Viel schlimmer geht’s wirklich nicht: Hofheim hat vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) erneut ein ganz mieses Zeugnis ausgestellt bekommen. Bei einem bundesweiten Test bekam die Kreisstadt die Gesamtnote 4,5. Sie landete damit auf Platz 425 von bundesweit 447 Orten vergleichbarer Größe - und auf dem vorletzten Platz in Hessen.
Aus Hessen nahmen am großen ADFC-Test insgesamt 42 Orte vergleichbarer Größe (20.000 bis 50.000 Einwohner) teil. Schlechter als Hofheim schnitt in Hessen nur Bad Hersfeld ab. Insgesamt haben an dem deutschlandweiten 10. Fahrradklima-Test des ADFC rund 245.000 Radfahrer teilgenommen. Sie bewerteten 1.114 Städte und Gemeinden, so viele wie noch nie.
Unterm Strich klingt die Bilanz des ADFC ernüchternd: „Die Fahrradfreundlichkeit hat weiter leicht abgenommen und ist nur ausreichend“, heißt es im Fazit. Zwar seien leichte Verbesserungen in den Großstädten über 500.000 Einwohnern zu erkennen. Auf dem Land aber ändere sich das Fahrradklima nicht spürbar.
Das Ergebnis des ADFC-Fahrradklima-Tests
Der ADFC-Testbericht deckt schonungslos auf, dass die meisten Lokalpolitiker der Kreisstadt Hofheim am Taunus kein Herz für Radfahrer haben: In sieben Kategorien gab es für Hofheim die Schulnote 3, in elf Kategorien eine 4, in neun Kategorien nur ein mangelhaft (Note 5).
Mit einem derart schwachen Ergebnis kommt man natürlich auch auf Landesebene nicht weit. Aus Hofheim hatten sich 173 Radfahrer an der Untersuchung beteiligt: Wenigstens hier belegte die Kreisstadt einen der vorderen Plätze.
Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020 zeigen ähnliche Tendenzen. Der Fahrrad-Club rief gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur wieder hunderttausende Radfahrer:innen dazu auf, die Fahrradfreundlichkeit von Städten und Gemeinden zu bewerten. Die Umfrage fand vom 1. September bis zum 30. November 2020 statt. Schlusslicht in unserem Bereich ist erneut die Kreisstadt Hofheim, die nur den viertletzten Platz der 39 Kommunen der Kategorie 20.000 bis 50.000 Einwohner erreichte. Einhellig kritisiert wird die unzureichende Verbindung zwischen Hofheim-Süd/Marxheim und der Kernstadt sowie die Verbindung zwischen Hofheim und Lorsbach.
Interessant waren auch Antworten auf die offenen Fragen des Fahrradklima-Tests. In Hofheim wurde die aktuelle Lage für radelnde Mitbürger:innen am Busbahnhof als "Katastrophe" bezeichnet. Auch am Lorsbacher Bahnhof wird die Situation als untragbar angesehen, der Bahnsteig ist mit Pedelecs nicht erreichbar.
Kritik der Bürger
Dass Hofheim keine fahrradfreundliche Stadt ist, ist kein Geheimnis. Wie schon all die Jahre zuvor, belegte Hofheim auch beim letzten Fahrradklima-Test des ADFC, bei dem 173 Hofheimer Bürger verschiedene Fragen zur Fahrradsituation ihrer Stadt bewertet hatten, wieder einen miserablen vorletzten Platz bei den hessischen Städten zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern mit der Schulnote 4,48.
Boris Birneder, Sabine Proske und Clemens Sommer haben allerdings ganz unabhängig voneinander festgestellt, dass es in Hofheim nicht ganz ungefährlich ist, sich aufs Fahrrad zu schwingen. Das hat sie zusammengebracht, denn alle drei sind regelmäßig dabei, wenn die Initiative „Hofheim bewegt sich“ für eine fahrradfreundlichere Kreisstadt demonstriert.
Die Rheingaustraßen-Brücke über die Bahn zu nutzen, ist nach Einschätzung der Marxheimerin Proske mit dem Bau der Leitplanken eher gefährlicher geworden für Radfahrer. Sie tut es trotzdem, genauso wie ihre Kinder. Auch sie findet es schlimm, dass gerade die Hauptstraßen keine Radwege oder zumindest Radstreifen haben und nach wie vor vielfach Tempo 50 gestattet ist.
Am Busbahnhof in Hofheim vermisst er Radfahrer- und Fußgängerfreundlichkeit. Sabine Proske fehlen dort wie in der Innenstadt sichere Abstellmöglichkeiten für die teueren E-Bikes, die immer mehr Hofheimer zwar besäßen, aber sich kaum trauten, sie für einen Stadtbesuch zu nutzen, eben weil sie nirgends sicher geparkt werden könnten. Ein Rad in eine obere Etage wuchten zu sollen, wie an einigen der Hofheimer Radabstellanlagen, sei ebenfalls alles andere als attraktiv.
Das erfahrene Radfahrer-Trio ist enttäuscht darüber, wie wenig Gehör ihren Anliegen bislang im Hofheimer Rathaus geschenkt worden sei. Treffen mit der zuständigen Verkehrsplanerin oder dem Nahmobilitätsbeauftragten sind für sie eher frustrierend, weil zumeist gesagt werde, was alles nicht gehe, etwa weil die Stadt auf Bundes- und Landstraßen nichts entscheiden dürfe.
Bemühungen und Initiativen
Ihr Protest ist nicht laut und knallig, sondern eher vorsichtig und rücksichtsvoll. Sie kleben sich nicht auf den Straßen fest, sondern treten in die Pedale. Die Radfahrer-Bewegung hat soeben ihre Webseite generalüberholt, stellt dort ihre Ziele vor und gibt aktuelle Informationen. Regelmäßig informieren wir auf dieser Webseite über unsere Radfahrer-Demos, über Veranstaltungen und sonstige Neuigkeiten rund ums Radfahren in Hofheim.
FAHRRAD-DEMO AM SAMSTAG „Hofheim bewegt sich“ - das Bündnis, für das sich auch der ADFC und die Hofheimer Lokale Agenda stark machen - plant für den kommenden Samstag, 28. September, eine deutlich größere Fahrrad-Demo als üblich.
Mit „Zubringertouren“ können Unterstützer sternförmig nach Hofheim radeln. Die Touren kommen aus Kelkheim (Start 10.15 Uhr ab Brunnen Stadtmitte Süd), Hattersheim (10.30 Uhr ab Marktplatz), Bad Soden und Flörsheim (jeweils 10 Uhr ab Rathaus). Von 11 bis 13 Uhr wird dann per Rad-Tour vom Startpunkt Kellereiplatz aus demonstriert. Das Ziel ist wieder der Kellereiplatz im Herzen Hofheims, wo zur Belohnung die beim Stadtradeln gewonnenen fünf Kilo Eis ausgegeben werden.
Es gibt inzwischen viele Organisationen und Unternehmen, die sich für ein radfahrer-freundliches Hofheim stark machen.
Reaktionen der Stadtverwaltung
„Radfahren ist gesundheitsfördernd und klimaschützend - und eine fahrradfreundliche Gemeinde ist attraktiv für alle. Der ADFC-Fahrradklima-Test ist hier ein guter Gradmesser. Auch der Vergleich mit anderen Gemeinden in Sachen Fahrradfreundlichkeit gibt uns wichtige Impulse“, betont Bürgermeister Christian Vogt.
Hofheims Erster Stadtrat Daniel Philipp ergänzt: „Die Ergebnisse geben uns ein klares Bild davon, wo das Angebot für Radfahrende schon gut ist und wo wir noch nachbessern können. Das Beantworten der 27 Fragen dauert nur rund zehn Minuten. Wer mag, kann sich im Anschluss für einen Newsletter anmelden, um über die Ergebnisse informiert zu werden. Die fahrradfreundlichsten Städte und Gemeinden in sechs Größenklassen werden dann im Frühjahr 2025 im Bundesverkehrsministerium in Berlin ausgezeichnet.
Positive Beispiele und Verbesserungen
Kriftel wollen wir nicht unterschlagen: Die Gemeinde belegte Platz 3 unter den hessischen Orten mit bis zu 20.000 Einwohnern, im Bundesvergleich landete sie auf Platz 51 (von 474). Gesamtnote: 3,46. Nicht schlecht also! Hier wurde gleich sechs Mal die Note “gut” gegeben: für geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung (2,0), Erreichbarkeit Stadtzentrum (2,2), Fahrradmitnahme in der Bahn (2,3), Wegweisung für Radfahrer (2,3), zügiges Radfahren (2,4) und Konflikte mit Fußgängern (2,9). Schlechteste Note: eine 4,9 in der Kategorie “öffentliche Fahrräder / Fahrradverleih”.
Für insgesamt rund 1,5 Mio. Euro verbessert und saniert der Main-Taunus-Kreis Kreisstraßen und Radwege in verschiedenen Kommunen. Wie Kreisbeigeordneter Johannes Baron mitteilt, laufen die Arbeiten teilweise schon in den Sommerferien an, manche werden in den kommenden Jahren abgeschlossen.
Bis zum Spätsommer starten den Angaben zufolge die Arbeiten am Radweg an der Kreisstraße 782 zwischen dem Weingut Schreiber und der Gartenstadt in Hochheim und die Sanierung des Radwegs an der Kreisstraße 785 zwischen den Hofheimer Stadtteilen Diedenbergen und Wallau am Messecenter Rhein-Main. Im gleichen Zeitraum wird der Radweg an der Kreisstraße 801 am Ortsausgang von Sulzbach Richtung Schwalbach saniert.
Radwege werden von Barrieren befreit (Hattersheimer Weg), asphaltiert und verbreitert, Sträucher werden entfernt und Zäune zurückgesetzt, damit Fahrradfahren einfacher und fließender wird.
ADFC Fahrradklima-Test Ergebnisse im Überblick
| Stadt/Gemeinde | Platz in Hessen | Platz im Bund | Gesamtnote |
|---|---|---|---|
| Kriftel | 3 (bis 20.000 Einwohner) | 51 (von 474) | 3,46 |
| Eppstein | Mittelfeld | - | - |
| Hofheim | Vorletzter (20.000 - 50.000 Einwohner) | 425 (von 447) | 4,5 |
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