Ein Helm ist für Motorradfahrer unerlässlich. Es gibt jedoch viele Fachbegriffe und verschiedene Helmtypen, die die Auswahl erschweren können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Arten von Motorradhelmen und wichtige Aspekte beim Kauf.
Gesetzliche Hintergründe in Deutschland
Aufgrund der höheren Verletzungsgefahr ist das Tragen von einem Motorradhelm und passender Schutzkleidung in vielen Ländern gesetzlich vorgeschrieben. Fahrer von einem motorisierten Zweirad, welches über 20 km/h schnell fährt, unterliegen der Helmpflicht in Deutschland. Seit 1976 besteht die Pflicht für Motorradfahrer, seit 1978 für Mokick- und Mopedfahrer und seit 1985 für Mofafahrer. Ab dem Dritten Quartal 1980 erhalten Fahrer bei einer Zuwiderhandlung ein Verwarnungsgeld.
Motorradhelm: Welche Arten gibt es?
Je nach Konstruktionsform hat der Helm einen anderen Tragekomfort und besitzt eine unterschiedlich hohe Schutzwirkung. Es gibt verschiedene Arten von Motorradhelmen, die sich in ihrer Bauweise und ihrem Schutzgrad unterscheiden.
Integralhelm
Der Integralhelm bietet den umfassendsten Schutz, da er das gesamte Gesicht und den Kiefer bedeckt. Der Integralhelm hat ein verschließbares Visier und eine feste Kinnpartie. Trotz eines geringen Eigengewichtes von durchschnittlich weniger als 1,5 Kilogramm sorgt der Motorradhelm für einen guten Schutz. Mittels moderner Schnellverschlüsse lassen sich die Helme mühelos verschließen und öffnen. Der Kopf- und Kinnschutz fühlt sich an als wäre er aus einem Guss. Nicht nur aus diesem Grund werden die Integralhelme auch als Vollvisierhelme bezeichnet. Die Helmart der Wahl für Tourenfahrer und besonders sicherheitsbewußte Motorradfahrer ist der Integralhelm. Breites Einsatzspektrum von Alltagsfahrten bis hin zur Rennstrecke.
- Vorteile: Beste Sicherheit, geringe Fahrtwindgeräusche.
- Nachteile: Kann ein beengtes Tragegefühl vermitteln, Auf- und Absetzen bisweilen mühsam, vor allem für Brillenträger.
Klapphelm
Der Klapphelm ist eine Variante des Integralhelms, bei dem das Kinnteil nach oben geklappt werden kann. Dieser Motorradhelm ist eine Variante des Integralhelms und bei dieser kann die Kinnpartie hochgeklappt werden. In den meisten Fällen ist das Gewicht von einem Klapphelm höher als bei einem Integralhelm. Zur gleichen Zeit ist die Schutzwirkung etwas geringer. Der Klapphelm wird hauptsächlich von Brillenträgern bevorzugt, denn er lässt sich leicht anziehen. Universell einsetzbar und besonders passend für Brillenträger. Tourenfahrer schwören auf diesen Helmtypen.
- Vorteile: Einfach praktisch, vor allem für Brillenträger. Nach Unfall von Laien leichter abzunehmen.
- Nachteile: Oft schwerer als ein nicht klappbarer Integralhelm, beim Kinnaufprall je nach Qualität des Verschlusses mit leichten Einschränkungen in der Schutzwirkung.
Jethelm
Der Jethelm lässt das Gesicht frei und ist leichter als ein Integralhelm. Jethelme sind offene Helme ohne Kinnteil. Sie galten jahrelang als unmodern, waren verdrängt vom gestiegenen Sicherheitsbewusstsein. Jetzt erlebt der Jethelm eine Renaissance; Classic- und Retro-Fans stehen drauf. Besonders stilecht trägt man einen Jethelm mit Brille, praktischer ist er mit Visier. Vereinzelt ist auch der Begriff "Policehelm" im Umlauf und meint dann vor allem Jethelme mit schlichtem Design, ohne Visier und mit kurzem Schirm. Beliebt bei Besitzern von City-Rollern und im Sommer.
- Vorteile: Der Jethelm bietet ein subjektiv "freieres" Fahrgefühl, ein intensiveres Fahrerlebnis schon bei niedriger Geschwindigkeit, mehr Luft, großes Sichtfeld, relativ niedriges Gewicht.
- Nachteile: Größtes Manko eines Jethelms ist der fehlende Kinn- und Gesichtsschutz. Hinzu kommt, dass sie - gerade mit Motorradbrille - schon mal recht laut sein können.
Cross- und Endurohelm
Wie ein Integralhelm, allerdings mit ausgeprägtem Kinnbügel und zumeist mit Sonnenschirm an der Stirn. Der Motorradhelm besitzt eine große Ähnlichkeit mit dem Integralhelm. Am Helm befindet sich ein Schirm und der Abstand zum Kinn ist im Vergleich zum Integralhelm größer. Der Motocross-Helm zeichnet sich durch eine hervorragende Belüftung aus und besitzt kein Visier. Stattdessen verwenden die Motorradfahrer eine Crossbrille. Wer öfters im Gelände unterwegs ist, braucht etwas Sportlicheres. Crosshelme und Endurohelme eignen sich hierfür besonders gut. Mit ihrer leichten Bauweise und dem fehlenden Visier zur besseren Belüftung sind sie wie gemacht für den sportlichen Einsatz abseits der Straße. Aufgrund des fehlenden Visiers sollten Enduristen bei der Fahrt eine Schutzbrille tragen. Enduro- oder Crosshelme mit Visier sind eher eine Seltenheit. Für sportliche Fahrer mit Ambitionen im Gelände.
- Vorteile: Hervorragende Belüftung, unverzichtbar bei Anstrengungen im Gelände. In Dreck, Staub und Schlamm der Lösung mit Visier überlegen.
- Nachteile: Schlechter Schutz bei Regen und Kälte, Gesicht wird nass. Häufig hohes Geräuschniveau. Umständlich anzuziehen. Bei hohem Tempo erhöhter Druck auf die Nackenmuskulatur durch schlechte Aerodynamik.
Hybridhelm
Endurohelm mit zusätzlichem Visier. Die Multihelme werden auch Modularhelme oder Hybridhelme genannt. Sie verfügen über verschiedene Umbaumöglichkeiten, wodurch sie auch als Integralhelme oder Jethelme verwendet werden können. Modularhelme sind transformierbar indem das Kinnteil und das Visier an- und abklickbar sind. Durch die Wahlfreiheit bzw. Umbauvariante lassen sich die Helme flexibel für verschiedene Fahrsituationen anpassen. Für alle, die flexibel sein möchten und neben Stadtfahrten auch längere Ausfahrten mit höheren Geschwindigkeiten planen.
Den richtigen Motorradhelm finden
Die einzelnen Helmtypen haben ihre individuellen Vor- und Nachteile sowie ihre ganz besonderen Charakteristika, welche jeder Fahrer entsprechend seinen Fahrgewohnheiten in die Kaufentscheidung miteinbeziehen sollte.
Belüftung
Achten Sie auf eine ausreichende Belüftung. Ein zu starkes Schwitzen unter dem Motorradhelm sorgt für Ablenkung und wirkt sich negativ auf die Fahrsicherheit aus. Ein Motorradhelm mit einem modernen Belüftungssystem verhindert die Bildung von Schweiß und erhöht den Komfort.
Qualität
Beim Kauf eines Motorradhelms sollten Sie auf eine hohe Qualität Wert legen. Diese erkennen Sie nicht immer an einem hohen Kaufpreis. Informieren Sie sich stattdessen über vorhandene Zertifizierungen und über die durchgeführten Sicherheitsprüfungen.
Optik
Letzten Endes sollten das Design und die Optik des Motorradhelms zu Ihren geschmacklichen Referenzen passen. Im Hinblick auf die Sichtbarkeit im Straßenverkehr ist es von Vorteil, wenn das Design so auffällig wie möglich ist.
Motorradhelm: Größe und Tragekomfort
Die meisten Motorradhelme werden im Handel in den gängigen Größen von S bis XL angeboten. Um die richtige Größe zu ermitteln, messen Sie zuerst Ihren Kopfumfang. Beim Schließen des Kinnriemens sollten mindestens 2 Fingerbreit Luft gelassen werden. Dadurch sitzt der Motorradhelm weder zu fest noch zu locker.
Ein Helm schützt nur dann optimal, wenn er richtig sitzt. Messung: Miss mit einem Maßband den Umfang deines Kopfes etwa 2 cm oberhalb der Augenbrauen und um den Hinterkopf. Passform: Der Helm sollte straff, aber nicht unangenehm drücken. Er darf nicht wackeln oder zu locker sitzen, da er sich mit der Zeit etwas weiten kann.
Die Helmgröße wird angegeben in Buchstaben von XXS bis XXXL oder in Zahlen, die dem Kopfumfang in cm entsprechen:
- XXS = 51/52 cm
- XS = 53/54 cm
- S = 55/56 cm
- M = 57/58 cm
- L = 59/60 cm
- XL = 61/62 cm
- XXL = 63/64 cm
- XXXL = 65/66 cm
Diese Maßangaben sind allerdings nicht standardisiert; ein M-Helm kann sowohl 55/56 als auch 57/58 sein. Ein Grund mehr, einen Helm vorm Kauf unbedingt anzuprobieren.
Wichtige Kriterien beim Helmkauf
Eines der wichtigsten Kriterien beim Helmkauf. Der Helm sollte überall fest anliegen, ohne zu drücken. Vor dem Kauf sollte ein Helm unbedingt ausprobiert werden, um zu sehen, wie er passt, ob es zieht und wie er sich bedienen lässt (Verschluss, Visierbetätigung, Be- und Entlüftung).
Helme müssen bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen. In Europa ist die ECE 22-05 Norm Pflicht, die einen hohen Schutzstandard garantiert. Achte darauf, dass der Helm dieses Prüfzeichen hat, damit er im Falle eines Unfalls den nötigen Schutz bietet. Zusätzlich gibt es Helme mit dem SHARP-Test, der eine erweiterte Sicherheitsbewertung darstellt.
Das Visier sollte kratzfest und beschlagfrei sein. Eine Antibeschlag-Beschichtung oder Pinlock-Systeme helfen, dass dein Sichtfeld bei kalten Temperaturen oder Regen klar bleibt. Auch die Belüftung spielt eine große Rolle - besonders bei längeren Fahrten. Achte darauf, dass dein Helm gut belüftet ist, um Hitzestau und Schweißbildung zu minimieren.
Bestandteile eines Motorradhelms
Die Außenschale besteht aus Duroplast- oder Thermoplast-Kunststoff. Hält den Helm zusammen, schützt die Kalotte vor Einwirkungen von außen und nimmt erste Aufprallenergie auf.
Viele Hersteller verwenden unterschiedliche Größen der Außenschale, die meisten zwei oder drei, manche bis zu fünf. Vorteil: Die EPS-Innenschale besitzt immer die korrekte Dicke, so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Bei der Verwendung von nur einer Außenschalengröße (muss logischerweise immer die größtmögliche sein), wird die passende Größe durch eine dickere Innenschale erreicht, der Helm sozusagen heruntergebuchst.
Auch Kalotte genannt. Besteht aus EPS (expandiertes Polystyrol à Handelsname: Styropor) mit der Aufgabe, Aufprallenergie zu absorbieren bzw.
Nahtstelle zwischen Helm und Kopf. Besteht bei einfachen Helmen zumeist aus Polyester. Höherwertige Helme verfügen über Funktionsfasern wie Silvercool, Drycool oder Coolmax, die Schweiß vom Kopf weg ins Gewebe und in die Faserkanäle transportieren. Die EPS-Kalotte sollte nicht nass werden.
Verschlusssysteme
Es haben sich drei Verschlusssysteme durchgesetzt.
- Doppel-D-Ring: Der Kinnriemen wird durch zwei D-förmige Ringe hindurchgezogen. Dieser Verschluss sitzt, einmal stramm gezogen, jederzeit fest. Ist im Motorradrennsport Pflicht.
- Ratsche: Auch bekannt als Zahnriemensteckschloss. Eine Lasche mit Rasterungen wird in einfach in ein Schloss gesteckt.
- Klick: Funktionien wie beim Sicherheitsgurt im Auto. Ein Schloss nimmt eine Zunge auf.
Das Visier
Schützt das Gesicht vor Fahrtwind, Schmutz und Insekten, besteht meistens aus schlagfestem, splitterfreiem Polycarbonat (trägt bei einigen Herstellern die Eigennamen Makrolon oder Lexan) und sollte kratzfest sein. Am besten geeignet sind spezielle Reinigungsmittel in flüssiger Form oder als Nasstücher, die Nachreinigung erfolgt mit einem Zellstoff- oder einem Mikrofasertuch. Finger weg von harten mechanischen Reinigern und von Geschirrspülmitteln, die nicht-ionische Tenside beinhalten.
Die derzeit gültige Norm für Visiere von Kraftfahrer-Schutzhelmen stellt zahlreiche Anforderungen.
- Lichtdurchlässigkeit: Sie muss laut ECE-R22 bei einem Visier 80 Prozent betragen. Liegt dieser Wert darunter (zum Beispiel bei getönten Visieren), ist der Aufdruck »For daytime use only« oder ein Sonnensymbol Pflicht.
- Optische Qualität: ergibt sich aus dem Scheitelbrechwert und der prismatischen Wirkung. Der Scheitelbrechwert misst unscharfes Sehen und darf +/- 0,12 Dioptrien nicht überschreiten. Die prismatische Wirkung zeigt doppeltes Sehen auf, das zu Müdigkeit und Kopfschmerzen führen und das räumliche Sehvermögen einschränken kann.
- Streulichtverhalten: stellt fest, ob beim Blick durch das Visier fremde Lichtquellen als blendend empfunden werden.
- Kratzfestigkeit: 3 kg Quarzsand rieseln aus 1,65 Meter Höhe auf das Visier, das sich auf einer rotierenden Scheibe befindet.
ECE-Norm und Genehmigungszeichen
Ist die derzeit gültige Norm, nach der die Schlagdämpfung eines Helms überprüft wird.
Jeder Helm besitzt ein Genehmigungszeichen, das sich meistens auf dem Kinnriemen befindet, bestehend aus einem E mit einer Zahl in einem Kreis (die Zahl gibt das Land an, in dem die Genehmigung erteilt wurde) sowie einer mehrstelligen Ziffern-Buchstaben-Kombination. Ein P in dieser Zeichenfolge bedeutet, dass die Schlagdämpfungsprüfung auch das Kinnteil umfasst.
Weitere wichtige Aspekte
Ein häufig immer noch nicht ausreichend beachtetes Thema bei vielen Helmproduzenten. Der Fahrtwind verursacht Lärm am Helm, bei Tempo 130 sind manche Helme lauter als ein Presslufthammer.
Markenname für eine zusätzliche innere Visierscheibe, die ein Beschlagen wirkungsvoll verhindert.
Abkürzung für Head Injury Criterion, damit werden Hirnverletzungen gemessen. Errechnet sich aus der Härte eines Aufschlags und Dauer der Krafteinwirkung. Je länger der Aufprall dauert und je höher seine Intensität ist, desto höer ist das Verletzungsrisiko.
Wird in g gemessen; ein g entspricht der Erdbeschleunigung von 9,81 m/s2. Je niedriger der g-Wert, desto besser die Schlagdämpfungseigenschaften eines Helms.
Ein Helm hat nicht nur eine Schutzfunktion, sondern sollte auch regelmäßig gepflegt werden, um seine volle Leistungsfähigkeit zu behalten. Schweiß, Sonnenlicht und Schmutz können die Materialien im Laufe der Zeit abnutzen. Deshalb ist es wichtig, die Polster regelmäßig zu reinigen und den Helm bei Beschädigungen auszutauschen.
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