Strengere Helmpflicht für Motorradfahrer in Griechenland – Hohe Strafen drohen

Griechenland will seine Straßen sicherer machen - mit harten Maßnahmen. Das Parlament in Athen soll eine umfassende Reform der Straßenverkehrsordnung beschließen. Der Grund: zu viele Unfälle, zu viele Tote. Strengere Kontrollen und drastische Strafen sollen die Trendwende bringen.

Helmpflicht - in Griechenland oft ignoriert

An der Helmpflicht liegt’s nicht, denn die gilt in Griechenland immerhin auch schon seit 1992 (in Deutschland seit 1976). Doch außerhalb der großen Metropolen Athen und Thessaloniki wurde sie von Zweiradlenkern lange eher als gut gemeinte, aber lästige Empfehlung angesehen und entsprechend ignoriert. Und das, obwohl die Strafe fürs Fahren ohne Kopfschutz in Griechenland schon jetzt 350 Euro beträgt - über 20-mal so teuer wie in Deutschland (aktuell 15 Euro).

Laut griechischem Verkehrsverband fährt jeder Fünfte ohne Helm, mit tödlichen Folgen. Zwei Drittel der verunglückten Biker trugen keinen Schutz.

Verschärfung der Helmpflicht geplant

Aktuell, im Juni 2025, berät das griechische Parlament im Rahmen einer Neuordnung diverser Verkehrsrichtlinien eine weitere Verschärfung. Demnach drohen ab dem zweiten Verstoß gegen die Helmpflicht schon 1.000 Euro Strafe, ab dem dritten Verstoß sogar 2.000 Euro - jeweils kombiniert mit einem mehrmonatigen Fahrverbot.

Neue Regeln gelten auch für Touristen

Die aktuellen und geplanten Sanktionen in Griechenland gelten übrigens ausdrücklich nicht nur für Einheimische, sondern genauso für Touristen, die zum Beispiel auf einer der zahlreichen griechischen Inseln mit einem Leih-Motorrad oder -Roller unterwegs sind.

Diskussion um Tankstellen-Gesetz

In Griechenland gibt es zwar eine Helmpflicht, doch die scheint nicht sonderlich populär. Eine fragwürdige Maßnahme soll nun helfen.

Die Idee: Tankstellen sollen künftig keinen Kraftstoff mehr an Motorradfahrer verkaufen dürfen, die keinen Helm tragen. Diese Initiative wurde von Gesundheitsminister Adonis Georgiadis vorgeschlagen, angeblich selbst begeisterter Motorradfahrer.

Dieser Vorschlag stößt verständlicherweise auf Widerstand bei den Tankstellenbetreibern. Sie argumentieren, dass die Verantwortung für die Durchsetzung der Helmpflicht nicht bei privaten Unternehmen liegen sollte. Zusätzlich kritisieren sie die Androhung möglicher Strafen für Tankstellenbetreiber, die Motorradfahrer ohne Helm weiterhin bedienen. Einige Kritiker bemängeln zudem, dass diese Regelung komplett wirkungslos bliebe bei Elektroroller-Fahrern ohne Helm.

Weitere geplante Maßnahmen zur Verkehrssicherheit

Das griechische Parlament hat die neue Straßenverkehrsordnung verabschiedet, um die hohe Zahl an Verkehrsunfällen mit Todesfolge zu reduzieren.

  • Handynutzung am Steuer: Wer beim Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung am Steuer erwischt wird, zahlt beim ersten Verstoß 350 Euro und verliert den Führerschein für 30 Tage. Beim zweiten Mal steigt die Geldbuße auf 1.000 Euro, der Führerschein ist dann für sechs Monate weg. Beim dritten Verstoß drohen 2.000 Euro Strafe und ein Fahrverbot von einem Jahr.
  • Neue Geschwindigkeitsbegrenzungen: In engen Straßen und Wohngebieten liegt die Höchstgeschwindigkeit künftig bei 30 km/h, innerstädtische Hauptstraßen erlauben 50 km/h. Auf Autobahnen wird die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 130 auf 140 km/h angehoben. Wer deutlich zu schnell fährt, muss mit Bußgeldern bis zu 8.000 Euro und einem Führerscheinentzug von bis zu vier Jahren rechnen - ab 200 km/h wird es besonders teuer.
  • Härtere Strafen für Straßenrennen und Gewalt: Illegale Straßenrennen und gewalttätige Zwischenfälle im Straßenverkehr werden streng bestraft. Bereits der erste Verstoß zieht eine Geldstrafe von 2.000 Euro und ein Jahr Führerscheinentzug nach sich. Bei Wiederholung steigen die Strafen auf 4.000 Euro und zwei Jahre Fahrverbot, beim dritten Verstoß sind bis zu 8.000 Euro Strafe und vier Jahre ohne Führerschein vorgesehen.
  • Alkohol- und Rauchverbot im Auto: In Griechenland ist das Rauchen am Steuer verboten, wenn Kinder unter 12 Jahren an Bord sind. Die gesetzliche Promillegrenze liegt bei 0,5. Verstöße ab dieser Grenze können mit Bußgeldern ab 1.000 Euro und Fahrverboten bis zu zehn Jahren geahndet werden.

Weitere wichtige Informationen für Urlauber

Da etwa 500.000 der rund 8 Millionen Fahrzeuge auf griechischen Straßen nicht versichert sind, raten Verkehrsexperten Reisenden, die mit dem Auto unterwegs sind, zu einer umfassenden Vollkaskoversicherung.

Seit Jahresbeginn ist das Parken mit Wohnmobilen an nicht ausgewiesenen Orten auf maximal 24 Stunden begrenzt. Ausnahmen gelten nur auf Campingplätzen oder speziell gekennzeichneten Stellplätzen. Verstöße werden mit 300 Euro pro Person geahndet.

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