Sicher und bequem als Sozius auf dem Motorrad: Regeln und Tipps für eine gelungene Fahrt

Viele Biker schwingen sich zwischen Ostern und Oktober auf ihr Zweirad und fahren ausgiebige Touren, um das Fahrgefühl zu genießen. Motorradfahren ist eine spannende Freizeitbeschäftigung, zu der du andere mitnehmen kannst, zum Beispiel einen Freund bzw. eine Freundin oder deinen Partner bzw. deine Partnerin. Häufig nimmt dieser hinter dem Fahrer Platz. Beifahrer auf dem hinteren Sitz eines Motorrads werden in der Regel als Sozius bzw. Sozia bezeichnet. Einige Motorräder verfügen sogar über einen Beiwagen, in welchem es sich der Sozius gemütlich machen kann.

Grundvoraussetzungen für die Mitnahme eines Sozius

Grundsätzlich dürfen Sie einen Beifahrer mit einem normalen Motorrad mitnehmen. Wer einen Sozius auf dem Motorrad mitnehmen möchte, muss ein Kraftrad mit einem Sitz für den Beifahrer besitzen. Generell gilt, dass ein Motorrad oder Motorroller über einen Soziussitz, Fußrasten und eine Haltevorrichtung verfügen müssen, damit eine zweite Person mitgenommen werden darf. Krafträder, auf denen ein Beifahrer befördert wird, müssen mit einem Sitz für den Beifahrer ausgerüstet sein.

Geeignete Motorräder für Beifahrer

Für Beifahrer geeignete Motorräder verfügen über besondere Merkmale, sodass sie problemlos mit Sozius/Sozia gefahren werden können. Beispielsweise sind sie für das zusätzliche Gewicht einer weiteren Person ausgelegt und so konstruiert, dass sich das Motorrad leicht an Beifahrer anpassen lässt.

Folgende Merkmale sind bei beifahrergeeigneten Motorrädern besonders wichtig:

  • Bequemer Sitz - Für optimalen Komfort sollte der Soziussitz idealerweise einige Zentimeter höher liegen als der Fahrersitz. Zudem sollte der Sitz breit genug und ausreichend gepolstert sein, sodass er Stützung, Bewegungsfreiheit und lang anhaltenden Komfort bietet.
  • Leichtgängige Bedienelemente - Die Bedienelemente des Motorrads sollten einfach zu bedienen und leichtgängig sein. Dadurch wird die Fahrt stabiler und kontrollierter, was besonders wichtig ist, wenn man einen Beifahrer dabei hat.
  • Breiter Lenker - Ein breiterer Lenker bietet bessere Kontrolle und Stabilität. Diese sind erforderlich, da sich die Dynamik des Motorrads durch das zusätzliche Gewicht verändert.
  • Gute Fahrposition - Das Motorrad sollte Fahrer und Beifahrer eine natürliche und bequeme Sitzposition ermöglichen. Diese beugt insbesondere bei längeren Fahrten Ermüdungserscheinungen vor und sorgt für eine bessere Kontrolle über das Motorrad.
  • Sozius-Rückenlehne - Erhöht den Beifahrerkomfort. Die Rückenlehne wird entweder an einem Top Case angebracht oder bei einigen Motorrädern wie der CMX1100 als eigenständiges Zubehörteil montiert.
  • Fahrerkommunikation - Bluetooth-Kommunikationssysteme sind separat vom Motorrad erhältlich.

Beispiele für Motorradmodelle:

  • Die CMX1100 ist ein minimalistisches Motorrad, das an die legendäre „Bobber“-Silhouette mit breiten Reifen erinnert, jedoch an jeder Stelle durch zeitgenössische Details überzeugt. Ein echter Hingucker für die entspannte Fahrt auf einem breiten Boulevard.
  • Die XL750 Transalp ist ein legendärer Allround-Tourer. Mit einer Leistung und einem Drehmoment, die in dieser Klasse ihresgleichen suchen, und einem Chassis, das sowohl auf der Straße als auch im Gelände für herausragendes Handling und entsprechende Kontrolle sorgt.
  • Die Africa Twin ist bereit für jedes Abenteuer. Ihre Robustheit und ihr Drehmoment bringen auch zwei problemlos durchs Gelände. Staubige Pisten, Hügel, Senken oder unbefestigte Wege - sie ist einfach überall zu Hause.
  • Die vielseitige und leichte NT1100 zeichnet sich durch ihr großzügiges Platzangebot aus und ist wie geschaffen für längere Fahrten. Willkommen in der neuen Ära der Touren zu zweit.
  • Die Gold Wing bietet auf Touren zu zweit nie dagewesenen Komfort. Sie wurde speziell für lange Strecken entwickelt. Auf Luxus muss man nicht verzichten.

Sicherheitsaspekte und Ausrüstung

Auch wir sind der Meinung, dass Sicherheit beim Motorrad fahren oberste Priorität hat. Beifahrer sollten aus Sicherheitsgründen einen mindestens ECE 22.05-konformen Helm tragen. Weiterhin sind Bekleidung wie Handschuhe, eine dicke Jeans und eine Motorradjacke von Vorteil. Lederbekleidung und Motorradstiefel sind ebenfalls zu empfehlen. Die Bekleidung ist wesentlich für die Sicherheit von Beifahrern.

Gesetzliche Bestimmungen und empfohlene Schutzkleidung

Ein Motorrad-Schutzhelm ist auch für den Sozius vom Gesetz vorgeschrieben. Der Helm muss perfekt passen und sollte über die aktuelle Prüfnorm verfügen, nur dann bietet er optimalen Schutz. Tragen Sie auf keinen Fall einen womöglich ausgemusterten oder zu großen Ersatz-Helm, denn der schützt nur vor einem Bußgeld, aber nicht bei einem Unfall.

Leider ist nur ein Helm zwingend vorgeschrieben aber besser wäre es, wenn auch Sozia/Sozius komplette Schutzkleidung tragen würde. Motorradjacken aus Leder oder Textil mit Kevlarverstärkung wirken wie eine zweite Haut, die gefährlichen Schürfwunden vorbeugt. Gleiches gilt für Motorradhosen, die ebenfalls als Leder-Einzelstücke, in Form einer Leder-Kombination mit Jacke oder gefertigt im Materialmix aus Textil und Hightech-Kunststoffmaterialien zur Auswahl stehen.

Inzwischen ist das Angebot an Leder Motorradjacken für Damen wie auch an Leder Motorradhosen für Damen so groß, dass für jeden Geschmack das Passende dabei ist.

Informiere dich über die Gesetze und Vorschriften der Länder, in denen ihr unterwegs seid. Beispielsweise müssen Beifahrer in Frankreich Handschuhe mit CE-Kennzeichen tragen und in Belgien müssen Personen auf Motorrädern (einschließlich Beifahrern) Handschuhe, eine langärmelige Jacke und lange Hosen sowie Stiefel zum Schutz der Knöchel tragen.

Vorbereitung vor der Fahrt

Vor der Fahrt mit Sozius/Sozia auf dem Motorrad müssen einige Anpassungen vorgenommen werden. Bevor es los geht, sollten einige Anpassungen erfolgen.

  • Kontrolliere den Reifendruck. Hast du einen Beifahrer dabei, brauchst du unter Umständen etwas mehr Druck.

Anpassung des Motorrads

Wenn Sie mit einem Sozius auf dem Motorrad unterwegs sind, ändert sich das Fahrverhalten des Bikes. Durch das zusätzliche Gewicht wird die Achslastverteilung beeinflusst. Das fällt insbesondere dann auf, wenn Sie sich in einer Kurve befinden. Diese können Sie nicht so eng befahren wie ohne Mitfahrer auf dem Motorrad. Damit ein erhöhter Abrieb vermieden wird, sollten Sie den Reifendruck um jeweils 0,2 bar erhöhen.

Deshalb müssen vor einer Fahrt mit zwei Personen die Federelemente der Mehrbelastung angepasst werden. Vor allem im Heck müssen Federvorspannung und - sofern einstellbar - die Dämpfung erhöht werden.

Eine Erhöhung des Reifendrucks ist ebenfalls nötig. Mindestens 0,2 bar mehr als im Solobetrieb sind angebracht, der maximale Reifenluftdruck (siehe Betriebsanleitung) ist allerdings zu beachten.

Kommunikation und Vertrauen

Zwischen Fahrer und Sozius muss ein großes Vertrauen herrschen. Grundsätzlich entscheidet der Fahrer. Traut sich dieser keinen Sozius zu, sollte das besser auch unterlassen werden.

Die Abstimmung mit Beifahrern ist stets wichtig, wenn man zu zweit auf dem Motorrad unterwegs ist. Erkundige dich regelmäßig bei Beifahrern, ob diese Bedenken hinsichtlich der Sicherheit haben. So stellst du deren Komfort und Wohlbefinden sicher. Vergewissere dich, dass sie mit deinem Fahrstil einverstanden sind, insbesondere mit der Beschleunigung, dem Bremsen und der Kurvenfahrt.

Möglicherweise solltest du dir ein Bluetooth-Kommunikationssystem anschaffen. So können sich Fahrer und Beifahrer jederzeit unterhalten, was die Kommunikation vereinfacht und Touren insgesamt angenehmer macht. Wer keine Helmsprechanlage besitzt, kann auch mit zuvor vereinbarten Zeichen kommunizieren (z.B. Klopfzeichen).

Richtiges Verhalten des Sozius während der Fahrt

Abschließend wollen wir nun klären, wie sich der Sozius während der Fahrt verhalten sollte. Wichtig ist, dass Sie sich als Motorrad-Beifahrer am Fahrer festhalten. So bilden Sie mit diesem eine Einheit. Einem/Einer ungeübten Sozius/Sozia muss man beibringen zu "klammern",sich also am Fahrer festzuhalten und dadurch die Bewegung mitzumachen.

Schon vor der Fahrt vereinbart man Zeichen. Zu Beginn wird es eher so sein, dass du Körperkontakt suchst und dich am Biker festhältst. Wohlgemerkt mit lockerem Griff und nicht etwa so, dass du dich am Biker „festkrallst“. Aber schon bald wirst du als Sozius so viel Fahrgefühl entwickeln, dass du quasi „mitsteuerst“.

Während sich der Biker mit der Maschine „in die Kurve legt“, verspürst du den Drang, dich aufrecht zu positionieren. Vermutlich herrscht eine gewisse Angst vor, die Maschine könnte bei dieser Neigung umstürzen. Hier kommt es dann zu einer kuriosen Situation. Je mehr du dich aufrichtest, desto tiefer muss sich der Biker in die Kurve legen, um der Fliehkraft entgegenzuwirken. Durch dieses Fahrverhalten kann es in der Kurve zu einem „Schlingerkurs“ kommen. Doch es gibt einen einfachen Trick. Rücke einfach nahe an den Biker heran - und blicke bei einer Linkskurve über die linke Schulter des Fahrers, entsprechend bei einer Rechtskurve über die rechte Schulter.

Sozia/Sozius lassen im Stand - z. B. einer roten Ampel - die Füße auf den Rasten und "hampeln" nicht rum, weil das Unruhe in die ganze Fuhre bringt.

Vor allem bei längeren Touren sollten Sie nicht nur die Etappenlänge vor Fahrtbeginn absprechen. Sind Sie zum ersten Mal mit einem Sozius auf dem Motorrad unterwegs, sollten Sie nicht gleiche eine große Strecke zurücklegen.

Checkliste für das richtige Verhalten:

  • Festhalten: Wichtig ist, dass Sie sich als Motorrad-Beifahrer am Fahrer festhalten.
  • Kurvenverhalten: Rücke einfach nahe an den Biker heran - und blicke bei einer Linkskurve über die linke Schulter des Fahrers, entsprechend bei einer Rechtskurve über die rechte Schulter.
  • Ruhe bewahren: Sozia/Sozius lassen im Stand die Füße auf den Rasten und "hampeln" nicht rum.

Motorradfahren mit Kindern

Ein Kind als Beifahrer ist aber nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Der Gesetzgeber schreibt zwar kein Mindestalter für den Kinder Sozius vor, aber die Vernunft sollte hier siegen. In jedem Fall sollte dein Kind geistig und körperlich so weit entwickelt sein, dass es den Anforderungen als Sozius gerecht werden kann.

Der Gesetzgeber regelt die Mitnahme von Kindern auf dem Motorrad in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung: Krafträder, auf denen eine zweite Person befördert wird, müssen mit einem Sitz für Beifahrer ausgerüstet sein. Hierfür sind Fußstützen und eine Festhaltemöglichkeit vorgeschrieben. Das Kind muss aber in jedem Fall körperlich und geistig reif genug dazu sein.

Falls dein Kind noch nicht bis zu den Fußrasten reicht, muss unbedingt eine Verkleidung am Hinterrad angebracht werden. Gewöhne dein Kind Schritt für Schritt an das Motorradfahren und unterlasse Highspeed-Fahrten auf der Autobahn. Ein Motorradhelm für Kinder ist ebenso obligatorisch wie auch sonstige Schutzbekleidung. Falls ihr kein Kommunikationssystem nutzt, dann vereinbart einfache (Klopf-)Zeichen. So kann dir dein Kind zum Beispiel signalisieren, falls sich vor Aufregung plötzlich die Blase meldet. Besonders komfortabel für ein Kind erweist sich indessen ein Motorrad mit Seitenwagen.

Sicherheitsvorkehrungen für Kinder

  • Das Kind trägt einen geeigneten Helm.
  • Das Kind kann so auf der Sitzbank des Motorrads sitzen, dass es die Füße auf den Fußrasten platzieren kann (eventuell muss die Höhe entsprechend angepasst werden).
  • Das Kind kann sich sicher festhalten.
  • Das Kind trägt Schutzkleidung (z. B. Jacke, Hose, Handschuhe, Stiefel und Warnweste).
  • Du hast die Erlaubnis der Eltern minderjähriger Beifahrer. Diese muss erteilt werden.
  • Du bist im Besitz eines gültigen Führerscheins und hast eine Versicherung, die die Beförderung von Beifahrern abdeckt.

Bußgelder

Wer auf dem Motorrad ein Kind ohne Helm mitfahren lässt, riskiert 60 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Trägt der oder die Erwachsene selbst keinen Schutzhelm, sind 15 Euro Verwarnungsgeld fällig.

Indem du die Einstellung etwas härter vornimmst, verhinderst du, dass die Gabel beim Bremsen allzu tief eintaucht. Wirf zudem einen Blick in das Fahrerhandbuch und erhöhe den Reifendruck hinten auf den angegebenen Maximalwert. Da das meiste Gewicht auf dem Hinterrad aufliegt, reicht es aus, beim Vorderrad in etwa 0,3 bar Reifendruck mehr zuzugeben. Hinweis: Was in diesem Zusammenhang gerne vergessen wird, ist die Kontrolle der Scheinwerfereinstellung.

Checkliste für die richtige Vorbereitung:

  • Alle technischen und mechanischen Sicherheitsvorkehrungen sollten getroffen werden.
  • Fahrer und Sozius sollten umsichtig und vorausschauend agieren.
  • Die größte Freude am Fahren haben Sozius und Fahrer als eingeschworenes Team und bei direktem (Körper-)Kontakt.
  • Vor der Fahrt einige Notfallzeichen klären.
  • Äußert der Sozius Überforderung, Anstrengung oder Sorge, sind diese ernst zu nehmen.
  • Kurze Strecken eignen sich hervorragend, um ein Gefühl für das Miteinander und das Bike zu bekommen.

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