Die Debatte um die Lärmbelästigung durch Motorräder, insbesondere Harley-Davidson, ist aktueller denn je. Viele Fahrer schätzen den Sound ihrer Maschinen, doch Anwohner und Gesetzgeber fordern Maßnahmen zur Lärmreduzierung. Hier werden die Ursachen und möglichen Lösungsansätze beleuchtet.
Ursachen für laute Motorräder
Es gibt verschiedene Gründe, warum Harley-Davidson Motorräder und andere Modelle als laut wahrgenommen werden:
- Offener Motor und viel Leistung: Ein leistungsstarker Motor erzeugt von Natur aus mehr Geräusche.
- Ältere Baujahre: Für ältere Motorräder gelten oft höhere Geräuschwerte.
- Nachrüstschalldämpfer: Viele Fahrer rüsten ihre Harleys mit lauteren Auspuffanlagen auf.
- Herstellerseitige Tricksereien: Einige Hersteller nutzen Auspuffklappen und Drosselklappensteuerungen, um die Geräuschentwicklung außerhalb der Testzyklen zu erhöhen.
- Fehlende Einsicht: Einige Fahrer legen es bewusst darauf an, durch Lärm Aufmerksamkeit zu erregen.
Weil die meisten Menschen meinen, dass leistungsstarke Motoren automatisch laut sein müssen, was allerdings nicht stimmt. Leider unterstützt das der Gesetzgeber, indem er stärkeren Motoren höhere Geräuschemissionen zugesteht.
Die Fahrer wollen gehört werden.
Solange es in der rechtlichen Toleranz ist, wieso sollte es die Polizei auch stören. Die kontrollieren das schon auch, sehen auch eigentlich sofort, ob der dB-Killer drin ist...
Gesetzliche Regelungen und Kontrollen
Das Geräuschverhalten von Kraftfahrzeugen wird in EU-Vorschriften und in internationalen Vorschriften der UN (UNECE-Regelungen) sowie im nationalen Recht im Rahmen der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) geregelt. Die Genehmigungs- und Zulassungsregelungen reichen bislang allerdings nicht aus.
Die Polizei achtet bei Kontrollen darauf, ob ein Katalysator vorhanden ist und ob die Geräuschwerte im Rahmen liegen.
Im Fahrzeugschein sind als Standgeräusch „97“ und als Fahrgeräusch „84“ eingetragen.
Allerdings lässt diese Messung nur bedingt Rückschlüsse auf andere relevante Betriebszustände zu. Aus Gründen der Verhältnismäßigkeit wäre eine vereinfachte Fahrgeräuschprüfung „Geräuschmessung light“ eine Möglichkeit, Motorräder oder Motorroller im Rahmen von Verkehrskontrollen umfassender zu überprüfen.
Einige von euch haben mir PM übersandt mit dem Tenor:sei doch tolerant. Warum? Warum soll _ich_ und viele tausend andere jeden Tag tolerant sein gegen Lärm, der kropfunnötig ist und eine der Hauptursachen für viele Krankheiten in unseren Städten ist (Lärminsgesamt nicht nur von Harleys, den meisten Lärm kann man jedochnicht verhindern).
Neue Geräuschvorschriften ab 2016
Neue Geräuschvorschriften, die Anfang 2016 greifen, erschweren künftig Tricksereien und könnten für Ruhe sorgen.
Die Norm ist zwar schon seit dem 1. Januar 2014 in Kraft, wird ab Anfang nächsten Jahres jedoch verpflichtend für die "Bedingungen für die Genehmigung der Krafträder hinsichtlich ihrer Geräuschentwicklung", wie es im besten Bürokratendeutsch heißt.
Je nach Leistung-Masse-Verhältnis der Maschine ist der maximale Schallpegel auf 73 bis 77 dB(A) begrenzt - und zwar in unterschiedlichen Fahrzuständen.
Testzyklus-Erkennung über die Motorsteuerung und Auspuffklappensteuerungen sind ausdrücklich verboten.
Die UNECE-Spielregeln gelten lediglich für neu typgeprüfte Fahrzeuge. Es besteht sogenannter Bestandsschutz für etablierte Modelle - und auch für Nachrüstschalldämpfer, die bereits im Markt sind.
Die Neuregelung nach UNECE-R 41.04 greift inhaltlich theoretisch auch für Zubehörauspuffanlagen - allerdings in der spezifischen UNECE 92.01, die erst 2020 Pflicht wird.
Es sind eine Vielzahl von Exemplaren mit Klappensystemen zu haben, die mechanisch mit wenigen Handgriffen oder elektronisch per Knopfdruck verstellt werden können. Zudem können dämpfende Einsätze - sogenannte dB-Eater oder dB-Killer - meist kinderleicht entfernt werden.
Regelmäßige Produkttests der Redaktion MOTORRAD belegen, dass diese Nachrüstanlagen häufig höhere Fahrgeräuschpegel haben als erlaubt. Solche Schalldämpfer haben ihre Typgenehmigung meist im europäischen Ausland erhalten.
Maßnahmen zur Lärmminderung
Um die Lärmbelästigung durch Motorräder zu reduzieren, gibt es verschiedene Ansätze:
- Strengere Kontrollen: Die Einhaltung der Geräuschwerte muss konsequenter überwacht werden.
- Verschärfung der Gesetze: Die Strafen für Manipulationen an Auspuffanlagen sollten erhöht werden.
- Technische Lösungen: Die Entwicklung von lärmarmen Motorrädern mit alternativen Antriebstechniken wie Elektroantrieb sollte gefördert werden.
- Rücksichtnahme: Motorradfahrer sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und unnötigen Lärm vermeiden.
- Dialog: Anwohner und Motorradfahrer sollten miteinander ins Gespräch kommen, um gegenseitiges Verständnis zu fördern.
Der Bundesrat bittet die Bundesregierung, die Initiative „Silent Rider” und ähnliche Initiativen zu unterstützen.
Die Bundesregierung entscheidet jetzt, ob sie den Beschluss an an die EU-Kommission weiterleitet, um das Anliegen aus NRW in der EU rechtswirksam durchzusetzen.
Der Bundesrat bittet die Bundesregierung, sich bei der EU-Kommission für strengere Lärmemissionswerte durch Verschärfung der in der EU geltenden Grenzwerte bei der Genehmigung und Zulassung neuer Motorräder einzusetzen.
Der Bundesrat bittet die Bundesregierung, die Strafen bei Manipulationen am Auspuff, Luftfilter sowie bei sonstigen Eingriffen, die eine erhebliche Steigerung der Lärmemissionen zur Folge haben, deutlich zu verschärfen.
Der Bundesrat fordert die Bundesregierung auf, Motorsteuerungen an Motorrädern zu verbieten, die individuell vom Fahrer einstellbare Soundkulissen („Sound-Design“) ermöglichen und durch welches störende und belästigende Geräusche erzeugt werden können.
Der Bundesrat bittet die Bundesregierung, den Umstieg auf nachhaltige und lärmarme Mobilität in Form von lärmarmen Motorrädern mit alternativen Antriebstechniken wie den Elektroantrieb zu unterstützen.
Der Bundesrat bittet die Bundesregierung sich für wirksame Messverfahren einzusetzen, um die rechtlichen, technischen und personellen Kontrollmöglichkeiten bei offensichtlich überlauten Motorrädern auszuweiten.
Beispielhafte Initiativen und Maßnahmen
- Silent Rider Initiative: Förderung des Verständnisses und der Toleranz zwischen Verkehrsteilnehmern durch eine bundesweite Kampagne.
- Ordnungspartnerschaft Motorradlärm (Sauerland): Gemeinsame Initiative von Gemeinden und Polizei zur Bekämpfung von Motorradlärm.
- Streckensperrungen: Als "Ultima Ratio" werden Strecken für Motorräder gesperrt, um die Lärmbelästigung zu reduzieren.
Tabelle: Lärmgrenzwerte und Bußgelder
| Land/Region | Maßnahme | Bußgeld |
|---|---|---|
| Österreich (Tirol) | Fahrverbot für Fahrzeuge mit über 95 dB Nahfeldgeräusch | 220 Euro |
Die Rolle des Fahrers
Letztlich liegt es auch an den Motorradfahrern selbst, einen Beitrag zur Lärmminderung zu leisten. Rücksichtnahme und die Einhaltung der Verkehrsregeln sind entscheidend, um Konflikte zu vermeiden und die Akzeptanz für das Hobby Motorradfahren zu erhalten.
Motorradfahren geht auch ohne Belästigung anderer und macht trotzdem Spaß.
Verwandte Beiträge:
- Harley Davidson Holzbild: Individuelle Wanddekoration für Fans
- Harley Davidson Softail Satteltaschen: Modelle, Kaufberatung & Tipps
- Harley Davidson Evo Motor neu: Kaufberatung, Preise & Tuning
- Harley Davidson BSL Auspuff: Test, Sound & Kaufberatung
- Hüftschmerzen beim Motorradfahren? Die Ursachen enthüllt & effektive Behandlungstipps!
- Shimano Schraubkranz Entfernen Leicht Gemacht – Die Ultimative Schritt-für-Schritt Anleitung!
Kommentar schreiben