Reiseenduros erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit. Dabei gibt die BMW R 1250 GS im Segment dieser vielseitigen Motorräder weiterhin den Ton an und ist seit über 20 Jahren das meistverkaufte Motorrad in Deutschland. Nun will die Harley-Davidson Pan America 1250 in diesem Feld bestehen und Fahrer der legendären BMW GS ködern. AUTO BILD MOTORRAD hat die Stärken und Schwächen beider Modelle beleuchtet.
Wie gut kann man mit Harley und BMW verreisen?
Die BMW GS ist das Urmeter in diesem Vergleich und seit rund 40 Jahren erwiesenermaßen das Universaltalent. Die Pan America mit V2-Maschine und Aktivfahrwerk wird exakt nach dem erfolgreichen Rezept einer BMW GS gebaut.Ein günstigerer Verbrauch, ein geringfügig größerer Tank und der minimal höhere Windschutz der Harley versprechen längeres Durchhalten auf sehr langen Etappen. Etwas schneller ist die Harley ebenfalls. Zudem ist die Sitzbank der Pan America etwas salopper ausgeformt - man kann im Sattel also besser hin- und herrutschen als in der streng fixierten Haltung der GS. Dagegen steht, dass die BMW bei höherem Tempo, also ab etwa 150 km/h, die bessere Spurstabilität mit montierten Koffern aufweist. Klare Sache: Die GS bietet dem Mitfahrer - dank Sozius-Paket - einen bequemeren Platz und die bessere Sicht nach vorn.Multimedia und Komfort
Wie die BMW kann die Harley auf Tastendruck ihre Geschwindigkeit halten. Zudem lassen sich die Cockpit-Displays in Navigationsgeräte wandeln, das Smartphone verknüpfen, eine Sprechanlage einwählen. Multimedial herrscht somit im Prinzip Gleichstand. Klarer BMW-Vorteil beim entspannten Gleiten: Der mit mehr Drehmoment aufwartende Boxermotor der GS läuft in den unteren Drehzahlregionen wuchtiger, und das adaptive Fahrwerk steckt Fahrbahnbuckel souveräner weg. Außerdem ist die Höheneinstellung der Windschutzscheibe an der R 1250 narrensicher zu bedienen und sehr stabil ausgeführt. Die Scheibe der Harley Pan America wirkt dagegen außerordentlich klapprig.Wie groß ist der Spaßfaktor bei Pan America und GS?
Die Harley lässt sich trotz Gleichstand beim Leergewicht agiler führen, ihr Revolution-Max-Motor packt unter hoher Drehzahl beherzter zu. Kurvenkünstlern bietet die Harley deutlich mehr Schräglagenpotenzial. Außerdem sprintet sie schneller. Einen modernen Schaltassistenten wie in der GS hat Harley für die Pan America nicht im Programm. Beim schnellen Spurt aus dem Stand heraus fällt die eckig einrückende Kupplung der BMW auf - auch das macht die Pan America geschmeidiger. Fahrer mit Hang zum Auswringen des Motors und Spaß am Kratzen am Limit dürften also mehr Freude mit der Harley haben.Dennoch: Auch die BMW kaschiert ihre Pfunde hervorragend, die 1250er liegt satt und verbindlich, scheut auch schnelle Wechselkurven inklusive beherztem Umlegen nicht. Schade: Beim schnellen Schalten taucht die GS bei jedem Gangwechsel stark ein und federt weit aus. Dieses lästige Nicken bringt Nervosität ins Fahrverhalten. Dafür funktioniert die Abstützung der Gabel beim harten Bremsen hervorragend. Eher Gewöhnungssache als störend ist die Anordnung des Hauptständers. Im direkten Vergleich klingt die BMW deutlich grantiger als die Pan America mit ihrem Flüsterauspuff.Wie schlagen sich die Konkurrentinnen bei der Offroad-Fahrt?
Beide Modelle lassen sich entsprechend mit Stollenprofil bestücken. So lässt sich bei der Harley Pan America im Gelände das Heck auf Tastendruck um rund fünf Zentimeter absenken. Diese elektrische Federbeinjustierung hilft enorm beim Abstützen auf sehr unebenem Boden. Beide Motorräder lassen sich angenehm leicht im Schritttempo bewegen. Fahrhilfen wie Traktionsregelung und ABS-System lassen sich dem Untergrund und der Fahrweise anpassen, Fahrmodi (mit entsprechend reagierender Gasannahme) und Dämpferhärte kann der Fahrer bei beiden Motorrädern entsprechend vielfach einstellen.Wenn die Maschinen mal umkippen
Die BMW kippt zudem eleganter (also mit kleineren Folgen fürs Material), setzt dabei im Grunde nur auf dem Ventildeckel und der Fahrer-Fußraste auf. Die Harley landet auf "Kontaktpunkten" wie Auspuffendtopf, Lenkerende, Fußraste und dem bei der Special serienmäßigen seitlichen Kühlerschutzbügel. Die BMW ist mit 77 Kilogramm Zugkraft am Lenkerende etwas leichter aufgesammelt als eine havarierte Pan America, die 85 Kilogramm erfordert, um sie zurück in die Senkrechte zu zerren.Was taugen Harley und BMW beim Beladen?
Koffer, Tankrucksack, Topcase - addiert man die größtmöglichen Staumöglichkeiten, steckt die BMW 147 Liter Gepäck weg, die Harley 130. Zudem hat Letztere nur eine Tankrucksackversion zu bieten. Für beide Motorräder offerieren die Hersteller die Gepäckbehälter als Softbags, Hartschalenkoffer oder Aluminiumkoffer. Maximal steckt die GS 216 Kilogramm Zuladung weg, Harley erlaubt insgesamt 197 Kilogramm zusätzlichen Ballast. Im Gegensatz zu BMW beschränkt Harley die Höchstgeschwindigkeit bei montiertem Trägersystem nicht (GS 1250: max 180 km/h).Technische Daten im Überblick:
| Merkmal | BMW R 1250 GS | Harley-Davidson Pan America Special |
|---|---|---|
| Motor | 2-Zyl.-Boxer, luft-/flüssigkeitsgekühlt | V2, flüssigkeitsgekühlt |
| Hubraum | 1254 cm3 | 1252 cm3 |
| Leistung | 100 kW (136 PS) bei 7750/min | 112 kW (152 PS) bei 8750/min |
| Max. Drehmoment | 143 Nm bei 6250/min | 128 Nm bei 6750/min |
| Spitze | >200 km/h | 225 km/h |
| Reifen (v/h) | 120-70 19 / 170-60 17 | 120-70 R 19 / 170-60 B 17 |
| Sitzhöhe | 850-870 mm | 830-894 mm |
| Gewicht | 249 kg | 258 kg |
| Tankinhalt | 20l | 21,2 l |
| Preis (ab) | 16.580 Euro | 17.995 Euro |
Für wen ist welches Motorrad geeignet?
- BMW R 1250 GS: Vielreisende, Technik-Liebhaber, Gutbetuchte.
- Harley-Davidson Pan America Special: BMW-Abtrünnige, Harley-Um- und Aufsteiger.
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