Jede Hinterradnabe eines Fahrrads, das mit einer Kettenschaltung ausgestattet ist, verfügt über einen Freilauf bzw. Freilaufkörper. Doch was genau ist der Freilauf und welche Funktion erfüllt er am Fahrrad?
Vereinfacht ausgedrückt ermöglicht der Freilauf der Nabe im Hinterrad, dass sich das Rad drehen kann, ohne dass die Pedale mitbewegt werden, wenn der Fahrer nicht in die Pedale tritt. Ohne den Freilauf würde sich, bei einer Drehung des Hinterrads, durch die mechanische Verbindung über die Fahrradkette die Kurbel mit den Pedalen weiterdrehen, selbst wenn der Fahrer nicht tritt. Dies würde es unmöglich machen, eine Pause vom Treten einzulegen.
Der Freilauf wirkt hier wie eine Kupplung und entkoppelt die Verbindung zwischen Kettenrad und Pedalen, sodass die Kurbel stillsteht, während sich das Rad weiterdreht. Auf dem Markt gibt es jedoch verschiedene Freilauf-Standards, was für Fahrradbesitzer und Laien eine Herausforderung darstellen kann, den Überblick zu behalten.
Freilaufkörper passend zu Kassette und Nabe: So findest Du den richtigen Freilauf
Wenn auch die Wahl des richtigen Freilaufs beim Neukauf eines Rades, einer Hinterradnabe oder eines Systemlaufradsatzes ein wichtiger Faktor ist - beim Umbau, Upgrade oder Tuning spielt der Freilaufkörper sogar die Hauptrolle. Er stellt eine Vielzahnverbindung zur Kassette her, auf die Deine Beinkraft über die Kette übertragen wird. Dabei gibt es verschiedene Standards.
Wenn Du also Deinen Antriebsstrang tunen oder umbauen willst, musst Du besonders auf den Freilaufkörper achten.
Es gibt zwei wichtige Kriterien bei der Wahl.
- Er muss für die gewünschte Kassette geeignet sein
- auf Deine Hinterradnabe passen
Die meisten Nabenhersteller bieten Umrüst-Kits für die Montagestandards verschiedener Kassetten- bzw. Antriebshersteller an. Rüstest Du Deinen Antrieb innerhalb der Produktpalette desselben Herstellers um, etwa von einem Shimano-Zehn- auf Elffach-Antrieb oder von SRAM-Elf- auf Zwölffach, kommst Du oft um den Tausch des Freilaufkörpers herum.
Entscheidend ist aber die Freilaufkompatibilität der gewünschten Kassette.
Gängige Montagestandards und Kassettenkompatibilitäten
Damit Du beim Einkauf den Überblick behältst, haben wir die gängigsten Montagestandards und Kassettenkompatibilitäten kurz zusammengefasst.
Shimano MTB (HG)
Der Shimano-Hyperglide(HG)-MTB-Standard ist für Acht-, Neun-, Zehn- und Elf-Gang-Mountainbikekassetten von Shimano und diversen anderen Herstellern geeignet, bei denen das kleinste Ritzel mindestens elf Zähne hat (auch SRAM, aber nicht SRAM XD oder XDR). Der Platz für die Kassette ist 34,9 Millimeter lang und hat neun Rillen. Shimano bezeichnet den Standard auch als „HG spline M“.
Achtung: Acht-, Neun-, und Zehn-Gang-Rennradkassetten von Shimano passen ebenfalls.
Shimano Road (HG)
Der Shimano-Hyperglide(HG)-Road-Standard ist für Acht-, Neun-, Zehn-, Elf- und Zwölf-Gang-Rennradkassetten von Shimano und diversen anderen Herstellern geeignet, bei denen das kleinste Ritzel mindestens elf Zähne hat (auch SRAM, aber nicht SRAM XD oder XDR). Der Platz für die Kassette ist 36,75 Millimeter lang und hat neun Rillen. Acht- bis Zehnfach-Kassetten kannst Du mit Hilfe eines Spacers montieren.
Shimanos Bezeichnung ist „HG spline L“.
Achtung: Die Elffach-Road-Kassetten CS-HG800 und CS-HG700 benötigen ebenfalls einen Spacer.
Shimano Road Zwölffach (HG+)
Shimanos Zwölffach-Dura-Ace-Hinterradnaben verfügen über einen spezifischen Freilauf, der in Kombination mit Dura-Ace-Laufrädern ausgeliefert wird. Die Zwölffach-Kassette greift hier in 18 Rillen, die 37,65 Millimeter lang sind. Shimano nennt den Freilauf „HG spline L2“.
Achtung: Der Freilauf ist lediglich mit Zwölffach-Kassetten kompatibel.
Shimano Micro Spline
Mit dem Schritt zu Zwölf-Gang-MTB-Antrieben hat Shimano den Micro-Spline-Standard eingeführt. Er erlaubt die Verwendung eines kleinsten Ritzels mit zehn Zähnen und ist kompatibel mit Zwölf-Gang-MTB-Kassetten von Shimano. Die Kassette sitzt auf 23 Rillen, die 26 Millimeter lang sind. Shimano lizensiert die Verwendung der Micro-Spline-Technologie an andere Hersteller von Kassetten oder Hinterrad-Naben.
Achtung: nicht verwendbar mit SRAM-XD- und XDR-kompatiblen Kassetten.
SRAM XD
Der XD-Standard wurde von SRAM mit der Einführung der Elf-Gang-MTB-Antriebe als offener Standard eingeführt, um die Verwendung von Kassetten mit einem kleinsten Ritzel mit zehn Zähnen oder weniger (z. B. e*thirteen mit einem Neuner-Ritzel) zu ermöglichen. Er ist kompatibel mit Elf- und Zwölf-Gang-Kassetten von SRAM und diversen Drittanbietern.
Achtung: nicht verwendbar mit Shimano-kompatiblen Kassetten (HG). Nicht verwendbar mit SRAM-XDR-Kassetten (Zwölf-Gang-Road).
SRAM XDR
Im Gegensatz zu SRAM XD hat der XDR-Standard eine um 1,85 mm vergrößerte Aufnahme. Er ist zur Verwendung von Kassetten mit einem kleinsten Ritzel von zehn Zähnen oder weniger gedacht und kompatibel mit SRAM-Road-12-Gang-Kassetten.
Bei Verwendung eines 1,85-mm-Abstandshalters (Spacer) ist er rückwärts-kompatibel mit SRAM-XD-Kassetten (s. o.).
Achtung: Nicht verwendbar mit Shimano-kompatiblen Kassetten.
Campagnolo
Der italienische Hersteller Campagnolo verwendet einen eigenen Freilauf-Standard mit acht unterschiedlich geformten Rillen, auf denen die Kassette sitzt. Es passen Kassetten der Neun-, Zehn-, Elf- und Zwölffach-Rennradgruppen.
Achtung: nicht verwendbar mit Shimano- oder SRAM-kompatiblen Kassetten.
Campagnolo N3W
Seit 2020 gibt es von Campagnolo einen weiteren Freilauf: N3W. Der Freilaufkörper hat die gleiche Verzahnung wie der klassische Campa-Freilauf mit acht Rillen. N3W ist allerdings kürzer, um Platz für die kleinsten Ritzel (neun und zehn Zähne) von 13-fach-Kassetten zu lassen. Mit einem Adapter ist N3W kompatibel mit älteren Kassetten aus dem Hause Campagnolo.
Achtung: nicht verwendbar mit Shimano- oder SRAM-kompatiblen Kassetten.
Der Shimano Hyperglide 7-fach-Standard gilt als bewährter und traditioneller Standard im Bereich der Fahrradtechnik. Er ist speziell für 7-fach Kassetten von Shimano sowie für Kassetten anderer, kompatibler Fremdanbieter konzipiert, bei denen das kleinste Ritzel der Kassette mindestens 11 Zähne aufweist.
Der Shimano Hyperglide MTB-Standard hat sich als weit verbreiteter und etablierter Standard in der Branche durchgesetzt. Er ist kompatibel mit 8-, 9-, 10- und 11-fach Mountainbike-Kassetten von Shimano sowie mit Kassetten anderer, kompatibler Fremdanbieter, bei denen das kleinste Ritzel mindestens 11 Zähne umfasst. Dies schließt auch Kassetten von SRAM ein, jedoch nicht die Modelle SRAM XDR oder XD.
Der Shimano Hyperglide Road Standard ist für 8-, 9-, 10-, 11- und 12-Gang-Rennrad-Kassetten von Shimano sowie für kompatible Drittanbieter, einschließlich SRAM (mit Ausnahme von SRAM XDR und XD), geeignet, sofern das kleinste Ritzel der Kassette 11 Zähne oder mehr aufweist.
Um Shimano 8- bis 10-fach Road-Kassetten oder 11-fach MTB-Kassetten zu verwenden, sind sogenannte Spacer (Distanzringe) erforderlich, um ein Spiel der Kassette auf dem Freilauf zu vermeiden.
Mit der Einführung der 12-fach MTB-Antriebe hat der japanische Hersteller Shimano den Micro Spline-Standard etabliert. Dieser Standard ermöglicht die Verwendung von kleinsten Ritzeln mit lediglich 10 Zähnen.
Micro Spline ist mit den 12-fach MTB-Kassetten von Shimano sowie mit Kassetten kompatibler Drittanbieter vereinbar. Drittanbieter haben die Möglichkeit, mit einer Lizenz von Shimano Kassetten und Hinterradnaben zu entwickeln und anzubieten.
Mit der Einführung der 11-fach MTB-Antriebe hat der Hersteller SRAM den XD-Standard etabliert. Dieser Standard ermöglicht die Verwendung von Kassetten mit einem kleinsten Ritzel von 10 Zähnen oder weniger. Der SRAM XD-Standard ist mit 11- und 12-fach Kassetten von SRAM sowie von kompatiblen Drittanbietern kompatibel.
Im Vergleich zum SRAM XD-Standard weist der XDR-Standard eine um 1,85 mm breitere Aufnahme auf dem Freilaufkörper auf. Dieser Standard ermöglicht die Verwendung von Kassetten mit einem kleinsten Ritzel von 10 Zähnen oder weniger und ist zudem mit SRAM-Road-12-fach-Kassetten kompatibel. Bei Verwendung eines 1,85 mm Distanzrings ist der XDR-Standard rückwärtskompatibel mit SRAM XD-Kassetten.
Der italienische Hersteller Campagnolo bietet eine Vielzahl von Freilaufversionen an, darunter den 8-fach Freilauf sowie Rennrad-Kassetten für 9 bis 12 Gänge.
Campagnolo hat mit dem N3W Freilauf einen innovativen Standard eingeführt. N3W steht für "Next 3 Ways" und ermöglicht die Verwendung spezieller N3W-Kassetten mit bis zu 13 Gängen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, über einen Adapter auch ältere Campagnolo Kassetten mit 11 bis 12 Gängen auf dem N3W-Freilauf zu montieren.
Übersichtstabelle: Welcher Freilauf ist mit welcher Kassette kompatibel?
Hier ist eine Übersichtstabelle, die die Kompatibilität verschiedener Freiläufe mit verschiedenen Kassetten zusammenfasst:
| Art des Freilaufs | Welche Kassetten passen vom Profil? | Wie viele Ritzel kann die Kassette haben? | Spacer benötigt? |
|---|---|---|---|
| Shimano MTB (HG spline M) | Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (SunRace, OneUp Components, u. a.) | Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) Ausgewählte Zehnfach-Road: CS-7900 / CS-7800 / CS-6700 / CS-6600 / CS-5700 / CS-5600 Acht-/Neun-/Zehnfach(Road und MTB) | Nein 1,85 + 1 mm Nein |
| Shimano Road (HG spline L) | Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (Rotor, Miche, u. a.) | Zwölffach-Road Elffach-Road (außer CS-HG800 und CS-HG700) Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) Ausgewählte Zehnfach-Road: CS-7900 / CS-7800 / CS-6700 / CS-6600 / CS-5700 / CS-5600 Acht-/Neun-/Zehnfach(Road und MTB) | Nein Nein 1,85 mm 1 mm 1,85 mm |
| Shimano 12-fach Road (HG spline L2) | Shimano | Zwölffach-Road | Nein |
| Shimano 12-fach Micro Spline | Shimano | Zwölffach-MTB | Nein |
| SRAM XD | SRAM und div. Fremdanbietern (e*thirteen, KCNC, u. a.) | Elf-/Zwölffach (MTB) | Nein |
| SRAM XDR | SRAM | Zwölffach (Road) Elf-/Zwölffach (MTB) | Nein 1,85 mm |
| Campagnolo | Campagnolo Ultra-Drive | Neun-/Zehn-/Elf-/Zwölffach-Ultra-Drive | Nein |
| Campagnolo N3W | Campagnolo N3W | 13-fach Elf-/Zwölffach | Nein Adapter (Art-Nr. 78166) |
Schraubkränze vs. Kassettennaben
Ältere Mehrgang-Fahrräder sind mit einfacheren Hinterradnaben ausgestattet, die ein Gewinde auf der rechten Seite des Nabengehäuses aufweisen. Das ist anders als beim modernen Design der „Kassettennaben“, bei dem der Freilauf-Mechanismus einen mehr oder weniger festen Bestandteil der Nabe bildet.
Ein Standard-Schraubkranz wird auf der Nabe montiert, indem man ihn auf das entsprechende Gewinde der Nabe dreht. Alle aktuellen Schraubkränze und Naben mit Gewinden verwenden ISO-Gewinde, egal wo sie hergestellt wurden.
Traditionelle Hinterradnaben wurden mit einem genormten Gewinde für aufschraubbare Ritzelpakete mit Freilauf - sogenannte „Schraubkränze“ - ausgestattet. Dies ermöglichte die Verwendung jeder beliebigen Marke von Schraubkränzen auf den Naben unterschiedlicher Hersteller.
Wenn die Ritzel abgenutzt waren oder man andere Übersetzungen benötigte, konnte man den Schraubkranz abnehmen und einen anderen montieren.
Im Laufe der letzten Jahre haben Shimano-Kassettennaben die traditionellen Schraubkranznaben grösstenteils abgelöst. Aufgrund der Anordnung der Lager in einer Shimano-Kassettennabe, wird die Achse näher an den Enden gestützt. Als Ergebnis sind verbogene Achsen ein sehr seltenes Problem bei diesen Naben.
Der Freilaufkörper integriert den Ratschenmechanismus in den Nabenkörper (wenn auch der Ratschenmechanismus immer noch austauschbar ist). Die Ritzel werden üblicherweise in einem kompletten Satz, der „Kassette“ verkauft.
Die Ritzel in einer Kassette werden normalerweise durch drei Schrauben oder Bolzen zusammengehalten, um die Montage zu erleichtern. Diese Verbindung ist in keinster Weise notwendig, sie sorgt nur dafür, die Ritzel und Zwischenringe in der richtigen Reihenfolge und Ausrichtung zu halten, wenn man die Kassette vom Freilaufkörper abgenommen wird.
Einige der hochwertigeren Kassetten verwenden eine „Spinne“ (Spider), einen Metallträger, auf dem die 4 oder 5 grössten Ritzel montiert sind.
Moderne Hyperglide-artige Kassetten (alles, was seit den späten 1980ern hergestellt wurde) verwenden einen Verschlussring mit Gewinde, um die Ritzel auf dem Freilaufkörper zu fixieren.
Es gibt ein spezielles Werkzeug mit Rippen, die in die entsprechenden Aussparungen des Verschlussrings greifen - sogenannte „Abzieher“.
Der Verschlussring hat ein normales Rechtsgewinde und wird im Uhrzeigersinn festgedreht. Wenn der Ring gelöst werden soll, muss er gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden.
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