Harley Davidson Riemenantrieb: Vorteile und Nachteile

Der Riemenantrieb ist eine einfache und effektive Art der Kraftübertragung zwischen Wellen. Das Konzept ist steinalt und kam in der Ära der Industrialisierung zu seiner Blüte.

Geschichte des Riemenantriebs bei Harley-Davidson

Das erste Bike, das die Namen seiner Schöpfer Harley und Davidson am Tank trug, vermittelte die Power seines rund 405 Kubikzentimeter großen Einzylinders über einen Lederriemen an das Hinterrad. Doch spätestens mit der Einführung des ersten Harley-Davidson-V-Twins im Jahr 1909 kamen der lederne Flachriemen und der seinerzeit optional erhältliche Keilriemen an ihre (Schlupf-)Grenzen. Daher erhielt der V2 bereits im Jahr 1912 optional eine Kette als Sekundärantrieb.

Ende der Siebzigerjahre schufen die Ingenieure bei Harley-Davidson einen Prototyp, dessen Shovelhead-Antriebsstrang anstelle der üblichen Ketten über gleich zwei Gates-Zahnriemen verfügte - einen für den Primär- und einen für den Sekundärantrieb. Um das Ergebnis zu testen und die Meinung der Community einzuholen, fuhr Harley-Gründerenkel und -Chefdesigner Willie G. Davidson mit dem Bike zur Sturgis Motorcycle Rally. Die FXB Sturgis debütierte 1980 am Markt. Das B in ihrem Typkürzel stand für „Belt“ und ihr Twin-Belt-System mit Hightech-Materialien kam später auch in der Low Rider und der Disc Glide zum Einsatz.

Mit dem Debüt des Evolution-Motors im Jahr 1984 hielt der Sekundärantrieb mittels Zahnriemen allmählich in allen Harley-Baureihen Einzug. Nach den Touring-, FX/R- und Softail-Typen stattete die Motor Company 1991 auch ausgewählte Sportster-Modelle mit Zahnriemen aus und seit 1993 rotieren alle Harley-Hinterräder an Riemen. Letztere wurden im Laufe der Jahre noch schlanker und reißfester - Kevlarverstärkung und mit Polyurethan ummantelte Aramidfasern machen’s möglich.

Vorteile des Riemenantriebs

Längst gilt der Zahnriemen unter Kennern als „die“ Alternative zu Kette und Kardan, denn er ist leise, sauber, nahezu wartungsfrei und punktet mit einer sehr langen Lebensdauer. Das lästige Rasseln, Reinigen, Nachspannen und Fetten einer Kette sowie die damit verbundene Ölschmiere am Bike entfallen ebenso wie die schwergewichtigen Bauteile eines Kardans, die ebenfalls der Schmierung und Wartung bedürfen. Unschöne Lastwechselreaktionen kommen erst gar nicht auf, da der Riemenantrieb spielfrei verbaut wird und eine hohe Elastizität aufweist.

Im Vergleich zu Kette und Kardan punktet der Riemen mit einer langen Lebensdauer, zudem ist er leise, sauber und nahezu wartungsfrei.

  • Geräuscharmut: Der Zahnriemenantrieb ist leiser als ein Kettenantrieb.
  • Wartungsarm: Der Riemenantrieb ist beinahe wartungsfrei.
  • Lange Lebensdauer: Der Zahnriemen besitzt in etwa die doppelte Lebensdauer einer Kette.
  • Geringe Lastwechselreaktionen: Da der Riemenantrieb spielfrei verbaut wird und eine hohe Elastizität aufweist.

Nachteile des Riemenantriebs

Trotz seiner Vorzüge ist der Riemenantrieb nicht frei von möglichen Nachteilen. Im Vergleich zu alternativen Antriebsarten könnten gewisse Kompromisse in Bezug auf Leistung und Wartung auftreten.

  • Größere hintere Riemenscheibe: Die hintere Riemenscheibe fällt deutlich größer aus als ein vergleichbares Kettenrad, worunter vor allem die Optik leidet.
  • Geringere Temperaturbeständigkeit: Der Riemen hat eine geringere Temperaturbeständigkeit.
  • Höhere Empfindlichkeit gegenüber mechanischen Einflüssen: Der Riemen ist empfindlicher gegenüber mechanischen Einflüssen, wie zum Beispiel das Verdrehen oder Knicken des Riemens.
  • Benötigte Größe des Bauraums: Der eigentliche Nachteil liegt in der benötigten Größe des Bauraums.
  • Höheres Gewicht: Nachteilig ist das höhere Gewicht im Vergleich zu Motorradketten.
  • Problematische Feststellung des Austauschzeitpunkts: Anders als bei der Kette kann nicht anhand einer Längung festgestellt werden, wann der Austausch stattfinden sollte.

Wartung und Pflege des Riemenantriebs

Eine gewissenhafte Wartung und Pflege des Riemenantriebs ist von großer Bedeutung, um seine Funktionalität und Lebensdauer zu gewährleisten. Der Riemen sollte regelmäßig auf Verschleißerscheinungen untersucht werden. Nachgespannt wird der Zahnriemen ähnlich wie die Kette. Du solltest die Maschine dabei mit Deinem eigenen Körpergewicht belasten. Der obere Trum muss sich üblicherweise einige Millimeter durchdrücken lassen - dann ist der Riemen richtig gespannt. Wie viele Millimeter das sind, hängt vom jeweiligen Zahnriemen ab - hier gibt die Betriebsanleitung des Motorrades Auskunft. Sonstige Wartungsarbeiten fallen nicht an.

Wie beim Zahnriemenwechsel in einem Motor wird deshalb aus Sicherheitsgründen prophylaktisch getauscht - zumeist bei 40.000 km. Bei dieser Strecke handelt es sich um jene Wechselintervalle, die BMW für seine aktuell eingesetzten Riemenantriebe empfiehlt. Erfahrungen von Fahrern zeigen allerdings, dass der Antrieb auch weitaus länger hält.

Vergleich mit anderen Antriebsarten

Motorräder verwenden eine von drei Bauarten, um die Kraft ihres Verbrennermotors ans Hinterrad weiterzuleiten: Kette, Kardan oder Zahnriemen. Diese drei Varianten unterscheiden sich nicht nur in ihrer Funktionsweise, sondern besonders auch in Bezug auf den Wartungsaufwand und die Reparaturmöglichkeiten.

Kette

Der im Motorradbau am häufigsten verwendete Sekundärantrieb ist die Kette. Ein Kettenantrieb ist nicht nur einfach aufgebaut, sondern vor allem kostengünstig zu produzieren. Sofern die Kette richtig gespannt und geschmiert ist, hat er nur einen geringen Leistungsverlust. Niedriges Gewicht, ein relativ einfacher Wechsel des Kettensatzes sowie die Möglichkeit, die Übersetzung mithilfe von größeren/kleineren Kettenrädern zu ändern, sind weitere Vorteile der Kette. Der größte Nachteil ist ihre aufwendigere Pflege (Schmieren, Reinigen und Spannen) sowie die begrenzte Lebensdauer.

Kardan

Bei einer Kardanwelle wird die Kraft über eine Gelenkwelle zum Hinterrad übertragen. Da es sich um ein geschlossenes System handelt, ist der Kardanantrieb ein ebenso sauberes wie wartungsfreundliches Konzept und außerdem sehr langlebig. Die Nachteile sind das hohe Gewicht, ein höherer Leistungsverlust und je nach Bauart eventuell auch stärkere Lastwechselreaktionen.

Vergleichstabelle

Antriebsart Vorteile Nachteile Wartung Lebensdauer
Kette Günstig, geringes Gewicht, einfache Übersetzungsvariation Hoher Wartungsaufwand, begrenzte Lebensdauer, Verschmutzung Regelmäßiges Schmieren, Reinigen, Spannen 10.000 - 40.000 km
Kardan Wartungsarm, sauber, langlebig Hohes Gewicht, höherer Leistungsverlust, ggf. starke Lastwechselreaktionen Ölwechsel nach Herstellerangaben Motorradleben lang (theoretisch)
Riemen Leise, sauber, nahezu wartungsfrei, lange Lebensdauer Größere Riemenscheibe, empfindlicher gegen mechanische Einflüsse, höherer Bauraum Regelmäßige Inspektion, gelegentliches Nachspannen Ca. 40.000 km

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