Rennradhelm Test: Kopfschutz leicht, luftig und sicher

Moderne Rennradhelme versprechen top Belüftung, geringes Gewicht und bestmöglichen Schutz. Ob das klappt, zeigt der Test, den ROADBIKE gemeinsam mit TÜV SÜD durchgeführt hat. Dazu gibt es Tipps zum Kauf eines Rennradhelms.

Testsieger und Preis-Leistungs-Tipp

  • POC Ventral Lite: Der erste Testsieg geht an den POC Ventral Lite, denn leichter ist keiner! Mit 203 Gramm setzt er den Bestwert. Auch Schutz und Belüftungseigenschaften sind top: Testsieg!
  • Specialized S-Works Prevail II Vent: Bester Schutz und beste Belüftung - und zudem sehr leicht. Specializeds neuer S-Works Prevail II Vent setzt Maßstäbe und holt sich auch den Testsieg!
  • Rudy Project Venger: Der Rudy Project Venger ist der günstigste Helm im Test und punktet mit hohem Tragekomfort. Auch das Gewicht und die Belüftung sind konkurrenzfähig - Preis-Leistungs-Tipp!

Die Herausforderung: Der perfekte Rennradhelm

Der perfekte Rennradhelm ist eigentlich ein Widerspruch in sich: Möglichst leicht soll er sein, bestmögliche Belüftung garantieren und, natürlich, den Kopf optimal schützen. Kann das klappen? Und, wenn ja: Wie gut? Viele aktuelle Top-Helme protzen mit Leichtgewichtsrekorden, die besten kratzen an der 200-Gramm-Marke oder bleiben sogar noch darunter. Kann solch ein graziler Superleicht-Helm überhaupt den massiven Kräften bei einem Sturz widerstehen? Oder nehmen Käufer für Gewichts- und Belüftungsvorteile Kompromisse bei der Sicherheit in Kauf?

Das herauszufinden hat sich ROADBIKE gemeinsam mit TÜV SÜD zur Aufgabe gemacht - und zwölf aktuelle Top-Helme zum Test eingeladen. Vorgabe an die Hersteller: das leichteste und am besten belüftete Modell im Portfolio zu schicken. Die Preisspanne ist erstaunlich groß: Gerade mal 149 Euro kostet der günstigste Helm, der Venger von Rudy Project. Für den teuersten, den neuen S-Works Prevail II Vent von Specialized, werden stolze 330 Euro fällig. Hoher Preis, mehr Schutz?

Testergebnisse der Helme im Detail

Abus AirBreaker

Preis/Gewicht: 249,95 Euro/ 214 g

Größen: 51-55; 52-58; 59-61

Made in: k.A.

Testfazit: Herausragend leicht, sehr gut belüftet und dennoch überzeugend bei der Schutzleistung: Der AirBreaker überzeugt auf ganzer Linie.

Testurteil: Sehr gut (87 Punkte)

Bollé Furo MIPS

Preis/Gewicht: 200 Euro/ 337 g

Größen: 52-55; 55-59; 59-62

Made in: China

Testfazit: Trotz der weniger offenen Schale ist der Furo von Bollé sehr gut belüftet, auch der Schutz überzeugt. Nur das hohe Gewicht kostet Punkte.

Testurteil: Gut (58 Punkte)

Bontrager Velocis MIPS

Preis/Gewicht: 219 Euro/ 270 g

Größen: 51-57; 54-59; 58-63

Made in: China

Testfazit: Beim Schutz gehört der Velocis MIPS zur Spitzengruppe, auch Belüftung und Tragekomfort überzeugen, allerdings ist er nicht der leichteste.

Testurteil: Sehr gut (75 Punkte)

HJC Ibex 2.0

Preis/Gewicht: 249 Euro/ 231 g

Größen: 51-56; 55-59; 58-61

Made in: China

Testfazit: Leicht, sicher und gut belüftet: Durch die Bank zeigt sich der Ibex von HJC stark, ohne in den einzelnen Disziplinen Spitzenwerte zu liefern.

Testurteil: Sehr gut (75 Punkte)

Lazer Genesis

Preis/Gewicht: 168 Euro/ 211 g

Größen: 52-56; 55-59; 58-61

Made in: China

Testfazit: Leicht, sicher und gut belüftet: Durch die Bank zeigt sich der Ibex von HJC stark, ohne in den einzelnen Disziplinen Spitzenwerte zu liefern.

Testurteil: Sehr gut (74 Punkte)

Met Trenta 3k Carbon

Preis/Gewicht: 330 Euro/ 220 g

Größen: 52-56; 56-58; 58-61

Made in: China

Testfazit: Dank der weichen Pads trägt sich der Trenta von Met angenehm, zudem lässt er sich sehr gut anpassen und ist leicht. Andere schützen besser.

Testurteil: Sehr gut (81 Punkte)

Oakley Aro 3 MIPS

Preis/Gewicht: 180 Euro/ 295 g

Größen: 52-56; 54-58; 56-60

Made in: China

Testfazit: Der Aro 3 von Oakley punktet in Sachen Schutz und Belüftung, auch die Anpassung gefällt. Allerdings gehört er zu den schwereren Modellen.

Testurteil: Gut (68 Punkte)

POC Ventral Lite

Preis/Gewicht: 270 Euro/ 203 g

Größen: 50-56; 54-59; 56-61

Made in: China

Testfazit: Leichter ist keiner: Mit 203 Gramm setzt der POC Ventral Lite den Bestwert. Auch Schutz und Belüftungseigenschaften sind top: Testsieg!

Testurteil: Überragend (ROADBIKE-Testsieger) (91 Punkte)

Rudy Project Venger

Preis/Gewicht: 149,95 Euro/ 237 g

Größen: 51-55; 55-59; 59-62

Made in: China

Testfazit: Der günstigste Helm im Test punktet mit hohem Tragekomfort, auch das Gewicht und die Belüftung sind konkurrenzfähig - Preis-Leistungs-Tipp!

Testurteil: Sehr gut (ROADBIKE-Preis-Leistungs-Tipp) (77 Punkte)

Scott Centric Plus

Preis/Gewicht: 199,95 Euro/ 219 g

Größen: 51-55; 55-59; 59-61

Made in: China

Testfazit: Das geringe Gewicht und die sehr gute Anpassbarkeit gefallen beim Centric Plus von Scott, auch die Schutzwirkung kann absolut überzeugen.

Testurteil: Sehr gut (79 Punkte)

Specialized S-Works Prevail II Vent

Preis/Gewicht: 330 Euro/ 234 g

Größen: 51-56; 55-59; 59-63

Made in: China

Testfazit: Bester Schutz und beste Belüftung - und zudem sehr leicht. Specializeds neuer S-Works Prevail II Vent setzt Maßstäbe und holt sich den Testsieg!

Testurteil: Sehr gut (ROADBIKE-Testsieger) (91 Punkte)

Große Unterschiede beim Helm-Gewicht

Schon beim ersten Check auf der Waage zeigen sich überraschende Unterschiede, was die Hersteller als "leicht" definieren: So wiegt etwa der Furo MIPS von Bollé selbst ohne die demontierbaren Aero-Cover deutlich mehr als 300 Gramm - und damit rund 50 % mehr als das leichteste Modell im Testfeld, der erst jüngst vorgestellte Ventral Lite von POC mit schlanken 203 Gramm. Ein Unterschied, der in der Praxis deutlich spürbar ist, denn das Gewicht muss von der Nackenmuskulatur gehalten werden. Klar, dass die irgendwann ermüdet, wenn die Tour länger dauert.

Passform ist entscheidend

Wichtig zu wissen: Nicht alle Helme fallen trotz nominell gleicher Größe gleich aus, manche Hersteller formen ihre Helm-Ovale länglicher, andere legen sie etwas breiter an. So passt längst nicht jeder Helm jedem Fahrer gleich gut - das Ausprobieren verschiedener Modelle unterschiedlicher Hersteller vor dem Kauf lohnt sich! Eine gute Orientierung bei der Kaufentscheidung: Auch ohne geschlossenen Kinnriemen hält ein optimal passender, richtig eingestellter Helm sicher auf dem Kopf und rutscht auch nach vorne gebeugt nicht einfach runter.

Hoher Schutz bei geringem Gewicht

Aber genug zur Passform und auf zur entscheidenden Frage: Wie gut schützen sie denn nun, die leichten Top-Helme? Müssen Sie sich Sorgen machen, wenn Sie damit eine schnelle Abfahrt hinunterjagen? Oder ist der Kopf bestmöglich geschützt? Die erfreuliche Antwort: Ausnahmslos alle Helme erfüllen auch die verschärften Anforderungen unseres Crashtests und reduzieren die auf den Kopf einwirkenden Kräfte auf weniger als die von der Norm vorgeschriebenen 250 g - einige sogar deutlich.

Die besten Ergebnisse lieferten die Modelle von Abus, Bontrager und Specialized mit Werten unter 170 g beim ersten Aufschlag. Aber selbst der "schwächste" Helm im Vergleich, der Venger von Rudy Project, hat mit 217 g noch reichlich Reserven zur Norm. Ebenfalls erfreulich: Selbst nach einem zweiten Aufschlag, wie er in der Praxis bei einem Unfall nicht selten ist, blieb die Schale bei allen Modellen intakt. "Die meisten Helme schaffen auch beim zweiten Impact noch einen guten Wert bei der Stoßdämpfung", bilanziert Diplom-Ingenieur Frank Wittmann von TÜV SÜD. Die teils deutlich erhöhten Werte beim zweiten Aufschlag machen jedoch auch klar, wie wichtig es ist, einen Helm nach einem heftigen Stoß auszutauschen.

Das etwas unerwartete Gesamtergebnis des Crashtests: Obwohl er mit 234 g zu den leichtesten Helmen gehört, bietet der S-Works Prevail II Vent den insgesamt besten Schutz, knapp vor dem ebenfalls superleichten Ventral Lite von Poc und dem AirBreaker von Abus. Alle drei sind Beispiele für die Königsdisziplin der Helm-Entwicklung: so viel Material wie möglich herauszunehmen, um das Gewicht zu reduzieren und Platz für möglichst große, durchgängige Belüftungskanäle im Helm zu schaffen, ohne die Stabilität der Helmschale bei einem Sturz zu beeinträchtigen. Das gelingt durch den Einsatz hochstabiler und dennoch leichter Materialien beim Helm-Skelett, sichtbar meist an den Querverstrebungen. Beim neuen S-Works Prevail II sind diese aus Aramid gefertigt und nur wenig dicker als ein Draht. Dieser Aufwand mit Hightech-Materialien schlägt allerdings im Preis durch - und unterscheidet die günstigeren von den teureren Helmen.

Belüftung im Test

Doch TÜV SÜD hat nicht nur die Schutzwirkung untersucht, auch die Belüftung wurde in einem standardisierten Verfahren ermittelt und gleichzeitig auf einer festgelegten Runde unter identischen Bedingungen mit den Eindrücken aus der Praxis abgeglichen. Dabei zeigten sich in Einzelfällen Abweichungen der Labortests vom Praxiseindruck, beispielsweise beim Velocis von Bontrager, der sich deutlich besser belüftet anfühlt, als das reine Laborergebnis vermuten lässt.

Für die Belüftung wurde gemessen, wie viel Wasser in einem definierten Zeitraum auf dem Prüfkopf verdunstete. Je höher der Wert, desto besser die Belüftung.

Aber natürlich simuliert das Labor im Sinne der Vergleichbarkeit nur eine ganz konkrete Situation - weshalb ein Praxistest und der Eindruck mehrerer Tester nach wie vor wichtig sind. Die Bestnoten gab es für die Helme, die sowohl im Labor wie auch in der Praxis überzeugten: Wie schon beim Gewicht und der Schutzwirkung belegt auch in dieser Disziplin das Trio Prevail, Ventral und Airbreaker die vorderen Plätze, aber auch der Furo MIPS von Bollé beeindruckte und lieferte im Labor den Bestwert - trotz der weniger "offenen" Helmschale.

Tragekomfort und Anpassbarkeit

Top-Werte bei Gewicht, Schutz und Belüftung erscheinen schnell zweitrangig, wenn sich der Helm nicht angenehm trägt und drückt. Auch sollte er leicht einzustellen sein, damit er sicher auf dem Kopf sitzt und nicht verrutscht - sonst kann er im Sturzfall auch nicht schützen. Im Idealfall sollte ein neuer Helm innerhalb weniger Sekunden angepasst sein. Im Wesentlichen geht es dabei um die korrekte Positionierung der Riemendreiecke unter den Ohren (idealerweise sitzen sie ca. 1 cm unter dem Ohrläppchen), die Höheneinstellung des Tragesystems im Nacken und die Länge des Kinnriemens.

Auffällig: Einige Hersteller vernähen die Riemendreiecke fest, sodass sie nicht justiert werden können. Der Vorteil: Sie können sich auch nicht verstellen, und durch den Verzicht auf zusätzliche Clips liegen sie bequemer an. Die Kopfweitenanpassung erfolgt über ein meist hinten platziertes Drehrädchen. Innovativ ist hier die gut funktionierende Automatik- Lösung von HJC, die ein solches Einstellrad überflüssig macht. Kritik gab es hingegen an dem oben auf dem Helm platzierten Rädchen vom Lazer Genesis: Insbesondere mit Handschuhen ist es schlecht zu ertasten und zu bedienen, zudem vermissten einige Tester ein klares Feedback des Rädchens. Außerdem monierten die Tester die auf der Innenseite geführten Gurt-Enden beim Heron SLT von Cube, die im Fahrtwind vibrierten und an den Wangen stören können.

So testen ROADBIKE und TÜV SÜD

Möglichst leicht, sehr gut belüftet, trotzdem sicher? Um das herauszufinden, hat ROADBIKE die Helme in der Praxis getestet - und mit TÜV SÜD im Labor.

Labortest

Gemeinsam mit TÜV SÜD hat ROADBIKE alle Helme einem Crashtest unterzogen. Dazu haben wir uns an der Norm orientiert, die Anforderungen aber etwas verschärft und die Aufprallgeschwindigkeit um 20 % auf 6,50 m/s erhöht, um zu ermitteln, welche der Helme über die Norm hinaus die größeren Sicherheitsreserven bieten. Mit jedem Helm wurden zwei Aufschläge durchgeführt: Der zweite Aufprall diente dazu, die Festigkeit, Stabilität und die Reserven hinsichtlich Stoßdämpfung der Helmschale zu überprüfen: Kann der Helm auch nach dem ersten Aufschlag noch angemessen schützen? Welche Dämpfungswerte liefert der vorgeschädigte Helm beim zweiten Aufprall? Bricht die Helmschale auseinander? Weist der Helm Beschädigungen auf, etwa scharfe Kanten oder Grate durch Bruch der Helmaußenschale, die den Träger verletzen können? Die Ergebnisse fließen zu 30 % in die Endnote ein. Außerdem haben wir ein standardisiertes Verfahren angewendet, um die Belüftung eines Helmes objektiv ermitteln und bewerten zu können. Dabei wurde ein angefeuchtetes Tuch auf einem Testkopf unter dem Helm platziert. Nach 15 Minuten wurde ermittelt, wie viel Wasser einerseits verdunstet ist bzw. wie viel die Helmpads aufgenommen haben. Weil die Ergebnisse nur die konkreten Laborbedingen widerspiegeln, werden sie nicht 1:1 in die Belüftungsnoten übertragen, hier fließen auch die Praxiseindrücke mit in die Note ein.

Praxistest

Neben dem Labortest wurden alle Helme auch auf einer festgelegten Runde von mehreren Testern unter identischen Bedingungen gefahren und verglichen. Die Tester notierten anschließend ihre Eindrücke zur Helmanpassung, zur Belüftung und zum Tragekomfort. Die Praxiseindrücke zur Belüftung wurden anschließend mit den Ergebni...

Vergleichstabelle der besten Straßenradhelme

Um die Wahl zu erleichtern, findest du hier eine Vergleichstabelle mit den wichtigsten Merkmalen der 10 besten Fahrradhelme für den Straßenradsport.

Produkt Modell Gewicht (g) Belüftung Anpassung Sicherheit Angebot ansehen
Lazer Genesis Helm MIPS Weiß 195 22 Belüftungsöffnungen Advanced Rollsys MIPS Kaufen
Lazer Strada KinetiCore Helm Titanium Silber 290 23 Belüftungsöffnungen ScrollSys Kineticore Kaufen
Lazer Strada KinetiCore Helm Titanium Silber 300 13 Belüftungsöffnungen Zoom Ace In-Mold, Reflektoren Kaufen
KASK Mojito 3 Helm Mattschwarz 230 Gute Luftzirkulation Octo Fit Hohe Sicherheit und Komfort Kaufen
Bollé EXO MIPS Helm Weiß 310 Optimierte Luftkanäle Click-to-Fit MIPS, AViD EPS Kaufen
Lazer Strada KinetiCore Helm Gelb / Schwarz 290 23 Belüftungsöffnungen ScrollSys Kineticore Kaufen
KASK Protone Helm Schwarz Glänzend 215 20 Belüftungsöffnungen OCTO Fit In-Moulding & MIT Kaufen
KASK Valegro Helm Weiß 180 37 Belüftungsöffnungen Octo Fit In Moulding Kaufen
Abus WingBack Helm Goldfish Orange 230 (S), 240 (M), 270 (L) 10 Einlässe / 7 Auslässe Zoom Ace Urban ActiCage Kaufen
Giro Helios Spherical Helm Mattschwarz - 15 Belüftungsöffnungen Roc Loc 5 Air MIPS und Spherical Kaufen

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