Der Hockenheimring, eine traditionsreiche Rennstrecke in der Metropolregion Rhein-Neckar, ist nicht nur Schauplatz spannender Motorsportveranstaltungen, sondern auch Ort tragischer Unfälle. Dieser Artikel beleuchtet einige dieser Vorfälle, analysiert mögliche Ursachen und diskutiert Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit.
Tragischer Unfall im IDM-Training
Im zweiten freien Training zum Finale in der Internationalen Deutschen Motorradstraßenmeisterschaft (IDM) stürzte Leon Langstädtler in der Superbike 1000-Klasse Eingangs Motodrom auf dem Hockenheimring. Nach Augenzeugen wurde er von einem nachfolgenden Fahrer erfasst.
Das Superbike-Training wurde sofort mit der roten Flagge abgebrochen, doch der 24-jährige BMW-Pilot erlag trotz intensiver Bemühungen der Mediziner seinen Verletzungen auf der Rennstrecke. Die Familie und die Teammitglieder wurden in der Box von Notfallseelsorgern betreut. Ein Sachverständiger wurde zur Untersuchung des Unfallhergangs von der Staatsanwaltschaft Heidelberg beauftragt und war mit der Polizei bis nach 18 Uhr auf der Rennstrecke im badischen Motodrom.
Im ersten freien Training in Hockenheim hatte Leon Langstädtler aus Idstein (Rheingau-Taunus-Kreis), der für den ADAC Hessen-Thüringen startet, den zehnten Platz belegt. In der bisherigen Saison erzielte Langstädtler 18 Punkte und liegt auf dem 22.
Abbruch beim Deutschen Langstrecken-Cup nach schwerem Unfall
Bei der Auftaktveranstaltung zum Deutschen Langstrecken-Cup (DLC) für Motorräder auf dem Hockenheimring, wurden die 1000 Kilometer nach einem schweren Unfall am Samstagmittag abgebrochen. Eingang Motodrom ist ein 21-jähriger Motorradfahrer, der im Rahmen des RACEFOXX 1000km gestürzt ist, von einem nachfolgenden Piloten überfahren. Die Veranstaltung wurde daraufhin abgebrochen.
Am Start, der um 11.30 Uhr terminiert war, waren 42 Motorrad-Teams. Davon 19 Superbike-Teams, 15 Supersport-Teams und 8 Endurance-Teams. Auf verschiedenen Rennstrecken werden Langstreckenrennen über verschiedene Distanzen zwischen 4 Stunden und 1000 km durchgeführt.
Die Teams bestehen in den Klassen SUPERSPORT und SUPERBIKE aus maximal 3 Fahrern mit maximal 3 Motorrädern je Team, in der Klasse ENDURANCE aus maximal 3 Fahrern mit einem Motorrad je Team. In diesem Jahr gibt es drei Veranstaltungs-Termine. Neben dem Saisonauftakt auf dem Hockenheim gibt es am 11. Mai ein 4-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, das Finale wird am 3. Oktober beim 6-Stunden-Rennen in Oschersleben ausgetragen.
Ursachen und Risikobereitschaft
Eine Kommission des Internationalen Motorrad-Rennsportverbandes FIM analysiert seit Jahren die Sturzflut. Das überraschende Ergebnis der Studie: Je sicherer die Strecke, desto höher die Unfallquote. Kommissions-Chef Luigi Brenni: »Wer zuerst den Gasgriff zurückdreht, hat verloren.
Zwar gibt es Spitzenverdiener wie den Amerikaner Eddie Lawson (geschätzt eine Million Dollar pro Jahr), aber nur etwa 20 der rund 150 Piloten in allen fünf WM-Klassen kassieren von Sponsoren mehr als 100000 Mark pro Jahr. Der Rest ist auf die Preisgelder angewiesen. Zwei Faktoren steigern die Risikobereitschaft über bisher bekannte Grenzen. Zum einen erlaubt technischer Fortschritt extreme Schräglagen von nahezu 50 Grad. Zum anderen wurde die passive Sicherheit erhöht.
Wer stürzt, muß tatsächlich nicht mehr unbedingt mit dem Schlimmsten rechnen, das zeigt die Statistik. 1983 starben vier Piloten, 1984 noch einer, danach gab es keinen tödlichen Unfall mehr. Aber diese eher trügerische Sicherheit hat jetzt eine Spirale in Gang gesetzt, die neues Unheil ankündigt. Immer mehr Piloten fahren nach dem Motto, das der dreifache Weltmeister Kenny Roberts so beschrieb: »Ich habe gedacht, ob ich da mit Tempo 150 oder 160 runterfliege, ist eigentlich egal.«
Doch wenn derart am Limit gefahren wird, genügt es, »wenn ein Zuschauer auf die Strecke spuckt« (der frühere FIM-Vizepräsident Bosch), um den Sturz auszulösen. In der FIM-Studie 86 heißt es dazu: »Die Fahrer müssen gewarnt werden.« Erfolg dürfte das kaum haben, die Piloten leben ja auch von ihrem Heroen-Image. Und das pflegen sie ausgiebig.
»Wenn ich ein Rennpferd wäre, hätte man mich schon längst erschossen«, pflegte Sheene zu sagen. Diese Easy-Rider-Mentalität lockt die Zuschauer. Im Schnitt sind es pro Grand Prix rund 80000, in Hockenheim werden 120000 erwartet. Die meisten kommen mit dem Motorrad, nicht wenige versuchen so zu fahren, wie sie es im Rennen bei den Stars erleben, einige überleben das nicht.
Verkehrssicherheitsprogramm "young drivers Xperience"
Innenminister Reinhold Gall sagte am Samstag, 24. September 2011, in Hockenheim: „18- bis 24-Jährige sind überproportional an Verkehrsunfällen beteiligt. Hier auf der Rennstrecke kann jeder erfahren, wo seine Schwächen sind und wie er sich gegen die Gefahren wappnen kann.“ Im vergangenen Jahr seien in Baden-Württemberg bei Verkehrsunfällen unter Beteiligung von jungen Fahrern 15.756 Personen verletzt worden, davon 147 tödlich. Dies bedeute, dass jeder dritte Verkehrstote im Land auf solch einen Unfall zurückzuführen sei. 92 tödlich verletzte Fahranfänger hätten dabei den Unfall selbst verursacht.
Hauptunfallursachen bei jungen Fahrern seien überhöhte Geschwindigkeit, Missachten der Vorfahrt und riskante Fahrmanöver. Fehlende Erfahrung werde leider häufig durch Imponiergehabe, Selbstüberschätzung und Alkoholgenuss negativ ergänzt. Positiv sei festzustellen, dass die Unfälle unter Alkoholeinfluss, die von 18- bis 24-Jährigen verursacht worden seien, innerhalb von fünf Jahren von 2.329 im Jahr 2006 auf 1.656 im vergangenen Jahr zurückgegangen seien. „Leider ist dies weniger auf Vernunft und Einsicht zurückzuführen, hier macht sich die Null-Promille-Grenze für Fahranfänger bemerkbar“, betonte Gall.
„Um diese Altersgruppe anzusprechen, wollen wir ausgetretene Wege verlassen. Mit ‚young drivers Xperience’ haben sich die Verkehrsexperten etwas ganz Neues einfallen lassen, wie schon der Veranstaltungsort auf der Rennstrecke zeigt“, sagte Innenminister Gall. Beispielsweise habe man bei Fahrsicherheitstrainings üben können, wie das Fahrzeug sicher beherrscht und wie in Extremsituationen reagiert werden müsse. Fachleute seien an Informationsständen bereit gestanden, um Fragen zum legalen Tuning und zu Aktionen für bessere Verkehrsicherheit zu beantworten.
Echtes Rennfeeling sei bei den Beifahrern im Mercedes-Benz SLS AMG Renntaxi aufgekommen, während sie von den DTM-Piloten Christian Vietoris und Mario Engel um den Kurs pilotiert wurden. Bei einem Wettbewerb hätten Mannschaften den Sieger bei einem Profireifenwechsel im Boxenstopp ermittelt. Nicht nur für die Biker-Szene sei das Action-Team der Zeitschrift Motorrad mit entsprechendem Material vor Ort gewesen. Die Moderation mit teilweiser Live-Berichterstattung sei durch SWR „DASDING“ erfolgt.
Innenminister Reinhold Gall dankte allen Organisatoren und Unterstützern der „young drivers Xperience“: „Die bundesweit bisher einzigartige Veranstaltung soll die Gefahren im Straßenverkehr speziell bei jungen Fahren ins Bewusstsein rücken. Ohne die finanzielle und ideelle Unterstützung unserer Partner könnten wir ein solches Großereignis nicht stemmen.“ Er hoffe, dass sich diese in allen Belangen überzeugende Veranstaltung in der Unfallstatistik niederschlagen werde und er im kommenden Jahr alle Beteiligten in Hockenheim beim zweiten Aktionstag wieder begrüßen könne.
Die Landesverkehrswacht Baden-Württemberg unterstützt selbstverständlich „young drivers Xperience“ unter dem Motto „…ans Limit nur auf der Rennstrecke“. Präsident Heinz Kälberer: „Wir stellen uns selbstverständlich in den Dienst der Verkehrssicherheit. Wir bieten unter anderem in Hockenheim auch kurze Fahrtrainings an, um deutlich zu machen, wie verheerend sich Fahrfehler auswirken können. Selbstverständlich wollen wir, dass die Teilnehmer und Zuschauer auf den Geschmack kommen und an weiteren Trainings teilnehmen.“
„Für den TÜV-SÜD stand ohne Zögern fest, dass wir uns an der bisher einzigartigen Aktion beteiligen. Der einwandfreie technische Zustand des eigenen Fahrzeuges ist ein absolutes Muss. Wir haben gerne kostenlose Tipps gegeben und technisch beraten“, sagte der Direktor für Sachverständigenwesen des TÜV-SÜD, Martin Jost.
Gesellschaftliche Kosten von Motorradunfällen
In einer Studie der renommierten Institute CE Delft, HINFRAS und Fraunhofer ISI von 2008/2011 sind motorisierte Zweiräder der Spitzenreiter und damit teuerstes Verkehrsmittel für die Gesellschaft. Kostentreiber sind vor allem die Unfälle: Schäden, Rettung, Krankenhausaufenthalte etc. Aber auch in Sachen Lärmkosten sind Motorräder einsame Spitze.
Verunglückter Motorradrennfahrer Barry Sheene
Barry Sheene konnte weder bremsen noch ausweichen. Im General Hospital von Northampton berieten die Arzte lange, ob sie Sheenes gebrochene Beine ober- oder unterhalb der zertrümmerten Kniescheiben amputieren müßten, dann wagten sie doch einen Rettungsversuch. Chefchirurg Nigel Cobb, der die Knochen mit 27 Schrauben zusammensetzte: »Als wir mit der Operation begannen, fielen uns die Trümmer der Kniescheiben wie gebrochene Eierschalen entgegen.« Acht Monate darauf, am 19. März 1983, startete der Brite, damals 32 Jahre alt, sein Comeback.
Mehr als 30 Knochenbrüche, so schätzt der zweimalige Motorrad-Weltmeister, hat er in seiner 16 Jahre währenden Karriere erlitten. Dazu büßte er den kleinen Finger der linken Hand ein. Als Sheene, von Königin Elizabeth mit dem Orden »Member of the British Empire« _(Nach dem Unfall von Silverstone. dekoriert, 1984 zurücktrat, lautete der Tenor der Abschiedshymnen: So oft wie er werde künftig kein Top-Fahrer mehr stürzen.
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