Harley Davidson Softail: Anleitung zum Wechseln der hinteren Bremsbeläge

In diesem Artikel finden Sie eine ausführliche Anleitung zum Wechseln der hinteren Bremsbeläge an einer Harley Davidson Softail. Er enthält Tipps und Tricks für den Bremsbelagwechsel sowie Informationen zu verschiedenen Bremsbelägen und Bremsflüssigkeiten.

Wann sollten die Bremsbeläge gewechselt werden?

Alle 2000 km sollte man die Bremsbeläge kontrollieren und gegebenenfalls durch neue Beläge ersetzen. Normalerweise sind die Beläge geschlitzt. Solange man noch einen Schlitz sieht, ist man über der 1.0mm Mindestdicke. In jedem Fall sollte man seine Bremsbeläge im Auge behalten und regelmäßig mal kontrollieren. Kommt ja immer auf die Fahrweise und das Bremsverhalten des einzelnen an.

Welche Bremsbeläge sind die richtigen?

Es gibt verschiedene Arten von Bremsbelägen, darunter organische und Sintermetallbeläge. Beide haben ihre Vor- und Nachteile:

  • Organische Bremsbeläge: Sie sind billiger und bremsen leise. Sie geben ein gutes Bremsgefühl, verschleißen aber schneller und kommen schneller in den Bereich des Fadings.
  • Sintermetall Bremsbeläge: Sie bremsen besser, vor allen Dingen wenn sie heiss werden. Zum Beispiel bei Passabfahrten dauert es wesentlich länger, bevor sie ihre Bremswirkung durch Fading verlieren. Sie sind teurer und neigen zum quietschen. Und sie beanspruchen die Bremsscheibe stärker.

Ich nehme Lucas/TRW Sinter(metall)beläge, die sind preiswert und gut (Testsieger). Die hinteren (SH) sind etwas härter und vermeiden dadurch das vorzeitige blockieren der Hinterbremse. Dazu haben sie eine längere Haltbarkeit. Die vorderen Beläge (SV) sind weicher und bremsen besser.

Die Lucas Beläge haben eigentlich nur einen Nachteil, nämlich dass sie manchmal zum quietschen neigen. Aber es gibt mittlerweile eine gute Abhilfe, eine Antiquietsch Folie, die vor der Montage auf die Rückseite des Belages geklebt wird.

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Testergebnisse von Sintermetallbelägen (DreamMachines, Okt. 12)

Hier die Ergebnisse eines Tests von Sintermetallbelägen aus der Zeitschrift DreamMachines (Okt. 12). Bremsweg in Meter, alles Sintermetallbeläge mit Zulassung nach EG-BE, ABE, ECE, KBA oder Tüv.

Marke Bremsweg (Meter)
Lucas [Wert]
[Marke] [Wert]
[Marke] [Wert]

Anleitung zum Wechseln der Bremsbeläge

Bremsbeläge wechseln ist nicht schwer. Bei Harleys sind mehrer Typen von Bremssättel eingebaut. Zunächst mal die altbekannten schwarzen mit der Chromniere an der Seite. Die haben 2 Belaghaltestifte. Dann kamen die silbernen Brembo Bremssättel mit dem Chromgitter oben drauf. Bei den Dynas ab 2008 gibt es schwarze Bremssättel mit nur einem Haltestift. Die andere Seite des Bremsbelagens besteht aus einer Nase, die in die passende Aussparung des Bremssattels eingeführt wird.

Meist wird der Belagstift (Nummer 3) mit einer 10er Vielzahn Nuss gelockert/angezogen. Manchmal ist der Belagstift aber auch mit einem TORX T40 zu öffnen. Zudem ist der Belagstift gleichzeitig eine der Halteschrauben für den Bremssattel (da hat die Factory richtig was gespart). Die zweite Halteschraube für den Bremssattel ist auch eine 10mm Vielzahn Nuss (Nummer 4). Wenn man beide Schrauben löst, kann man den Bremssattel abziehen und die Beläge wechseln.

Grundsätzlich ist die Methode des Bremsbelagwechselns bei allen Modellen gleich. Ich beschreibe im Folgenden die Version mit 2 Belagstiften. Bei den Belägen mit nur einem Belagstift wird die gegenüberliegende Nase sorgfältig in den Bremssattel eingeführt. Man muss darauf achten, dass während der Installation diese Nase nicht wieder rausrutscht.

  1. Beim Vorderrad muss man zuerst den Bremssattel abschrauben (10mm 12-kant Schlüssel). Achtung: Man muss darauf achten, dass man NICHT die Haltebolzen des Bremssattels löst, sonst fällt die Bremse auseinander.
  2. Bei den neueren Brembo Bremssätteln (die mit dem silbernen Gitter oben drauf) wird der Belagstift mit einem 5mm Inbusschlüssel gelockert. Dieser ist mit einem Drahtclip gesichert, den man nach oben rausziehen muss.
  3. Nun kann der Bremssattel von der Scheibe gezogen werden.
  4. Dann muss man darauf achten, dass man die alten Beläge mit einem Schraubenzieher oder einem schmalen Schlüssel ganz auseinander drückt, damit die Kolben wieder komplett zurückfahren. Und zwar gleichmässig auf allen Seiten. Sonst bekommt man die neuen Beläge nicht eingebaut. ACHTUNG: Man darf die Bremskolben niemals direkt mit einem harten Werkzeug (Zange, Schraubenzieher etc) zurückdrücken. Deshalb werden die Kolben auch über die eingebauten Beläge zurückgedrückt.
  5. Dann die Stifte, welche die Beläge halten, entgültig rausschrauben und die alte Bremsbeläge rausnehmen. Man sollte sich merken, wie die Bremsbeläge ursprünglich montiert waren. Es gibt Beläge mit einer Nocke (2) und mit zwei Nocken (1). Zudem ist eine Seite des Belages immer gerundet(3).
  6. Der komplette Bremssattel mit Bremsenreiniger satt eingesprüht und mit einer alten Zahnbürste gereinigt. Danach mit einem Tuch trockenwischen. Die Kupferpaste ist in den letzten Jahren eher unbeliebt geworden (elektrolytische Korrosion), und wird zunehmend durch Keramikpaste ersetzt.
  7. Auch die Feder oben im Sattel, welche die Bremsbeläge etwas auf Spannung hält, bekommt ganz wenig Paste ab. Harley liefert bei den Brembo Bremsbelägen ein spezielles "Rückseiten-Abschmierset" mit. Das Problem der quietschenden Bremsbeläge hat ein Ende gefunden. Von Lucas gibt es eine Antiquietsch-Folie, die auf die Rückseite der Bremsbeläge geklebt wird. Sie ist selbstklebend und man muss nach dem befestigen nur die Überstände mit einem Teppichmesser abschneiden. Ich habe diese Folie auf mehreren Bikes montiert und die Bremsbeläge haben nie wieder einen Laut von sich gegeben. Man bekommt sie zum Beispiel bei Louis. Vier Folien (ausreichend für 2 Beläge) kosten da 6,99 Euronen.
  8. Jetzt werden die neuen Bremsbeläge genauso eingesetzt wie die alten und die Bremsstifte reingeschraubt. Die neuen Bremsbeläge drückt man vorsichtig auseinander, und der fertig montierte Bremssattel wird wieder auf die Scheibe geschoben. Es ist wesentlich, dass die Bremssättel mit den korrekten Drehmomentwerten festgezogen werden.
  9. Zum Schluss wird die Bremse ein paarmal betätigt, damit sich wieder Druck aufbaut. Eine Probefahrt zeigt dann, ob die Bremsen wieder einwandfrei funktionieren. Der Bremspunkt muss knackig und ohne schwammiges Gefühl sein.

Wenn man die alten Bremsbeläge zurückdrückt kann es sein, dass ein wenig Bremsflüssigkeit aus dem Behälter austritt. Diese greift den Lack an. Das passiert besonders dann, wenn man zwischendurch mal den Bremsflüssigkeitsstand aufgefüllt hat. Das Abnutzen der Bremsbeläge führt automatisch zu einer Absenkung des Bremsflüssigkeitspegels. Wenn jetzt was dazu kommt, läuft der Behälter über, wenn man die Beläge auseinander drückt. Deshalb einen Lappen um den Behälter legen. Manche raten auch dazu, vor dem zurückdrücken der Beläge den Deckel des Bremsflüssigkeitsbehälters aufzuschrauben.

Die Kanten der neuen Bremsbeläge können mit einer Feile im 45° Winkel gebrochen werden.

Wenn man das Rad ausbauen muss, kann man gleich die Achse warten. Dazu wird die entfettete Achse mit 1000er Schmirgelpapier glattgerieben (geläppt), um eventuelle Grate und Unebenheiten zu beseitigen.

Weiterhin ist es oft ratsam, die Achse "falschrum" wiedereinzubauen. Also mit der Mutter zu Seite des Auspuffs. Der Vorteil ist, dass man das nächste Mal nicht den ganzen Auspuff demontieren muss, um das Rad zu demontieren. Sicherungsring nicht vergessen!

Bei ABS Fahrzeugen muss unbedingt auf die richtige Lage des Sensors geachtet werden.

Wenn man einen guten Bremskolbenrücksteller hat, kann man auch ein übriges tun und die Seitenflächen der Druckkolben reinigen. Dazu bedient man (leicht) die Bremse, während die alten Bremsbeläge noch drin sind. Dadurch fahren die Kolben noch ein Stück raus. Dann erst entfernt man die alten Beläge.

Der Bremssattel wird mit Bremsenreiniger eingesprüht und vor allen Dingen die Seitenflächen der Bremskolben gereinigt und mit einem sauberen Tuch abgewischt.

Bremsflüssigkeit

Es lohnt sich, zusammen mit dem Belagwechsel auch gleich die Bremsflüssigkeit zu wechseln. Kostet nicht viel, und bringt Sicherheit. Die Bremsflüssigkeit altert. Sie nimmt mit der Zeit Wasser auf, welches dann an einer heissen Bremse verdampft, Gasblasen bildet und damit die Bremse ausser Kraft setzt. Besonders die hintere Bremse ist da anfällig, da sie wenig Kühlung erfährt.

Es gibt verschiedene Bremsflüssigkeiten. Diese sind nicht untereinander austauschbar (Ausnahme siehe unten). Ab 2006 verwendet Harley generell DOT4.

  • DOT4 Bremsflüssigkeit ist hydrophil, also wasseranziehend. Es ist ein Polyalkohol.
  • DOT 5.1 Bremsflüssigkeit ist auch hydrophil. Also wasseranziehend. Es ist auf Glykolbasis hergestellt und hat einen höheren Siedepunkt wie DOT4. Zudem greift es die Dichtungen nicht mehr an.
  • DOT5 Bremsflüssigkeit (genauer DOT5.0) wurde von Harley vor 2004 verwendet. DOT5 darf nicht mit DOT4 oder DOT5.1 gemischt werden! Es ist eine Bremsflüssigkeit auf Silikonbasis, ist hydrophob (also wasserabstossend) und hat gleichfalls einen höheren Siedepunkt. Bei diesen Maschinen muss IMMER DOT5 verwendet werden. Wenn man DOT4 oder DOT5.1 in eine solche Anlage kippt, wurde der Alkohol (bzw. das Glykol) die Gummis angreifen, da DOT5 ja ein Silikon-ÖL ist. Das Lüften einer DOT5 Anlage ist aufwendiger. Und es ist leichter als DOT4 und DOT5.1.

Wer also aus welchen Gründen auch immer eine DOT4 Anlage in DOT5 wandeln will, muss dafür sorgen, dass jeder Rest von DOT4 aus dem System verschwindet. Das kann auch bedeuten, alle Schläuche und Dichtungen auszuwechseln.

Es gibt auch mechanische Unterschiede: Während DOT4 inkompressibel wie Wasser ist, gibt DOT5 als Silikonöl etwas nach. Wenn es heiss wird, wird dieser "Gummieffekt" grösser.

Da die Bestellnummern der Bremsteile sich zwischen 2005 und 2007 nicht geändert hat ist davon auszugehen, dass die verwendeten Dichtungen beide Flüssigkeiten vertragen.

Die Messwerte von DOT5 unterscheiden sich nicht von DOT5.1. Wenn man also das DOT4 durch DOT5.1 ersetzen kann, dann sollte das auch mit DOT5 gehen. Voraussetzung ist, das man das System durchspült, so das möglichst keine Reste des alten DOT4 übrigbleiben.

Bei einer älteren Anlage sollte man überlegen, gleich neue stahlummantelte Bremsleitungen zu verbauen. Das ist auch nützlich, um wenigstens etwas die kompressibilität von Silikonöl auszugleichen.

Bei Fahrzeugen mit ABS würde ich diesen Tausch auf gar keinen Fall machen. Das ABS System macht regelmässige interne Druck und Widerstandsprüfungen.

Die Eigenschaft von DOT4 und DOT5.1, hygroskopisch (also wasseranziehend) zu sein, ist nicht schlecht. Eindringendes Kondeswasser wird sich in dieser Bremsflüssigkeit lösen und nur den Siedepunkt herabsetzen.

DOT5 Bremsflüssigkeit ist hydrophob, also wasserabstossend.

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