Harley-Davidson ist bekannt für Evolution statt Revolution. So wurde der 2024er Jahrgang behutsam gepflegt, ohne den ursprünglichen Charakter der Road Glide anzutasten.
Ja, so oder zumindest so ähnlich stellt man sich einen amerikanischen High-Reisedampfer vor. Harley-Davidson reiht die mächtige Road Glide dann auch in die Familie seiner „Grand American Touring“-Motorräder ein. Dass der Modellname durchaus doppelt zu verstehen ist, ist die große Überraschung des immerhin 380 Kilogramm schweren Baggers.
Motor und Leistung
Die Feinarbeit bringt etwas weniger Gewicht und eine optimierte Aerodynamik sowie dem mächtigen luft-/ölgekühlte V2 noch einmal ein paar PS und Newtonmeter mehr. Es bleibt aber auch mit 109 PS bei heutzutage eher bescheiden anmutender Leistung, aber es gibt eben auch üppige 175 Newtonmeter Drehmoment. Und die schieben die Schwermetall-Fuhre druckvoll nach vorne. Gleichwohl ist die Road Glide eine der wenigen Maschinen bisher, bei der wir ganz bewusst bevorzugt zum Fahrmodus „Sport“ gegriffen haben.
Bei 1800 bis 2000 Umdrehungen legt der 1,9-Liter-Motor beim Anfahren letztes leichtes Zucken ab. Im dritten Gang geht es ohne Murren geschwindigkeitskonform mit 3000 Touren durch die geschlossene Ortschaft. Im letzten Gang stehen dann bei dieser Drehzahl knapp 90 km/h auf dem Tacho. Bei 5500 Touren errötet die 175 km/h schnelle Road Glide dann.
Der fast zwei Liter große V-Twin liebt untertouriges Cruisen und verbreitet ab 1.500 Touren souveräne Gelassenheit. Den Durchzugstest im großen Gang meistert er ab 1.500 Touren noch mit souveräner Gelassenheit. Bei niedrigen Drehzahlen im hohen Gang kann die Harley glänzen.
Fahrverhalten und Handling
Die mächtige Erscheinung der immerhin fast 95 Zentimeter breiten und über 2,40 Meter langen Maschine mit der üppigen „Sharknose“-Front flößt zunächst einmal Respekt ein. Auch wenn man etwas höher als auf der artverwandten Street Glide positioniert wird, sobald man darauf sitzt, beruhigt sich das Gemüt wieder. Die Ergonomie passt und die Maschine fühlt sich schon im Stand bei allem Gewicht gut händelbar an.
Hier kommen wir auch schon zu der großen Überraschung: Die Road Glide entpuppt sich trotz ihrer Masse auf deutschen Landstraßen als überaus agil, präzise dirigierbar und erfreulich kurvengierig sowie äußerst spurtreu. Da liegt die Betonung in der Modellbezeichnung plötzlich nicht mehr auf dem Gleiten, sondern auf dem ersten Wort, zumal die 380 Kilo straff gedämpft sind. So haben wir bevorzugt die dynamischste Fahrstufe mit Freuden ausgekostet.
Obwohl die Schräglagenfreiheit genretypisch begrenzt ist, arbeiten in der modernen Cartridge-Gabel hochwertige Komponenten. Auch die Abstimmung der Federbeine am Heck fällt beinahe sportlich aus. Gemeinsam mit der Metzeler-Cruisetec-Bereifung ergibt diese Kombination ein erstaunlich leichtfüßiges Handling, das die Pfunde während der Fahrt vergessen lässt.
Die Bremsen sprechen hüben wie drüben angenehm früh an, lassen sich exakt dosieren und verzögern wirkungsvoll. Der Kupplungshebel macht dem schweren Hobel allerdings jede Ehre und verlangt recht viel Kraft. Ungewöhnlich ist die Doppelbelegung der links und rechts gesondert platzierten Blinkerschalter. Sie sind doppelt belegt.
Der Wechsel der Fahrprogramme zeigt, dass es auch einfach gehen kann: Ein kurzes Drücken und die Sache ist flugs erledigt. „Rain“, „Road“ und „Sport“ heben sich dabei ausreichend deutlich von einander ab, so dass alle durchaus ihre Berechtigung haben (alternativ gibt es noch eine „Custom“-Einstellung).
Komfort und Ausstattung
Die Verkleidung macht ihre Arbeit ordentlich: Bei einer Fahrt durch einen stärkeren Regenschauer wurden zwar die (wasserdichten) Stiefel und die Schulter sowie der Helm nass, aber der Rest blieb trocken. Zudem wartet die Harley hier mit zwei Besonderheiten auf. Die mächtige Front verfügt über eine verstellbare Lüftungsklappe, deren Sinn und Wirksamkeit uns aber ehrlich gesagt nicht erschlossen und gezeigt hat. Eine deutlich bessere Idee sind da die beiden verstellbaren Windabweiser vor den Beinen, die je nach Bedarf mehr kühlende Luft durchlassen oder kalten Fahrtwind fernhalten.
Auch ansonsten mangelt es der Road Glide neben den Bagger-Koffern nicht an Komfortextras wie Navigationssystem mit Tourenaufzeichnung und Radio samt Lautsprechern sowie zwei gepolsterten Ablagefächern vorne, eines davon mit USB-Anschluss. Ein Tempomat, ein Voltmeter, Reifendruckkontrollsystem und Bluetooth sowie eine Freisprecheinrichtung für Kommunkationssysteme gehören ebenfalls zur Bordausstattung. Ein Bluetooth-Headset von Cardo spendiert Harley gleich mit.
Als tadellos ablesbar präsentieren sich die analogen Rundinstrumente, die zwischen den beiden großen Lautsprechern sitzen. Das zugehörige Boom!-Box-GTS-Infotainment-System wird über einen großen Touchscreen unterhalb der Runduhren gesteuert, der sich auch mit Handschuhen sicher bedienen lässt. Neben einem integrierten Radio und der Möglichkeit, Medien über SD-Karte oder USB-Anschluss einzuspeisen, beinhaltet es ein Navigationssystem und auch Bluetooth-Geräte lassen sich mit der Harley koppeln.
Verbrauch
Der Tank fasst knapp 23 Liter. Mit 22 bis 19 Kilometern pro Liter unterboten wir laut Bordcomputer den Normverbrauch übrigens deutlich. Und der Tankdeckel schließt nach der Modellpflege nun auch endlich bündig ab.
Sollte sich jemand für den Verbrauch interessieren: Es sind genormte 6 Liter je 100 Kilometer, die in Kombination mit dem Tankvolumen von 22,7 Liter eine theoretische Reichweite von 378 Kilometern bieten.
Verbrauchsdaten:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Tankvolumen | 22,7 Liter |
| Normverbrauch | 6 Liter / 100 km |
| Theoretische Reichweite | 378 km |
Besonderheiten der Harley-Davidson Street Glide Special
Bereits die Farbe unserer Testmaschine ist nichts für Introvertierte. Bist du mit ihr unterwegs, kriegt das tatsächlich jeder mit.
Passiv fällt die Ergonomie im tiefen Sitz mit den vorn positionierten Trittbrettern aus. Weit zum Fahrer hin recken sich die nach unten gerichteten Lenkerenden. Wirklich unbequem finde ich diese Sitzposition nicht, kleineren Fahrern passt sie aber sicherlich besser als mir. Beim Griff zur Kupplung sind wiederum Bud Spencers Pranken hilfreich. Der nicht einstellbare Kingsize-Hebel ist vom Lenker weit entfernt.
Harley-Davidson Street Glide Ultra 2025
Mit mehr Drehmoment und Hubraum, mehr Stauraum, einer neuen Optik und weniger Gewicht distanziert sich neue die Harley-Davidson Street Glide Ultra 2025 von ihrer Vorgängerin. Die neue Harley-Davidson Street Glide Ultra basiert auf der 2024er-Street Glide mit der neuen Nase und dem größeren Motor. Aufgebohrt auf die namengebenden 117 cubic inch, was 1.923 Kubikzentimeter entspricht, misst der V2 zwar nur 55 Kubik mehr als der "alte" 114er-Motor, doch diese 11 Hände voll Hubraum tragen so viel mehr mit.
Die wesentlichen Änderungen der Harley-Davidson Street Glide Ultra 2025 sind:
- Weniger Gewicht
- Mehr Stauraum
- Mehr Drehmoment
Die neue Ultra mit 109 PS statt bisher 88 PS, wächst das Drehmoment von 160 Nm auf 175 Nm. Es sind genormte 6 Liter je 100 Kilometer, die in Kombination mit dem Tankvolumen von 22,7 Liter eine theoretische Reichweite von 378 Kilometern bieten.
Nicht nur hat der Motor der neuen Harley-Davidson Street Glide Ultra mehr Hubraum, Leistung und Kraft, er muss damit sogar weniger Gewicht beschleunigen. 23 Kilo ist die neue Ultra fahrbereit leichter als die alte Ultra Limited, wobei sie mit 393 Kilo fahrbereit weiterhin schwer bleibt. Interessant: Mit diesem fahrfertigen Gewicht ist sie sogar um 6 Kilo leichter als die 114er-Ultra trocken. Was umso beachtlicher ist, da die Street Glide, auf der die Ultra basiert, im Vergleich zur Vorgängerin nur 7 Kilo an Gewicht verlor.
137 Liter Stauraum bietet die neue Harley-Davidson Street Glide Ultra 2025, wobei das Plus im Vergleich zur Ultra Limited durch die neuen Fächer in den Beinschilden kommen dürfte. Sie fassen je 4,2 Liter, in die beiden Koffer passen je Seite knapp 35 Liter und das Top-Case schluckt gut 60 Liter. In Summe kann die Ultra fast doppelt so viel Volumen aufnehmen wie die aktuelle Street Glide 117, auf der sie basiert.
Für mehr Komfort beim Einstellen der Vorspannung hinten verbaut Harley andere Stoßdämpfer. Zwar weiterhin mit 76,2 Millimetern Federweg, dafür muss dank der hydraulischen Fernverstellung kein Koffer mehr entfernt werden. Und wie die Street Glide rollt die neue Ultra vorn auf einem Rad mit 19 Zoll Durchmesser und einem Reifen in 130/60B19 anstatt dem bisherigen 130/70B18. Hinten unverändert auf einem 180/55 B 18.
Zu haben ist die neue Harley-Davidson Street Glide Ultra ab 33.290 Euro. Zu diesem Preis im Basis-Lack Biliard Grey und mit verchromtem Motor sowie verchromter Gabel und ebensolchem Auspuff.
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