Erhöhter PSA-Wert: Ursachen und Bedeutung

Ein erhöhter PSA-Wert treibt vielen Männern die Sorgenfalten auf die Stirn. Doch es muss nicht gleich Prostatakrebs dahinter stecken. Nicht jeder Anstieg des PSA-Wertes bedeutet automatisch Prostatakrebs.

Was ist ein PSA-Wert?

PSA ist die Abkürzung für "prostataspezifisches Antigen". Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das nur die Drüsenzellen der Prostata herstellen. Die Aufgabe des Proteins: den Samen verflüssigen und die Spermien beweglicher machen. PSA ist größeren Mengen in der Samenflüssigkeit und in geringeren Konzentrationen auch im Blut nachweisbar - dort hat es jedoch keine Funktion. Weil die Prostata gut durchblutet ist, gelangen permanent kleine PSA-Mengen ins Blut. Aber auch Prostatakrebszellen schütten PSA aus, und zwar in viel größeren Mengen als gesunde Prostatazellen. Verändert sich die Prostata oder ist das Prostatagewebe Reizungen ausgesetzt, gelangt mehr PSA ins Blut. Dann steigt der PSA-Wert.

Der PSA-Wert ist nicht krebsspezifisch, sondern prostataspezifisch. Das heißt, auch andere Veränderungen der Vorsteherdrüse, wie die altersbedingte gutartige Vergrößerung oder Entzündungen der Prostata, führen zu einer PSA-Werterhöhung.

Mit dem sogenannten PSA-Test lässt sich feststellen, in welcher Menge ein bestimmtes Eiweiß, das prostataspezifische Antigen (PSA), im Blut oder in der Prostata selbst vorkommt. Bei bestimmten Erkrankungen wird PSA in der Prostata vermehrt gebildet - unter anderem bei Prostatakrebs. Der PSA-Wert muss immer im Zusammenhang mit anderen Faktoren betrachtet werden.

Wann ist der PSA-Wert zu hoch?

„Ein PSA-Wert über 3 ng/ml ist grundsätzlich auffällig und muss hinsichtlich eines Prostatakarzinoms abgeklärt werden“, betont der Urologe Prof. Igor Tsaur. Dabei ist es wichtig, den PSA-Wert innerhalb von drei Monaten ein weiteres Mal zu kontrollieren. Ist der Wert auch dann noch immer auffällig, müssen weitere Abklärungen erfolgen.

Es gibt zwar altersabhängige „PSA-Normwerte“. Die allgemeinen Referenzwerte, nach denen sich die PSA-gesteuerte Vorsorge richtet, sind jedoch vorwiegend altersunabhängig.

  • Ein PSA-Wert unter 1,5 ng/ml sollte alle fünf Jahre kontrolliert werden.
  • Ein PSA-Wert zwischen 1,5 ng/ml und 2,99 ng/ml sollte alle zwei Jahre kontrolliert werden.
  • Ein PSA-Wert über 3 ng/ml sollte innerhalb von drei Monaten erneut kontrolliert werden.

Ist der Wert weiterhin erhöht, ist eine diagnostische Abklärung unerlässlich, insbesondere, wenn er im Vergleich zur Voruntersuchung deutlich angestiegen ist. Eine Kernspintomographie (MRT) der Prostata und im Anschluss gegebenenfalls eine Gewebsprobe (Biopsie) helfen dabei, ein Prostatakarzinom auszuschließen oder zu bestätigen.

Mögliche Ursachen für einen erhöhten PSA-Wert

Erhöhte PSA-Werte können deshalb auf verschiedene Erkrankungen der Prostata hindeuten, etwa ein Prostatakarzinom. Hier sind einige mögliche Ursachen für einen erhöhten PSA-Wert, die nicht Prostatakrebs heißen:

  1. Prostataentzündung (Prostatitis): Die Prostataentzündung bedeutet, dass die Vorsteherdrüse akut oder chronisch entzündet ist. Die häufigsten Auslöser sind Bakterien, die über das Blut oder die Harnröhre in die Prostata gelangen. Die Krankheitserreger siedeln sich dort an und vermehren sich. Meist handelt es sich dabei um Darmbakterien. Das wichtigste Symptom für eine Prostataentzündung: Schmerzen! Auch der PSA-Wert ist bei einer Prostataentzündung leicht bis mäßig erhöht.
  2. Gutartige Prostatavergrößerung (Benigne Prostatahyperplasie): Die gutartige Prostatavergrößerung oder in der Fachsprache "benigne Prostatahyperplasie" trifft fast jeden Mann mit zunehmendem Lebensalter. Die Prostata vergrößert sich immer weiter und engt schließlich die Harnröhre ein, die mitten durch die Prostata verläuft. Die wichtigsten Symptome: Probleme beim Wasserlassen. Durch die altersbedingte Prostatavergrößerung ist auch ein erhöhter PSA-Wert keine Seltenheit.
  3. Medikamente: Wenn Sie Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel gegen eine gutartige Prostatavergrößerung einnehmen, können diese das PSA-Testergebnis verfälschen. Solche Medikamente sind zum Beispiel die 5-Alpha-Reduktase-Hemmer Dutasterid und Finasterid. Sagen Sie Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn Sie solche Medikamente einnehmen. In die Bewertung des PSA-Testergebnisses lässt sich das einbeziehen.
  4. Harnwegsentzündung: Bakterien können in den Harntrakt eindringen und dort unangenehme Entzündungen hervorrufen. Die wichtigsten Symptome einer Harnwegsentzündung: häufiges Wasserlassen mit stechenden Schmerzen und Brennen.
  5. Druck auf die Prostata: Gerät die Prostata unter Druck, erhöht sich der PSA-Wert ebenfalls. Dies geschieht zum Beispiel beim Radfahren, bei dem durch den Sattel Druck auf die Prostata ausgeübt wird. Dies kann den PSA-Wert geringfügig in die Höhe treiben. Auch wer zu Hause auf dem Heimtrainer radelt, drückt dadurch auf die Vorsteherdrüse und erhöht den PSA-Wert. Daneben drückt der Arzt bei einer Tastuntersuchung oder einer transrektalen Ultraschalluntersuchung (TRUS) auf die Prostata. Deshalb sollten Ärzte und Ärztinnen diese Untersuchungen nicht direkt vor der Blutabnahme zur PSA-Bestimmung durchführen - sie verfällschen des Testergebnis und der PSA-Wert fällt deutlich höher aus.
  6. Sex und Ejakulation: Auch nach einem Samenerguss (Ejakulation) kann der PSA-Wert erhöht sein. Wenn Sie auf der sicheren Seite sein wollten: Verzichten Sie mindestens 24 Stunden (am besten noch länger) vor dem PSA-Test auf jegliche Art der Stimulation Ihrer Prostata. Ganz allgemein erhöht körperliche Anstrengung, etwa beim Sex, den PSA-Wert.

„Ja, ein erhöhter PSA-Wert kann durch verschiedene nicht krebsbedingte Ursachen wie eine gutartige Prostatavergrößerung (Benignes Prostatasyndrom) entstehen“, weiß Tsaur. Auch eine kürzlich erfolgte Ejakulation oder das Legen eines Blasenkatheters können ursächlich sein. Zudem können körperliche Eingriffe oder Infektionen im Bereich der Prostata den PSA-Wert vorübergehend erhöhen. Diese Faktoren sollten bei der Interpretation des PSA-Werts immer berücksichtigt werden.

Was ist beim PSA-Test zu beachten?

Bevor Sie einen PSA-Test durchführen lassen: Sagen Sie Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, ob Sie solchen Einflüssen (zum Beispiel Druck auf die Prostata) ausgesetzt waren. Nur so lässt sich das Testergebnis anschließend richtig einordnen und bewerten. Eventuell verschieben Sie die Messung des PSA-Wertes auf einen anderen Zeitpunkt. Alternativ verzichten Sie etwa eine Woche vor der anstehenden Untersuchung auf Aktivitäten, welche die Prostata unter Druck setzen.

Für den PSA-Test entnehmen Fachkräfte in der Arztpraxis eine Blutprobe aus einer Armvene und schicken sie in ein Labor. Dort wird der PSA-Wert aus dem Blut bestimmt. Es kann jedoch einige Tage dauern, bis das Testergebnis vorliegt.

PSA-Wert im Alter: Tabelle

Im Alter steigt der PSA-Wert bei den meisten Männern. Der Grund ist die benigne Prostatahyperplasie, mit der fast jeder Mann mit zunehmenden Lebensjahren zu kämpfen hat. Wenn sich die Prostata vergrößert, vermehren sich auch die Prostatazellen, die PSA produzieren. So gelangt mehr PSA ins Blut und ist dort nachweisbar. Die Höhe des PSA-Wertes hängt deshalb auch bis zu einem gewissen Maß vom Alter eines Mannes ab.

Alter PSA-Normbereich
40 - 49 Jahre < 1,4 ng/ml
50 - 59 Jahre < 2,0 ng/ml
60 - 69 Jahre < 3,1 ng/ml
70 - 79 Jahre < 4,1 ng/ml

Diese altersabhängigen PSA-Werte sind jedoch nicht als “absolut” zu verstehen. Sie geben lediglich eine Orientierung, wie hoch der PSA in welchem Alter sein sollte. Ärztinnen und Ärzte müssen die Werte immer im Zusammenhang mit individuellen Faktoren interpretieren, zum Beispiel einem vorhandenen Prostatakrebs in der Familie.

Wie läuft eine Biopsie der Prostata ab?

Eine Prostatabiopsie wird durch den Damm (Bereich zwischen dem After und den Geschlechtsorganen) oder durch den After durchgeführt. Dabei werden unter Ultraschallführung Gewebeproben aus der Prostata entnommen. Der Eingriff erfolgt unter lokaler Betäubung oder Narkose und dauert nur einige Minuten. „Ein MRT der Prostata ist vor der Biopsie unerlässlich, um verdächtige Bereiche zu identifizieren und gezielter zu biopsieren“, betont der Urologe. Dies erhöht die Präzision, reduziert unnötige Probenentnahmen und hilft bei der Entdeckung jener Tumoren, die für die Lebenserwartung von Bedeutung sind.

Was passiert bei einem erhöhten PSA-Wert?

Daher wird bei einem erhöhten PSA-Wert zunächst erstmal eine Kontrollbestimmung nach ein paar Wochen durchgeführt. Die Bestimmung des Verhältnisses von PSA und freiem PSA - einer Unterform des PSA - kann zur Unterscheidung zwischen gut- oder bösartiger Prostataveränderung beitragen.

Ist der PSA-Wert tumorverdächtig erhöht, müssen Gewebeproben aus der Prostata entnommen werden. Hierbei werden wenigstens 12 Proben unter rektaler Ultraschallkontrolle - so genannte Stanzbiopsien - entnommen. Nur so kann eine bösartige Veränderung der Zellen diagnostiziert werden. Die Biopsie wird problemlos in der urologischen Praxis durchgeführt und ist für den Patienten nicht schmerzhaft. Auf Wunsch kann auch eine Sedierung erfolgen. Die mikroskopische Beurteilung der entnommenen Proben durch die Pathologin/den Pathologen dauert circa fünf Tage.

Risikoangepasster PSA-Test

Risikoangepasst oder risikoadaptiert bedeutet, dass Ärztinnen und Ärzte das individuelle Risikoprofil eines Mannes für Prostatakrebs berücksichtigen. Viele medizinische Fachleute sehen in diesem risikoadaptierten PSA-Test die Zukunft, denn das flächendeckende PSA-Screening (PSA-Tests an gesunden Männern) bringt bringt nur wenigen Männern Vorteile.

Diese Risikofaktoren spielen bei der Erstellung des individuellen Risikoprofils eine Rolle:

  • Ein erhöhter PSA-Ausgangswert im Alter von 40 oder 45 Jahren bedeutet ein besonderes Risiko für Prostatakrebs.
  • Auch ein gehäufter Prostatakrebs in der Familie ist riskant und erhöht die Gefahr, selbst an einem Prostatakarzinom zu erkranken.

Die Vorsorgeintervalle sind also individuell verschieden und hängen vom persönlichen Risikoprofil eines Mannes ab. Überdiagnosen und Übertherapien, wie sie bei flächendeckenden PSA-Tests an allen Männern vorkommen, lassen sich auf diese Weise vielleicht vermeiden.

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