson nicht die Preisempfehlungen für seine Motorräder anheben, schrieb das Unternehmen an die US-Börsenaufsicht.

Die Kosten pro exportiertem Motorrad stiegen darum durchschnittlich um rund 2200 Dollar (knapp 1900 Euro).

Bis zu 45 Millionen Dollar kosten die erhöhten EU-Zölle Harley-Davidson pro Jahr.

Harley-Davidson ist das erste US-Unternehmen, das eine detaillierte Einschätzung zu den Auswirkungen dieses Handelskonflikts abgab.

Auch die US-Zölle belasten das Unternehmen, weil sie die Rohstoffkosten erhöhen.

Wirtschaftliche Herausforderungen und Reaktionen

Dem Motorradbauer machen schon länger ein harter Preiskampf und eine alternde Stammkundschaft zu schaffen.

Die aktuellen Geschäftszahlen zeigen einen drastischen Rückgang der Umsätze und Verkaufszahlen. Im vierten Quartal 2024 sank der Umsatz des Unternehmens um 35 % - von 1,053 Milliarden US-Dollar auf 688 Millionen US-Dollar. Im Gesamtjahr fiel der Umsatz um 11 % auf 5,187 Milliarden US-Dollar. Noch besorgniserregender ist der operative Gewinn: Dieser brach um 47 % ein und lag bei 417 Millionen US-Dollar.

Insgesamt konnte Harley-Davidson im Jahr 2024 nur 148.900 Motorräder ausliefern - ein Rückgang von 17 % im Vergleich zum Vorjahr.

Der weltweite Absatz von Harley-Davidson-Motorrädern fiel um 7,09 % auf 151.229 Einheiten. In den USA, dem wichtigsten Markt für das Unternehmen, sank der Absatz um 3.538 Motorräder. Auch in Europa, Asien-Pazifik, Lateinamerika und Kanada wurden rückläufige Verkaufszahlen verzeichnet.

Harley-Davidson nennt als Hauptgrund für die schwache Entwicklung die schleppenden Verkaufszahlen neuer Modelle wie der Pan America, Nightster und Sportster S. Allerdings konnten die Segmente Touring, Trike und CVO ein Verkaufsplus von 10 % verbuchen.

Auch das Tochterunternehmen LiveWire, das sich auf Elektromotorräder spezialisiert hat, kämpft mit rückläufigen Zahlen. Der Umsatz sank von 38 auf 26 Millionen US-Dollar. Trotz der Expansion in den europäischen Markt wurden nur 612 Motorräder verkauft, 48 weniger als im Vorjahr.

Harley-Davidson rechnet für 2025 mit einem weiteren Umsatzrückgang von 5 %. Gründe sind hohe Finanzierungskosten und anhaltend hohe Zinsen, die potenzielle Käufer abschrecken. Viele Kunden weichen auf günstigere Modelle aus.

Politische und wirtschaftliche Einflüsse

Ein wichtiger Faktor für die Zukunft von Harley-Davidson sind politische Entwicklungen, insbesondere die Handelspolitik der USA. Während der ersten Präsidentschaft von Donald Trump wurden durch den Handelskonflikt mit der EU hohe Zölle auf Harley-Davidson-Motorräder eingeführt.

Jüngst entschied der Europäische Gerichtshof jedoch, dass Harley-Davidson unabhängig vom Produktionsstandort hohe Zölle zahlen muss.

Die aktuell ausgesetzten Zölle für US-Motorräder in Europa bleiben nur bis April 2025 ausgesetzt.

Wie der Indian-Mutterkonzern Polaris mitteilt, sollen die Bänder ab dem 24. März für eine Woche still stehen. Alle bereits produzierten Fahrzeuge werden noch an den Handel ausgeliefert. Man verfolge die Entwicklung und werde gegebenenfalls zeitnah weitere Anpassungen vornehmen.

COVID-19 Auswirkungen auf die Produktion

Im Harley-Davidson-Werk in Wisconsin wurde jetzt ein Mitarbeiter positiv auf den Corona-Virus getestest. In Folge hat der Motorradhersteller mitgeteilt, fast alle seine US-Produktionsstandorte ab sofort vorerst befristet bis zum 29. März 2020 zu schließen.

Die Entscheidung darüber fiel dem neuen Interims-Harley-Boss Jochen Zeitz zu.

Betroffen von diesem Produktionsstopp sind die Fabriken Pilgrim Road Powertrain Operations in Menomonee Falls, Wis.; Tomahawk Operations in Tomahawk, Wis.; und York Vehicle Operations in Pennsylvania. Insgesamt rund 2.000 Werker werden damit nach Hause geschickt.

Die Pressemitteilung des Motorradherstellers spricht von temporären Entlassungen, unterstreicht aber, dass die Unterstützung für medizinische Leistungen vollständig erhalten bleibe. Den Mitarbeitern in der Verwaltung in Milwaukee wurde nahegelegt ab kommendem Montag soweit möglich ins Homeoffice zu wechseln.

Auch wird "Ende März" als vorläufiger Termin für eine Rückkehr ins Büro genannt. Man werde die aktuelle Entwicklung verfolgen und die erforderlichen Maßnahmen zeitnah anpassen.

Während des Produktionsstillstands will Harley-Davidson alle Produktionsanlagen desinfizieren.

Mögliche zukünftige Strategien

Das Werk in Thailand, wurde nur wegen der Strafzölle ins Leben gerufen, so konnte Harley-Davidson die von der EU erhobenen Strafzölle umgehen. Eine sichere Lösung war das allerdings nicht, denn die EU plante bereits, ebenso diese Fahrzeuge mit Strafzöllen zu belegen.

Jetzt kommt die Frage auf, ob Harley-Davidson sich strategisch umstellt und vielleicht doch über eine Produktionsstätte in Europa nachdenkt. In Anbetracht der stetig steigenden Transportkosten, Containerknappheit und eigentlich zu langen Lieferzeiten, ist es jedenfalls eine Überlegung wert.

Harley-Davidson „Made in Germany“, das hört sich doch gut an. Nach Harleysite Informationen, war Jochen Zeitz erst vor kurzem bei Bosch zu Besuch, was jetzt nichts zu bedeuten hat, denn Bosch ist schon lange ein Zulieferer von Harley-Davidson Teilen.

Bosch hat im letzten Jahr in Dresden eine neue Chipfabrik ins Leben gerufen, an dem Fertigungsstandort werden Halbleiter für die Mikroelektronik produziert. Möglicherweise entwickelt sich hier ein neuer Trend, der zusätzlich zu den ökologischen Gesichtspunkten immer stärkere Argumente bekommt.

Die Modulbauweise der neuen Motorräder macht es möglich. Viele Teile können an den unterschiedlichsten Modellen verbaut werden, besonders, wenn man in die Zukunft blickt.

Das diese Entwicklung zutrifft, wurde ja bereits bei der Vorstellung vom Revolution Max gesagt und wir sehen es ja jetzt schon, bei den beiden Revolution Max Motorversionen. Der 1250T Motor von der Sportster S hat einen ganz anderen Charakter, als in der Pan America, hier ist vieles in der Zukunft möglich. Eine Motorkonstruktion für viele unterschiedliche Modelle ist somit denkbar. Das sind die besten Voraussetzungen um ein Montagewerk in Europa effizient zu betreiben, vielleicht nicht für alle Modelle, aber für die Softail und Revolution Max Baureihe, wäre es sicherlich interessant.

Die CVO Modelle kommen aus den USA und die großen Grand American Touring Modelle, werden in den USA um einiges mehr umgesetzt, als bei uns in Europa. Die Endmontage der kleineren Modelle könnte in Europa schnell und flexibel gemacht werden. In Ostdeutschland, oder in der Nähe einer Hafenstadt wie Hamburg, oder Bremerhaven würde es schon Möglichkeiten geben.

Aber ob man solche Gedanken in den USA hat, ist schwer zu sagen, allerdings sind die Kosten für Seefracht und die langen Transportzeiten, derzeit wirklich ein großes Problem für die Harley-Davidson Company, das sich langfristig gesehen kaum anders lösen lassen wird.

Die Produktionszyklen sind vorgeben, es werden keine Massen produziert und wenn die neuen Modelle erst im Frühjahr ausgeliefert werden sollen, wird das Zeitfenster immer kleiner, in dem das alles stattfinden muss.

Entsprechende Planungssicherheit, Einhaltung von Lieferterminen, das sind heutzutage wichtige Punkte. Dazu der immer stärker werdende Eindruck von Planwirtschaft, wenn Fahrzeuge eher zugeteilt werden, als vom Kunden konfiguriert, ist das nicht besonders attraktiv und hilft am Ende keinem.

Es gab diese Gerüchte bereits vor Jahren, als sich Kärnten in Österreich für diese Idee stark machte und Stadt Berlin ist direkt auf den Zug mit aufgesprungen und hatte sich ebenfalls angeboten, das war aber eher eine Luftnummer.

So schlecht ist die Idee von einem Harley-Davidson Montagewerk in Europa nicht, heute jedoch, ist das alles eher als ein Aprilscherz zu sehen.

Region Absatzänderung
USA Rückgang um 3.538 Motorräder
Europa Rückläufig
Asien-Pazifik Rückläufig
Lateinamerika Rückläufig
Kanada Rückläufig

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