Harley Davidson Vergaser richtig einstellen: Eine umfassende Anleitung

Damit der Motor ohne Stottern startet, muss der Vergaser das richtige Benzin-Luftgemisch liefern. Von Zeit zu Zeit muss der Vergaser eines Motorrades, Motorrollers oder auch Mopeds eingestellt werden. Wird dies nicht gemacht, können dadurch unterschiedlichste Probleme an dem Fahrzeug entstehen. Unter anderem läuft der Motor nicht mehr wie gewünscht und kann stottern oder springt nicht mehr an.

Warum ist es wichtig, den Vergaser korrekt einzustellen?

Ein korrekt eingestellter Vergaser ist die Grundvoraussetzung dafür, dass das Fahrzeug und vor allem der Motor möglichst lange seine Arbeit erfüllt und im Idealfall sehr lange hält. Dabei stellt sich die Frage, ob die oben genannten Aufgaben in Eigenregie durchgeführt werden sollten oder dafür ein Profi beauftragt wird. Das hängt davon ab, ob das technische Fachwissen vorhanden ist, um den Vergaser zu überprüfen und einzustellen. Ist das nicht der Fall, sollte ein Profi die Aufgabe erledigen.

Die Grundlagen der Gemischregulierung

  • Die Luft-Regulierungsschraube: Reguliert die Luftzufuhr in das Leerlaufsystem. Wird die Schraube herausgedreht, wird das Gemisch abgemagert und es strömt mehr Luft in den Vergaser.
  • Die Gemisch-Einstellschraube: Sie befindet sich in der Regel direkt beim Schieber und regelt, wie viel von dem Kraftstoff, der zuvor mit Luft vermischt wurde, in das Saugrohr gelangt.
  • Die Hauptdüse: Bestimmt, wie der Vergaser unter einer kompletten Last reagiert. Wird eine größere Düse gewählt, muss mehr Kraftstoff und weniger Sauerstoff vorhanden sein.

Verschiedene Vergaser-Typen

In Motorrädern, Rollern oder auch Mopeds werden verschiedene Vergaser verbaut. Diese unterscheiden sich vor allem in der Strömungsrichtung des Kraftstoff-Luftgemisches.

  • Der Schrägstromvergaser: Die Luft wird angesaugt und dann schräg nach unten in den Vergaser abgeführt.
  • Der Flachstrom-Vergaser: Er leitet die Ansaugluft von oben nach unten ab und wird über den Ventilen installiert.
  • Der elektronische Vergaser: Hier erfolgt eine elektronische Gemischaufbereitung für Ottomotoren.
  • Der Steigstromvergaser: Die Ansaugluft wird von unten nach oben geleitet.
  • Der Gleichdruckvergaser: Wird häufig auch Stromberg-Vergaser genannt und kommt vor allem in Harley Davidsons zum Einsatz.
  • Der Schiebervergaser: Hier kommt ein Schieber zum Einsatz, der den Gemisch-Strömungsquerschnitt anpassen kann.

Problemanalyse und typische Probleme beim Vergaser

  1. Kaltstartschwierigkeiten: Motor springt nur widerwillig an, geht immer wieder aus. Mögliche Ursachen:
    • Benzin gelangt nicht in den Vergaser
    • Dreck in der Schwimmerkammer
    • Leerlaufdüse zugesetzt
    • Chokedüse zugesetzt
    • Chokebetätigung hängt
  2. Warmstartschwierigkeiten: Motor dreht nur stotternd hoch, raucht schwarz aus dem Auspuff, Zündkerze wird "nass". Mögliche Ursachen:
    • Zuviel Benzin im Vergaser
    • Chokebetätigung hängt in Position "offen"
    • Gemischregulierschraube zu weit ausgedreht oder Luftregulierschraube zu weit eingedreht
  3. Während der Fahrt: Motor zieht nicht richtig, reagiert beim Gasgeben träge und "verschluckt" sich, Motor wird zu heiß. Mögliche Ursachen:
    • Motor läuft mit zu magerem Gemisch
    • Nicht genügend Sprit in der Schwimmerkammer
    • Tankentlüftung verstopft
    • Vergasereinstellung falsch
    • Schwimmerstand zu niedrig
    • Falschluft wird angesaugt

Vergaser richtig abstimmen

  • Leerlauf- oder Standgasdrehzahl: Je nach Motorkonfiguration liegt die Leerlaufdrehzahl zwischen 900/min (bei großen V2-Motoren), 1.200/min (beim großen Vierzylinder) bis hin zu ca. 1500/min (beim Einzylinder).
  • Einstellen der Leerlaufdrehzahl: Beim Ein- oder Zweizylindermotor mit einem Gaszug pro Vergaser wird das Standgas am Anschlag des Gasschiebers eingestellt.
  • Gaszugspiel ("Leerweg am Gasgriff"): Der Gasgriff muss sich um einen bestimmten Betrag bewegen lassen, ohne dass sich die Drehzahl erhöht.
  • Leerlaufluft-Regulierschraube: Ihre Standardöffnung liegt bei 1 1/4 bis 1 3/4 Umdrehungen "offen".
  • Leerlaufgemisch-Regulierschraube: Auch ihre Standardeinstellung liegt bei 1 1/4 bis 1 3/4 Umdrehungen "offen".
  • Düsennadel: Sie ist konisch geformt. Beim Gas geben gibt die Düsennadel entsprechend zur Bewegung des Gasschiebers einen größeren Ringspalt zum Düsenstock frei, so dass mehr Benzin durchlaufen kann.

Einstellarbeiten: Schritt für Schritt

Voraussetzungen: Motor ist mechanisch in Ordnung, Luftfilter sauber, Zündkerzen okay, Ventilspiel eingestellt.

  1. Motor warmlaufen lassen, am besten zehn Kilometer mit mittlerer Drehzahl sanft warmfahren.
  2. Leerlaufdrehzahl einstellen.
  3. Gaszugspiel einstellen bzw. kontrollieren.
  4. Bei Zweizylindermotoren: Anschlüsse zum Luftfilterkasten lösen und von den Vergasern abziehen, so dass freie Sicht auf beide Gasschieber besteht. Dann langsam Gas geben: Beide Gasschieber müssen den Vergaserquerschnitt gleichmäßig freigeben.
  5. Ansprechverhalten aus Standgasdrehzahl einstellen: Motor starten, Luftregulierschraube bzw. Gemischregulierschraube ganz fein ein- bzw. ausdrehen, bis der Motor kurz vor dem Absterben ist. Dann um eine 1/4 Umdrehung zurückdrehen.
  6. Anschließend stoßweise Gas geben, dann "Gas zu" und die Leerlaufdrehzahl wieder stabil absinken lassen.

Zweitakter und Viertakter: Unterschiede beim Einstellen

Zweitakter und Viertakter weisen einige Unterschiede auf und das zeigt sich auch beim Einstellen. Viertakt-Vergaser sind in der Regel mit Beschleunigerpumpen ausgestattet. Dadurch ist mehr Leistung möglich, selbst wenn dieser Vergaser etwas fetter läuft. Der Viertakt-Motor kommt außerdem ohne spezielles Gemisch zwischen Öl und Benzin aus.

Weitere Tipps und Hinweise

  • Ein Zweitakter muss in Bezug auf den Vergaser in regelmäßigen Abständen geprüft und gewartet werden.
  • Wenn das vorhandene Gemisch zu fett ist, wird der Sprit nicht komplett verbrannt.
  • Von einem mageren Gemisch wird gesprochen, sobald der Luftanteil deutlich zu hoch ist.
  • Wenn der Benzinverbrauch ohne erkennbaren Grund auf einmal ansteigt, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass der Vergaser wieder neu eingestellt werden muss.

Tabelle: Typische Vergaserprobleme und mögliche Ursachen

Problem Mögliche Ursachen
Kaltstartschwierigkeiten Kein Benzin im Vergaser, verschmutzte Düsen, defekte Chokebetätigung
Warmstartschwierigkeiten Zu viel Benzin im Vergaser, hängende Chokebetätigung, falsche Gemischregulierung
Schlechte Leistung während der Fahrt Mageres Gemisch, verstopfter Benzinschlauch, falsche Vergasereinstellung, Falschluft

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0