Hätte, Hätte, Fahrradkette: Herkunft und Bedeutung einer Redewendung

Die Redewendung "Hätte, hätte, Fahrradkette" taucht einfach so in der sprachlichen Pipeline auf und führt ein hartnäckiges Dasein. Sie gilt im Deutschen als Neologismus der 2010er Jahre und beendet eine spekulative Diskussion über einen anderen Verlauf der Vergangenheit.

Ursprung und Verbreitung

Die Redewendung fand aber bereits einige Jahre zuvor beispielsweise in der Fernsehserie Stromberg mit Christoph Maria Herbst sowie anderen vereinzelten Situationen Verwendung. Weitere Verbreitung erfuhr sie durch die Verwendung durch den damaligen Kanzlerkandidaten der SPD Peer Steinbrück in einem Interview mit der ARD am 12. April 2013 im Rahmen einer Diskussion um den damaligen Wahlkampfslogan der Partei.

Auszug aus dem Wortlaut des Interviews:

Interviewer [zum Zuschauer]: "[…] Kennen Sie zum Beispiel die Firma 'propartner' und ihren Werbespruch 'Das Wir entscheidet.'? Die SPD offenbar auch nicht, und hat sich genau für diesen Spruch entschieden. […] Die Reaktionen in den Zeitungen sind entsprechend. […] die taz: "Zu blöd zum Googeln". […] Wir sind nun live in Hamburg mit Peer Steinbrück verbunden, […] Ich nehme an, Sie mussten ehrlich auch grinsen, als Sie die TAZ gerade gesehen haben, trotz allem Ärger?"

Peer Steinbrück: "Ja, ich musste auch schon grinsen gestern. Auf der anderen Seite: die Aufregung darüber ist ein bisschen unverhältnismäßig."

Interviewer: "Na ja, aber inhaltlich stimmt's doch. Einfache Recherche hätte das doch feststellen können.

Steinbrück (verzieht das Gesicht): "Ja, Herr Lorig, hätte, hätte, hätte Fahrradkette - natürlich hätte das technische Wahlkampf-Management der SPD dies machen sollen.

Bedeutung und Verwendung

"Hätte, hätte, Fahrradkette" wird gesagt, wenn eine Was-hätte-man-besser-machen-können-Diskussion oder ein Was-wäre-wenn-Gespräch über ein vergangenes schlecht verlaufenes Ereignis oder eine vergangene schlechte Entscheidung beendet werden soll. Denn die Diskussion über eine verpasste oder schlechte Entscheidung kann sinnlos sein, da die Entscheidung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann und die spekulative Diskussion darüber, wie die Vergangenheit bei anderer Entscheidung hätte verlaufen können, überflüssig ist.

Es ist Zeitverschwendung darüber nachzudenken, wie die Zukunft verlaufen wäre, wenn die Fehlentscheidung nicht stattgefunden oder die Chance nicht verpasst worden wäre. Denn die Fehlentscheidung lässt sich nicht mehr korrigieren oder rückgängig machen, um den eigenen Wunschvorstellungen zu entsprechen.

Die Diskussion über eine verpasste Chance oder eine schlechte Entscheidung kann aber auch sinnvoll sein. Nämlich dann, wenn erörtert und herausgefunden wird, wie die schlechte Entscheidung zustande kam und warum die Chance verpasst wurde. Diese Diskussion sollte mit dem Ziel geführt werden, dass eine erneute Chance nicht verpasst wird und eine erneute schlechte Entscheidung nicht stattfindet. Ist dieses Ziel erreicht, sollte sich eine weitere Auswertung erübrigen.

Wird die Diskussion über eine schlechte Entscheidung oder verpasste Chance mit der Absicht geführt, darüber zu reden, welche Handlungsoptionen in der Vergangenheit nicht wahrgenommen wurden und welche Folgen damit nicht eingetreten sind, kann solch ein Gespräch schnell sehr abstrakt werden und als überflüssig empfunden werden.

Die Bedeutung bei „hätte, hätte, Fahrradkette“ entsteht durch den verwendeten Konjunktiv („hätte“). Das Beispiel „Hätt der Hund nicht geschissen, hätt er den Hasen gekriegt“, hat die gleiche Bedeutung wie „hätte, hätte, Fahrradkette“. Das Beispiel ist ein Konditionalsatz und zeigt die Bedeutung des Konjunktiv.

Die Verwendung des Wortes „Fahrradkette“ steht nicht für eine besondere Verbindung oder Vorliebe zum Fahrrad. Das Wort „Fahrradkette“ reimt sich einfach gut auf „hätte“. Daher ist der Spruch „hätte, hätte, Fahrradkette“ sehr eingängig.

Synonyme für „Hätte, hätte, Fahrradkette“:

  • Hinterher ist man immer schlauer.
  • Hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen gekriegt.
  • Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär, wär mein Vater Millionär.

Die Kunst der optimalen Entscheidung

Es stellt sich die Frage über die Kunst der optimalen Entscheidung, die optimale Entscheidung für ein perfektes Leben ohne Reue zu treffen. Entscheidungen treffe ich erst einmal umzugehen. Die Angst vor dem Scheitern ist verbunden ist. Das will ich nicht. Meine Entscheidungen zu korrigieren, würde meine Freiheit eingeschränkt.

Die Sehnsucht, Unglück zu verhindern und das Glück herbeizuzwingen, ist groß. In der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Schuld: es ist nicht immer einfach, damit umzugehen.

Es ist wichtig, die eigenen Ansprüche herunterzuschrauben und aufhören, sich mit anderen zu vergleichen, um sich dem Besten im Leben zu nähern. Oder sie mit Enttäuschung selbstquälerisch betrachte. Es geht darum, mit dem eigenen Lebenslauf seinen Frieden zu finden. Es ist nicht möglich, alles rückgängig zu machen.

Es ist wichtig, zu verzeihen und auf gute Fügungen in die Zukunft zu blicken. Das Leben ist mit uns.

Weitere Verwendungen in der Kultur

  • „Hätte, hätte, Fahrradkette: Die Kunst der optimalen Entscheidung“ ist ein Buch von Florian Schroeder. Es erschien 2014.
  • „Hätte, hätte, Fahrradkette: Ein Weser-Radweg-Krimi“ ist ein Buch von Martein Heinzelmann. Es erschien 2019.
  • „Hätte hätte Fahrradkette“ ist ein Lied von SDP feat. Keule. Es erschien 2014 auf dem Album „Bunte Republik Deutschpunk“.
  • Mit „Hätte, hätte, Fahrradkette“ bedruckte T-Shirts und Beutel finden sich auf Amazon.

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