Als Hobby-Fahrer einmal die Herausforderung eines Etappen-Rennens in Angriff nehmen? Das geht bei der Haute Route!
Die Haute Route Alps: Eine Legende
Die Haute Route Alps 2014 führte an 7 Tagen über sagenhafte 904 Kilometer, 19 Pässe und 21 400 Höhenmeter! Das atemberaubende Video fasst das Rennrad-Abenteuer nochmal zusammen.
So wie die Tour de France in der Öffentlichkeit für den Radsport steht, so steht Alpe d’Huez für die Tour. Neben Mont Ventoux, Col du Galibier und Col du Tourmalet gilt Alpe d’Huez als einer der vier heiligen Berge der Tour. Der Klassiker ist die berühmte Südanfahrt von Bourg d’Oisans mit ihren 21 Kurven.
Für mich ist es Motivation: Keinen Anstieg wollte ich je so sehr bezwingen. Ein Berg wie eine Skala. Die persönliche Bestzeit hier: Die Visitenkarte eines Bergfahrers. Mein Ziel: L’Alpe d’Huez.
Es ist mein erstes Mal, mein erstes Mal Alpe d’Huez. Ich bin frisch, ich habe Druck. Ich bin bereit für: 14 Kilometer, 1130 Höhenmeter, 21 Kehren. Wie viel Druck darf ich geben, um nicht zu überziehen? Und: Wie viel Druck muss ich geben, um eine passable Zeit zu fahren?
Meine Alpe-d’Huez-Premiere ist ein Bergzeitfahren im Rahmen des Hobby-Etappenrennens Haute Route.
Die Herausforderung Alpe d'Huez
Die erste Herausforderung: Ein Bergzeitfahren von Bourg d’Oisans hinauf nach Alpe d’Huez. Es geht über: Col du Glandon, Col de la Croix de Fer, Col de Sarenne und Les Deux Alps. Und am Ende immer wieder hier hinauf, hinauf nach Alpe d’Huez. Dreimal hoch, von allen Seiten.
Ein Mittwochabend im Juli, die ersten rollen von der Startrampe in Bourg d’Oisans. Ich komme gerade noch rechtzeitig zu meinem Start. Ankunft am Flughafen in Genf, Transfer nach Frankreich, Rad aus dem Koffer holen, umziehen.
Am gleichen Tag stellte Marco Pantani den bisher ungebrochenen Rekord auf: mehr als eine Minute nahm er Ullrich ab. Er bewältigte den Anstieg in 37:35 Minuten und gewann die Etappe.
Auf den ersten, neutralisierten Kilometern rolle ich einsam über abgesperrte Straßen durch die Stadt, dem Anstieg entgegen. Die große Frage in meinem Kopf lautet: Wie soll ich mir die Kraft einteilen?
An der ersten Kehre sehe ich das erste von 21 kleinen weißen Blechschildern, welche den Leidenden am Anstieg die Anzahl der Kurven bis zum Ziel, bis zur Erlösung, bis zur Alpe, herunterzählen lassen. Jede Kehre ist einem oder zwei Fahrern gewidmet. Wer die Huez-Etappe der Tour de France gewinnt, dem gehört eine Kehre.
Ich fahre an der Schmerzgrenze, nicht darüber, lasse die Verpflegungsstelle aus und überhole Fahrer um Fahrer. Einige überholen auch mich, ich lasse sie ziehen.
Auf halber Höhe passiere ich Huez, fahre durch die Holländerkurve. Hier sehe ich Alpe d’Huez bereits gut, dann geht es wieder an steinernen Wänden entlang. Sie sind zum Teil mit Graffiti besprüht, auch der Boden ist bepinselt.
Schließlich bin ich in den letzten Kurven, allein, umgeben von Felsen. Alpe d’Huez ist nahe, aber es kommt kaum näher. Jetzt, da ich den Zielort im Blick habe, komme ich nicht mehr vorwärts. Ich komme mir unendlich langsam vor.
Irgendwann fahre ich am Ortsschild vorbei. Den Weg kenne ich seit Jahren, ohne je hier gewesen zu sein - vom Fernsehen, von den Übertragungen der Tour de France. Ich erkenne die Häuser, die Kurven. Den Zielstrich.
Der erste, den ich oben erkenne, ist Fränk Schleck. Die kommenden beiden Etappen wird Schleck als Markenbotschafter des Herstellers Mavic mitfahren. Er wird in einer Gruppe mit dem Gewinner der ersten Etappe unterwegs sein: dem Franzosen Cédric Dubois, der am Anstieg die 45-Minuten-Marke nur um ein Sekunde verfehlte.
Neben ihm wird auch die stärkste Frau gekürt: Es ist Emma Pooley, die nach 52:28 Minuten ins Ziel kam.
Die Königsetappe und ihre Herausforderungen
5.30 Uhr, das Frühstücksbuffet wird gerade aufgebaut. Die Croissants kommen frisch aus dem Ofen, sie sind noch zu heiß, um ihr volles Aroma zu entfalten. Draußen ist es noch dunkel. Zwei Tassen Kaffee, Brötchen mit Marmelade. Danach ziehe ich mich um, und rolle zum Start. Die Sonne geht auf, es ist kalt, zehn Grad Celsius. Wir rollen los, erst einmal bergab. Nach knapp 19 Kilometern beginnt die Zeitnahme.
Ich gehe es an wie am Vortag: nur nicht überziehen. Und ich stelle fest: Es ist nicht viel anders, es ist ein Einzelzeitfahren mit gelegentlicher Gesellschaft. Pacing ist alles, denke ich mir und vertraue auf meine Grundlagenausdauer.
Der Glandon liegt im Nebel, vor einem grauen Himmel weht es immer wieder weißgraue Schleier zwischen Bergspitzen. Am Anstieg wird es einsam. Die Spitzengruppe fährt zwar weitgehend geschlossen, wie ich später erfahre. Dahinter fahren aber die meisten ihr eigenes Tempo.
Überschaubare Zahlen - über weite Strecken bin ich alleine unterwegs, einsam auf den Strecken der Tour de France. Einsamkeit mit Blechschildern am Wegesrand, die Distanzen zum Gipfel samt Steigung preisgeben.
Beim Glandon sind die Zahlen nicht erschreckend. Zwar gibt es auf der Südanfahrt von Rochetaillée einige kurze Abschnitte mit mehr als zehn Prozent Steigung. An der Passhöhe wird die Uhr gestoppt.
Es bleibt also Zeit, und viele nehmen sie sich hier oben: Trinkflaschen nachfüllen, Riegel essen, Gels einstecken. Dann geht es in die entspannte Abfahrt, auf 20 neutralisierten Kilometern.
Es folgt: Der Col de la Croix de Fer, gefahren von Saint-Jean-de-Maurienne. 1517 Höhenmeter auf 28,3 Kilometern ergeben eine durchschnittliche Steigung von 5,4 Prozent. Der Himmel geht auf, die Sonne brennt herunter. Ich schwitze, meine Trinkflaschen leeren sich mit jedem Kilometer mehr.
Eine Stunde lang fahre ich langsamer, fülle die Flaschen an einem Brunnen nach. Ich drücke Gels in die Flasche, pures Wasser würde mich jetzt nur ausspülen. Diese Erfahrung habe ich oft genug gemacht, ich will sie nicht noch einmal machen.
Einige von ihnen passiere ich auf meinem langen, langen Weg zum Croix de Fer. Sie kauern in Serpentinen und warten auf den Besenwagen, bleich im Gesicht, niedergeschlagen.
Mal fahre ich steile Serpentinen, echte 180-Grad-Kurven, mal lange Geraden am Hang entlang. Meine Trikottaschen sind leer, mein Hunger wächst. Und mit ihm meine Angst vor dem Hungerast, vor dem Leistungseinbruch, vor dem Aus.
Ich nehme mir Zeit, ich nehme mir Kekse. Ich kaue ruhig, schlucke in meinen trockenen Magen, trinke Wasser dazu. Die Abfahrt: 28 Kilometer. Erholung.
Die Straße führt an zwei Seen vorbei, dem Lac de Grand Maison und dem Lac du Verney. In meinem Kopf: Die Erinnerungen an die Szenen, die Landschaften der Tour de France.
Alpe d’Huez, zum Zweiten. Es ist die Auffahrt von Allemond: 18,7 Kilometer, 1357 Höhenmeter.
Die Beine arbeiten automatisch. Die Muskeln schmerzen. Ich komme ins Ziel, buche eine Massage, dusche, lasse mich massieren, gehe ans Buffet.
Die letzte Etappe: Ein Kampf gegen die Erschöpfung
Ich fahre die 21 Kehren hinab nach Bourg d’Oisans. Die Sonne geht auf, es ist kalt. Mein Rad ist zuverlässig: ein Stahlrad der bayrischen Manufaktur Rennstahl. Ich bin damit ein Exot zwischen den vielen Carbonmaschinen. Der Rahmen ist nicht ultra-steif, bietet aber viel Komfort.
Über Les Deux Alpes geht es auf den Col de Sarenne und von dort ohne viel Verlust an Höhe in Richtung Westen, zurück nach Huez. Zunächst fahren wir die ersten Kehren des klassischen Huez-Anstiegs hinauf.
Zu meiner rechten geht es steil hinab, bis zu 500 Meter tief. Der Blick über das Tal von Oisans und die Berge, die es umgeben, lässt mich ruhig fahren, damit dieser Abschnitt nicht zu schnell vorbei geht. „Genieße es, so viel Du kannst“, hat mir Fränk Schleck geraten.
Nach der Abfahrt geht es an der riesigen Chambon-Talsperre entlang: Bis zum Ende der Dreißigerjahre war sie die höchste Staumauer der Welt. Wieder diese Tour-de-France-Szenerie: Ein Stausee in den französischen Alpen, auf dem das Sonnenlicht glitzert.
Die ersten beiden Kilometer sind heftig, kaum einmal fällt die Durchschnittssteigung in den einstelligen Bereich. Anschließend geht es ruhiger dahin, nach 13 Kilometern und 900 Höhenmetern bin ich oben.
Ich kann noch, aber ich will nicht mehr. Dies sind Höhenmeter, die zu keinem Ziel mehr führen. Höhenmeter, die niemand braucht.
Ich habe die dritte von drei möglichen Auffahrten beinahe geschafft. Ich könnte mich freuen. Aber die Höhenmeter zehren an meinen Nerven. Die Szenerie wird seltsam, sie nervt mich.
Haute Route Weltweit
Haute Route entwickelt sich weiter. Die Serie von Etappenrennen für Jedermann-Radsportler findet nun auch im Mittleren Osten statt. 2019 wird es erstmals eine Haute Route Oman geben. Sie wird von Freitag den 1. März bis Sonntag den 3.
Wie bei jedem Etappenrennen der Haute Route werden Etappen mit Zeitmessung organisiert. Im Einklang mit dem Veranstaltungsprogramm werden Radfahrer aller Leistungsstufen professionell betreut. Es gibt für alle Teilnehmer vollständige logistische, mechanische und medizinische Unterstützung. Mit dabei sind auch Kamera-Teams.
Die Wetterbedingungen sollten passen: wenn die Haute Route Oman im März 2019 stattfindet, sollten die Temperaturen etwa durchschnittliche 20 Grad Celsius betragen.
Weitere Erfahrungen und Herausforderungen im Radsport
Unser Mietwagen steht etwas außerhalb von Meiringen, dem Startort des Alpenbrevet, einem der härtesten Radmarathons, den man in den Alpen fahren kann. Wir sind hier für die Platin-Runde angemeldet: 276 Kilometer bei 7.031 Höhenmetern.
Wir öffnen die Kofferraumklappe unseres Autos, schälen uns aus den nassen Klamotten, unter Stöhnen und Ächzen, und hocken uns mit knarzenden Wirbelsäulen in die Sitze: Nur raus aus dem Lycra, tiefe Schlücke aus der Wasserflasche - endlich mal kein Isozeugs mehr - und eine Handvoll Gummitiere in den Rachen geworfen. Aus, vorbei: Das Alpenbrevet 2014 ist Geschichte.
Wie bescheuert zirkele ich die Sustenstraße durch die kleinen Dörfer, durchfliege Kurven in extremer Schräglage und überhole mindestens 15 Mitstreiter, die es eher gemächlich angehen lassen: Mir tropft Adrenalin aus den Ohren - auf diesen letzten Meilen lege ich einen lockeren 40er-Schnitt hin.
Heiko wird es einige Minuten nach mir über die Ziellinie spülen: Hier beklatschen sie und feiern sie jeden, der dieses Alpenbrevet finished.
So schieben wir unsere Rennräder aus dem Zielbereich, satteln nach 5 Minuten Verweilen auf und machen uns auf in Richtung Auto: Jetzt wollen wir nur noch heiß und sehr lange duschen. Und ein Stück Fleisch, das wäre jetzt genau das Richtige!
Dennoch, ich bin wirklich hoch motiviert. Nur noch diese eintausenddreihundert Meter in die Höhe, dann haben wir das Pensum für heute erfüllt. Der Anstieg zum Susten ist schon kurz nachdem wir Wassen verlassen haben irgendwie langweilig.
Wie gesagt: Richtig kraftvoll oder gar schnell agieren wir hier beide schon lange nicht mehr. Manchmal blicke ich zurück.
Was ich sehen kann, sind allesamt eher ausgezehrte, leere Gesichter. Wir haben zwar erst 140 Kilometer in den Beinen, aber schon mehr als 4.000 Höhenmeter.
Und doch: Der Tag fordert eben seinen Tribut. Je weiter hoch wir kommen, desto dichter werden die Nebelfelder. Sind es weiter unten nur kleine Schwaden, die ebenso schnell vorbeiziehen, wie sie erscheinen, fahren wir nun in eine dichte, kalte und feuchte Suppe.
Elend lange kommt mir diese fast gerade Straße vor. Jede Kurve nährt die Hoffnung, dass hier doch irgendwo die Passhöhe nun langsam mal kommen müsste.
Es scheint, als drehte die Kurbel meine Beine, nicht umgekehrt. Wieder knurrt mir der Magen, zieht er sich schmerzhaft zusammen und signalisiert eine längst überfällige Nahrungsaufnahme.
Dann wird es plötzlich dunkel. Stockdunkel. Ein Tunnel. Eine leichte Kurve, dahinter, am Ausgang, wieder weiße Suppe. Stimmen rufen: "Verpflegung rechts!" und wieder "Verpfölegung rechts!"
Lange können wir hier oben nicht bleiben. 1 Grad Celsius, sagt Garmin nach der Auswertung. Abfahrt bei Nebel! Fast mal Sturzgarantie. Unfall inbegriffen. Sicht bei fast Null.
Vor allem in den Serpentinen überhole ich ein ums andere mal Autos und Mitfahrer. Ein mal halte ich an - Hände unter die Achseln, aufwärmen!
Wirbele die Kurbeln wie ein Irrer. "Schnuddelwupp!", das ist unser Insider heute.
Ich freue mich so auf diesen Pass, weil es einer der großen Namen in meinem Palmerés ist, der fehlt. Gotthard, schon oft drüber gelesen, Fotos gesehen, Geschichten gehört - und nun, endlich, kann ich ihn selbst fahren.
Von hinten spricht mich ein Teilnehmer aus Zürich an. Mit dem Züricher fahre ich einige Kilometer und versinke in einem netten Gespräch.
Egal, wohin man im Anstieg des Gotthard blickt, es ist immer eine überwältigende Aussicht: Schauen wir nach vorn, bergauf, entdecken wir über uns das beeindruckend eng geschnittene Ende des Val Tremola, gegenüber an der Steilwand artistisch hinein gefräst die Passstraße für den Autoverkehr. Eine Kulisse wie in "Herr der Ringe", wir ganz kleine Gefährten, ganz unten, über uns Helmsklamm.
Haute Route Dolomites: Ein Schauspiel für Hobbyfahrer
"Der nächste Fahrer aus Deutschland", ruft Luca ins Mikrofon, ein junger Italiener, der für den Veranstalter dieses Rennens arbeitet. Heute gibt er den Zeremonienmeister am Start und kündigt jeden Fahrer an, der dann aus einem Zelt über eine Rampe hinab rollt und vorbei an Sponsorenlogos und Werbebannern zum letzten Akt dieser dreitätigen Rennsimulation namens "Haute Route Dolomites" aufbricht: dem Bergzeitfahren.
Die Auffahrt ist steil, die Uhr tickt, der Puls hämmert, jetzt nur nicht überzocken und nur nicht locker lassen. Die Beine brennen und der Geist stellt während dieses Leidensweges die Frage: Warum?
Für das satte Startgeld bekommen die Teilnehmer täglich Massagen, Mittagessen, eine Pasta-Party am Vorabend der ersten Etappe. An den Strecken stehen gut ausgestattete Verpflegungsstationen. Es sind Wagen sowie Motorräder der Firma Mavic mit Ersatzrädern dabei, wie eben auch bei der Tour de France. Begleitfahrzeuge sichern die Strecke.
Die meisten haben durch die Doping-Dokumentation "Ikarus" von der Rennserie gehört.
Der Nimbus der Haute-Route-Serie speist sich jedoch aus dem Abgrund des Radsports.
Wo schmerzverliebte Radler gerne hinaufrollen - und hinab sowieso.
In den Dolomiten besteht das Feld vor allem aus starken Fahrern. Die ersten zehn im Klassement fahren nah am Profiniveau. Es sind Sportler, welche die großen Radmarathons in den Alpen gewinnen können.
Hier dreht sich alles um Radsport, und die Sache ist perfekt, manchmal fast zu perfekt organisiert.
Deshalb also fahren die keuchenden Rennradler hier in den Dolomiten steile Berge hinauf - für das Gefühl, Teil eines Pelotons zu sein, ein Rennen zu fahren, sich mit anderen und sich selbst zu messen.
Oben im Ziel explodiert der Schmerz ohnehin zu einem Glücksfeuerwerk: geschafft, wie geil!
Vorbereitung und Ausrüstung
Mittwoch morgen kurz nach acht. In einem grauen Hinterhof von Alpe d’Huez lehnt das Rennrad an der Rückwand des Hotels. Es ist kühl, sonnig und trocken: perfektes Wetter. Die kleine elektrische Pumpe schraubt den Reifendruck am Hinterrad langsam auf 8,5 bar.
Wir fahren nur 15 Kilometer.
Die Route führt die 500 Fahrer von der Adriaküste an das Ufer des Genfer Sees. Sie müssen in sieben Etappen mit Zeitnahme 880 Kilometer Strecke und 19.000 Höhenmeter bewältigen.
Fast die Hälfte der Pässe liegt höher als 2.000 Meter.
Das Zeitfahren findet an Tag vier statt und führt von Bormio über 21 Kilometer zum berüchtigten Stilfser Joch hinauf auf 2.758 Meter - den höchsten Punkt der gesamten Strecke der Haute Route Dolomites Swiss Alps.
Auf ihrer Reise werden die Fahrer in Venedig, Cortina d’Ampezzo, Meran, Bormio, St. Moritz, Andermatt, Crans-Montana und Genf übernachten.
Abschied vom Extremen: Ein Neuanfang
Saison 2014 - Gran Fondos in Italien, Spanien und Frankreich. Auch das Scheitern konnte ich ausgiebig schmecken: Ronde van Vlaanderen, Race Across the Alps und zwei Alpen-Träume haben mich erfahren lassen, was es heißt, am Limit zu scheitern.
Weiterhin und für immer: Ich liebe den Radsport. Rennrad. Diese Atmosphäre am Vorstart. süchtig macht. Auch weiterhin. Aber eben weniger. Kleiner. Ruhiger. Öffentlichkeit. Nur so. Nebenbei.
Haute Route Pyrenäen: Ein Gesamtkunstwerk aus Lust und Vernunft
Eine "Tour de France der Amateure", die Haute Route in den Pyrenäen: Ein Radrennen über fünf Tage, 630 Kilometer und fast 16.000 Höhenmeter.
Wir befinden uns im Hof eines hinreißend gelegenen alten Gestüts in Tarbes, Region Okzitanien und Verwaltungssitz des Départements Hautes-Pyrénées.
Ich bin zufrieden mit meinem Tag, als Solange zum vastus lateralis wechselt, dem äußeren breiten Muskel, der auf ihre langen kräftigen Striche ebenfalls zunächst protestiert. Sie geht zu schnellen, kurzen Querstrichen über, ich darf dösen.
Man hat sich schon vor vielen Jahren für diesen Sport entschieden, wenn man sich anmeldet.
Rennkilometer sind nicht ersetzbar, vor allem im Kopf nicht. Man muss in den Rennmodus wechseln.
Ergebnis: Muskelkater.
Um zu Kräften zu kommen, musste ich essen, der ganze Plan des Winters war hinüber, als die Waage mindestens drei Kilo zu viel anzeigte.
Immerhin lief die erste Etappe von Saint-Jean Pied de Port ins baskische Formigal wirklich gut. Ich hatte mich für eine kürzeste Übersetzung von 34 zu 32 entschieden, was knapp sein konnte, aber die Kassette war ganze 200 Gramm leichter als meine 34er.
Ich entscheide mich mit Maxime und Christophe, selbst nach Pau zu fahren. Freundschaften aus der Haute Route bleiben immer, und Christophe kennt um Pau herum jedes Schlagloch, er wuchs hier auf.
Ich bin im Anstieg zum Soulor. Das Wetter stimmt, das Rad ist im Bestzustand, im Wiegetritt stütze ich mich kurz auf den Lenker, um das Gewicht von den Pedalen zu nehmen zwei Gänge hochzuschalten.
Ich liebe das Zusammenspiel von Körper und Maschine, die Harmonie der Bewegung, eine Acht, die von der linken Hand über das Kreuzbein in die rechte Pedale fließt, von dort auf die linke Pedale und wieder hoch in die rechte Hand, über den Nacken nach links, um über Arm und Lenker erneut abwärts zu stürzen, auf die rechte Pedale.
Allerdings frage ich mich, wieso ich so früh aus dem Sattel gehe. Das ist eigentlich ein Zeichen von Müdigkeit.
Ich drücke etwas mehr und schimpfe mit mir, weil ich Reifen, Bremsbeläge und Kette aus Prinzip erneuert und natürlich Ersatzbatterien dabei habe.
Ich fahre ohne Leistungskontrolle, muss nach Gefühl dosieren. Und ich habe am Soulor schon zu viel investiert.
Was mir nicht passiert: Dass ich mich von der Wucht der Höhe beeindrucken lasse, wenn nach einer Kurve hinter Luz-Saint-Sauveur der Gipfel zu sehen ist. Oder dass ich mal fünfhundert Meter viel zu schnell fahre. Dass ich zu wenig Wasser habe oder kein Zuckergel.
Ich weiß, dass Euphorie einer der größten Feinde des Radsportlers ist, dass nur das Maß zählt, die Einteilung der Reserven, aber ich will jetzt diesen Aufstieg genießen und alles zurückgeben, was ich an guten Erinnerungen mitgebracht habe.
Ich bin oben. Nächstes Jahr werde ich sechzig.
Im Nachhinein ist schwer zu sagen, warum ich auf der 4. Etappe ausgestiegen bin.
Was ich gut kann, ist neutralisiert oder kommt nicht vor. Die Haute Route ist was für Flöhe, für andere Fahrer ist jeder Tag ein Beinebrecher und Muskelmetzger.
Ich bin zu sehr Radsportler, um die Signale meines Körpers zu ignorieren. In meinem Verständnis arbeitet alles in diesem Sport einem Gesamtkunstwerk aus Lust und Vernunft zu.
Ich werde das nicht nochmal tun. Aber nachmittags schlafe ich stundenlang traumlos, und am nächsten Morgen zeigen die Antibiotika Wirkung. Ich kann besser atmen. Alle freuen sich, dass ich am Start bin.
Es gibt keine neutralisierten Abschnitte, kein Geplapper mit Melonenstücken an den Verpflegungsstationen, sondern bloß eines: Radrennen.
Es bleibt wirklich wieder niemand hinter mir. In der Abfahrt mache ich allerdings eine zweite neue Erfahrung: Eine Frau distanziert mich. Es sind nur ein paar Sekunden, aber ich muss alles geben, um an ihr dran zu bleiben.
Am Portet kann ich zwar meinen Plan, den Bewegungsablauf stets zu kontrollieren, nicht lückenlos umsetzen und falle immer wieder mal in das was, die Briten pedaling squares nennen.
Auf der für mich ungünstigsten Etappe erreiche ich meine beste Platzierung und falle oben platt ins Gras.
Tabelle: Übersicht der Haute Route Veranstaltungen
| Veranstaltung | Ort | Dauer |
|---|---|---|
| Haute Route Alps | Alpen | 7 Tage |
| Haute Route Dolomites Swiss Alps | Dolomiten und Schweizer Alpen | 7 Tage |
| Haute Route Pyrenäen | Pyrenäen | 5 Tage |
| Haute Route Oman | Oman | 3 Tage |
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