Der Umbau des Hinterrads einer Harley Davidson Sportster kann sowohl optische als auch fahrdynamische Vorteile bringen. Hier wird eine detaillierte Anleitung zum Umbau des Hinterrads einer Harley Davidson Sportster gegeben, einschliesslich der Auswahl des richtigen Kits, der Reifen und der erforderlichen Anpassungen.
Breitreifenumbau: "B-Max" 240er auf 8", 18" Niederquerschnitt
Die Frage, ob eine Sportster mit einem 240er Reifen noch fahrbar ist, kann mit einem klaren Ja beantwortet werden. Damit der 240er Reifen in die Sportster passt und auch gut fährt, wurden spezielle Kits zusammengestellt.
Schwinge und Belt
Alle Kits enthalten ein XXL Schwingenkit, das breit genug ist, um den dicken Reifen mittig in der Spur zu halten. Die Vortriebskräfte werden über einen speziellen Belt von Harley Davidson® an das Hinterrad geleitet.
Offset Pulley
Das im Kit enthaltene vordere Offset Pulley ist mit einem Zusatz-Lager abgestützt. Der Alukäfig nimmt die Kräfte auf und überträgt sie über die Befestigungen auf das Motorgehäuse.
Stoßdämpfer
Die Stoßdämpfer müssen mit Federwegs-Begrenzer ausgerüstet werden. Auch sie sind im Kit enthalten.
Fender und Sitz
Um den 240er Reifen richtig zur Geltung zu bringen, wurde ein spezielles Heck entwickelt, genannt "der B-Max Fender". Das Stiletto Heckteil zeichnet sich durch einmalig runde Formen aus und ist auch für Zweimannbetriebe geprüft. Selbst die HD® Sitzbank kann weiter verwendet werden.
Wichtig: Das "B-Max" Breitreifenkit passt nur an Sportys mit vorverlegter Rastenanlage. Der originale Auspuff passt nicht mehr.
Räderwahl
Es stehen verschiedene Rad-Varianten zur Auswahl.
Lieferumfang
- Reifen, 240/40-18
- Schlauch (nur beim Speichenrad)
- Komplettrad deiner Wahl
- XXL Sporty Schwinge
- Radachse, je nach Baujahr ¾“, 1“ oder 25mm Ø
- 28 Zähne Offset Pulley
- Stützlagerkäfig, inkl. Buchsen & Schrauben
- Spezial Belt
- Bremsanker zur Aufnahme der HD®-Bremse
- Stoßdämpfer Schrauben-Kit oben
- Federwegs- Begrenzer
- Heckteil „der B-Max Fender“
- div.
Umbau eines breiteren Hinterrads
Zur Vorbereitung auf das breitere Hinterrad wurde der Heckfender ausgebaut und der Innenraum "clean" gemacht. Da mit dem breiteren Hinterrad kaum noch Platz unter dem Heckfender war, mussten alle Kabel und Schraubenmuttern entfernt bzw. flach gemacht werden. Dafür wurden an Stelle von normalen Schraubenmuttern Hülsenmuttern verbaut.
Nach dem Entfernen der Plastikabdeckungen im Heckfender wurden die Öffnungen zuschweißen und das Heck ca. 6 cm kürzen lassen. Bei der Wahl eines breiteren Hinterrades fiel die Wahl auf eine 4.5×16 Felge mit TÜV Gutachten von TTS. Als Reifen wurde der Metzeler ME 880 Marthon 180/70 B16 81 H gewählt.
Es wurde auch der Lenker, die Griffheizung und die Griffe umgebaut. Der neue Lenker ist von Fehling und hat die Bezeichnung „Flyer-Bar Small“. Er kommt mit TÜV-Gutachten und kann problemlos eingetragen werden. Mit einer Breite von 850 mm passt er perfekt in das Gesamtbild der Maschine. Der Lenker ist 56 mm hoch und somit etwas angenehmer zu fahren, als ein Drag-Bar.
Im Zuge des Lenkerumbaus wurde gleich eine Griffheizung von Heat Demon mit eingebaut. Auf Grund der sehr guten Anleitung war der Einbau kein Problem.
Weitere Aspekte beim Hinterradumbau
Manchmal werden die Distanzhülsen, die auf der Hinterachse stecken beim Rad/Reifenwechsel vertauscht, was dann auch schon mal zur Folge hat, daß das Hinterrad nicht da sitzt, wo es hingehört. Das erkennt mann ggf. an einem nicht fluchtig laufenden Antriebsriemen, wenn es gravierend ist, spätestens wenn der Riemen ungleichmäßig und/oder früher verschleißt.
Es gab auch den Fall, dass sich kurz nach einem Reifenwechsel das Rad um einige wenige Zentimeter verstellte. Man hörte es jedoch sofort, da es an der Beltabdeckung leicht schabte.
Breite Hinterreifen und Heckumbau
Viele Biker bezeichnen den Dunlop MT90B 16-Gummi, mit dem Softails das Werk in Milwaukee serienmäßig verlassen hat, als Asphaltspalter. Und doch muss ein breites Heck die Wichtigkeit ihrer Harleys betonen. So avanciert heute der 200er und 230er, lange extremste reguläre Motorrad-Hinterreifendimension bei Custom-V-Twins, zum gefragten goldenen Mittelweg in Sachen Heckumbau.
Auf einer sieben Zoll breiten Felge macht sich zum Beispiel der Metzeler Marathon 200/70-15 mit einem Kantenmaß von mehr als 215mm und auf einer sieben und Zoll Felge und 230er mit einem Kantenmaß von 235mm optisch ganz schön wichtig. Dabei gilt er aber immer noch als recht problemlos fahrbar und absolut tourentauglich. Zudem lässt sich ein Heckumbau in dieser Dimension noch bezahlen. Doch Vorsicht! Selbst beim Einbau eines vorgefertigten Kits gibt es einiges zu beachten und anzupassen.
Vormontage und Anpassung des Big-Wheel-Kits erfolgen mit dem Komponenten im Rohzustand. Nach erneuter Demontage erhalten sie ihr Lackfinish.
HPU Big-Wheel-Kit
Mit dem komplett getüvten 7“-Big-Wheel-Kit bietet HPU in Erbach Ringingen einen in Schrauberkreisen populären 200er Heckumbausatz in drei Ausbaustufen.
- Kit 1 umfasst Breitreifenschwinge mit Rahmendistanzachse und Excentern, 25mm Sprocket-Shaft-Kit sowie alle benötigten Kleinteile.
- Kit 2 beinhaltet darüber hinaus ein 80-speichiges 7“-Hinterrad wahlweise in Chrom oder Edelstahl
- Kit 3 neben dem Hinterrad auch eine Billet-Vierkolben-Bremszange inklusive Bremsanker und Bremsgestänge.
Vorbereitung
- Sitzbank, Heckfender inklusive Elektrik, hintere Bremszange, Halterung und Scheibe, Stoßdämpfer, Schwinge, komplette Primär-Antriebseinheit, Getriebe mit Grundplatte und Sprocket-Shaft demontieren.
- Schwingenlager aus Originalschwinge auspressen.
- Linkes originales Schwingenlager von außen in die Schwinge pressen und Seegeringaußen einsetzen. Dann Rahmendistanzachse ausmessen und eventuell um 1 bis 2 mm abnehmen.
Montage
- Reifen auf Rad ziehen.
- Sprocket Spacer sowie Belt Sprocket provisorisch an Doppelflansch-Radnabe befestigen.
Achtung: Bei 230er Bereifung muss original Beltpulley auf 29 mm abgedreht werden. Der Riemen muss ausgetauscht werden.
Achtung, bei distanzieren des Pulleys beachten: Abstand zwischen Belt und Reifen mindestens 5 mm, da speziell neu aufgezogene Reifen sich im Fahrbetrieb noch weiten.
Achtung, bei Montage von Bremsscheibe und Bremszange beachten: Billet Vier- und Sechskolbenzangen zusammen mit Bremsscheibe montieren, da Nachmontage auf bereits befestigter Bremsscheibe nicht mehr möglich ist.
Getriebe-Grundplatte
- Getriebe-Grundplatte mit 25mm Versatz montieren.
- Getriebe mit vier der fünf originalen Getriebebolzen installieren, jedoch nicht festschrauben.
- Rechten Getriebestehbolzen heraus drehen und mit Madenschraube verschließen.
- Bolzen können 1 bis 2mm zu lang sein dadurch an Stoßdämpfern anliegen. Fünfte Schraube wird durch Haltepalette ersetzt.
- Getriebebolzen und Muttern um entsprechende Distanz kürzen und Gehtriebe wieder lose montieren.
Lichtmaschinenrotor
- Glocke von Lichtmaschinenrotor abziehen.
- Sekundärbelt auf Getriebepulley aufsetzen.
- Dichtmasse (Silikon-Spezial, Temperaturbereich -50°C bis +220°C) motorseitig auf 25mm Primär-Spacer auftragen.
- Primär-Spacer auf Motorgehäuse aufsetzten und festdrücken.
- Dichtmasse auf Primärgehäuse auftragen.
- Vier Primär-Spacer-Schrauben herrichten (5/15“ UNC-Gewinde, 2,5“ Länge)
- Sechs neue Sicherungsbleche bereithalten (OEM 33318-85)
- Inneren Primär montieren und über Kreuz anziehen (Drehmoment: siehe Handbuch), dabei Sicherungsbleche und Schrauben nicht vergessen!
Fenderstruts und Fender
Fenderstruts exakt biegen und einbauen. Fender montieren.
Alternative Hinterräder für Sportster Super Low
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Hinterrad einer Sportster Super Low zu modifizieren. Letztlich stellt sich irgendwann wohl die Frage nach dem sich einstellenden Gesamterscheinungsbild, da die meisten alternativ realisierbaren Dimensionen in Ermangelung entsprechender LM Räder auf einem Speichenrad basieren.
Also in der Bucht oder im Kleinanzeigenableger nach einer kompatiblen (ABS-Lager?) Sportster Hinterradnabe und mit dem entsprechenden Felgenring für die favorisierte Bereifungsgröße neu aufbauen lassen.
Was auch gut zum Erscheinungsbild passen könnte, wäre ein 3x16 Scheibenrad, wie es in einigen Sportstermodellen schon serienmässig verbaut war. Als passenden Reifen für alle Witterungsbedingungen habe ich von meiner FXDX den Dunlop K 591 Elite SP in 150/80x16 in guter Erinnerung.
Mit kleinen Modifikationen der inneren Fenderbefestigungsteile ist auch ein gut eingemessenes 4,5/5,00/5,5x16" breites Speichenrad verwendbar, das dann mit dem hochgelobten AVON COBRA in 180/60 R 16 zu bestücken ist, der einen Raddurchmesser von 640mm generiert. Diese Grösse und diese Bereifung sind das Standardprocedere der Nightster und FortyEight Gemeinde.
Natürlich müssen abweichende Rad- und/oder Reifengrössen einer Änderungsabnahme vorgeführt werden.
Reifenfreigabe
Es genügt also die Übereinstimmung von Reifendimension und Tragzahl. Die versicherungstechnisch relevante Freigabebescheinigung vom Reifenhersteller gilt aber nur für die in der Freigabebescheinigung angegebene Paarung vorne/hinten. Wenn es für die Sporty auch den passenden Vorderreifen gibt, kann man den Roadtech als Alternative zum umstrittenen Serienreifen Scortcher ruhigen Gewissens montieren.
Fahrwerk und Stoßdämpfer
Ein sicheres Fahrgefühl wird letztlich nicht allein nur über die Reifen erzeugt. Zu einem nicht unerheblichen Teil tragen auch die Feder/Dämpferelemente dazu bei.
Da sollte es doch ein guter Ansatz sein, sich nebenher einmal um etwas höherwertigen Ersatz für die recht dürftig arbeitenden ‘alten‘ Stossdämpfergeneration zu kümmern. Es nutzt ja herzlich wenig, in Umbaukomponenten für technisch bessere Bereifungsmöglichkeiten zu investieren, wenn die zugehörigen Fahrwerkskomponenten nicht in der Lage sind, einen adäquaten Bodenkontakt bereitzustellen.
Öhlins bewirbt gerade die neue STX Stossdämpferserie für Custom Bikes.
Alternativ könnte sich auch die neue HD Stossdämpfergenaration für Sportstermodelle anbieten.
Preislich dürften Öhlins und die neuen HD Stossdämpfer in etwa gleichziehen.
Zumindest die neuen HD Stossdämpfer konnte ich im vergangenen Jahr schon mal auf Herz und Nieren testen und aussagen, das diese einen wesentlich besseren Job machen, als die alte Dämpfergeneration. Diese Tatsache war u.a.ausschlaggebend meine junge 2015er 48 von jetzt auf gleich abzugeben und eine 2016er 48 zu ordern.
Die von RK103 empfohlenen Pirelli Angel GT in Verbindung mit besseren Stossdämpfern sollten Gittas Problem mindestens eben so gut lösen können, wie der angedachte Radumbau.
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